1786-11 Bode (Basilius): Reproche an Haun (Jacob Thomasius)

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Kommentar

Zusammenfassung und Transkript

Ob die Feyerlichkeiten, bey der halbjährigen Abwechslung des Magistrats der Stadt Syrakus wichtig oder unwichtig; nöthig oder unnütz; ehrwürdig oder Ridicul seyn mögen, darüber zu dissertieren kann ich um so mehr überhoben seyn, da Sie selbst, mein lber Bruder, in Ihrem q.L. vom Shariver sagen, daß das nicht Ihr Ziel seyn. In einer Stadt, in der Landesherr und die Landesregierung selbst residiere, sei der feierliche Aufzug unter allerley Gesang und Klang, eines Stadtrathes wohl eben keine unpasente Wirckung. Entscheidend sei eine dem Bürger nützliche Amtsführung. 1) Zeremonien haben in nichts andren als in der Sinnlichkeit des Menschen ihren Grund. Je aufgeklärter ein Volk sei, desto weniger Zeremonien benötige (und wolle) es. Zu häufige Wiederholung der Zeremonien zerstöre deren Wirkung. ebenso könnten Zeremonien mit der Zeit ihren Sinn verlieren, da sie gegenstandslos würden. Eine Nation wachse wie der Mensch. Ein denkender Mann aber bedarf der Zeremonien des Jünglings nicht! Uebrigens haben Sie vollkommen Recht, wenn Sie sagen, d wer wird sich nicht gerne einer nützlichen Sache unterziehen, ob sie gleich genirt? 2) Volksfeste seien von großem Nutzen. Nur werden weise Väter einer Nation, oder eines Ortes, die ihre Kinder und Nachgesetzten hinlänglich kennen, am sichersten beurtheilen, ob das Volk sittlicher freude fähig, oder noch zu sehr zu Toben Lärmen, Völlerey und gewaltsamen Leidenschaften geneigt sey; und darnach bestimmen, ob und was für feste und feyerlichkeiten zweckmässig eingeführt werden können.