Alles auf einen Blick — Erhebung vom 16./17.11.2021

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Befunde mit Abbildungen und Empfehlungen finden Sie im aktuellen Foliensatz.

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Die vollständige Auswertung der aktuellen Welle finden Sie voraussichtlich ab 3.12. auf den Themenseiten

Kurzzusammenfassung

Auf der Basis der bisherigen und aktuellen Ergebnisse der COSMO Befragung (Welle 56, 1014 Befragte, deutschlandweite nicht-probabilistische Quotenstichprobe, die die erwachsene Allgemeinbevölkerung für die Merkmale Alter x Geschlecht und Bundesland abbildet) leitet das COSMO-Konsortium folgende Empfehlungen zur weiteren Gestaltung der COVID-19-Lage in Deutschland ab.

Risikowahrnehmung und Schutzverhalten

Befunde: Die Risikowahrnehmung steigt aktuell an. Ungeimpfte Personen haben immer noch eine geringere Risikowahrnehmung, aber auch hier steigt die Risikowahrnehmung. Entsprechend steigt auch Schutzverhalten unter ungeimpften Personen etwas an – ebenso in der Gesamtgruppe der Befragten: Im aktuellen Anstieg der Fallzahlen beobachten wir einen leichten Anstieg von freiwilligem Schutzverhalten (mehr Vermeiden von Gruppen und Gedrängen, Gespräche mit engem Kontakt, Vermeidung von öffentlichen Orten, privaten Feiern und Reisen). Die Verwendung von Schnelltests nimmt wieder leicht zu. Homeoffice ist im Vergleich zur dritten Corona-Welle noch deutlich seltener. Die angegebene Anzahl von Kontakten nimmt nicht ab.

Impfen, Impfbereitschaft und Motive der Ungeimpften

Bitte zu beachten: Generell ist der Anteil der mindestens einmal Geimpften in der COSMO Stichprobe etwas höher als in anderen Impfquoten-Monitorings berichtet. Dies legt nahe, dass die Stichprobe in der COSMO Studie dem Impfen positiver gegenübersteht als die Allgemeinbevölkerung, wodurch möglicherweise der Anteil der Impf-Unwilligen unterschätzt und die erreichbare Impfquote überschätzt wird. Auch werden hier nur Erwachsene im Alter zwischen 18 und 74 Jahren befragt und die erreichbare Impfquote nur für diese Gruppe berechnet.

Erreichbare Impfquote. Sollten sich alle, die dazu bereit sind, auch tatsächlich impfen lassen, so ergäbe sich aus den Geimpften und den Impfbereiten eine Impfquote unter Erwachsenen zwischen 18 und 74 Jahren von 88%. Dies beinhaltet die Annahme, dass alle, die jetzt (eher) impfbereit sind, sich auch tatsächlich impfen lassen. Unter den Ungeimpften sind in der aktuellen Befragung nur 14% impfbereit, d.h. fast alle Erwachsenen unter 75, die sich impfen lassen wollen, sind jetzt bereits geimpft. 32% der Ungeimpften sind zögerlich oder unsicher, 54% sagen, sie wollen sich auf keinen Fall impfen lassen.

Einflussfaktoren auf die Impfbereitschaft. In der aktuellen Befragung (19.11.21) unterscheiden sich Ungeimpfte nicht von Geimpften hinsichtlich demografischer Merkmale wie Geschlecht, Schulbildung oder beruflicher Tätigkeit. Allerdings gibt es anteilig mehr Ungeimpfte in Ost- als in Westdeutschland. Personen mit niedriger Impfbereitschaft und Impfverweigerer haben weniger Vertrauen in die Sicherheit der Impfung. Impfverweigerer halten die Impfung eher für überflüssig und sie wägen auch mehr Risiken und Nutzen ab. Praktische Barrieren spielen eher bei impfbereiten Personen eine Rolle und sollten dort abgebaut werden.

Empfehlungen:

Warten auf den Totimpfstoff. Häufig wird berichtet, dass ungeimpfte Personen lieber auf traditionell hergestellte Totimpfstoffe warten möchten als sich mit jetzt verfügbaren mRNA- oder Vektor-Impfstoffen impfen zu lassen. Dies zeigt sich in der Tat auch in dieser Befragung; der Totimpfstoff wird als sicherer eingeschätzt und die Impfbereitschaft wird als höher angegeben als für die aktuell verfügbaren Impfstoffe. Beachtet werden muss aber auch, dass der Impfstoff noch in weiter Ferne ist – wäre er in einem hypothetischen Entscheidungsszenario nächste Woche verfügbar, ist die Impfbereitschaft niedriger. Es trägt also zu dieser Präferenz sowohl der Gedanke an eine mögliche höhere Sicherheit bei, als auch die Tatsache, dass ein möglicher Impftermin erst in abstrakter Ferne liegt.

