1785-12-30 Schenk (Robertus Stephanus): Etwas über Musik

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Kommentar

Der Aufsatz auf einer ganz banalen Ebene ein Kulturdokument, da er in seinen letzten Passagen eine Würdigung Bachs der Organisten aus Eisenach enthält. Schwierig ist diese Würdigung da Schenkt, 1753 geboren, sich explizit auf sein Spiel bezieht, das er indes selbst nicht gehört haben kann.

Der Aufsatz selbst mäandert. Die Ausgangsfrage nach der Lieblingstonart wird abgewendet – jede Tonart hat ihre Stimmung und ihre Verwendung. Es geht stattdessen um den Zweck der Musik und um deren Beurteilung. Hier greift eine Ästhetik der Rührung. Musik ist dann richtig und gut, wenn sie die erstrebte Rührung beim Zuhörer erzeugt. Hier gibt es keinen die Angelegenheit verkomplizierenden Diskurs über richtige und falsche Rührung und über einen Geschmack, der erst gebildet werden muss, soll verhindert werden, dass die Zuhörer sich von billigen Kompositionen rühren lassen.

Von der Frage der Rührung und Zweckmäßigkeit geht der Aufsatz in die Frage guter Kirchenmusik über. Hier ist viel Kritik zu üben an einer der Aufgabe religiöser Rührung nicht angemessenen Kunst wie an einfachen Chorälen, bei denen sich besonders eklatant zeigt, wenn sie nicht angemessen musiziert werden.

Die Bemerkungen zu Bach ziehen die Argumentationslinien zusammen. Bach konnte mit kleinsten Entscheidungen rühren und dass er sich an ihn nun noch erinnert will belegen, zu welcher anhaltenden Affizierung die Musik fähig ist – um deren Rang zwischen den Künsten es laufend ging.

Transkript

C.

Etwas über Musik



Die erleuchteten und verehrungswürdigen Ordensobern, verlangten vor kurzem von mir zu wissen
welche Tonart in der Musik meine liebste wäre, und warum? eine Frage die mir desfalls schwer
zu beantworten vorkam, weil es dabey sehr auf die Stimmung der Seele in der man eben ist,
oder auf den Zweck welcher damit erreicht werden soll, ankömmt; und weil jede kleine oder
weiche, und jede große oder harte Tonart ihren ganz eignen Character hat, und daher
mir gleich lieb sind.

Da aber diese Versicherung für einen Aufsatz zu kurz gewesen wäre: so wage ichs,
mich etwas weiter auszubreiten, und schüchtern? etwas über Tonkunst, was sie ist,
und seyn solte könnte
? dieser verehrungswürdigen und nachsichtsvollen Versammlung,
gehorsam den Befehlen der erleuchteten Obern, vorzulesen.

Was Musik ist, darf ich als bekannt voraussetzen. Sie ist nach meiner Meinung
eine Kunst die in der Natur des Menschen gegründet ist, und besteht aus einer
Folge von Tönen, die aus leidenschaftlichen Empfindungen entstehen. Wenn es ausgemacht
ist, daß diese allein die ersten Gesänge in den Kehlen der Menschen bildeten, so ist es
nicht unwahrscheinlich daß sie die älteste der schönen Künste sey: weil sie mehr als
irgend eine andere, ein Werk der Natur ist, die eine ganz unmittelbare Verbindung
zwischen dem Gehör und dem Herzen gestiftet hat. Denn jede Leidenschaft kündigt sich
durch eigene Töne an, und aber doch wecken diese wecken in dem Herzen dessen der sie vernimmt,|<2>
dieselbe leidenschaftliche Empfindung aus welcher sie entstanden sind.

Wenn nun die Wirkung der Töne anhaltend seyn soll, so muß das Metrische hinzukommen; und
dieses fühlen, glaub‘ ich, alle Menschen vom Wilden biß zum Cultivirten. Wo aber Metrum
und Rhythmus ist, da ist Ordnung und regelmäßige Abmessung. Hierin folgen alle
Völker den ersten Grundlehren, worin es zwar unzählige Modificationen gibt, wo
aber die allgemeinen Regeln der Ordnung und des Ebenmaßes überall dieselben sind.

