1786-05-29 Rudorff (Ali): QL: Zu Leben nach dem Tode und Vervollkommnung (2)

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Inhalt

Kurzer Versuch zu beweisen, dass der Mensch anders als das Tier eine zur Fortdauer bestimmte Seele hat, da nicht nur der Geist edler ist, sondern auch der Körper, der diesem dient. Der Beweis wird mittels einer Analogie aus dem Obstbau geführt, nach der der Kirschbaum edler ist als der Baum des wilden Apfels, der die weniger edle Frucht hervorbringt (kein besonders schlüssiger Beweis, da der feinere Körper des Krschbaums letztlich nur im Rückschluss aus der edleren Frucht bewiesen wird). Wozu die edlere körperliche Hülle dient, das wisse er dagegen nicht - um Narzissen zu nähren oder Metalle zu erzeugen?

Transkript

Fortsetzung vom Espend[er] a[nni] c[urrentis][1]

Der Mensch ist das edelste unter den sichtbaren Geschöpfen. In seiner
Vernunft den alleinigen Beweiß dieses Vorzugs zu setzen, nicht auch
deßen feinere Körper-Substanz in Erwägung ziehen, würde nicht
Naturgemäß gedacht seyn.
     Die Kirsche ist beßer, als der Holz-Apfel, das Silber edler, als
das Eisen. Eine wohlschmeckende Säure könnte nicht in der Kirsche
seyn, wenn nicht das Fleisch und die Organen des Kirsch-Baums
von edlerer Art wäre, als eine des wilden Apfel-Stammes.
     Nach dieser Analogie muß ein feineres Irrdisches meiner Seele
zur Hülle und zu ihren Geschäften dienen, als es die übrige
Thier-Gattung bedarf.
     Aber wozu mag mein zerfallener Staub bestimmt seyn?
Vielleicht Violen und Narzißen zu verschönern, oder Metalle
zu nähren? Zu welchem Endzweck wird er sich in der Auflösung
kochen, zeitigen, erhöhen?
     Ich weiß es nicht!

Picent. den 29 Ardibeh[escht]

Ali

Anmerkungen

  1. des laufenden Jahres, i.e. 1156/1786