1785-04-18 Meyer (Tillotson): Wenn sie sich den Tod unter einem Bilde denken mögten, welches würde es seyn?

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Kommentar

Transkribiert nach SK13-082, ergänzt durch SK13-083. Ein Abgleich zwischen beiden wurde vorgenommen und inhaltliche Abweichungen in die Annotationen übernommen. Die Orthographie folgt SK13-082.

Bei der Kommentierung bleiben im Moment Lücken. Das Thema wurde von Lessing[1] und Herder[2] besprochen und ging durch die Journale.

Meyer nimmt nicht auf beide Publikationen keinen direkten Bezug. Er definiert den Tod als ein Ereignis, das erst einmal ohne eine Ikonographie auskommen könnte, nicht als Akteur in Erscheinung treten müsste, bleibt dann jedoch auf der Stufe Lessings stehen, der nach den Varianten des Gerippes mit der Sense suchte, und eben davon ausging, dass der Tod ein Akteur mit Ikonographie sein müsse, zu allen Zeiten – Herder übt hieran 1786 Kritik und demontiert Lessing dabei schrittweise in seinen sieben Briefen. (Ich (Olaf Simons) notierte das kurz auf Wikipedia.)

Das gestellte Thema erlaubt es dem Befragten, Wünsche zu äußern und sich den Tod nach der eigenen Vorstellung zu gestalten.

Der Tod müsse tröstende Aspekte bekommen, ein guter Freund sein, so die Kernaussage, die mit Herders Eröffnung übereinkommt. Das sei es was uns Lessings Aufsatz so angenehm mache, Lessing habe der Antike ein summarische Todesikonographie gegeben, die der Tendenz, den Tod freundlich zu gestalten entgegenkomme, so Herder.

Meyer geht gleich von seiner freundlichen Annahme aus und begründet diese mit christlichem Glauben: Der Tod ist eine Schwelle ins Jenseits – in ein Jenseits das größere Erkenntnis verspricht.

Die neue Frage ist, warum wir ihn fürchten und darum gerne fürchterlich darstellen. Gott, so die Antwort, habe uns die Todesfurcht als natürliche Anlage „anerschaffen“, damit wir auf Erden die Gesellschaft einrichten und nicht sogleich in Anbetracht der irdischen Leiden Selbstmord begehen.

Die Lage müsste an dieser Stelle komplex werden: Sollen wir Gottes weisen Plan durchbrechen, wenn wir die natürliche Furcht negieren? Meyer diskutiert das nicht, er gibt stattdessen ein Resümee seiner großen Hoffnungen auf das Jenseits – eben hier wird der Tod zum freundlich Überleitenden. Und auch da nun stellen sich keine komplexeren Fragen. Warum werden wir zuerst mit einer Phase der begrenzten Erkenntnis ausgestattet? Wie sicher können wir uns sein, dass die Jenseitserwartung nicht ein Konstrukt ist? Der Aufsatz bietet das schöne Charakterbild dessen, der im Glauben an Gottes Vollkommenheit der eigenen Vollkommenheit entgegengeht – und auch hier gibt es Fragen, die nur am Rande auftauchen: Im Jenseits werde er nur mit guten Menschen zusammentreffen, keine Nachdenken zu Optionen, die ihn selbst dieses Jenseits kosten könnten – jeder scheint Meyers Hoffnungen auf ein Jenseits zu teilen, jedoch teilt er selbst nicht die Hoffnung hier jeden anzutreffen.

Intellektuell ist das alles – verglichen mit Lessing und Herder – vergleichsweise dürftig, eine Charakterdarstellung des Mannes, der ungebrochen an Vervollkommnung glaubt, und hierfür das schönste Bild sucht. Die Themenstellung verschiebt hier den Akzent auf einen Aufsatz, der den eigenen Jenseitshoffnungen gilt.

Transkript


Wenn sie sich den Tod unter einem Bilde
denken mögten, welches würde es seyn?