Es kommt also wohl hauptsächlich darauf an zu untersuchen, was Erfahrung, Geschmack
und Überlegung aus dem Musik machen könne, und wozu sie anzuwenden wäre?

Ihr Zweck ist, erweckung, unterhaltung und verstärkung der Empfidung; ihr
Mittel eine Folge dazu dienlicher Töne, und ihre Anwendung geschieht auf eine
den Absichten der Natur bey den leidenschaften gemäße weise.

Die Musik, sagt Sulzer,[1] wirkt auf den Menschen nicht in so fern er
denkt oder Vorstellungskräfte hat, sondern in so fern er empfindet. Also ist
jedes Tonstück das nicht Empfindung erweckt, kein Werk der ächten Musick.
Und wenn die Töne noch so künstlich auf einander folgen, die Harmonie noch
so mühsam überlegt, und nach den schwersten Regeln richtig wäre; so ist das
Stück das uns nichts von den erwähnten Empfindungen ins Herze legt nichts
werth. Der Zuhörer für den ein Tonstück gemacht ist, wenn er auch nichts
von der Kunst versteht, und nur ein empfindsames Herz hat, kann allemal
entscheiden, ob ein Stück gut oder schlecht ist: ist es seinem Herzen nicht verständlich,|<3>
so sag er dreiste, es sey dem Zwecke nicht gemäß und tauge nichts; fühlt er
aber sein Herz dadurch angegriffen, so kann er ohne Bedenken es für gut
erklären, der Zweck ist dadurch erreicht worden. Alles aber wodurch der
Zweck erreicht wird, ist gut.


Soll aber diese Absicht erreicht werden, so müssen die Töne zu einer
verständlichen Sprache der Empfindung werden, und so vorgetragen werden,
daß der der sie hört in gleiche Empfindung gesezt, und durch sanftern Zwang
eine Zeitlang darin unterhalten, und genöthiget werde derselben nachzuhangen.
Hiebey kömmt es hauptsächlich auf die Tonart an, in welcher ein Stück Gedanke
vorgetragen wird, weil jede derselben einen besonderen Character hat.
Welche Schwermüthigkeit herrscht so zum Beweiß in F moll, und welche
Zärtlichkeit und Einschmeichlungsfähigkeit, wenn ich so sagen darf, in den verwandten
C und A dur? Wird also derjenige Ton allemahl ausgesucht, dessen Stimmung
mit dem Gepräge jener einzelnen gedanken übereinkömmt: so wird dadurch der
wahre Ausdruck der Empfindungen noch mehr verstärkt; denn es ist unleugbar,
daß selbst einerley Gedanken durch die Tonarten und Modulationen verschiedene
Schattirungen der Empfindung bekommen. Dieses vereinigt mit einer
guten Harmonie, in welcher sowohl beruhigende Mittel für den Schmerz,
so wie in schneidenden Dissonanzen (besonders wenn sie auf den kräftigsten
Takttheilchen mit vollem Nachdruck angegeben, und eine Zeitlang in der|<4>
Auflösung aufgehalten werden) höchstbeunruhigende, Schrecken und Angst erregende, in
das innerste der Seele eindringende Empfindungen liegen: so bekommt die Musik
eine Kraft, die alle Künste weit übertrift, und welche in ihrer Anwendung
durch Weisheit geleitet zu werden verdient.

Nach meiner geringen Einsicht macht es der gesunden Vernunft keine Ehre,
daß sie bloß als Zeitvertreib müssiger Menschen angesehen wird, da sie doch zu
weit edlern Zwecken gebraucht werden könnte. Poesie, Beredsamkeit, auch nicht die
Mahlerey wirken das was sie wirket. Sie allein dringt ein, greift die Nerven
an, und spricht laut, weil sie besondere Empfindungen besondere Entschließungen
erwecken kann. Deswegen war sie bey den weisen Griechen ein Gegenstand
der Gesetze, als ihre Staaten noch die Farbe der Gesundheit an sich trugen.

Die allgemeinste Absicht, die man bey Anwendung der Tonkunst haben
könnte, wäre wohl die Bidlungder Gemüther bey der Erziehung, und
viele alte Völker, selbst die alten Celten, sind uns hierin mit ihrem
Beyspiele vorgegangen.

