1787-03 Bode (Basilius): Reproche 2 an Haun (Jacob Thomasius)

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Kommentar

Transkript

Lieber Bruder Thomasius.

Ich freue mich mit Ihnen über Ihre die
Freude über Zufriedenheit, welche
Sie in Ihrem letzten Q.L. bezeugen;[1]
Und zwar recht aufrichtig! --

Ungern thu ichs, aber, ich muß einen
Bruder, der öffentlicher Lehrer der höchsten
Moral ist, an Behutsamkeit im Ausdruck[2] erinnern!
Sie sagen: "Oh Ihr Grossen der Erde,
wie viel liegt es nicht an Euch mit,
treue und ruhige Diener zu haben!"
-- Nur der Behutsamkeit sage ich,
muß ich's anmerken. Denn daß Sie
nicht sagen wollen, Untreu oder
Nachlässigkeit im Amt fänden in irgend
einer, auch wirklich unfreundlichen
Behandlung der Obern eine Ent-
schuldigung, das glaub' ich nicht. Aber
es steckt doch[3] in dem, Ihnen entwischten
Ausdrucke, und so Etwas, wenn es
öffentlich gesagt würde, thäte keine
gute Wirkung.

Ich kenne die Vaterfreuden ganz!
Und kann also die Ihrigen vollkommen
mitempfinden. Mein herzlicher Wunsch
ist, daß Gott Ihnen auch dieser Art häuslicher
Glückseeligkeit viel zu schenken für gut
befinden möge! Aber, Sie wissen ja
daß auch Leiden aus seiner hand
immer Seegnungen sind! nicht
Freuden allein!

Über unser bisherbehandeltes Objekt
nur noch kürzlich dieß:

Ich kann überhaupt Widerspruch ver-
tragen; und, da ich meine Meinung nie
für unfehlbar halte, so ist es mit, bey
Untersuchungen so gar sehr lieb, weil die
Wahrheit dadurch gewinnt. Also keine
Complimente bey Discussionen dieser
Art! -- Ich sehe allerdings den|<2>
Ausdruck "Vormundschaft" nach
dem allgemeinen Sprachgebrauche,
verstanden, Weil er in der Gegend
wo ich bin, nicht in dem Sinne bekannt
ist, wie man solchen, wie ich nachher sehe.
in Ihrer Provinz nimmt. -- doch wird
das, was ich damals darüber sagte, auch
auf eine Art von Magistratspersonen, mit
einiger Einschränkung anwendbar
seyn; meine ich noch.

Wenn Sie meinen Grundsatz, der
mir noch nicht widerlegt ist, und auch
wohl, aus dem rechten Gesichtspunkte
betrachtet, unwiderleglich ist, nämlich:
"Nichts zu thun, wodurch eine freundliche
Sünde öffentlich bekannt werden könnne"
gemerkt haben: so werden Sie auch nicht
widersinnig finden, daß ich nicht da-
für seyn kann, daß irgend eine Strafe
darauf gesetzt werde, wenn iemand,
sey es Mutter, Schwester, Tante, oder
sonst ein dummer Freund der Eheleute
anräth, sich vor einer zu starken An-
zahl Kinder in Acht zu nehmen.--
Schändlich und schädlich ist ein solcher
Rath allerdings! Aber eine darauf
gesetzte Strafe würde aus Erfahrung, die
ich hier nicht Zeit habe, zu entwickeln
die Ihnen aber selbst hangreiflich seyn
müssen, noch weit schädlichere Folgen
nach sich ziehen.

Herzlich wünsche ich, daß es thunlich
seyn mögte, auf dem Lande, in
der ganzen ~~~~~heit zwey
Feste, eines zur Frühlings, und Eins
zur Erndte-Feyer einzuführen.
Eine verünftige Polizey würde
due ganz zweckmäßig anordnen
können und ihr Nutzen wäre
augenscheinich. Wir, mein lieber
Bruder, müssen uns aber bescheiden|<3>
daß Wir nur vorschlagen, und unsere
Gründe bey den ordentlichen Vorge-
setzten anführen können. Daher
ersuche ich Sie, unsere Correspondenz
Ihrem Superor, Herrn Gen. Sup[erintendent] K[oppe][4]
den Gründen und Gegengründen
nach (ohne zu sagen, von wem, oder
woher!) vorzulegen. Von O[rden]s wegen
soll ebenfalls geschehen, was geschehen
kann. Alsdann, wollten Wir
auch die Frage in der Provinz herum
gehen lassen; und mehr Rath und,vielleicht auch Bestand suchen.
Das ist dann alles, was Wir
thun können und dürfen --
Inzwischen wollen Wir auch
indirechte gegen dieses Unheil
als ehrliche Männer zu wirken
suchen, wie es unser O[rden]s-Pflicht ist
zu streben, daß des Übels
in der Welt immer weniger
werde.

Was sie über W. .[5] sagen, darüber
nur das; Es muß hemand die Freyheit
haben, uns zu verlassen- Die
Reciprocität, wissen Sie, hat der
O[rden] sich gleichfalls vorbehalten.

Ich liebe Sie mit der treuen Liebe
eines Bruders und bin

Ihr Basilius

Anmerkungen

  1. Der Bezug gilt SK11-621
  2. im Ausdruck nach Randanweisung eingefügt
  3. doch nach Randanweisung eingefügt
  4. Johann Benjamin Koppe
  5. Anmerkung