Diese Frage ist mir von meinem Herrn Recipienten
vorgelegt und befohlen worden, daß ich meine Gedanken
über dieselbe in einigen Blättern entwerfen soll. Ich gehor-
che mit der größten Bereitwilligkeit und Ehrerbietung, und
wenn mein Gemählde, unter welchen ich mir den Tod vorstelle,
so gerathen seyn wird, daß es nur den geringsten Beyfall
erhält, so wird dieses meinem lehrbegierigen Herzen unaus-
sprechliche Freude und Wonne verschaffen.

Der Tod ist diejenige große, und allgemeine Zerstörung in dem
sichtbaren Theile unsers Wesens, wenn alle Empfindungen und
körperliche Handlungen und Bewegungen auf immer aufhören,
worauf alsdenn die Trennung der Sele von dem Leibe erfolget,
weil jene diesen nicht mehr bewegen, nicht in demselben wür-
ken noch durch denselben[3] handeln kann. Er ist also kein
selbstbestehendes Wesen, kein Ding und keine Person, die sich
in der Würklichkeit befindet, wie etwann Kinder und der
Einfältige sich denselben denken mögen; sondern er ist nur
eine Veränderung und eine Begebenheit, die sich in und mit
dem Menschen zuträgt, und zwar die allerlezte, die wir nach
so mannigfaltigen Veränderungen in der Welt erfahren.|<2>

