Helmolt (Chrysostomus): Einige Vorsichtichkeits-Regeln bey der Auswahl künftiger Brüder

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Kommentar

Die Rede wird im Protokoll der Minervalkirche vom 20. März 1786 erwähnt und lässt sich somit zeitlich einordnen.

Transcript

Einige Vorsichtichkeits-Regeln bey der Auswahl künftiger Brüder.


Glauben Sie nicht, meine Brüder, daß ein Mensch durchaus
gut sey, wenn er eine gute hervorleuchtende Eigenschaft
hat, aber eben so wenig, daß er darum böse sey, wenn
ein zu merklicher Flek ihn verdunkelt. Diesen Fehler be-
gehen so viele Menschen-Beobachter, und laßen sich sogleich
einnehmen. Laßen Sie sich daher auch nicht durch Leute
verführen, die glänzende VerstandsKräfte zeigen, von
denen man also vermuthen könnte, daß sie über die gemeine
DenkungsArt, erhoben wären. Sie verlieren nur gar
zu oft im nähern Umgange, sind stoltz, zu frey, eitel,
zänkisch und weil viele von Ihnen zwar die herrlichsten
Grundsätze wißen und beweisen können, wenige aber fühlen
was sie so schön zu erzählen wißen; so fehlt Ihnen oft das
edelste Stük, ein gutes weiches Hertz. Das gute edle Herz
ist, was wir am mehresten an unsern Brüdern zu suchen,
und am sorgfältigsten zu bilden haben. Aber nicht der, welcher
sich deßen rühmt, hat es. Es geht damit, wie mit der Gesund-
heit, man merkt sie nicht, so lange man sie hat. Wer seine
Ohren nicht dem Wehklagen der Elenden, sein Hertz nicht dem
sanften Mitbruder verschließt; wer der Unglüklichen
Freund und Bruder ist; wer alle Creatur liebt; wer
mit Vorsatz auch nicht den Wurm zertritt, der sich unter
seinen Füßen krümmt; wer ein Herz für Menschenlie[be]
und Freundschaft hat; wer standhaft in Wiederwärti[g-]
keiten, unermüdet eine angefangene gute Sache durchz[u]-
setzen, dabey unerschrokken in Überwindung von Schwierigkeiten
ist; wer des Schwächern nicht spottet, weßen Seele
fühlbahr gegen große Entwürfe zum Wohl der Menschheit
ist; begierig, sich über alles niedrige Intereße zu er-
heben, und durch große Wohlthaten auzuzeichnenm wer
den Müßigang fliehet, wer keine Art von Kenntniß
für unnütz hält, welche zu erlangen, er Gelegenheit hat,
aber Menschenkentniß sein Hauptstudium seyn läßt, wer,
wo es um Wahrheit und Tugend zu thun ist, sich über
den Beyfall des großen Haufens hinwegzusetzen, und sein[em]
Herzen zu folgen den Muth hat – das ist ein Mann für un[s.][?]

Anmerkungen