Peggy Pawlowski:„...sich begnügen, im Geheimen für das Gute zu wirken“. Der Beitrag Johann Adam Weishaupts zur Pädagogik des Illuminatismus (II)

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Ich bin der Welt für künftig und allzeit eine Nulle. Ich kann ihr auch durch nichts weiter nützen als mein Beispiel. Ich bin einmal wider willen auf die Bühne dieser Welt hervorgezogen worden. Da stehe ich nun dem Urtheil und der Beobachtung ausgesetzt, und mir liegt es ob, die mir zugeteilte Rolle mit Würde und Anstand zu vollenden.
J.A.Weishaupt an Herzog Friedrich Christian v. Schleswig Holstein am 10.9. 1793

II. Johann Adam Weishaupt - der Gründer des Illuminatenordens

1. Zum biographischen Hintergrund

Johann Adam Weishaupt gehört zu den Persönlichkeiten der Aufklärungsepoche, denen bisher noch nicht in gebührendem Maße Aufmerksamkeit zuteil wurde. Bedauerlicherweise hat die wenig ausgreifende und oft vorurteilsreiche Auseinandersetzung mit seiner charakterlichen Disposition häufig zu Aussagen geführt, die sich bei genauerer Betrachtung als wenig zutreffend erweisen.[1] Eine Biographie von Weishaupt existiert bisher nicht. Basale Daten zu seiner Lebensgeschichte hat Leopold Engel zusammengetragen. Trotz seiner wohlwollenden Absichten, konnte er nicht verhindern, daß Weishaupt weiter kritisch und vorurteilsvoll beäugt wurde. Eine detaillierte Beschreibung dieses Lebensweges aufzuzeigen, kann nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein, doch sollen für das Verständnis von Person und Werk wesentliche, mit der Ordensgeschichte in Verbindung stehende, biographische Momente beachtet werden.

Im ersten Drittel seines Lebens hatte es den Anschein, als würde Weishaupt, ähnlich Kant, dessen einzige Lebensstation bekanntlich Königsberg war, Ingolstadt als Wohn- und Wirkungsort bis zu seinem Tode beibehalten wollen. Er wurde hier am 6. Februar 1748 als Sohn Johann Georg Weishaupts, Professor für kaiserliche Institutionen und Kriminalrecht an der Ingolstädter Universität, geboren. An diesem Ort wuchs er als Halbwaise nach dem Tod des Vaters 1753 auf. Seine Mutter erreichte es, durch die Fürsprache seines Paten, des bayrischen Schulreformers Johann Adam Ickstatt[2] ihrem Sohn die in Bayern übliche höhere Bildung und Erziehung durch die Jesuiten angedeihen zu lassen. Dies befähigte Weishaupt im Alter von 15 Jahren, die Kollegien der Rechte[3] Philosophie und Geschichte an der Ingolstädter Universität zu besuchen, wo er, vergleichsweise jung im Alter von 20 Jahren 1768 mit einer Abhandlung zum Thema Ius civile privatum promoviert wurde. Das Wohlwollen Ickstatts und der Umstand, daß der Jesuitenorden im Jahre 1773 durch päpstliche Anordnung aufgehoben worden war und somit jesuitische Professoren ihre Ämter abgeben mußten, verhalfen ihm zum Lehrstuhl für Kirchenrecht und praktische Philosophie, den er als einer der jüngsten Professoren bekleidete.

Entrüstung über die noch spürbare Einflußnahme ehemaliger jesuitischer Amtsträger in Stadt und Universität wie auch über die Abwerbung herausragender Studenten in Geheimgesellschaften, vornehmlich der Rosenkreuzer, veranlaßten ihn 1776 zur Gründung des Ordens der Illuminaten.[4] An sich war dies nichts besonderes, da das Sozietätswesen zu diesem Zeitpunkt sehr rege war.[5] Was zunächst eine kleine Gemeinschaft von Studenten um einen pädagogisch ambitionierten Gelehrten war, wurde späterhin zu einer im arcanum funktionierenden Organisation, die sich in erster Linie für die Bildung und Aufklärung ihrer Mitglieder einsetzte. Im öffentlichen Raum begannen sich fast zum selben Zeitpunkt ähnliche Aktivitäten zu regen, wie die Gründung der ersten, der Aufklärung verpflichteten, pädagogischen Institute beweist. Beispiele hierfür sind Pfeffels und Basedows Philanthropine in Colmar bzw. Dessau in den Jahren 1773 bzw. 1774. Vom 1. Mai 1776 bis ins Frühjahr 1785 als das endgültige Verbot die Illuminatentätigkeit Weishaupts formal aufhob, widmete er sich der Ausarbeitung des Schulungssystems sowie der Organisation des Ordens. Zunächst sah er in dem Freiherrn Adolph von Knigge {Philo} einen engen Verbündeten, doch führte Knigges allzu eilfertiges und teilweise unvorsichtiges Vorgehen 1784 zur einvernehmlichen Trennung vom Orden. Weishaupts Stellung als Ordensgründer war bis zuletzt aufgrund der funktionierenden Geheimhaltung lediglich den Mitgliedern der höheren Leitungsebenen bekannt.