Zwar wird in unsern Zeiten die Erlernung der Musik als ein Theil
der guten Erziehung angesehen, aber nicht als Mittel die Gemüther zu bilden,
sondern um zu – glänzen. Man sieht bloß auf die Fertigkeit darin, und
hält sie für eine Zierde junger Personen von feiner Lebensart. Der
große Mißbrauch der aber zeither damit gemacht worden ist, sezt sie|<5>
in Gefahr völlig auszuarten; nachdem sie besonders in den Händen der Virtuosen
die Einfachheit, ihren ursprünglichen Character, u[nd] also auch ihren großen Eindruck verloren hat. Denn in der Musik
wodurch Orpheus wilden, oder doch sehr rohen Menschen, Lust zu einem wohlgesitteten
Leben machte, herrschte allem Ansehen nach mehr natürliche Annehmlichkeit als Kunst.
Sie dient daher nicht mehr wie ehedem zu Bildung jugendlicher Gemüther, es
sey denn, daß sie aufs neue nach einem gründlichen Plane betrieben würde,
und eine gänzliche Verbesserung des Unterrichtes und der Übung in dieser
Kunst erfolgte, die aber so nothwendig sie ist, zur Zeit nicht zu erwarten
stehet, da man zu oft nur Fertigkeit, ängstliche Sprünge, und künstliche
Harmonien, die nichts sagen, an dem Spieler zur Unzeit bewundern,
und durch übel angebrachte Bravo‘s den Künstler und die Jugend
von dem wahren Wege abführen, und irre führen sieht. Leider
ist aber der Geschmack an solchen Dingen vielleicht unwiderruflich entschieden;
denn die Begierde bloß zu gefallen, führt täglich auf neue Abwege,
und der Vorsatz zu rühren, oder diese und jene bestimmte
Leidenschaft hervorzubringen, der seinen Entzweck immer erreicht,
wird ihr aufgeopfert.

Wenn aber wiederholte Eindrücke von einerley Art auf den
Nationalcharacter wirken: (welches wohl ausgemacht ist, weil er durch|<6>
dadurch entsteht: so ist die Ausartung der Musik nichts ganz gleichgültiges.
Es wäre auch sonst nicht abzusehen, warum der weise Plato die lydische
Tonart aus seiner Republik verbannt wissen wollte; die vielleicht
wie die Unsrige durch äußerlichen Schimmer und Tändeldes sich
auszeichnete. Denn wahrscheinlich hatte in den ältesten Zeiten Griechen-
lands jeder Stamm dieses geistreichen und empfindsamen Volkes
seine eigene durch einen besondern Character berühmte Musik.
Dieses Eigene bestund vermuthlich nicht bloß in der Art der
Tonleiter und der daraus entstehenden Modulation, sondern es
läßt sich auch denken, daß auch Takt, Bewegung und Rhythmus
bey jedem Volke oder Stamm ihre besondere Art gehabt habe.
Davon haben wir noch Beyspiele an den Nationalmelodien
einiger neueren Völker, die so mannigfaltig sie auch sonst jede
in ihrer Art sind, allemal einen Character behalten, der sie
von den Gesängen andrer Völker unterscheidet. Ein Schottisches
Lied, ist allemal von einem französischen, und beyde von einer
Italienischen oder deutschen, so wie jedes von dem gemeinen
Volke gesungen wird, merklich unterschieden.|<7>

Ich komme nun zuletzt auf die Anwendung der Musik beym öffentlichen Gottesdienste.

Nachdem unsre beynahe ins Theatralische ausgeartete Kirchenmusik größtentheils
abgeschaft ist, habe ich hier nur bloß von dem Choral zu reden, der nach
Rousseau aller unmodischsten Musik vorzuziehen, und aus den Trümmern
der griechischen Musik, bey gottesdienstlichen Feyerlichkeiten entstanden seyn soll.
Er ist ein 4.stimmiger Gesang der weder figurirt noch rhythmisch ist, und
gesezt, um in den Kirchen von ganzen Gemeinden abgesungen zu werden. Er
ist also diatonischen Geschlechts, und der einfachste Gesang der möglich ist; daher
er sich auch, da er einer großen Rührung fähig ist, zu stillen ruhigen
Betrachtungen und Empfindungen, die insgemein den Character der Kirchenlieder
ausmachen, am besten schicket.