Empfehlung:

Ungeimpfte nehmen die Pandemie anders wahr als Geimpfte. Im Vergleich zu geimpften Personen sorgen sich ungeimpfte weniger um die Überlastung des Gesundheitssystems, sie denken, dass sie sich weniger wahrscheinlich infizieren; haben weniger Vertrauen in die Regierung und die Wissenschaft; hängen eher Verschwörungserzählungen an (Corona ist ein Schwindel, menschengemacht); halten die Maßnahmen eher für übertrieben und halten sich auch weniger an Maßnahmen wie z.B. das Masketragen.

Impfpflicht. Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen befürworten aktuell zwischen 64% (für Polizist:innen) und 74% (für Ärzt:innen und Pflegepersonal). Eine allgemeine Impfpflicht für alle wird insgesamt von ca. 58% aller Befragten (eher oder sehr) befürwortet, von 38% stark befürwortet. Die Zustimmung ist zuletzt leicht gestiegen, auch unter Ungeimpften, die eine Impfpflicht allerdings weitgehend ablehnen.

Empfehlungen:

Regionale Unterschiede. Clustert man die Bundesländer nach Impfquote (niedrig/mittel/hoch), zeigt sich, dass die Impfbereitschaft der Ungeimpften in Bundesländern mit geringer Impfquote insgesamt geringer ist, hier gibt es weniger Vertrauen in die Sicherheit der Impfung, eine geringere Risikowahrnehmung bzgl. Covid und weniger Einsicht in den Nutzen für andere. Die Impfbereitschaft der Ungeimpften in Ostdeutschland hat aktuell etwas zugenommen und liegt gleichauf mit der Impfbereitschaft Ungeimpfter in Westdeutschland.

Zugang nur mit Impfnachweis (2G, 2G+, 3G). Dass der Zutritt zu Veranstaltungen nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete erlaubt sein soll, befürworten 87% der Befragten. Die 2G/2G+ Regel (Zugang für Genesene und Geimpfte, 40%) oder 3G Regel (+ Getestete, 30%) sind dabei die favorisierten Regeln. Die Zustimmung zu Zugangsbeschränkungen nur für Geimpfte (mit und ohne zusätzlichen Test) ist seit Anfang November v.a. unter geimpften Personen deutlich gestiegen. Ungeimpfte Personen bevorzugen einen Zugang für alle ungeachtet ihres Status. Aber auch in dieser Gruppe befürworten 50% die Kontrolle von Zugangszertifikaten, v.a. 3G. Dass Impfzertifikate kontrolliert werden wird vermehrt berichtet, ein Drittel wurde jedoch noch nie oder sehr selten danach gefragt. In den Bundesländern, die kürzlich 2G eingeführt haben, ist die Impfbereitschaft unter den Ungeimpften etwas weniger niedrig als vor der Einführung der Regelung.

Empfehlungen:

Bereitschaft zur Booster Impfung. In der vergangenen Befragung gaben 76% an, eine Booster-Impfung wahrnehmen zu wollen, wenn sie verfügbar wäre. Wer von den bereits komplett Geimpften angab, keine Booster-Impfung zu wollen (12% der Geimpften), wurde nach Gründen hierfür gefragt. Für die meisten ist die Notwendigkeit einer Booster-Impfung nicht bekannt oder die 2. Impfung liegt noch nicht lange genug zurück. Zweifel an der Sicherheit oder eigene Erfahrung mit Impfreaktionen führen ebenfalls eher zu einer Ablehnung. Eine fehlende Empfehlung war nur für einen sehr kleinen Teil ein Grund dagegen.

Empfehlungen:

Bereitschaft, Kinder impfen zu lassen

Für Kinder ab 12 ist eine Impfung verfügbar und seit 16.08.21 auch von der STIKO für alle Kinder ab 12 Jahren empfohlen; zuvor war die Impfung nur für Kinder mit Risikofaktoren empfohlen.

