1787-01 Bode (Basilius): Reproche an Eisenhuth (Eccard)

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Transcript

Liebster Bruder,

Ihre Gedanken über den Kindermord sind so wahr, Ihre
dabey geäusserten Gesinnungen besonders so aufgeklärt
menschlich, daß ich Sie dafür in Gedanken mehr, als
Einmahl an meine Brust gedrückt habe. Ich wünsche von
Herzen, daß Sie bald Musse haben mögen, an der verspro-
chenen Abhandlung zu arbeiten, denn, meine Begierde
solche zu lesen bey Seite gesetzt, ist die Materie höchst
wichtig, und mögliche Vorschläge wie der Hurerey vor-
gebeugt werden könne ; sind zu unseren Zeiten,
wo [Randeinfügung: der sich immer mehr verbreitende schädliche Luxus] dem Ehestande so mächtige Hindernisse in den
Weg gelegt werden, und wo doch, durch eben diesen
Luxus, bey jungen Menschen die Naturtriebe immer
leichter erweckt werden, verdienen den grössesten Dank
aller Menschenfreunde! Und ich würde mich schon glücklich
schätzen, wenn ich nur dabey das unmerklich kleine Verdienst
hätte, Sie durch meine angelegentlichste Bitte, ein wenig
mit aufgemuntert zu haben. Auch bin ich bereit und
willig, Ihnen, wenn ich die Abhandlung gelesen, alles [Randeinfügung: von Os. wegen] bey
zutragen, was ihr etwa mehr praktische Vollkommenheit geben
könnte! | <2>

Den Spruch, den Sie aus dem Munde der
AlltagsRichter und Prediger anführen: „Die Huren
und Ehebrecher, wird Gott richten
,“ könnte man,
wenn dergleichen Männer sich etwas Vernünftiges
sagen lassen, gerade wider sie anführen. Denn
ich bin überzeugt, ob ich gleich schon aus Mangel einer
Concordanz, die Stelle nicht jetzt gleich mit deren
Zusammenhange vergleichen kann, daß sie wirklich
sagen soll: über diese behält sich das Gericht
Gott selbst vor, weil nur Er wissen kann,
wie mächtige die Triebe gewirkt haben, die Er zur
Erhaltung und Fortpflanzung der Gattung in
die Menschen gelegt hat.

Glauben Sie mir, Sie sind meinem Herzen
nahe, und ob ich gleich Ihrnen unbekannt bleibe, bin ich
doch mit mehr als gewöhnlicher Wärme
Ihr treuer Basilius.“

Anmerkungen