Die Aufhebung des Ordens, die Entlassung Weishaupts aus dem Universitätsdienst[6] sowie die Demaskierung als Ordensgründer nötigten ihn zur Flucht aus Ingolstadt. Er entging den Verfolgungen in der damaligen freien Reichsstadt Regensburg. Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg {Timoleon}, der seit 1783 als Illuminat sehr aktiv war, verlieh ihm das Amt eines Hofrats. Auf diese Weise blieb er verschont von dem Schicksal der Verfolgung, das einige seiner Anhänger wie z.B. Thomas Freiherr von Bassus {Minos}, Marchese di Costanzo {Diomedes} oder Maximilian Graf von Montgelas {Musaeus} [7] erdulden mußten. Im Jahre 1785 schien es sogar, als eröffne sich ihm die Möglichkeit, pädagogisch tätig zu werden. Er wurde, unterstützt von ehemaligen Ordensbrüdern, für das Amt des Prinzenerziehers in Zweibrücken vorgeschlagen, was u.a. aufgrund des frühen Ablebens des Sohnes und Titelerben des amtierenden Grafen nicht realisiert werden konnte.

Auch seine privaten Umstände, vor allem die zunächst ungeklärten Verhältnisse, die seine zweite Heirat mit der Schwester seiner verstorbenen Frau betrafen, gestalteten sich schwierig. Die Frau erwartete ein Kind, bevor der Papst seinen dispens zur Wiederverheiratung gegeben hatte. Die Angelegenheit, die auf das Jahr 1783 zurückgeht, wurde nach Bekanntwerden der OS 1787 zum moralischen Stolperstein, der sogar Schiller eine Stellungnahme abrang[8] In den konfiszierten Ordenspapieren fand sich ein Brief Weishaupts an den Ordensbruder und Areopagiten Marius {Jacob Anton von Hertel} [9] dessen Inhalt ihn schwerwiegend belastete. Er stand jedoch zu seiner Verfehlung und nutzte die Situation, um als Betroffener "der Retter und Fürbitter so vieler Menschen zu werden, die sich nach mir in einer ähnlichen Gemütslage befinden werden."[10] Er wich den auf ihn einhagelnden Anschuldigungen nicht aus, sondern versuchte, die gerade in dieser Zeit debattierte Problematik des Kindermords[11] und dessen mit gesellschaftlichen Vorurteilen behaftete Konsequenzen an seinem Beispiel in die öffentliche Diskussion einzubringen. Die Befürchtung, daß man ihn mit "allen moralischen Schwätzern in eine Classe werfen würde, daß nun alles verlohren seyn würde, wenn keine Auswege gefunden würden, um diese Mackel meines Lebens zu verbergen," bewahrheitete sich und zeitigte z.T. tiefgreifende Folgen.[12] Nach seiner Flucht in die dem Aufklärertum offene Residenzstadt Gotha im Jahre 1787, wo er eine ausgesprochen gut organisierte und kompetent geführte Logen- und Minervalkirchentätigkeit vorfand, wurde Weishaupt von den dortigen tonangebenden Illuminaten, Johann Joachim Christoph Bode {Aemilius} und Herzog Ernst {Timoleon}, nicht angeboten, den Vorsitz der Loge zu übernehmen.[13] Es ist fraglich, ob er nach den Erfahrungen der Verfolgung überhaupt die Absicht hegte, sich an die Spitze des Ordens in Gotha zu stellen.

Weishaupt ist auch deshalb weitestgehend unbeachtet geblieben, und wenn überhaupt, dann negativ beurteilt worden, weil ihm der Illuminatismus als "Vergehen" derart zur Last gelegt wurde, daß sich ein ernsthafteres und ausgreifendes Interesse an ihm kaum entwickeln konnte.[14] Wenn jedoch der Ordensgründer einen so wenig ehrenvollen Lebensweg beschritten hat, aus welchem Grunde hätten so viele eindrucksvolle Persönlichkeiten[15] des 18. Jahrhunderts sich den illuminatischen Ideen anschließen sollen? Tatsächlich kann man Zeitgenossen, die ihn persönlich kannten, wie Rudolph Zacharias Becker {Henricus Stephanus}, Glauben schenken, der ihn in einem Brief an Friedrich Justin Bertuch vom 21. April 1785 der Allgemeinen Literatur Zeitung anempfiehlt: "Ich habe ihn [Weishaupt] hier kennengelernt und bin über die hellen Begriffe und den präzisen, körnigten Ausdruck dieses Mannes erstaunt."[16] Der bayrische Staatsminister Graf Lehrbach merkt zwar Kritisches an, bezeichnet ihn jedoch als "ein[en] kluge[n] Kopf, unübertrefflich, einen Plan zu entwerfen; dieser Plan muß aber allemal von Anderen durchgesehen und berichtigt werden."[17]

Weishaupts Wirken wird meist nur unter dem Aspekt seiner Tätigkeit im Orden wahrgenommen, die nahezu vier Jahrzehnte seines Lebens nach dessen Aufhebung sind von der Forschung bisher selten beachtet worden. Er hat in der Zeit nach der Ordenstätigkeit sein pädagogisches Anliegen weiter verfolgt und sich primär der Frage nach der sittlichen Vollkommenheit und Menschenkenntnis zugewandt. Weishaupts Dasein in dem Thüringer Herzogtum, wo seine nunmehr zweite Familie bis 1792 neun Personen zählte, war bestimmt von seiner philosophierenden Schriftstellerei. Er fand hier, dank der Protektion durch den Herzog einen neuen Anfang, doch erreichte er seinen einstigen Einfluß nicht mehr. Zwar wurde von Herzog Ernst und Bode versucht, ihm zu einem Lehrstuhl an der Jenaer Universität zu verhelfen, doch verweigerte Herzog Karl August von Sachsen-Weimar {Aeschylus} seine Zustimmung.

