1786-11 Bode (Basilius): Reproche an Wahl (Castellio)

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Kommentar

Zusammenfassung und Transkript

Ihr Morgengebet, mein gelibter Bruder, ist, im Ganzen genommen, schön, und in voller Uberzeugung daß Sie ein sehr nützliches Büchlein werden, kann ich nicht anders, als Sie aufmuntern, daß Sie die Augenblicke, da Sie sich vom Nachdenken über Gottes Güte, über schöne Scenen der Natur, u.d. mehr, tief gerührt fühlen, Ihre Empfindungen in voller Wärme aus Papier ergiessen mögen, sey es in Form einer Unterredung mit Gott, oder in Form von Betrachtungen und daraus fliessenden Ermunterungen der Seele zur Tugend und Menschenlibe. Sie werden hernach der kältren, oder, wenn sie wollen ruhigeren Stunden mehr finden, worin Sie Ihre Herzensergiessungen, nach allen sich vorgesetzten Rücksichten, mit der kritischen Eile durchgehen können. Weiter: Da sie mich einmal zum Vertrauten Ihres Vorsatzes machen: so will ich dieses Vertrauen zu verdienen suchen, dadurch daß ich Ihnen meine Wünsche über dise Arbeit ganz kurz und eben so unbefangen sage. Da Sie hauptsächlich auf dem grösseren ungebildeten Haufen sehen, so wünschen Sie gewiß mit mir, ihn von vilen, ihn so viel und aus der bis jezt so fehlerhaften ersten Erziehung anklebenden Vorurtheilen und Irthümern so unvermerkt als möglich zu erlösen; Ihnen wo nicht meinen, doch würdigern Begriffe und Vorstellungsarten von Gott und seinen Eigenschaften beyzubringen, ihm die Ueberzeugung einzuflössen, das Gott, als die ewig unveranderliche Liebe, alle seine Geschöpfe überwiegend und gewiß so glücklich macht, als es, besonders dem Menschen, bey seinen freyen Willen, möglich ist; daß des wahren Guten weit mehr in der Welt sey, als gemeiniglich anerkannt wird; hingegen die meisten Uebel, diephysischen vernehmlich, bey nährer Beleuchtung wahrer Seegen sind. Weiter: Sie werden weder umhin kommen noch volle, dogmatische Sätze des Christenthums zu berufen. Ich glaube aber, Sie werden Ihren Zwecke weit näher kommen, wenn Sie sich, so viel als möglich aller mystischen Ausdrücke enthalten, so wie überhaupt aller, diese Menschen, bey ihrem so viel kleinren Worterbuche unbekannten Worten, Redensarten ## Allgemeine und ##. Sie werden so gar darauf sehen, daß selbst die Wortfügung seinen simplen Ideengangen angemessen sey, und er, um sich solche aufzulösen, keinen Augenblick in seiner Aufmerksamkeit auf die Sache, gestört werde. Ich sehe die Schwierigkeiten bey deßen Wünschen wohl ein; weiß aber auch, daß Schwierigkeiten überwinden kein kleines Vergnügen ist; und da ich nicht gerne, auch im höchsten Vertrauen, sage, wie eine gemachte Sache hätte seyn sollen; so sage ich um so liber unter 4 Augen, wie ich eine Sache wünsche, die im werden ist. Wenn Sie, m. Br., disen Gesichtspunkt nicht verrücken, und meine freundschaftlichen Anmerkungen nicht für Redesucht halten, ##, bey meinem Verhaltnisse gegen Sie, nicht seyn kann: so wird es Ihnen nicht, wider meine Absicht, unangenehm seyn, wenn ich Ihr allgemeines Morgengebet, nach den wenigen vorausgesetzten Gesichtspunkten, durchgehe. 1) Der Bezug auf die Sonne, die jeden Tag aufgehe, funktioniere nicht gut. Sie sei oft nicht oder kaum sichtbar. Vielleicht passe ein Bezug aufs Tageslicht besser. 2) Die Apostrophe: allgüter Vater, wünsche ich auch zu Anfange des Gebets, indem es hier fast zu versteckt ist. 3) Der Ausdruck, sie [die Sonne] besorgt Licht und Leben Wärme und Gedeihen: ist viel zu uneigentlich. Denn besorgen heißt oft auch befürchten. Aber, wenn der Mißverstand auch hier nicht stattfände, und durchgangig beschaffen darunter verstanden würde: so kann man doch wohl nicht eigentlich sagen [und der eigentlichste Ausdruck ist immer der beste für den gemeinen Mann!] daß sie Leben und Gedeihen beschafft; auch nicht, daß sie nur dazu auf und unter gehe. 4) a) Im zweiten Absatz solle das himmlisch vor Vater geändert werden, weil diese Leute es nicht verstehen würden. b) so oft ich die Sonne hervortreten sehe, möchte an einem regenigten oder nebelichen Morgen, nicht passen c) Treue könne man nicht wiederholen. Der gemeine Mann würde auch unverbrüchlich'# nicht verstehen. standhaft und unveränderlich seien bessere Wörter. d) Statt Gutes stiften besser Gutes thun oder vollbringen 5) Im 3ten Absatz: e) Ich soll arbeiten, das ist dein Wille, der du für mich nichts als Gutes willst. Ein so edler als wahrer Gedanke; nur ist der Ausdruck nicht lichtvoll genug. Denn das, der du, müßte hier gewiß geändert werden. Vielleicht schon gut, wenn es hiesse: und du willst für mich Nichts, als was nur gut ist. f) Der folgenden Gedanke denn durch Arbeit u Gebet u.s.w. ist sehr vortreflich aber g) der den bis heute _ _ noch ## ##. Ideen da, die ich nicht von Ihnen bestärkt zu sehen wünschte. (a) daß sich der Mensch durch Fleiß und Geschäftigkeit Gott ähnlich fühlen könne: das kann nur durch allgemeines Wohlwollen geschehen. 6) Die Sprache der Menschen könne Gott kaum fassen. Doch Gott mit Arbeit und Geschäftigkeit gleichzusetzen sei unklug, da mit diesen Begriffen Mühsal und Ohnmacht assoziiert würden. Im letzten Absatze finde ich abermals Gutes stiften, welches, wie ich meine hier auch nicht paßt; und: wenn ich deine Sonne untergehen sehe: [müssige Worte wenigstens.] zu ändern. Welches auch leicht seyn möchte.