1783-08-06 Christian Georg von Helmolt (Chrysostomus): Brief an Johann Joachim Christoph Bode (Aemilius)

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Inhalt

Transkript

Hier ist endlich, theuerster Bruder, mein Lebenslauf[1]; welchen ich
schon lange hätte einschikken sollen. Verzeihen Sie diese Saum-
seeligkeit dem allzugroßen Eifer und Fleiße eines angehenden
Landwirths. Ich wünsche nur, daß er so abgefaßt seyn mag,
wie ihn meine guten Brüder, mit welchen mich hertzlich gerne
auf das innigste verbinde, verlangen. Sollten noch hier
und da Erläuterungen nöthig seyn? Ich gebe sie mit Ver-
gnügen. Denn ich will vor meinen Brüdern da stehen,
gantz so, wie ich bin. Meine Silhouette ist dem Lebens-
Laufe beygeleget. Das zweyte Exemplar derselben ist für
Sie, mein hertzlich geliebter Bruder. Sie werden aber auch
entscheiden, ob die Silhouette dem Original gleichet, und
ob dieselbe nicht vielleicht zu jung gezeichnet ist. Alle-
weile siehet das von der brennenden Hitze eines dürren Sommers
gantz schwartzbraune Original, gewiß viel älter aus, als
sein Schattenriß. Die von dem durchlaucht[igen] Br[uder] |<2>
Severus mir mitgetheilten Schriften, habe noch in Gotha mit
einiger Rührung und Vergnügen gelesen. Freudig gehe
ich mit Ihnen auf der vorgezeichneten Bahn der Tugend
und Rechtschaffenheit. Von den besten Brüdern geleitet,
wird mir der Himmel auch Kraft schenken, das zu seyn,
was ich seyn soll, und alles zu thun, was meine Pflicht
von mir fordert. Ich sende Ihnen die Beylage nebst
diesen Briefe durch einen besondern Boten, weil von
Weißensee unsrer nächsten PostStation aus, keine Post
gerade nach Weimar gehet; und mein Brief folglich
zu lange unterweges seyn könnte, ehe sie ihn erhielten.
Auch möchte zugleich bey dieser Gelegenheit gantz gewiß
von Ihnen benachrichtiget seyn, welchem Tag sie eigent-
lich nach Gotha zu gehen gedenken, damit ich meine
Dahin-Reise ebenfalls darnach einrichten kann.
Ich habe zwar biß den 16. September Uhrlaub, dies hält
mich aber nicht ab, vor dem Verlauf dieser Zeit, auf ihren |<3>
brüderlichen Wink nach Gotha zurük zu gehen.

Der redliche Bruder Cato scheint den Collaborator Waitz[2] mit
Wärme zu empfehlen. Unser guter Bruder ist nicht lange
genug in Gotha, um die Menschen daselbst gantz genau
zu kennen. Sein gutes Hertz könnte also wohl zuweilen
durch äußerlichen Schein überrascht werden. Und dies
wünschte ich nicht bey einer Sache, wo man mit der grösten
Vorsichtichkeit zu Werke gehen, und mit Klugheit
wählen muß. Was ich Ihnen hier sage, mein theu-
erster Bruder, ist auch nur alleine Ihnen gesagt.
Der Br[uder] Cleobulus kennt den gantzen Charakter des
Collaborator Waitz. Fragen Sie diesen auf sein Gewißen.
Er wird Ihnen hinlängliche Auskunft geben.
Bestimmen Sie mir ja den Tag ihrer Abreise nach Gotha; oder
laßen Sie mir denselben, wenn Sie ihn jetzt noch nicht be-
stimmen können, zu seiner Zeit durch einen expreßen Boten
hieher zuwißen[?] thun. Leben Sie wohl, geliebtester Bruder!
Ich liebe und verehre Sie von gantzen Hertzen
ihr treuster Bruder
Chrysostomus.

Anmerkungen

  1. Lebenslauf ist überliefert unter SK10-228
  2. Person ist nicht exakt identifizierbar. Womöglich handelt es sich um Wenzeslaus Freiherr Waitz von Eschen