Dennoch aber haben ihn die Mahler zu allen Zeiten personificirt
oder sich denselben als eine Person gedacht und in Gemählden als eine solche
vorgestellet. Mir sind drey dergleichen persönliche Vorstellungen des
Todes bekannt, eine, welche die Juden, eine andere, welche die Heiden, und
noch eine dritte, welche die Christen sich erdacht haben; wobei ich nicht
läugnen will, daß es mehrere[4] dergleichen Vorstellungsarten geben
kann: sie sind mir aber wegen geringer Erkenntnis der Alterthü-
mer nicht bekannt. In den jüdischen Büchern finden wir einen
Todesengel, von welchem man behauptet, er habe viel Augen, stehe
mit dem bloßen Schwerdte zu dem Haupte des Sterbenden, von
welchen ein Tropfen Galle in des Kranken[5] Mund falle, wo-
von er sterben müsse. Daß dieses Bild des Todes mit sehr we-
nig Witz entworfen sey, sieht ein jeder. Beßer gefällt mir
das Bild, das einige Heiden von dem Tode machten, indem sie den-
selben drey tödliche Werkzeuge eine Axt, einen Bogen mit
Pfeilen, und eine Sense gaben, und dabei lehrten, daß er
mit der Axt die Alten umhaue, weil sie keine Kraft mehr ihm
zu entlauffen hätten, und weil auch mehr Macht, dieselben um-
zubringen, erfordert[6] würde, da der Mensch durch die Länge der
Zeit viel stärker und vester werde, als er in der zarten Kind-
heit sey, mit den von dem Bogen abgeschoßenen Pfeilen ereile
er und fälle die ihm zu entfliehen suchende Jugend, mit der
Sense aber mähe er die Kinder ab, weil dazu gleichsam we-
nige Kräfte gehörten, da diese zart und schwach, wie die
Blumen des Feldes, wären. Wie der Tod noch heut zu Tage
vorgestellet wird, ist bekannt. Man mahlt gemeiniglich|<3>
ein fürchterliches Gerippe, dem man Flügel giebt, und eine Sense
und Uhr zueignet. Die ersten sollen die Geschwindigkeit anzeigen, mit wel-
cher er an alle Orte sich hinbegeben kann, die andere soll seine Ge-
walt über die Erdbewohner vorstellen, und die Uhr soll die Zeit be-
deuten, wo er seine Macht zeiget, wenn die von Gott dem Menschen be-
stimmten Lebensjahre zu Ende gehen. Man sezt ihm diese Uhr mit Sand
gefüllt immer auf das Haupt, sollte aber wohl dieselbe ihn lieber
in die Hände geben, damit er sie vor Augen hätte. Alle diese Gemähl-
de haben dieses unter sich gemein, daß sie den Tod als die allerfürch-
terlichste Begebenheit und als den grösten Menschenfeind, als ein Schrecken-
bild und grausamen Tyrannen vorstellen. Woher kommts aber, daß
man ein solch fürchterliches Gemählde von dem Tod entworfen hat,
daß Juden Heiden und Christen darinn übereinstimmen? Diese Frage
scheint sehr leicht zu beantworten zu seyn. Der Tod ist der mensch-
lichen Natur, weil er dieselbe zerstöret, eine höchst unangenehme
Begebenheit, woran der Mensch nicht gerne denkt, und die er sich
sehr grausend vorstellet. Hiob nennt ihn deswegen den König des
Schreckens,[7] Cicero stimmt ihm in folgenden Worten bey: quis est
aut quotusquisque, cui mors, cum appropinquat, non
exalbescat metu
,[8] und an einem andern Orte, mortis metu
omnis vitae quietae status perturbatur
.[9] So redet auch
Seneka: nemo tam inperitus est, ut nesciat sibi quandoque
moriendum, tamen cum prope accesserit, tergiuersatur,
tremit, plorat
.[10] Ich beschließe mit dem Quintilian, der da
ausruft: heu! Quam graue mori![11] Was Wunder! wenn man
fürchterliche Vorstellungen von dem Tode gemacht hat, da
man ihn so sehr fürchtet und verabscheuet. Dieses leitet uns auf|<4>
eine andere Frage, woher entstehet denn diese Furcht für[12] den
Tod, dieser Abscheu für der Trennung der Sele von dem Leibe, da
auch der Heide erkannte, daß er den Frommen nicht unglücklich
sondern unendlich glücklicher macht, als er hier gewesen ist, wie
ich hernach einige Zeugniße anführen werde. Gott selbst hat
die Liebe zum Leben, und die damit verbundene Furcht für den
Tod dem Menschen anerschaffen, damit jeder sein Leben so lange
als möglich zu erhalten suche, und dadurch die menschliche Ge-
sellschaft bestehen möge. Ist es wahrscheinlich, daß Leute, die
mit Mangel, Krankheiten und andern Elende immerzu zu
kämpfen haben, derer es doch überaus viele in der Welt giebt,
sich sehr um die Erhaltung des Lebens bekümmern würden; wür
den sie nicht vielmehr das Ende desselben auf alle Art herbeizuru-
fen suchen, wenn sie nicht eine natürliche Abneigung gegen den
Tod hätten, wenn nicht von Natur die Liebe zum Leben in ihnen
stark schlüge? So aber sehen wir die Elendesten ihre Noth gern
tragen, wenn ihnen nur der Herr das Leben dabey fristet.
Diese anerschafne Liebe zum Leben hat ihre Grade, und schlägt
in einem heftiger, als in den andern, daher wird auch der Tod
mehr oder weniger gefürchtet.[13] Diese natürliche und angeschafte
Liebe zum Leben und Abneigung gegen die Zerstörung un-
sers Leibes scheint also der Grund zu seyn, warum man den
Tod so sehr fürchtet und ihn so grausam und schrecklich mahlet.
Man stellt also den Tod als den fürchterlichsten Feind vor, weil
er uns Schmerzen verursacht, und von den Unsern trennt, und
unsern Leib zerstöret. Auf dieser Seite betrachtet hat er|<5>
freilich das Ansehen eines Feindes. Allein wenn ich bedenke,
daß alles dieses zu meiner waren Wohlfahrt geschiehet, daß dieses
Mittel zu meinem ewigen Glücke sind, wie die Arzeney das Mittel
zur Gesundheit und eine schmerzhafte Operation, das Leben zu
erhalten, wenn ich das Glück selbst bedenke, zu welchen mich der
Tod bringt, so verdient er dieses fürchterliche Bild nicht mehr, so
kann ich mir vielmehr denselben als einen waren Freund denken.
Und so entwerfe ich das Bild des Todes, ich stelle ihn mir als
einen Freund vor, der liebreich zu meinem Siegbette[14] tritt, mich
bey der sterbenden Hand nimmt, und mir zuruft: folge mir, ich führe
dich dahin, wo du vollkommen glücklich wirst. Es sey mir erlaubt,
diese meine Behauptung kurz zu beweisen. So lange ich hier lebe,
ist mein nach mehrern[15] und größern Einsichten beständig und sehnlich
darbender Verstand in gar zu enge Grenzen eingeschloßen, viele
Dinge erkenne ich gar nicht, andere nur halb und dunkel, bey noch
andern habe ich viele und nagende Zweifel, weil ich nicht weiß, ob sie
so sind, wie ich mirs vorstelle. Welch ein Leiden für einen denkenden
Geist, so viele Dinge nicht zu wissen, viele nur halb zu erkennen,
und mit abwechselnden Zweifeln und Muthmaßungen sich herum-
zuschlagen! Wem sollte nicht der Gedanke immer einfallen, wie
herrlich würd jene Welt seyn, wo ich alles richtig erkenne, voll-
ständig einsehe, und wo ich nicht mehr glauben (ô welche große
und schwere Pflicht) sondern schauen soll? Wie schön sind des-
wegen die Aussprüche eines erleuchteten Paullus, wenn er sich
also ausdrückt: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einen dun-
keln Ort, dort aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne
ichs stückweise, dort aber werde ichs erkennen, gleich wie mich
Gott kennet,[16] und eines weisen Seneka in seiner 120 Ep[istel]:|<6>
nec unquam magnis ingeniis chara in corpore mora est, exire
atque erumpere capiunt, aegre has angustias ferunt
.[17] So lange ich hier
walle kann ich das Gute nicht thun, das ich will; denn in mir wohnet
nichts gutes, wollen habe ich, aber vollbringen dasselbe finde ich nicht alle-
mal, und von aussen kommen mir tausend Hinderniße in den Weg[,]
die mich im Laufe nach der Tugend aufhalten. Dort werde ich nicht
allein das Gute vollkommener und beständiger, als hier wollen,
sondern mein Wirkungskreis wird viel größer als der hiesige seyn, und
kein solch Hinderniß, fromm und tugendhaft zu handeln, wie hier, wird
mir dort im Wege stehen. Hier bin ich auf allen Seiten mit bösen Men-
schen umgeben, die mich quälen, reizen und mir nachstellen. Zwar