Vermöge seines langsamen und nachdrücklichen Ganges wird aber auch die kleinste
Unrichtigkeit fühlbar, und seine Bekleidung[2] schwerer als man gemeiniglich glaubt;
da es nichts geringes ist, durch eine sehr einfache und kurze Melodie,
den geradesten Weg zum Herzen zu finden. Denn hier kommt es nicht
auf Belustigung des Ohres an, nicht auf die Bewunderung der Kunst,
nicht auf die Überraschung durch künstliche Harmonien und schwere
Modulationen: sondern lediglich auf Rührung.|<8>

Dissonanzen müssen daher sparsam angebracht werden, die sich ohnedem zu
dem sanften Affect des Hirtengesanges nicht so gut als zu unruhigen Leidenschaften
schicken; und alle melismatischen Auszierungen und Läufe, durch welche
geschmacklose Organisten ihre Unfühlbarkeit verrathen, vermieden werden.

Je entblößter ein Gesang von melodischen Auszierungen und Schönheiten
ist, sagt der berühmte Kirnberg „desto kräftiger, nachdrücklicher, und in seiner
Art bestimmter muß jeder Ton angegeben werden, wenn er Kraft haben
soll: denn wer nicht jeden einzelnen Ton seinen Nachdruck und bestimmten Ausdruck
zu geben weiß, kann den rührendsten Gesang verderben“.[3] Und an einen
andern Orte: Kirchenarbeit muß einfach und cantabel seyn, damit es
jedermann fasse, und der Spieler ietziges Gefühl, und Überlegung haben, damit
nicht eine Vermischung von Feyerlichkeit und Üppigkeit die Stelle der
ernsthaften Empfindung und der Andacht einnehme.“

Daß dieser Zweig der öffentlichen Andacht nicht mehr geschätzt wird,
möchte ich nicht gern der Lauigkeit in der Religion zuschreiben. Es liegt
wahrscheinlich mehr daran, daß man gewißermaßen daran gewöhnt ist, und
nun da man ihn zu wenig Aufmerksamkeit schenket, selten ein Mann,
den gewöhnlichen Schlendrian zuverlassen Lust hat, weil er seinen Ruhme (da
das Einfache nur wenige schätzen und beurtheilen können) vortheilhafter ist.
Um sich davon zu überzeugen, darf man nur auf die mehresten Zuhörer|<9>
Acht haben, wie sie bey laufenden Passagen und übelklingenden Dissonanzen
den Mann, der solche Griffe thun kann! anstaunen. Selbst die auf feineres
Gehör Anspruch machen können, wissen für lauter Betäubung nicht, ob sie auch
bewundern, oder die Ohren zu halten sollen.

Ein anderer Grund, warum es so wenig Ausnahmen gibt, liegt auch wohl
darin, daß der, der hie und da um sich zu üben spielen will, sich genau
nach dem Geschmack dessen, der ihn spielen läßt, richten muß, um diese
Übung nicht zu verlieren, und ein Märtyrer seiner guten Absicht zu werden.
Dieses fällt zwar nicht sehr in die Augen: aber dieses sollte es desto
mehr, daß so die Musik immer tiefer sinken muß, besonders auf dem
Lande, wo die Schulmeister sich in der Stadt bilden, und jenen verdorbenen
Geschmack noch verkehrter und noch gefühlloser nachahmen, und so der
Kirche einen großen Theil ihres Erbauungsvermögen rauben.

