1786-01 Bode (Basilius): Reproche an Bohn (Spanheim)

From Illuminaten-Wiki
Jump to: navigation, search

Kommentar

Zusammenfassung und Transkript

Im Namen der Vorsteher des O.ens sag ich Ihnen Dank, für ihr Q.L. vom 30. Aban. Über den Wirkungskreis und die Absichten der Ordensoberen glaubt Basilius sich genug erklärt zu haben. Ich habe dieses, obgleich ungern, noch einmal wiederholen müßen, weil Sie sehen, sie haben sich bis jezt falschen Vorstellungen von dem Wirkungskreis des Orns gemacht. Er würde sich nicht nochmal wiederholen. Und nun also zur vor Uns habenden Materie! Die Abschaffung der Accidentien bei Predigern sei eine sehr nützliche und also sehr wünschenswürdige Sache. Dennoch seien Bohn einige Punkte in seinen Überlegungen entgangen: a) Die Vocation der Prediger durch obrigkeitlichen Befehl einseitig aufzuheben, würde nur mit äußerst rohem Vorgehen durchzusetzen sein. b) Dem Landmann ist, aus guten Erfahrungsgründen, vor jeder Neuerung bange;daher, wenn es auch blos aus menschenfreundlichen Rüksichten geschähe, müste man ihn durch Ueberzeugung zu beruhigen suchen, daß man nicht gewillet sey, weder seinen Beutel nich seinen alten Glauben anzutasten, suche. Daher solle man die Gründe der Veränderung im Voraus in den Gemeinden bekannt machen. c) Es ist eine Maxime jeder nur einigermaßen weisen Regierung keine gesetzliche Verordnung zu erlaßen, von der man nicht wenigstens gewiß ist, daß sie auszuführen und durch zusezen möglich sey. Eine weise Regierung würde versuchen, die guten Gründe für ihr handeln zu vermitteln. Ich meyne also, wenn ich der Mann wäre, der einem Regenten die vorhabende Veränderung vorschlagen könnte, und hätte mein Project soweit ins Reine gearbeitet, daß es deßen Beyfall erhalten, so würd ich wünschen, meine Operationen damit anfangen zu dürfen, daß ich, durch die Behörde, von jedwedem Prediger fordern liße ein richtiges Verzeichniß seiner jährlichen Accidenzien, von den lezten 10 Jahren her aufzuzeichnen und unter einem gewißen Titel versiegelt bey der OrtsObrigkeit niederzulegen. Erst dann wäre die Aufklärung der Gemeinden einzuleiten. Aus den Accidenzien der letzten 10 Jahre sei ein Durchschnittswert zu ermitteln, am Besten durch eine Kommission. Den Gemeinden sollten dann die verschiedenen Arten, auf die der Beitrag in Zukunft erhoben werden könnte, vorgestellt werden. Einmal getroffen, könne die Entscheidung aber nicht wieder zurückgenommen werden. d) Wo ich nicht sehr irre, würde auf diese Weise überwiegend der Wunsch der Gemeinen seyn, und also mit desto größern Nuzen eingeführet werden. Bei passender Gelegenheit müssten aber auch neue Pastorals- als Visitationsinstruktionen verfasst werden. Auch sei zu überlegen, ob die Privat- oder Ohrenbeichte abzuschaffen sei. Am besten geschehe dies in Übereinkunft zwischen Gemeinden und Pfarrer, müsse aber gut vorbereitet sein.