Befunde: Die aktuell potenziell erreichbare Impfquote bei Kindern ab 12 (Geimpfte plus Impfbereite) liegt bei ca. 72%. Nach Angabe der teilnehmende Eltern sind bereits 63% geimpft – dies liegt im offiziellen Impfquoten-Monitoring niedriger bei knapp 50%. Hier muss also auch von einer Überschätzung der erreichbaren Impfquote ausgegangen werden. Bei Kindern unter 12, für die noch kein Impfstoff zugelassen ist, ist die Impfbereitschaft niedriger. Seit der generellen Impfempfehlung der STIKO ist die Impfbereitschaft in den Altersgruppen 12-15 und 16-17 Jahre im Vergleich zu vor der ersten eingeschränkten Empfehlung signifikant angestiegen. Über alle Altersgruppen hinweg zeigt sich, dass Eltern mit geringer Bereitschaf, ihre Kinder impfen zu lassen, vor allem geringeres Vertrauen in die Sicherheit des Impfstoffs und eine niedrigere Risikowahrnehmung für ihre Kinder haben. Eltern, die ihre Kinder bereits geimpft haben, zeigen hingegen ein deutlich höheres Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft. Die Abwägung von Kosten und Nutzen der Impfung spielt bei beiden Gruppen eine starke Rolle, während die Barrieren in der Ausführung in beiden Gruppen als (eher) gering empfunden werden.

Empfehlung:

Akzeptanz und Ablehnung der Maßnahmen, Vertrauen, Demonstrationsbereitschaft

Befunde: Vorherige Befragungen haben gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Befragten eine Regelung durch den Bund und einheitliche Regelungen bevorzugt. Die Maßnahmen werden zunehmend besser akzeptiert, auch einschneidendere Maßnahmen. Es zeigen sich trotz teilweise verschärfter Maßnahmen keine stärkeren psychologischen Abwehrreaktionen (Ärger, Demonstrationsbereitschaft) – auch unter den ungeimpften Personen, die generell eine größere Demonstrationsbereitschaft haben, steigt diese nicht weiter, seit die Corona-Fallzahlen deutlich steigen. 22% gehen die Maßnahmen zu weit, 34% halten die Maßnahmen für angemessen, 44% gehen die Maßnahmen nicht weit genug – vor zwei Wochen sagten nur 22%, dass die Maßnahmen nicht weit genug gingen. Es zeigt sich also eine deutliche Veränderung: Weitergehende Maßnahmen werden stärker gefordert. Neue Maßnahmen, die aktuell auch beschlossen wurden, sind mittel bis gut akzeptiert: 56% befürworten 3G im Öffentlichen Nah- und Fernverkehr, 69% befürworten 3G am Arbeitsplatz und 76% befürworten eine Testung unabhängig vom Impfstatus vor dem Besuch von Alten- und Pflegeheimen. Die Zustimmung fällt unter Geimpften höher aus. Ungeimpfte befürworten jedoch auch deutlich das Testen vor dem Besuch von Alten- und Pflegeheimen. Schulschließungen waren in der 2. und 3. Welle akzeptierte Maßnahmen, aktuell befürworten dies nur wenige Befragte. Insgesamt steigt jedoch die Zustimmung zu einschränkenden Maßnahmen.

Das Vertrauen in die Regierung ist erneut gesunken. Es vertrauen aktuell 24% dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung, 61% haben aktuell kein oder nur sehr wenig Vertrauen (Hinweis: Datenerfassung vor der MPK am 18.11.21). Vor allem bei Personen, die die Maßnahmen nicht übertrieben finden oder indifferent sind, sinkt das Vertrauen. Das RKI genießt von allen abgefragten Behörden immer noch das höchste Vertrauen. Ärzt:innen und Krankenhäuser genießen hohes Vertrauen; Gesundheitsämtern wird weniger vertraut. Vertrauen in die Wissenschaft ist nach wie vor hoch.

Empfehlungen:

Belastungen und Sorgen

Die aktuelle Belastung steigt insgesamt um 10 Prozentpunkte: 48% geben an, sich aktuell belastet zu fühlen. Die Belastung steigt v.a. bei Personen, die die Maßnahmen nicht für übertrieben halten. Sorgen um den Zusammenhalt der Gesellschaft sind nach wie vor hoch; Sorgen über die eigene Finanzlage eher niedrig ausgeprägt. Sorgen um das Gesundheitssystem und die eigene Gesundheit steigen wieder an. Sorgen um das Gesundheitssystem sind bei ungeimpften Personen deutlich geringer ausgeprägt.

Empfehlungen: