1785-06-29 Becker (Henricus Stephanus): QL: Judentum

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Kommentar

Bitte um Erwägung der Ordensspitze eine konzertierte publizistische Aktion durchzuführen, die das Judentum öffentlich zur Aufgabe seiner Gesetze zu bewegen konnte und damit europaweit die Adamitische Vernunftreligion wiederherzustellen würde.

Transkript


    „Ewig ist die Fortschreitung, der Vollkommenheit sich zu nähern,
    Obschon am Grabe die Spur des Weges vor dem sterblichen
    Auge verschwindet.“

Wenn ich mich in Ansehung der Absicht unseres E[rlauchten] O[rdens] sicht
ganz irren sollte, so bin ich verbunden, den Erl[auchten] Obern desselben
meinen Gedanken zu eröfnen, den der Tod Moses Mendelssohns
bey mir veranlaßt hat.

Der verewigte Weise hat des Satz festgestellt und seine
Glaubensbrüder haben ihn stillschweigend anerkannt


    „daß die jüdische Nation keine göttlich geoffenbarte
    Religion, sondern blos geoffenbarte politische
    und Civil-Gesetze habe, welche auf die Erhaltung
    „der reinen natürl[ichen] Religion abzwecken.“

Es scheint mir nun, daß in Rücksicht der ganzen politisch-mo-
ralischen Lage von Europa der Zeitpunkt vorhanden sey, wo
sich die Juden von jenen Gesetzen dispensiren, und von der
Rechtmäßigkeit dieses Schrittes auch überzeugt werden könnten;
wofern sie durch eine geheime gesellschaft, wie die unsrige ist,
allmählig darauf vorbereitet würden. – Dieses gäbe dann
ein Volk, wie die von Adam bey demselben fortgepflanzte reine
Vernunftreligion gesetzmäßig wäre, und dadurch in allem andern
europäischen Staaten einen öffentlich tolerirten Cultum
erhielte – nebst allem, was sonst noch daraus erfolgen würde.

Ich irre vielleicht: aber mir scheint diese Idee wichtig genug,
um sie dem Erl[auchte] Obern zur reifern Prüfung vorlegen zu dürfen,
und ihre Befehle zu erwarten, ob ich sie vielleicht selbst um-
ständlicher entwickeln soll. Syrac. 29 Chord. 1155.

Henr[icus] Stephanus.

Anmerkungen