Über Weishaupts Ansehen in Gotha berichtet Reichard {Wiclef} : "In meiner Vaterstadt galt Weishaupt, seinem öffentlichen Wandel zufolge, mit vollem Rechte allgemein für einen redlichen und hochachtbaren Mann"[18] Ebenfalls von Reichard stammt die Aussage, daß er der Herzogin und dem Bruder des Herzogs, der als Walter Fürst eines der aktivsten Ordensmitglieder war, sehr nahe stand und häufig Umgang mit ihnen pflegte[19] Weishaupt stand weiterhin in Kontakt mit einigen einflußreichen Persönlichkeiten, von denen er sich Unterstützung und Protektion erhoffte. Diese Bemühungen führten u.a. aufgrund seiner Reputation nicht zu einer adäquaten Anstellung. Es ist durchaus möglich, daß Weishaupt als Rezensent der "Gothaischen gelehrten Zeitungen" gearbeitet hat[20] Dieses Periodikum, das im Verlag von Carl Wilhelm Ettinger herausgegeben wurde, versäumte es nicht, seine in Gotha entstandene Schriften als Literaturempfehlung aufzunehmen und mehr als wohlwollend zu rezensieren.[21]

Auch die Verbindung zu Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein[22] verschaffte ihm zumindest teilweise Anerkennung und Unterstützung. Der Herzog ließ sich von Weishaupt in Menschenkunde unterrichten, er hatte von dem Ordensgründer eine hohe Meinung und teilte seine Ansicht, daß man unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen nur im Geheimen operieren könne, wenn man etwas in Gang setzen wollte: "In einem solchen Land müssen die wenigen Männer von Talenten und Kenntnissen sich unter einer unverdächtigen Hülle vereinigen, um den schlafenden Geist der Nation zu wecken, um Einfluß auf die Erziehung zu erhalten, und eine bessere erleuchtete Generation von Geschäftsmännern, Privaterziehern und Schullehrern zu bilden, und dazu ist also eine geheime Gesellschaft notwendig"[23]

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Christian und Weishaupt dauerte von 1791 bis 1813 und war geprägt vom Willen des Herzogs, Weishaupt zu unterstützen. Ein weiterer Förderer Weishaupts war der Erfurter Statthalter und Mitglied des Illuminatenordens Carl Theodor von Dalberg {Baco di Verulam}, der Weishaupts schriftstellerische Projekte unterstützte. Diese Umstände verschafften ihm eine teilweise Rehabilitation, obwohl er aus Bayern auf Lebenszeit verbannt war. Trotzdem wurde er im Jahre 1808 zum korrespondierenden Mitglied der bayrischen Akademie der Wissenschaften in München ernannt[24] was ihm die Möglichkeit bot, wieder an der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion teilzunehmen, ihn jedoch keineswegs zufriedengestellt haben mag.

Aus den letzten beiden Lebensjahrzehnten Weishaupts ist wenig bekannt. Er widmete sich weiterhin der Schriftstellerei, er blieb bis zuletzt Denker der Aufklärung und Anhänger des Fortschrittsglaubens und hoffte darauf, daß spätere Generationen seine Verdienste würdigen könnten. Doch er sah keinen Grund, seine nach der öffentlichen Niederlage eingenommene pessimistische Haltung gegenüber der Gesellschaft bis zu seinem Tod am 18. November 1830 zu revidieren.

2. Weishaupts Denkungsart

Der Illuminatengründer Weishaupt wird gemeinhin nicht als hervorstechende Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts angesehen. Man muß ihm gleichwohl ein Gespür für die Belange seines Zeitalters attestieren, das in dem von ihm initiierten Illuminatenorden, dem Modellversuch einer der Aufklärung verpflichteten Sitten- und Weisheitsschule, seinen Niederschlag findet. Er hat Anteil an dem Wandel, der seit der Aufklärungszeit die europäische Denkungsart bestimmt. Weishaupt verfügte über ein ausgeprägtes Sensorium für gesellschaftliche Probleme, er neigte zum Eklektizismus und vertrat einen pragmatischen Begriff von Aufklärung. Diese drei Momente beeinflußten seine Ideenwelt maßgeblich, sie bildeten die gedankliche Grundlage des Illuminatenprojektes.

