1785-02-28 Rudorff (Ali): QL

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Kontext

Die Quibus Licet-Eingabe wirft die Frage auf, wie mit den Aufsätzen in Zukunft zu verfahren sei. Der von Rudolph Zacharias Becker verfasste Aufsatz zum Zeitvertreib SK13-067 werfe bei seiner inhaltlichen Qualität das Problem auf, dass andere Brüder hier zu keinen eigenen Antworten mehr finden könnten. Verlese man solche Aufsätze laut, so stele sich auf späteren Lesungen Monotonie - gemeint dürfte sein: durch Aufsätze, die die Punkte nur noch wiederholten - ein, dass sich das Instrument Aufsatz schreiben ad absurdum führe.

Der Gegenvorschlag ware es, die Aufsätze als Quibus Licet einzureichen und damit einer internen Verlesung zu entziehen, respektive eine Verlesung auf den elitäreren Kreis der Magistratsversammlungen zu beschränken.

--Olaf Simons (talk) 16:44, 19 June 2014 (CEST)

Transkript

Bey den Ordens-Aufgaben liegt, sowohl für die Illuminaten als
Minervalen überhaupt die Absicht des Fleißes und die Vermehrung
der Einsichten zum Grunde. Wenn aber dergleichen, denen Illum[inaten]
zur Beantwortung übertragene Aufgaben, einen Gegenstand be-
treffen, welchen der O[rden] entweder zu hinterlegen[1] oder zu befördern
gedenkt; so, glaube ich, können selbige nie zu Vorlesungen
in den Minerval-Kirchen gebraucht werden, sondern gehören
in den Magistrat, oder als Q[uibus] L[icet] für die höhren O[rdens] Obern.

Auf diese Bemerkung bin ich geleitet worden, da in der,
am nur verwichenen 25. Bahman gehaltenen Minerval-
Versammlung[2], eine solche für die B[rüder] Ill[[uminaten] bloß bestimmte
Aufgabe, vom B[ruder] H[enricus] Stephanus[3] beantwortet, vorgelesen
wurde. Sie betraf die Frage: Wie ist der gesellschaftliche
Zeitvertreib nüzlich zu machen, ohne daß er pedantisch oder lang-
weilig werde?
[4] So durchdacht, und beynahe von allen Seiten
erschöpft (die anwendbahre und praktische ausgenommen)
diese Verlesung war, so schien sie doch nicht am rechten Orte, und|<2>
nicht ganz zwekmäßig genug angebracht zu seyn; Jenes, wie
die B[üder] Minervalen da Etwas hörten, was nach dem sehr
wahrscheinlichen Zusammenhang mit dem Cleobulischen[5] Vorschlag
vom Monat Aban[6] so wie mit der Caßiodorischen[7] Vorlesung
im Magistr[at] den 3ten Bahman[8] bloß für die Notiz der Ill[uminaten]
und der höhren O[rdens] Obern hätte bestimmt bleiben sollen,
und dieses, (das Absichtliche nehmlich) weil nun die Mitbearbeiter
einer und derselben Frage, durch die Stephanische Ausarbeitung
in dem Gange ihrer Gedanken gehemmt seyn könnten, und der
er[lauchte] O[bere] leicht Etwas Monotonisches über die aufgegebene Frage
erhalten und seinen Entzwek nicht völlig erreichen dürfte.

Es ist demselben also zu überlaßen, ob überhaupt eine Vor-
lesung solcher zu beantwortenden, denen B[rüdern] Ill[uminaten] aufgegebene
Fragen, die allezeit frappiren muß, in Zukunft ferner zu gestatten
und nicht vielmehr eines ieden Antwort als Q[uibus] L[icet] einzuschließen
und dem Superior einzuhändigen sey? Syrac. den 28sten Bahman
1154.

Ali.

Anmerkungen

  1. Adelung: "Hinterlegen, verb. reg. act. eigentlich zurück legen; doch nur noch in engerer Bedeutung, bey jemanden verwahrlich niederlegen, ihm in Verwahrung geben, deponiren, niederlegen; in welcher Bedeutung es im Oberdeutschen am üblichsten ist, wo ein hinterlegtes Gut oder eine Hinterlage, ein Depositum, und ein Hinterleger, die hinterlegende Person, Depositor ist. Wer in der Aussprache den Ton auf das Vorwort legt, muß dieses Zeitwort auch anders conjugiren, und ich lege hinter, und hintergelegtes Gut, für ich hinterlege und hinterlegtes Gut sagen." link
  2. siehe das Protokoll 1785-02-25 Minervalkirche Gotha
  3. i.e. Rudolph Zacharias Becker
  4. Überliefert in SK13-067
  5. Cleobulus i.e. Christian Heinrich Wehmeyer
  6. Bezug unklar
  7. Cassiodor i.e. Schack Hermann Ewald
  8. 1785-02-03 Magistratsversammlung Gotha