hin und her schlägt mir das warme Herz eines Menschenfreundes entge-
gen, mit dem ich gut umgehen kann. Wie herrlich wird jene Welt seyn,
wo kein Unreiner eingehen, wo ich das ungestörte Glück erfahren
soll, mit Frommen stets fromm umzugehen, wo jeden Augenblick ihr
Heil mein Heil, ihr Glück mein Glück werden wird. Hier trage ich eine
elende Hüle herum, die mir manchen Schmerz macht, mich an
der Ausübung vieles Guten hindert, und zu vielen Bösen reizet,
dort wird mein Leib viel schöner herrlicher und feiner aufgebaut
werden, und so beschaffen seyn, daß er zur Vergrößerung und
Erhöhung meiner Tugend und Glückseligkeit vieles beytragen wird.
Dort soll das hier so kurzsichtige Auge in die entferntesten Gegen-
den dringen, Welten auf einmal umfaßen – doch ich breche ab.
Zu allen diesen großen Seligkeiten führt mich der Tod, nachdem
er mich von allem Elende befreyet hat; und ich solte mir ihn
furchtbar denken?[18] Nein, als Freund denke ich mir denselben,
und so dachte ihn schon Sokrates, wenn er ihn δαυμασιον
κερδος[19] nennt, wenn er von ihm sagt: mors omnium dolorum
et solutio et finis est, ultra quam mala nostra non exeunt
,[20][21]
und an einem andern Ort: dies mortis aeternae vitae natalis est.[22]|<7>
Und wenn die Spartaner dem Tode als einer Göttin, einen Tempel
bauten, mit der Überschrift: dem Tod, der Mutter immerwährender
Glückseligkeit,[23] wie angenehm müßen sie sich den Tod denken? Und
wie schön stellt uns die göttliche Offenbahrung der Christen den Tod der
Frommen vor. Sie nennt ihn einen Gewinn, einen Schlaf, was ist aber
demjenigen, der die Last und Hitze des Tages getragen, und dessen Kräfte
ganz erschöpft sind, angenehmer, als der Schlaf? das Ende aller Noth,
Erlösung von allem Übel, und also eine Sache, wornach man sich zu sehnen
Ursach habe, als das Heil Gottes, wie Jakob ausruft: Herr ich warte
auf dein Heil,[24] oder auf einen seligen Tod – Nur für die Bösen ist
der Tod ein Übel, nur ihnen ein Schrecken – Wer Weisheit und Tu-
gend haßt, wer weder Gott noch seine Mitbrüder liebt, wer
sein Theil in der Welt sucht, der mag sich den Tod als einen Feind
denken, denn er raubt ihn alles, und dort ist kein Gut für ihn;
tritt er an die Pforten der Ewigkeit, so muß er zittern und beben,
wie kann er den Tod für einen Freund ansehen? Würde ich nicht
denjenigen für meinen besten Freund halten, der mich zu weisen
und guten Menschen führt, an einen Ort bringt, wo mich keine
Noth und Leiden mehr quälen, wo ich ewig bleiben, und immer
weiser, und glücklicher werden soll, wo ich mich der göttlichen
Weisheit und Seligkeit immer mehr nähern werde, ob ich gleich die-
selbe niemals erreichen kann. Dieser Freund ist der Tod,
so stelle ich mir denselben vor, das ist das Bild, das ich von
ihm entwerfe. Übrigens überlaße ich die äußerliche Gestalt,
die man diesem meinem Freund geben will, dem Mahler, er
mag ihn kleiden, wie er will, nur wie ein Freund muß
er aussehen. Noch eine Einwendung. Die Heilige Schrift nennt|<8>
den Tod selbst einen Feind, eine Strafe, wie kann man ihn also als einen
Freund denken? Ich antworte: wenn die Schrift den Tod einen Feind und
eine Strafe nennt, so betrachtet sie den Tod, wie er uns von Natur vor-
kommt, und wie ihn der Gottlose ansehen muß. Sie begreift aber auch
unter diesem Nahmen mehr, als die bloße Trennung der Sele von
dem Leibe, sie verstehet darunter alles Elend, das dem Sünder dies-
seits und jenseits des Grabes betrifft und betreffen soll. Man den-
ke nur hier an die Worte Jesu: wer mein Wort hält, der wird den Tod
nicht schmecken ewiglich,[25] was heist das anders, als der Tod ist ihm kein
Feind und keine Strafe. Der Tod ist gleichsam das Thor zur Ewigkeit,
habe ich dort ein trauriges Loos zu fürchten, so ist er mein Feind, und
eine Strafe, habe ich aber ewige Seligkeiten zu hoffen, so ist er mein
Freund.