Sein Wesen war teilweise bestimmt von einer kühl-distanzierten Haltung. Ganz besonders wird diese deutlich in einer Äußerung, die er gegenüber Herzog Ernst von Sachsen-Gotha in bezug auf seine Familienverhältnisse während der Flucht nach Gotha hervorbringt: "zum großen Glück ist mein Drittes Kind nach 8 Tagen verstorben."[25] Hier tritt der ihm von Hagbard zugeschriebene, als "philosophisch kalt"[26] bezeichnete Wesenszug besonders zutage. Es zeigt eine m.E. wesentliche Ausrichtung in Weishaupts Denken, das die zwischenmenschlichen Beziehungen dem Überpersönlichen, auf ein großes Ziel hindenkenden unterordnete, was ihn teilweise ethische Normen vergessen ließ. Die wohl zutreffendste Umschreibung von Weishaupts Charakter hat Reinhart Koselleck gefunden, der ihn als "von schüchterner Aufdringlichkeit"[27] bezeichnet hat.

Weishaupt zeigt in nahezu allen seinen schriftlichen Äußerungen ein ausgreifendes Interesse an gesellschaftlichen Fragen, er verfügte über ein entwickeltes Sensorium für problematische gesellschaftliche Konstellationen und Prozesse. Reinhart Koselleck[28] hat ihn in eine Reihe mit St. Simon und Marx gestellt. Den Begründer des Kommunismus und Weishaupt verbindet ein ähnlicher Befund in bezug auf die Verhältnisse innerhalb der menschlichen Gesellschaft: "In jedem ältern und neuern Staat, in monarchischen, wie in polyarchischen Staaten steht noch immer, so weit unsere Geschichte reicht, mit abwechselnden Glück, der gehorchende Theil mit dem gebietenden in einem fortdauernden Kampf, in dem Zustande eines bald öffentlichen, bald geheimen Krieges. Jeder Stand will sich auf Unkosten des Ganzen, zum Nachtheil seiner Mitstände, selbst einzelne Staatsbürger wollen sich über ihren Stand erheben."[29] Hier werden ganz deutlich die Phänomene beschrieben, denen Marx später die Begriffe Klassengegensätze bzw. Klassenkampf zuordnete. Er glaubte, Sitten würden ausschließlich "durch Sitten geändert, und Meinungen durch das langsame unmerkliche Entstehen neuer Meinungen verdrängt."[30] Der nicht zufriedenstellenden gesellschaftlichen Situation konnte nur durch eine im Hintergrund agierende Vereinigung begegnet werden. Weishaupt behauptete sogar, daß "Gott selbst den Trieb nach geheimen Verbindungen in die edlern und schönern Seelen der Menschen gelegt [hat], um den übrigen zurückgebliebenen Theil zur Vollkommenheit, zur Glückseeligkeit zu führen."[31] Hauptsächlich unter dem Einfluß von Jean Jacques Rousseau[32] aber auch durch die Schriften des französischen Sozialkritikers Raynal war er zu der Überzeugung gelangt, der Mensch müsse aus dem herrschenden gesellschaftlichen Zustand herausgeführt werden. Doch war ihm die bürgerliche Gesellschaft zu Zeiten des Illuminatenordens keine Alternative. Er wollte, "daß der Mensch den Bürger unendlich übertreffe."[33] Der Mensch sollte sich selbst regieren lernen. Hatte er es darin zur Meisterschaft gebracht, würden sich gesellschaftliche Organisationsformen erübrigen. Hierin zeigt er sich nicht konform mit Rousseau, der in seinen gesellschaftkritischen Schriften die gleichzeitige Ausbildung zum Menschen und zum Bürger gefordert hatte.

Weishaupt war darauf aus, möglichst viele der sich im 18. Jahrhundert regenden geistigen Strömungen aufzunehmen, diese pädagogisch aufzubereiten und unter den Illuminaten zu verbreiten. Er konnte nicht für sich beanspruchen, die von ihm favorisierten Ideen grundlegend umgestaltet oder weiterentwickelt zu haben. Er verwendete sie versatzstückhaft[34] und betätigte sich eher als Eklektiker denn als originärer Denker. Er sagte von sich selbst, seine Suche nach Ideen dauere so lange an, "bis ich durch ein Ungefähr entdecke, daß selbst weisere Menschen der Vorzeit und der neuern Zeiten nicht anders gedacht haben. Dies verursacht sodann, daß ich Muth fasse, und abermahls glaube, die Wahrheit gefunden zu haben."[35] Er holte sich also die Bestätigung für die Richtigkeit seiner Ansichten größtenteils bei den für ihn entscheidenden Philosophen und Gelehrten, dabei spielte es weniger eine Rolle, ob die jeweiligen Ideen miteinander kompatibel waren. Entscheidend war ihre Verwertbarkeit für die von ihm verfolgten Ziele.

Sein Hang zum Eklektischen verbindet Ideen und Konzepte wie die strikte Subordination der Societas Jesu mit altertümlichen Kulten oder dem Aufklärertum eines Pope, Helvetius, Rousseau. Es gehörte nicht zu seinem Anliegen, mit einer völlig neuartigen Lehre aufzuwarten. Weishaupt verfolgte ein ganz anderes Ziel: "Unsre Lehren sind nicht neu und unbekannt: aber die Anstalten zur Ausführung, die brennende, heiße Begierde, dieß alles zu werden, ist neu, ist uns vor allen andern eigen."[36] Ihm kam es darauf an, daß Ideen und Lehren zur Anwendung gebracht wurden und für das Leben des einzelnen Bedeutsamkeit erlangten. Er stellte mit Bedacht auf pragmatische, dem Handeln verpflichtete Grundsätze ab. Der Illuminatenorden sollte sich zu einem ausführenden Organ der Aufklärung entwickeln. Seine pragmatische Zielsetzung bestätigt die Auffassung Ernst Cassirers, die gesamte Epoche sei "von den vorangehenden Jahrhunderten abhängig geblieben. Sie hat nur das Erbe dieser Jahrhunderte angetreten; sie hat weit mehr geordnet und gesichtet, entwickelt und geklärt, als sie wahrhaft neue, schlechthin originale Gedankenmotive ergriffen und zur Geltung gebracht hat."[37]

