1787-03-27 Lenz (Justus Lipsius): QL

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  • Aktenbestand: Schwedenkiste Band 11, Dokument SK11-376
  • Standort: GStA PK, Freimaurer, 5.2. G 39 JL. Ernst zum Kompaß, Gotha, Nr. 109. Schwedenkiste. Quibus Licet, A-S
  • Titel: Quibus Licet
  • Autor: Carl Gotthold Lenz (Justus Lipsius)
  • Ordensdatum: Andrus 7. Pharavardin 1157 (Jahresumstellung offenbar nach europäischem Kalender vorgenommen)
  • Datum: Göttingen 27. März 1787
  • Querbezüge:

Commentary

Transcript

Andrus d. 7. Meh Pharwardin 1157

Ich überschicke Ihnen, Erlauchte Obern, hierbey Hn. Warlichs
ausarbeitung über den ihm aufgegebenen gegenstand, und bitte,
den Vf. wenn die antwort Ihnen nicht ganz genüge thut,
damit zu entschuldigen, daß er zeither sehr viele zerstreuun-
gen gehabt hat, weil er zu einer predigerstelle im Hannöverschen
nahe bay Göttingen im vorschlag ist. Er hält sich itzt bey mir
auf, um, mit hülfe der hiesigen bibliothek, sein büchlein, das
er über den sächsischen prinzenraub heraus zu geben denkt,
zu vollenden. Seine freude über die ihm gemachte hofnung,
im O. aufgenommen zu werden, kann ich Ihnen nicht beschrei-
ben. Nur einige seelenverrathende züge aus seinem brief an
mich kann ich nicht umhin, Ihnen mitzutheilen: „Was mir,
sagt er, diese verbindung wünschenswerth macht, ist die hofnung,
mein gefühl für recht u. unrecht darinnen verstärken, die tugend
immer lieber gewinnen, verstand u. herz zu meinem u. meiner
brüder besten ausbilden zu lernen, um gutes in der welt verbrei-
ten, böses vermindern zu können. – Alles dies kann man freilich
auch ohne solche verbindungen lernen, auch in der einsamkeit
kann man den stein der weisen finden. Aber es geht langsa-
mer von statten, wenn man sich entweder selbst überlassen wird,
oder sich im gewühle der menschen befindet, wo so mancher
gute gedanke, so mancher heilsame entschluß erstickt wird, wenn er
nicht von andern edlen menschen wieder hervorgezogen wird. Und unter
der pflege eines weisen gärtners wächst ja doch immer ein zarter, jun
ger baum besser, als wenn er in der wildniß unter dornen u. hecken
seinem schicksal überlassen wird. Nicht zu gedenken, wie viele kennt-
nisse zur ausbildung des moralischen charakters nöthig sind, die
man nicht einmal von dich selbst erlernen kann, wenn uns nicht
andre vorarbeiten u. den weg bahnen. Und wie viel muß nicht das
beyspiel aufgeklärter, vortrefflicher männer auf den jüngling wirken
in einer gesellschaft, wo man so viele auf menschenwohl abzweckende
grundsätze hört!“
Ich freue mich im geist, wenn dem O., wo nicht durch mich und
meine person, doch durch einsichtsvolle, gut denkende freunde,
die ich Ihnen empfohlen habe, einiger vortheil zuwächst, und
daß männer, wie Schmidt und Warlich, recht eifrige anhänger
dieses instituts seyn werden, dafür ist mir ihre denkungs
art bürge.
Mit vollkommenster hochachtung verharre
Ew. Wohlgebz.
gehorsamster
J. Lipsius

Anmerkungen