Ich weiß nicht, ob ich so glücklich seyn werde, einigen Beyfall der
Weisen durch und zu dieser meiner Ausarbeitung der vorgelegten
Frage zu erhalten, vielleicht kann noch ein passenderes Bild des
Todes entworfen werden, solte denn aber das gegenwärtige
der Sache nicht angemeßener seyn, als dasjenige, das man [bis]
her von demselben gemacht hat?

Tillotson

Anmerkungen

  1. Johann Gotthold Ephraim Lessing, Wie die Alten den Tod gebildet. Eine Abhandlung (Berlin: Christian Friedrich Voß, 1769). Digitalisat: Archive.org Volltext Zeno.org
  2. Johann Gottfried Herder, "Wie die Alten den Tod gebildet? Ein Nachtrag zu Leßings Abhandlung desselben Titels und Inhalts", in: Zerstreute Blätter. Zweite Sammlung (Gotha: Carl Wilhelm Ettinger, 1786), S. 273-280. Digitalisat und Transkript Wikisource.
  3. Nach SK13-083. In SK13-082 steht „nicht in denselben würken noch durch demselben handeln kann“; dies wurde jedoch in der Abschrift korrigiert und von uns übernommen, da es grammatisch korrekt ist.
  4. Korrigiert nach SK13-083; SK13-082 schreibt „mehere“
  5. SK13-083 schreibt „Sterbenden“.
  6. Korrigiert nach SK13-083; SK13-082 schreibt „erfodert“.
  7. Martin Luthers Übersetzung von 1545 liest: (5) Und doch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten. (6) Das Licht wird finster werden in seiner Hütte, und seine Leuchte über ihm verlöschen. […] (13) Die Glieder seines Leibes werden verzehrt werden; seine Glieder wird verzehren der Erstgeborene des Todes. (14) Seine Hoffnung wird aus seiner Hütte ausgerottet werden, und es wird ihn treiben zum König des Schreckens. Bible Gateway
  8. M. Tullius Cicero De finibus bonorum et malorum. lib. 5.31. „Quis est enim, aut quotusquisque, cui mors cum appropinquat, Non refugiat timido sanguen, atque exalbescat metu?” Wikisource Deutsch „Giebt es wohl Einen oder unter wie Vielen Einen, dem nicht bei dem Herannahen des Todes ‚die Furcht das Blut aus den Adern treibt und ihn vor Angst erblassen macht?‘“ Zeno. Das Zitat im Zitat stammt aus Ennius – nur fragmentarisch überlieferter – Tragödie Alcmeo, 18–20.
  9. M. Tullius Cicero De finibus bonorum et malorum. lib. 1.49. „ut enim mortis metu omnis quietae vitae status perturbatur, et ut succumbere doloribus eosque humili animo inbecilloque ferre miserum est, ob eamque debilitatem animi multi parentes, multi amicos, non nulli patriam, plerique autem se ipsos penitus perdiderunt...“ Wikisource Deutsch: „So wie die Todesfurcht den ganzen Zustand eines ruhigen Lebens verwirrt, und so wie es jämmerlich ist, wenn man den Schmerzen unterliegt oder sie nur mit gedrücktem oder schwächlichem Sinne erträgt, und wie ob dieser Geistesschwäche Viele ihre Eltern, Viele ihre Freunde, Manche ihr Vaterland, die Meisten aber sich selbst gänzlich ins Verderben gestürzt haben, so hält sich umgekehrt ein starker und erhabener Sinn frei von aller Angst und Sorge und verachtet selbst den Tod; denn wer davon getroffen wird, ist eben nur so daran, als wie vor seiner Geburt. Ein solcher ist bereit, Schmerzen zu ertragen, denn er weiss, dass die grössten mit dem Tode enden, dass die kleinen viele Pausen der Ruhe haben und dass man Herr der mässigen Schmerzen werden kann, so dass die erträglichen ausgehalten werden können, und bei den härteren man mit Seelenruhe das Leben, wenn es nicht gefällt, wie ein Theater verlassen kann.“ Zeno
  10. L. Annaei Senecae Epistularum moralium ad lucilium lib. IX, LXXVII.11: „Nemo tam inperitus est ut nesciat quandoque moriendum; tamen cum prope accessit, tergiversatur, tremit, plorat.“ Wikisource „Niemand ist so einfältig dass er nicht weiß, dass wir eines Tages sterben müssen. Und trotzdem versuchen wir zu entkommen, zittern und klagen wir, wenn der Moment gekommen ist“
  11. Declamationes pseudo-Quintilianeae (Maiores), Declamatio VI „Corporis project, ipsa est anus caecae“, „O quam grave est mori quanto gravius quod ego vivo superstes filii mei!“ Oh wie schwer ist es zu sterben!“ Google Books
  12. SK13-083 korrigiert, in diesem wie in vergleichbaren Fällen, von „für“ zu „vor“.
  13. Dieser Satz fehlt in SK13-083.