Die Widmung ‚Der Welt und dem menschlichen Geschlecht', die Weishaupt seiner Schrift Verbessertes System des Illuminatenordens voranstellt, belegt, daß er sich im Sinne der Leitgedanken der Aufklärung betätigen wollte. Er verstand Aufklärung als Aufruf, die "selbstverschuldete Unmündigkeit"[38] zu überwinden und weist ihr im Verlaufe seiner Ausführungen eine ähnlich maßgebliche Orientierungsfunktion für den Bildungsprozeß wie Moses Mendelssohn zu. Mendelssohn, der Bildung als Produkt von Kultur und Aufklärung ansah, war von der "Bestimmung des Menschen als Maß und Ziel all unserer Bestrebungen und Bemühungen" überzeugt, dies war für ihn der "Punkt, worauf wir unser Auge richten müssen, wenn wir uns nicht verlieren wollen."[39] Diese Sicht deckt sich zu einem Großteil mit den Ambitionen des Illuminatismus. Der Feststellung Mendelssohns, daß ‚Bildung' ein ‚Neuankömmling in der Sprache' sei, damit zur ‚Büchersprache' gehöre und als blutleeres Konzept im Raum stünde, steht das Bemühen des Illuminatenordens entgegen, die Diskrepanz zwischen programmatischem und handelndem Aufklärertum zu verringern: "Handeln ist also [...] erster Zweck, die Welt beßer und klüger zu machen."[40] Auf die Illuminaten trifft Cassirers Wort zu, daß die Ideen vorangegangener Zeitalter "aus festen und fertigen Gebilden zu tätigen Kräften"[41] geworden seien.

Weishaupts pragmatischer Begriff von Aufklärung geht von der Interdependenz zwischen Individuum und gesellschaftlichem Umfeld aus: "Aufklärung ist zu wissen, was ich seye, was andere seyn, was andere fordern, was ich fordere: zu wissen, daß ich mir nicht allein erklecklich bin, daß ich ohne Mithilfe meiner Nebenmenschen nichts bin, sie als einen wesentlichen Theil meiner Glückseeligkeit betrachten, ihren Beyfall, Gunst zu suchen, zu wissen, daß ich solchen nicht erhalte außer durch Ausübungen, die ihnen nutzbar sind." [42] Klarheit über die eigene Befindlichkeit wird zum Ausgangspunkt aller Tätigkeit des Menschen. Er sollte zuerst zu sich selbst finden, sollte wissen, wer er ist, sich selbst gegenüber in Toleranz üben. Dann konnte er "nachgiebig gegen Fehler, tolerant gegen anderer Meynungen, und mit seinem Schicksal zufrieden" [43] sein. Der Mensch soll im Hinblick auf die Mitmenschen leben, seinen "Überschuß zum Nutzen anderer verwenden."[44]

Es war ihm bewußt, daß dieser Anspruch nicht von allen eingelöst werden konnte, daß aber diejenigen, die sich hierzu tauglich zeigten, auf den richtigen Weg gebracht werden mußten. Illuminaten sollten zu "Streitern gegen Finsterniß"[45] werden und diese Haltung verinnerlicht haben. Klaus M. Kodalle hat auf die Elitefunktion des Ordens hingewiesen, die in diesem Gedanken ihren Ursprung hat.[46] Die Umgestaltung der Gesellschaft durch Aufklärung war zuvorderst eine Angelegenheit für eine überschaubare Gruppe bereits Aufgeklärter. Unter diesen galt es in erster Linie, Erreichtes zu erhalten und gewonnene Einsichten für das eigene Leben zu nutzen: "Könnt ihr nicht allen Menschen auf einmal diesen Grad der Aufklärung verschaffen, so fangt ihr, wenigstens ihr besseren unter euch selbst an. Dient, helft, versichert euch wechselweis, vermehrt eure Zahl, macht euch wenigstens unabhängig, und laßt das übrige die Zeit und eure Nachkommen thun."[47] Aufzuklären hieß für Weishaupt nicht ungestümes Aufrufen zum Tätigsein für die Menschheit, sich loszulösen von allem Bisherigen. Vielmehr wollte er die Chancen, die dieser Moment der Besinnung auf das Menschsein hervorgebracht hatte, nutzbar machen für künftige aufgeklärtere Generationen. Er war wie andere Aufklärer der Auffassung, daß die Menschheit zu ihrer Vervollkommnung von sich aus fähig sei. Sein Menschenbild war von der Überzeugung geprägt, das Individuum verfüge über unerschöpfliche Potentiale, die es für sich und andere nach geeigneter Anleitung nutzen könne. Die Vervollkommnung des Menschen mußte bei jedem einzelnen begonnen werden. Mit seiner Absicht, den Menschen zu perfektionieren, stand er nicht allein, nahezu sämtliche Bemühungen um Erziehung und Bildung der Zeit galten der Vervollkommnung des Menschen[48] Er wurde jedoch von den der Aufklärung abgeneigten bayrischen Herrscherkreisen geächtet, weil er sich mit dem Illuminatenprojekt entschlossen zeigte, die Bestrebungen der Aufklärer zu unterstützen. Ebenso wie diese beabsichtigte er "alle Lebensbereiche planmäßig zu vervollkommnen, einen bis dahin ungeahnten Handlungsspielraum zu suchen"[49] indem er sein Augenmerk auf die "Zukunft im Diesseits"[50] richtete.

