Basilius

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Die Summe der Handlungen, der Totalaffect den ein Mensch, ein Bürger auf die Gesellschaft, den Staat macht, worin er lebt; dies Quantum von wohlthätiger Wirksamkeit, das von ihm herrühret, bestimmt den Charakter eines Menschen und soll der Maaßstab seiner Schätzung seyn.

Bode als Basilius, Oktober 1786

Basilius' Rolle

Der Name des Basilius begegnet dem Leser der Dokumente vor allem im Zusammenhang mit den Reprochen an die Mitglieder der verschiedenen Minervalkirchen. Die Mehrzahl der Reprochen findet sich im 12. Band der Schwedenkiste. Der Begriff der Reproche bezieht sich auf die Antworten, welche die Ordensmitgliedern auf die jeweils monatlich einzureichenden Quibus-Licet erhielten. Neben den monatlichen Berichten enthält SK12 aber auch Dokumente wie SK12-a235, SK12-a237 und SK12-a240, die den Eindruck erwecken, als wäre der Inhalt verschiedener Quibus-Licet zusammengefasst worden. Ob diese Zusammenfassungen nur der Archivierung dienten, oder ob es sich um eine Analyse handelte, mit deren Hilfe die weitere Bearbeitung und Beantwortung erleichtert werden sollte, ist noch unklar.

Wer war Basilius

Basilius war eine Kunstperson, hinter der sich mehrere verschiedene Autoren verbargen, die jedoch stets darauf bedacht waren, den 'einfachen' Mitgliedern des Ordens gegenüber unerkannt zu bleiben (vgl. SK12-a238). Ausgenommen waren vermutlich die Leiter der Minervalkirchen. Anhand von SK12-a233 und SK12-a234 ist klar nachweisbar, dass Helmolt wusste, dass Bode als Basilius und Geheimer Oberer agierte. Die Arbeitslast der Beantwortung der Quibus-Licet wäre von einem Autor allein nicht zu bewältigen gewesen. Prominentester, und bislang einzig sicher anhand seiner Handschrift identifizierter Autor war Bode. Noch ist unklar, ob Bode bei der Beantwortung sämtlicher Quibus-Licet Regie führte, oder ob die anderen Autoren selbstständig arbeiteten.

Das 'System' Basilius

Anhand einiger Dokumente aus SK12 lassen sich Erkenntnisse über die Entstehung der Reprochen gewinnen. SK12-a044 zeigt, dass SK12-a001 bis SK12-a192 die tatsächlich an die Ordensmitglieder versendeten Reprochen sind. Die Briefumschläge sind mehrheitlich erhalten.

Die Reprochensammlungen (SK12-a193 bis SK12-a285) sind mehrheitlich die von Bode vorformulierten Schreibvorlagen für seine Schreiber.

SK12-a241 vermittelt Einblick in die Herstellungsweise von Sinnspruch-Reprochen. Der Autor verwendet eine Thematik (hier: Tugend und Charakter) und lässt jedem Empfänger einen Sinnspruch zur Thematik zukommen. In SK12-a261 dreht sich dagegen zeitweise alles um Plutarch: Gleich drei Mitglieder der Gothaer Minervalkirche bekommen gleichzeitig Reprochen, in denen Weisheiten des Griechen thematisiert werden. Dies deutet auf ein stark formalisiertes, schnelles Abarbeiten der eingehenden Quibus Licet hin. Möglicherweise zeigen sich hier aber auch Einblick in die aktuelle Lektüre des Basilius. SK12-a248 ergibt den Eindruck, als wären Sinnspruch-Reprochen auf Vorrat verfasst, und bei Gelegenheit verwendet worden.

Schriftprobe Bode als Basilius SK12-a200

Ordensname des unbekannten Oberen.