  14. Lies: Siechbette (so auch in SK13-083).
  15. Korrigiert nach SK13-083; SK13-082 schreibt „mehere“.
  16. 1 Korinther 13:12, Luther Bibel 1545 „(12) Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich's stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“
  17. Lucius Annaeus Seneca Consolatio ad Marciam, Caput XXIII, § 2 „Nec umquam magis ingenis cara in corpore mora est; exire atque erumpere gestiunt, aegre has angustias ferunt, vagi per omne, sublimes et ex alto adsueti humana despicere. Inde est quod Platon clamat: sapientis animum totum in mortem prominere, hoc velle, hoc meditari, hac semper cupidine ferri in exteriora tendentem.“ IntraText Die ganze Passage, da sie späterhin Leitbilder gibt: „Außerdem, daß alles Zukünftige ungewiß ist und [nur] für das Schlimmere [etwas] gewisser, ist der Weg zum Himmel den Seelen leichter, die bei Zeiten von dem Verkehr mit den Menschen frei werden; denn sie haben noch sehr wenig von Hefen und beschwerender Masse in sich aufgenommen. Noch ehe sie sich damit überzogen und den irdischen Stoff tiefer in sich aufnahmen, befreit, schweben sie unbeschwerter wieder zu ihrem Ursprung empor und spülen alles Häßliche, was ihnen anklebt, leichter ab. Und nie ist großen Geistern ein langer Aufenthalt im Körper angenehm; sie sehnen sich herauszukommen und auszubrechen, und sie, die emporgetragen unstät das Weltall durchschweifen und gewohnt sind, aus der Höhe auf die Menschenwelt herabzuschauen, ertragen nur ungern diese Einengung. (2.) Daher ruft Plato aus: »die Seele des Weisen neige sich ganz dem Tode zu, das wolle, darauf sinne sie, von dieser Sehnsucht werde sie getrieben, stets nach Außen hinstrebend.‘“ Zeno
  18. Das Fragezeichen nach SK13-083 (in SK13-082 schließt der Satz mit einem Punkt); hier übernommen, da es sich augenscheinlich um eine rhetorische Frage handelt.
  19. Richtig: ϴαυμάδιος κέρδος (thaumásion kérdos, wunderbarer Gewinn). Stammt aus Platon, Apologie, 32. Dort heißt es - in der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher (1805) – über das Totsein: „Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so wäre der Tod ein wunderbarer Gewinn.“ www.gottwein.de
  20. Lucius Annaeus Seneca, Consolatio ad Marciam, Caput XIX, § 5 „Mors dolorum omnium exsolutio est et finis ultra quem mala nostra non exeunt, quae nos in illam tranquillitatem in qua antequam nasceremur iacuimus reponit. Si mortuorum aliquis miseretur, et non natorum misereatur. Mors nec bonum nec malum est; id enim potest aut bonum aut malum esse quod aliquid est; quod vero ipsum nihil est et omnia in nihilum redigit, nulli nos fortunae tradit.“ IntraText. Deutsch: „Der Tod ist die Befreiung und das Ende von allen Uebel, über ihn gehen unsere Leiden nicht hinaus, der uns in jene Ruhe zurückversetzt, in der wir lagen, ehe wir geboren wurden. Wenn Einer die Todten bemitleidet, so muß er auch die noch nicht Gebornen bemitleiden. Der Tod ist weder ein Gut, noch ein Uebel. Denn [nur] das kann entweder ein Gut oder ein Uebel sein, was [überhaupt] Etwas ist; was aber selbst ein Nichts ist und Alles in Nichts zurückführt, gibt uns keinem Schicksal Preis. Denn Uebel und Güter finden sich [nur] an irgend einem Stoffe. Das Schicksal kann das nicht festhalten, was die Natur entlassen hat, und der kann nicht elend sein, der [überhaupt] gar nicht ist.“ Zeno
  21. Wahrscheinlich ist das Zitat in dieser Fassung richtig, dafür spricht auch die Handschrift in beiden Versionen. Im Internet kursieren jedoch zwei Fassungen, die hinsichtlich „et solutio – exsolutio“ und „quam – quem“ voneinander abweichen. Hier hilft also wohl nur ein Blick in die maßgebliche Seneca-Ausgabe. Markus Meumann
  22. Häufiges Motto insbesondere bei Leichenpredigten. #Quelle nicht gefunden
  23. womöglich Lessing oder Herder
  24. 1 Mose 49 Luther Bibel 1545, der noch folgende Teil des Satzes steht nicht im zitierten Bibelkontext.
  25. Joh. 8,51: Warlich / warlich / Jch sage euch / So jemand mein Wort wird halten / der wird den Tod nicht sehen ewiglich. http://www.bibel-online.net/