Es finden sich allerdings wenige pädagogische Ansätze im 18. Jahrhundert, die auf eine Erziehungsanstalt zielten, die nicht in das Leben entläßt, sondern die das Leben selbst inkorporiert. Eine solche strebte Weishaupt an. Nach seiner Vorstellung sollte ein Illuminat sich dazu verpflichten, sein "ganzes Leben hindurch [dem Orden] anzugehören."[51] Zu dem Zeitpunkt als die Aufklärungsbewegung auch in Deutschland in ihre Spätphase eingetreten war und die Pädagogik eine Schlüsselstellung erhielt, hatte Weishaupt den Illuminatenorden als "Tempel, in dem die Vollkommenheit einstens Wohnung nehmen würde"[52] konzipiert.

Weishaupt gehört ohne Zweifel zu denen, die sich dem pädagogischen Auftrag der Gesellschaft stellten, ihm wie vielen anderen seiner Zeit "schwebte als Zweck die Ausbildung der Menschheit zur reinen Sittlichkeit dunkel vor."[53] Es ist durchaus gerechtfertigt, ihm Anregungspotential zuzuschreiben, das von Schrittmachern des ausgehenden 18. wie auch beginnenden 19. Jahrhunderts aufgenommen wurde. Anregungen direkt von ihm bzw. durch den Illuminatenorden erhielten beispielsweise die Staatsreformer in Bayern Graf von Montgelas {Musaeus} und Franz Xaver von Zwackh {Cato}, die beide selbst zu den Illuminaten gehörten. Bei ihren Bemühungen um das bayrische Schulwesen am Anfang des 19. Jahrhunderts kamen ihnen illuminatische Erfahrungen zugute. Beide standen mit Weishaupt auch späterhin in Verbindung und betrachteten ihn als ihren Lehrer. Auch Knigges {Philo} Schrift Ueber den Umgang mit Menschen ist ohne seine Tätigkeit für den Orden nicht denkbar. Rudolph Zacharias Beckers {Henricus Stephanus} Engagement für die Volksaufklärung erhielt starke Impulse durch die Illuminaten. Sein Noth- und Hülfsbüchlein wurde von ihnen gefördert.

Wir treffen in der Gestalt Weishaupts auf eine Persönlichkeit, die sich den Anforderungen ihres Zeitalters gestellt und trotz der konservativen Haltung an der Universität Ingolstadt und den Nachstellungen antiaufklärerischer Kräfte, nicht beirren ließ in seinen Bemühungen um eine Verbesserung des menschlichen Daseins. Sein Streben war von dem aufklärerisch-optimistischen Bewußtsein getragen, daß der Mensch durch Erziehung das, "was er aus sich selbst haben könnte, nur geschwinder und leichter"[54] erhält. Weishaupt gebührt nicht nur deshalb ein Platz in der Reihe all derer, welche die Formierung einer neuen Gesellschaftsordnung, weg von Absolutismus und Feudalismus, vorangetrieben haben.

3. Überblick über das Schaffen

Dem Schrifttum Weishaupts wurde von der Aufklärungsforschung kaum Beachtung geschenkt. Seine pädagogischen Gedanken und Visionen gehen in seinen Werken fast unter. Schon Leopold Engel beklagte die Vernachlässigung des Weishauptschen Werkes durch die Forschung und wünschte sich eine Darstellung, welche vorrangig pädagogischem Interesse, sollen der Vollständigkeit halber ebenfalls erwähnt werden.[55]

Schriften zum Gradsystem und zur ordensinternen Erziehung vermitteln zuweilen den Eindruck, als läge dem illuminatischen Bildungsgang eine in sich geschlossene Lehre zugrunde. Weishaupt suggeriert dies gelegentlich, wenn er schreibt, daß das, was er sich vorgenommen hatte, "ein sicherer, tief durchdachter, fester, unentweiheter Plan"[56] gewesen sei, dessen Umsetzung der Aufklärung rasch Vorschub leiste. Der Ausbildungsgang wurde jedoch erst ex post wirklich komplettiert, das System, das den Ordensalltag bestimmte, glich eher einem work in progress. Und in diesem Verständnis waren Veränderungen, wenn sie der Verbesserung der Grade dienten, für ihn eigentlich selbstverständlich. Erst ab ca. 1783 zeigt sich, einhergehend mit der Fertigstellung der Mysterien, eine Konsolidierung des Systems. Diese ermöglichte ein einheitlicheres Vorgehen innerhalb der Ordensniederlassungen.