Wenn es mir vergönnt ist, meine unvorgreifliche Meinung darüber
zu äußern, so gestehe ich, daß durch diese Fühllosigkeit der Gottesdienst, in
meinen Augen unendlich verliert, wenn sie mich nicht noch ganz daraus
verbannt. Was hilfts, daß der aufgeklärte Prediger das passendste
Lied wählt, wenn es durch die Ignoranz des Organisten verdorben wird?
Ich habe Freunde in Syrakus,[4] die ich voll Eifer auf ganze Verse und|<10>
einzelne Strophen aufmerksam gemacht habe, die eine solche mit zweckwidrigen
Läufen garnirte Bekleidung, so schändlich entstellte, während die Worte die
größte Rührung forderten. Und doch würde es noch verzeihlich gewesen
seyn, wäre es eine unbekannte oder schwere Melodie gewesen, weil in
diesem Falle die Augen auf das Choralbuch nothwendig gerichtet seyn mußten:
Aber es war gar keins da, und doch wurde ins Gesangbuch nicht gesehen!

In der ganzen Schöpfung Gottes ist Übereinstimmung der Theile zum
Ganzen, und jeder Künstler strebt seinem Werke dieselbe mit einem so weit
wie möglich vollkommenen Stempel aufzudrücken. Harmonie muß also
auch in der Kirche seyn: und sollte sie es weniger verdienen? Ein
Geist muß das Ganze beleben; Vorspiel Lied und Predigt muß Ein
schöner Gedanke seyn, auf daß jeder fühle, er sey im Tempel Gottes!

Da ich einmal an einem Gegenstande bin, für den sich mein Herz
mit Wärme interessirt: so sey es mir erlaubt kürzlich noch einiges
Erläuternde zuzufügen.

Keine menschliche Erfindung kann wohl so durchdringende Empfindungen
erwecken als eine gute und rein gestimmte Orgel. Jeder unter uns
kennt dieses künstliche Instrument, und jeder wird es in vieler Rücksicht
mit mir als das Vollkommenste und vorzüglichste ansehen; denn|<11>
sie allein kann durch die Vielheit und verschiedenheit ihrer Pfeiffen,
und das majestätische derselben, dasjenige wirken, was viele
Instrumente zusammengenommen, kaum hervorbringen können. In
den vielen Modificationen die sie darbietet, liegen unerschöpfliche
Mittel das Herz zu rühren und zu erheben, wenn der, der sie spielt,
Gefühl des Herzens mit Gefühl des Schicklichen verbindet, und sie
zu behandeln weiß.

Aber kein Instrument wird wohl mehr mißhandelt – mißbraucht –
als eben dieses. Da wird selten auf mehr als auf den Eigensinn oder
die Eitelkeit des Organisten Rücksicht genommen, und die mehresten sind schon
zufrieden, wenns nur um sie her braußt und lermt! Ich
glaube noch heute meinem seel[igen] Bach (Capellmeister u[nd] Organist in Eisenach)[5]
zu hören, der meinem Herzen das war was ich von andern fodre;
und vielleicht kommt das wenige Gefühl für Einfachheit und Schönheit
in der Musik größtentheils auf seine Rechnung,, da er, ohne es zu
wissen, den ersten tiefen Keim einer himmlischen Harmonie
in meine Seele legte. Ewig wird mirs unvergeßlich seyn, wie
er durch einen einzigen halben Ton tiefer oder höher zwischen einer
Strophe manchmal so unendlich viel wirken konnte, wovon in|<12>
seinen Compositionen, so kunstmäßig sie sind, nichts sichtbar ist,
weil sie sein Vortrag nicht mehr belebt.

O hätte er mein Lehrer seyn können! ich hätte meines
Meisters nicht unwürdig werden wollen; mein klopfendes Herz
sagt mirs, und dieses verstand bereits seine Töne harmonischen
Töne, wie ich seine Sprache verstanden haben würde.

Ich kann das Andenken dieses gefühlvollen mir so theuren
Mannes der mich nicht kannte, nicht würdiger ehren, als daß ich
seinen Nahmen unter diesen gegenwärtigen würdigen und edeln
Männern nenne; und dieses Vergnügen meinerseits ist ein
Beweiß mehr, welche tiefe Eindrücke die Musik machen kann
wenn sie von Herzen kömmt und zu Herzen geht, oder mit
andern Worten, wenn sie ihre Bestimmung erfüllt.

Anmerkungen

  1. i.e. Begleitung
  2. Gotha in der Ordensgeographie.
  3. Unwahrscheinlich dass der Verf. Selbst noch den alten Bach in Einsenach hören konnte…