1784-12-04 Helmolt (Chrysostomus): Brief an Bode (Aemilius)

From Illuminaten-Wiki
Jump to: navigation, search

Inhalt

Transcript

Syrakus, d[en] 4. Ader 1154 Jezdergerd.

Aemilio optimo s[alutem] pl[urimam] d[icit] Chrysostomus.


Ich schreibe Ihnen, mein theuerster Br[uder], heute zum voraus, da-
mit mein M[onats] B[ericht] mit seinen vielen Beylagen, welchen schon gestern
Sereniss[imus] Timoleon zugeschikt habe, gantz gewiß mit der mor-
genden Post nach Heropolis abgehen kann. Auch ich muß mit den
mir anvertrauten Brüdern, ein Räuber ihrer kostbaren Zeit werden,
und Ihnen vielleicht manche Schreiberey, die sie außerdem nicht haben
würden, mehr verursachen. Gott wird Sie für das viele Gute
das Sie wirken und stiften, ~~ so wie ihr eigens Hertz in dem
herrlichen Bewustseyn edler Thaten, reichlich lohnen.
Ich muß Sie, verehrungswürdigster Bruder, recht inständigst,
um der guten Sache willen bitten, daß Sie die RR.ZZ. zur
künftigen M[interval] K[irche], die erst den 21. Ader gehalten werden wird, für
nachstehende Brüder, diesmal selbst zu machen, die Bruder[-]
liebe haben möchten: Die übrigen werde bey rechter Zeit aufse-
tzen und Ihnen auch zusenden, damit sie mit g~~~~[?] in Hero-
polis abgeschrieben werden können. Die von Ihnen erbetene
RR.ZZ. sind für J[acob] Thomasius, Spanheim, Cassiodor, Wiclef, |<2>
und Henr[icus] Stephanus. J[acob] Thomasius hat, wie
schon in meinem Berichte angezeigt habe, über seinen letzte[n]
R.Z. weit zufriedener, und auch in der letzten M[inerval]
Vers[ammlung] weit geschmeidiger[?] geschienen; als Spanheim
welchen hier nichts mehr errinnern, weil ich schon all[es]
im M[onats] Ber[icht] gesagt habe. Nur eines muß noch bemerken[,]
daß Spanheim in der ersten Hitze über seinen R.Z.
ihn so zum Aufbrausen gebracht hat, sich gegen Cato [de]
Utica
(unter uns im engsten Vertrauen) geäußert hat, d[as]
er durch seine Anfragen über den dem Printzen zu g[e-]
benden ReligionsUnterricht, bloß dem Orden auf de[n]
Zahn fühlen wollen, was für Grundsätze er wohl i[n]
Ansehung der Religion haben möchte. Sein Q.L. in
welchem er jene Fragen that, haben Sie mein hertzlichs[t]
geliebter Br[uder] noch in Heropolis. – Mit der Bean[t-]
wortung seines letzten sehr hitzigen Q.L. wird es woh[l]
ohnedem bis künftigen Monat ohnedem[?] Anstand haben, damit
er in der Idee feste bleibe, daß Basilius nicht eben
so nahe bey uns ist. |<3>
Cassiodor bedarf auch einmal eines R.Z., der just[?] nicht von
mir komme, er möchte sonst die Quelle errathen.
Wicleff muß nothwendig ermuntert und ermahnet werden, fleis-
siger zu seyn. Er läuft so mit, ohne nur das geringste für den
O[rden] zu thun oder zu würken; und hat sehr wenig Glauben an die
künftigen guten Wirkungen unserer Verbindung. Hier ist sein
Bekäntniß, welches er an einen unsrer guten Brüder[?], nach En-
digung unsrer letzten M[inveral] Vers[ammlung] ablegte: „Was wird es helfen,
„waren seine Worte, wenn wir auch die gröste Mühe anwenden,
„die Welt zu beßern? Sie wird doch bleiben wie sie ist. Es
„komt mir aber so vor, als wenn wir einen jungen Baum
„pflantzten, den der erste der beste einmal aus Caprice
„wieder umhauen würde.„
Henr[icus] Stephanus verdient, als ein treuer, arbeitsamer
Bruder, Ermunterung. Sie muß aber nicht von mir kommen;
Er kennt mich zu gut, und weiß, daß ich ihn hertzlich liebe
und schätze.
Zum Behuf der mir von Ihnen brüderlichst erbetenen RR:ZZ: für
diesen Monat, lege ich einige alte QQ.LL. dieser einiger von die-
sen Brüdern hier bey. Besonders bitte des Br[uders] Cassiodors seines
vom Ardipehesch[?] zu beherzigen, auf welches sein neuerlich in
diesenm Monate übergebenes Q.L. ferner besondere[?] Beziehung hat. |<4>