Die Statuten und Anweisungen zu den einzelnen Graden, von denen jede Loge Abschriften erhielt, geben Aufschluß über das System. Dokumente dieser Art finden sich in der Schwedenkiste. Auch die in den Originalschriften enthaltenen Dokumente bieten Aufschluß über den Bildungsgang. Eine umfassende Übersicht der ersten Illuminatenklasse sowie des ersten Grades der zweiten Klasse bietet die Sammlung Der ächte Illuminat von Faber. An sie schließt sich nahtlos die von Grolman herausgegebene Schrift Illuminatus dirigens oder Schottischer Ritter an. Die untersten Grade der dritten Klasse sind in Grolmans Die neuesten Arbeiten des Spartacus und Philo widergegeben. Die Texte der höheren Grade sind als Beigabe abgedruckt in Bodes Journal. Diese Editionen, die vornehmlich auf Weishaupt zurückgehende Fassungen der Grade bereitstellen, markieren den ersten Abschnitt seines Werkes. Hinzu kommt die umfassende Überarbeitung der Grade in der Schrift Verbessertes System des Illuminatenordens. Auf die genannten Dokumente und Quelleneditionen stützt sich die Darstellung des Gradsystems.

Daß die Schriftstellerei weder zu den angesehensten noch einträglichsten gehörte[57] läßt ein Brief des Freiherrn von Meggenhofen vermuten: "Daß Sie fleissig sind, und unaufhörlich Bücher schreiben, sehe ich, und würde mich darüber freuen, wenn mich nicht der Gedanken schenirte, daß Sie davon leben müssen."[58] Es blieb Weishaupt jedoch keine andere Wahl, da alle Versuche, ihn in eine akzeptable Stellung zu bringen, an seiner Reputation scheiterten.

Die apologetischen Schriften Weishaupts resultieren aus den Verfolgungen und den polemischen Attacken gegen ihn, er sah sich herausgefordert, sein Anliegen öffentlich zu verteidigen.[59] In seiner Schrift Apologie der Illuminaten aus dem Jahre 1786 verteidigt er das illuminatische Ordensprojekt, wohl wissend, daß er damit nichts an der Haltung seiner Gegenredner zu ändern vermochte: "Wer sich einmal vorgenommen hat, aus allen Blumen Gift zu saugen, der findet sehr leicht in ieder Tugend ein Verbrechen, im Gebet des Herren Ketzereyen, und dem soll es ein leichtes seyn, daß die Sittenlehre die gefährlichste aller Wissenschaften sey."[60] Diesem Werk folgten bis 1787 sieben weitere Veröffentlichungen, in denen er sein Tun rechtfertigte, er mußte sich gegen Urteile zur Wehr setzen, von der Art, der Orden sei Zeit- und Geldverlust, halte sich vornehmlich mit Predigen gegen den Patriotismus auf und betreibe falschen Kosmopolitismus. Die von Weishaupt präferierte Verteidigungsstrategie zeigt die starke persönliche Betroffenheit, die die massiven Angriffe bewirkten. Weishaupt ließ sich zu polemischen Erwiderungen hinreißen, welche seiner Argumentation nicht selten schadeten. Er hat jedoch nicht unrecht, wenn er anführt, innerhalb der Diskussion um die Illuminaten seien "Verdrehung und Verläumdung zum Gesetz gemacht" worden.[61] Weishaupt beklagte, "daß man alle seit kurzer Zeit herausgekommene, Religion, Staat und Sitten beleidigende Bücher auf ihre [der Illuminaten] Rechnung geschrieben, sich aber in der Untersuchung selbst, nicht das geringste davon bestätigt habe."[62] Die sich überschlagenden politischen Ereignisse des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurden den Illuminaten zum Verhängnis, da ihnen nahezu jegliches auf ihre Aufdeckung folgende Ereignis von Brisanz zur Last gelegt wurde. Nach den Umbrüchen in Frankreich, insbesondere nach 1792, wurde Weishaupt unterstellt, als Drahtzieher der französischen Revolution tätig gewesen zu sein, Menschen auf demagogische Weise manipuliert und ausspioniert zu haben etc.[63] Vorwürfe wie "die Menschen müssen einander fressen, wenn man sie früher frey als gut macht"[64] waren gegenüber Weishaupt nicht gerechtfertigt. Gerade der Gefahr, Menschen durch Revolutionen früher frei als gut zu machen, wollte er mit seinem Ausbildungsgang entgegentreten. Ihm widerfährt in dieser Beziehung Unrecht - im Gegensatz beispielsweise zu Knigge und Bode, die sich für die revolutionären Ideen begeisterten.

Noch im Jahre 1799 waren die Anschuldigungen gegen ihn so gravierend, daß er nach einer gerichtlichen Untersuchung verlangte. Er wollte beweisen, "daß ich niemand hintergangen habe, daß diese Verbindung nicht allein nicht gefährlich, sondern von allen übrigen bei weitem die unschädlichste , daß sie sogar trotz allen widrigen Scheins, groß und erhaben war, daß keine Schule für Selbst- und Menschenkenntniß gefunden werden dürfte, welche ihr gleichkäme."[65] Indem er die Beweggründe für sein Agieren im arcanum anführt, ist er gleichzeitig gezwungen, seine pädagogische Motivation zu erläutern. Nach der Niederlage in Ingolstadt erhalten seine pädagogischen Ambitionen neuen Auftrieb, sie finden Ausdruck in der Apologetik. Er blieb bei seiner Überzeugung, daß die Menschheit zu ihrem eigenen Besten planmäßig unterwiesen werden müsse.

