1787-01? Bode (Basilius): Reproche an Wahl (Castellio)

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Kommentar

Zusammenfassung und Transkript

Ihr erstes Q.L. vom Nov 25. ist sehr traurigen Inhalts; und giebt einen traurigen Beweiß von der Wahrheit, daß die Menschen sehr liblos seyn können, wenn ihr Mitleiden nicht durch den Anblick von Schmerzen und Leiden aufgeregt wird. Und es gibt auch einen Beweis, daß an den wenigsten Orten nicht der rechte Begriff von der Policey herrscht. Aber, mein Bruder, wer ist mehr im Stande, ja ich sage es frey, wer ist nach Amt und Einsicht mehr verpflichtet, als Sie selbst, hirüber bey der Behörde aufs nachdrücklichste Vorstellung zu thun, da es Ihnen, zumal bey einer so auffallenden Veranlassung, gar nicht als Vordringlichkeit ausgelegt werden könnte. Und ist es nicht so gar die Pflicht eines Jeden, wenn er Flammen aus einem Dache brechen sieht, Feuer! zu schreyen? Wäre die erste Instanz [Wir kennen die Local Verfassung von Picentiee nicht] lau, so wären die Anzeigen von einen so dringenden Fehler, mit einem unvorgreiflichen Vorschlage, bis zu der höchsten zu bringen. : Was die Liblosigkeit anbelangt: so haben Sie, als öffentlicher Lehrer, die beste Gelegenheit, durch Worte und That dagegen zu wirken. Es ist übrigens gewiß kein Naturfehler der Menschheit, und also um so leichter zu bestreiten! Ihre Folgerungen haben, bey aller möglichen Rchtigkeit an sich selbst, mir dennoch folgende Bemerkungen an die Hand gegeben. Zu 1) Der Mensch, der sich nicht mehr durch Hofnung und Furcht in seiner Handlung leiten läßt, muß sich, durch anhaltendes philosophisches Studium, zu einer moralischen Höhe geschwungen haben, das sie für den gemeinen Mann, der wegen Mangel an Musse und den nöthigen Hülfsmitteln, nicht gut als möglich denken läßt. Vom normalen Menschen dürfe man daher nicht mehr erwarten, als realistisch möglich sei. Zu 2): Ich glaube, wenn die Hebamme auch keinen Universitätsunterricht gehabt hätte, würde sie doch nicht früher einen Accoucheur zu Hülfe gerufen, sondern eben auch geglaubt haben, sie könne das Geschäft, ohne seine Hülfe zu ende bringen! So viel ist wohl gewiß: Dummheit und Hochmuth ist doch immer, vereint, noch schädlicher, als Hochmuth allein. Eine bessere Ausbildung der Hebammen würde wohl schon vieles verbessern. Zu 3): Der Vorschlag, daß in solchen Notfällen eines von den Pferden gebraucht werden müßte, die schon auf Feuersbrünste in Bereitschaft stehen müssen, ist wegen seiner Simplicität schon vortreflich; und müßte, deucht mich, höhren Orts den verdienten Beyfall finden.