Dem Br[uder] Gronov[ius] habe den Auftrag gegeben, den jungen Hufland
aus Danzig, welcher von Marc Aurel empfohlen ist, zu beobach-
ten; und seine Beobachtungen in seinen QQ.LL. uns mitzutheilen.
Sollten Sie noch in diesem Monate nach Butus reisen, so nehme
mir die Freyheit, Ihnen einen jungen H[errn] Merreau, der Gronov[iu]s
Stuben-Cammerad ist, gantz besonders zu empfehlen. Von dem
Herrn Profeßor Heinrich, sagen und schreiben diese beyden
jungen Leute ungemein viel gutes.

Dem Br[uder] Baillet habe den Auftrag aus Claudianopolis gegeben
und er wird ihn gewiß besorgen. Er ist ein sehr eifriger und
guter Bruder, so wohl in Gesinnungen als Thathandlungen.
Graevius ist von seiner Reise noch nicht zurük.
Künftigen 21. werde die Freude haben; den jungen H[errn] von Gadow,
einen fürtreflichen Jüngling, zum Minerval aufzunehmen.
Er hat bereits Revers und Tabellen eingereicht; und was noch
mehr ist, die Aufgabe; Warum bewundern Weise so wenig pp
sehr artig, zur Probe beantwortet. Dieser junge Mann wird
manchen älteren beschämen.

Auch habe ich den Auftrag, den Preußi~ von Seren[issimus] Timoleon, den
Preußischen Hauptmann von Seltzer, der meist[?] alle Grade und |<5>
Wege der Freymaurerey durchwandert hat, dem O[rden] zuzuführen.
Er ist ein redlicher und rechtschafner Mann. Biß hieher hat
er aber noch nichts als die Vorbereitung, und allgemeinen
Statuten der Minerv[alen] lesen hören. Heute erwarte ich seinen
Revers und Tabellen. Er könnte uns in Breslau wo er
in Garnison ist, und in gantz Schlesien von großem Nutzen
seyn. Die dortigen Freymaurer verehren ihn sehr; und
nach Seren[issimus] Timol[eon] Wunsche würde er uns auch den Prof[essor] Garve
zuführen können.

Ist Ihnen der Cammerdiener oder Haushofmeister der Gräfin
von Bachof, nahmens Liebing[1] bekant? Er war von unsrer
Loge; und ist Rosenkreutzer. Neuerlich hat dieser
Mann an einen unsrer Brüder geschrieben. Er würde auch
„künftig gerne Mitglied unserer Logen bleiben, wenn
„sie nur nicht zu den Illuminaten gehörte; denn
„die Illuminaten wären ein Absprung[?] von den
„Rosenkreutzern.
“ Das heist decidiert gesprochen.

Die Gräfin von Rek ist hier. Genies[?] und auch nicht Genies[?] haben
bey ihrer Erscheinung fieberhafte Anfälle bekommen. Ihrem |<6>
alten treuen Chrysostomus schlägt aber der Puls noch gena[u][?]
so wie vorher; weder hüpfender, noch vollspringend[er.][?]

In Ansehung der QQ.LL. hab seit vorigen Monat den Anfang
gemacht, dieselben, ehe ich sie Ihnen überschikke, entwede[r]
gantz abzuschreiben; oder das merkwürdigste aus demselb[en]
Auszugsweise zu bemerken.

Das mitgetheilte Schreiben des Br[uders] Aristides von Edessa , kom[mt]
mit brüderlichsten Dank, hierbey zurük. Künftige Woc[he]
werde vermuthlich wieder Loge halten.

Nach den neuen Jahre werde vermuthlich auf 14. Tage
nach Cannawurf gehen; und alsdenn zu sehen, ob in Fan[-]
kenhausen etwas für den Orden zu thun seyn möchte.
2. Exemplare des 9. u[nd] 10. H[efts] der Pomona hab der Frau Cam[-]
merherrin von der Lühe zugeschikt, und das 9te für mein[?]
Hauß, oder vielmehr für die Fräulein von Gräfen
dorf[?] in Mechterstädt, behalten.

Der Ewige sey mit Ihnen, fürtreflichster Br[uder] Aemilius. Ich
umarme Sie von gantzen Hertzen, und bin ewig[?]
Ihr treuverbundenster
Chrysostomus.

Anmerkungen

  1. Johann Georg Liebing. Mitglied der Gothaer Loge.