Einblick in das Büro

  • mehrere verschiedene Personen
  • Nicht nur Reprochen, auch Berichte über Ordensmitglieder, die eindeutig nicht an sie adressiert waren (z.B. SK12-a232)
  • Verschiedene Schreiber 'belieferten' eine Region? Abgleich mit Reprochen anderer Regionen wäre aufschlussreich.
  • Auffällig: Warum waren Repochen der früheren Jahre nicht datiert?
  • SK12-a233 zeigt, dass die Einschätzungen Bodes zu den Charakteren der Gothaer Illuminaten vermutlich an Helmolt adressiert waren (siehe seine fehlende Einschätzung über Helmolt jr.). Helmolt wusste, dass Bode als Basilius schrieb. Damit scheint auch klar, dass die Kommunikation zwischen MK und Bode über Helmolt ablief.
  • Basierend auf SK12-a233 ist zu vermuten, dass Bode als geheimer Ordensoberer -basierend auf den QL- nicht nur Reprochen and die individuellen Mitglieder einer MK schickte, sondern der Leiter einer MK (in diesem Fall Helmolt) eine Einschätzung Bodes der Mitglieder seiner MK erhielt
  • Das vertraute Verhältnis zwischen Bode und Helmolt zeigt sich auch in SK12-a234.
  • SK12-a235, SK12-a237, SK12-a240 erwecken den Eindruck, als wäre der Inhalt verschiedener QL zusammengefasst, und anschließend an Bode(?) übermittelt worden. Bode ist definitiv nicht der Verfasser.
  • In SK12-a238 ist exemplarisch zu beobachten, wie B. versucht sich gegenüber Bohn (Spanheim) als ortsfremd in Bezug auf Gotha darzustellen.
  • SK12-a241 gibt Einblick in die Herstellungsweise von Sinnspruch-Reprochen. Der Autor verwendet eine Thematik (im Mai: Tugend und Charakter) und lässt jedem Empfänger einen entsprechenden Sinnspruch zukommen. Im Juni sind 3 der 5 Sprüche in Latein verfasst. Insgesamt erscheint hier das Reprochensystem als wenig individuell.
  • SK12-a248 ergibt den Eindruck, als wären Sinnspruch-Reprochen auf Vorrat verfasst, und bei Gelegenheit verwendet worden.
  • Dokumente wie SK12-a251 geben teils ganze QL wieder, scheinbar uneditiert. Hier kann sich noch der ein oder andere Aufsatz finden.
  • Jedes Ordenmitglied musste einen Aufsatz über den ursprünglichen Träger seines Tarnnamens halten. Sollte sich herausstellen, dass ein solcher Träger sich während seines Lebens unehrenhaft verhalten hatte, konnte es zur nachträglichen Änderung des Tarnnamens kommen (vgl. an Schenk in SK12-a261)
  • Kurze QL à la Ich habe diesen Monat nichts zu erinnern waren nach den Ordensstatuten verboten (vgl. an Geißler in SK12-a261)
  • In SK12-a261 an Demme: Interessante Einblicke in den Beginn einer Korrespondenz mit Basilius und den Aufbau einer Illuminaten-Ortsgruppe
  • In SK12-a262 viel zum Volkskalender 1788.
  • In SK12-a263 finden sich in den Reprochen an Castellio Anweisungen Bodes, wie die Reproche zu verfassen sei
  • SK12-a276 Frühjahr 1787. Bode befindet sich auf Reisen (nach Paris)?). Reprochen werden komplett fremdverfasst, d.h. sind in Französisch und Latein. Der Orden scheint auf Autopilot zu laufen (Anm. MM: Allerdings verlässt Bode Weimar laut seinem Tagebuch erst am 1. Mai 1787...).
  • In SK12-a263 wird darauf hingewiesen, dass verschiedene von Ordensmitgliedern für den Orden verfasste Aufsätze in Zeitschriften veröffentlich wurden. Evtl. findet sich also der ein oder andere vermisste Aufsatz noch dort.
  • In SK12-a263 wird auf einen Streit zwischen Lauhn und Rudorff hingewiesen.
  • Reprochen wie SK12-a247 und SK12-a248 deuten scheinbar darauf hin, dass die Mitglieder der Gothaer MK im selben Monat teils von verschiedenen Schreibern Reprochen erhielten. eine Gruppe bestehend aus 3 Mitgliedern der MK erhielt ausführlich formulierte Antworten, die anderen nur Sinnsprüche. Deutet dies aus eine 2-Klassengesellschaft innerhalb der MK hin, in der hochrangige Mitglieder bessere Antworten erhielten?
  • An den Einzelreproche n zwischen SK12-a001 und SK12-a192 wird der Charakter der einzelnen, als Basilius (und für Bode) schreibenden Sekretär deutlich. Schreiber 1 schreibt so häufig in Englisch und hat ein Faible für aktuelle Technologien. So verweist beispielsweise SK12-a128 auf eine fire-engine. Ob es sich dabei um ein Löschfahrzeug oder eine der in England aufkommenden Vakuum-Dampfmaschinen handelt, bleibt unklar.
  • 1783-12-30 Präfekturbericht Gotha weist deutlich darauf hin, dass nur die Q.L. höhergradiger Ordensmitglieder vom Superior einer MK an den Präfekten weitergeleitet wurden. Die QL niedergradiger Ordensmitglieder wurden vom Superior geöffnet und bewertet. Nur wenn sie besonders gehaltvoll waren, wurden sie an den Präfekten weitergeleitet. Bode als Präfekt erhielt demnach nur die besseren QL, kurze und wenig inhaltsreiche Schreiben wurden vermutlich an anderer Stelle beantwortet
  • Der Präfekturbericht vom Dezember 1784 SK15-310 zeigt deutlich, dass Herzog Ernst in der lokalen Rangfolge über Helmolt (Chrysostomus) agierte. Helmolt folgte herzoglichen Anweisungen und nahm Kandidaten auf, die dieser vorschlug bzw. im Orden wissen wollte. Damit hatte Helmolt sich wohl nicht nur vor Bode (Basilius) zu rechtfertigen, sondern auch vor dem Herzog.
  • Der Präfekturbericht vom März 1786 Sk15-315 zeigt deutlich, dass der Herzog (Timoleon) auch bei Beförderungen innerhalb des Ordens das letzte Wort hatte - Helmolt (Chrysostomus) benötigte, obwohl er Superior war, seine Erlaubnis.
Schriftprobe Schreiber 1 als Basilius SK12-a231
Schriftprobe Schreiber 2 als Basilius SK12-a211
Schriftprobe Schreiber 3, möglicherweise Lühe, als Basilius SK12-a216