Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (Quintus Severus): Über die Wurzel der meisten Irrthümer

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  • Dokument Leithandschrift: Schwedenkiste Band 13, Dokument SK13-002
  • Standort: GStA PK, Freimaurer, 5.2. G 39 JL. Ernst zum Kompaß, Gotha, Nr. 111. Schwedenkiste. Abhandlungen und Geschichte, v.a. Illuminatenorden, 1757-1784
  • Doubletten: offenbar die Reinschrift, bei der der letzte Absatz entfiel: SK13-003
  • Titel: "Über die Wurzel der meisten Irrthümer"
  • Autor: Der Text weist keine Autorzuschreibung auf, die auf Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (Timoleon) zielende ist unbestätigte Vorgabe der Schwedenkiste
  • Datierung: ohne Datierung
  • Querbezüge: zu den anderen Aufsätzen über Irrtum
  • Erschließung: Olaf Simons / Markus Meumann
  • JPG:

Commentary

Die kurze fragmentarische Passage ist auf zwei kleinen Zetteln unterschiedlich von derselben Handschrift formuliert erhalten. SK13-002 ist grammatikalisch wirrer und um einen Absatz länger. SK13-003 dürfte die Reinschrift sein, bei der der letzte Abschnitt für entbehrlich erachtet wurde.

Die Argumentation steht, auf die Moral ausgerichtet unter dem Einfluss Kants. Der Irrtum entstehe wenn zwischen Mitteln und Zwecken zu Glückseligkeit zu gelangen falsch entschieden wird, die wahre Weisheit ist hier die Gegenposition.

Transcript

SK13-002 SK13-003

Die meisten Irrthümer der Menschen mögen wohl daher
entstanden seyn, daß Mittelzwecke der Glückseeligkeit und
Ruhe für Endzwecke unsers Daseyns angesehen, und über diese das
ganze vergessen haben, wozu diese nun dienen – bloß fehlen [?]
sollten. Wahre Weißheit wäre also diejenige Kunst und Einsicht,
die uns lehren, Dinge von Dingen – Mittel von Bestimmung
richtig zu unterscheiden. Wir schlagen im gemeinen Leben irgend
einen Lieblings Weg zur Zufriedenheit ein – und schlägt uns
diesee etwa fehl, will uns nicht recht gelingen, so glauben wir uns dieswegen unglücklich,
und vergeßen, über unsere Empfindlichkeit, unseren Schmerzen
uns geirrt – es nicht zweckmäßig angefangen zu haben –
und vergeßen sage ich, andere Neben Wege zu ergreiffen
die uns aber dahin führen würden, wohin wir zu gelangen wünschen.

Der Weise überlegt daher wohl, dasjenige, was er sich zum
Ziele seiner Wünsche vorgesetzt hat – läßt sich durch
keine Hinderniße irre machen, noch weniger etwa dazu verleiten,
den Theil fürs Ganze – den Weg fürs Ziel anzusehen.
Diese an sich sehr einfache Lehre leidet aber in der Ausführung.

Die meisten Irrthümer der Menschen, mögen wohl daher
entstanden seyn, daß sie Mittel Zwecke unserer Glückseeligkeit
und Ruhe für Endzwecke unsers Daseyns angesehen,
– und über diesen, das Ganze, wozu sie nur dienen sollten
vergessen haben. Wahre Weißheit wäre also diejenige Kunst
und Einsicht, die uns lehren, Dinge von Dingen – Mittel
von Bestimmung richtig zu unterscheiden. Wir wählen im
gemeinen Leben, irgend einen Lieblings Weg zu unserer
Zufriedenheit – schlägt uns dieser etwa fehl? so glauben
wir uns dieserwegen unglücklich, und vergessen über unserer
Empfindlichkeit – unseren Schmerz darüber, daß wir
uns vielleicht geirrt – es nicht Zweckmäßig angefangen
zu haben – und vergeßen es, andere Mittel und Wege
zu ergreiffen die uns aber dahin führen können – vielleicht
sicherer dahin gebracht haben würden, wenn Wirs gleich so an
gefangen hätten, wohin wir zu gelangen wünschen.

Notes