Zu den zwischen 1786 und 1787 in steter Folge erschienenen Schriften, zählen neben der Apologie der Illuminaten, der im Umfang noch wesentlich größere Nachtrag zu meiner Apologie und auch Vollständige Geschichte der Verfolgung der Illuminaten in Bayern. In ihnen nimmt Weishaupt hauptsächlich bezug auf seine illuminatische Tätigkeit. Seine Einlassungen in Kurze Rechtfertigung meiner Absichten und Nachtrag zur Rechtfertigung meiner Absichten sind eine Reaktionen auf die gegen seine Person vorgebrachten Anschuldigungen.

Die thematische Ausrichtung seiner in Gotha verfaßten Schriften verdeutlicht, daß sein weiteres Wirken als eine Weiterführung der Ideen, die bereits während des Bestehens des Illuminatenordens sein Denken bestimmten, angesehen werden muß. Die hauptsächlich moralphilosophisch angelegten Publikationen erfahren über eine Zeit von ungefähr zweieinhalb Jahrzehnten die eine oder andere Nuancierung, bewegen sich thematisch jedoch immer innerhalb des Spannungsfeldes von den die Gesellschaft konstituierenden Kräften des Denkens, Glaubens, Erziehens und Regierens. Diese "sind doch wahrlich Dinge, von deren bessern oder unedlern Beschaffenheit alle Ruhe der Glückseligkeit abhängt."[66] Er mißt ihnen große Bedeutung bei, da sie der menschlichen Existenz erst einen Sinn verleihen, ihr Zusammenspiel ist die Grundvoraussetzung des gesellschaftlichen Miteinanders. Weishaupt sieht sich im Hinblick auf die Wirklichkeit zu einem eher resignativen Urteil veranlaßt: "In einer Welt, wo es gleichviel ist, wie jeder denkt oder handelt, was er glaubt, oder wie er regiert und erzogen wird: in einer Welt, in welcher jedem Lebenden nur Böses bevorsteht, wo alles nur angefangen wird, ohne jemals vollendet zu werden, wo sich alle Herrlichkeit in einem Traum endigt, und in Nichts verliert; - da scheint freylich das Seyn vor dem Nichtseyn wenig Vorzug zu verdienen."[67] Dennoch hält er an seiner pädagogischen Grundauffassung fest, daß der Erziehung die größte Bedeutung zukomme. Denken, Glauben und Regieren werden durch Erziehung und Bildung erst zur Vollendung geführt. Die oben zitierte Passage enthält den Schlüssel zum Verständnis seines Werkes, das den sittlich vollkommenen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Weishaupts pädagogisches Anliegen tritt auch in den beiden Werken Apologie des Mißvergnügens und des Uebels (1787) sowie der Geschichte der Vervollkommnung des menschlichen Geschlechts (1788) zutage.

Obwohl die Trilogie Ueber Wahrheit und sittliche Vollkommenheit (1793 -1797) als Streitschrift gegen Kant geplant war[68] und auch so rezipiert wurde, wird sie in dieser Arbeit der Gruppe der moralphilosophischen Abhandlungen zugeordnet. Der Titel dieser dreibändigen Arbeit suggeriert bereits, daß ein pädagogisches Interesse auch hier unterschwellig vorhanden ist. Weishaupt beabsichtigte in diesem Werk, das in der Zeit von 1793 bis 1797 erschien, die Physiologie der Seele und ihre Pathologie zu ergründen. Die hier diskutierten Ideen finden sich zu einem Großteil in der 1804 erschienen Schrift Die Leuchte des Diogenes wieder und erhalten dort einen stärkeren pädagogischen Bezug. Das Festhalten Weishaupts an seinen moralphilosophisch-menschenkundlichen Ideen ist bis zum Jahre 1810 nachweisbar und findet mit der Herausgabe der drei Fortsetzungen umfassenden Zeitschrift "Materialien zur Beförderung der Welt- und Menschenkunde" seinen Ausklang. Allein schon die Form der gelehrten Zeitschrift verweist auf ein pädagogisches Anliegen. Weishaupt erläutert hier u.a. die Verantwortung des Schriftstellers als Lehrer.

Weishaupts Werk zeigt, daß sein Urheber auf ein Ganzes hin gedacht hat, das sowohl die Bildung des Individuums als auch dessen sittliche Verantwortung und seine Stellung in einem staatlichen Gefüge einschließt, "so muß die Moral der Politic den Weg bahnen. [...] Die Moral ist daher die Grundlage der Politic, oder vielmehr die wahre Politic besteht in der Kunst auf den Grund der Leidenschaften, auf die Gesinnungen aller Theile zu wirken und diese zu veredeln."[69] Weishaupt war es späterhin ein besonderes Anliegen, seine Ideen auf direktem Wege in die Gesellschaft hineinzutragen. Er versuchte, sich an der gesellschaftspolitischen Diskussion zu beteiligen, indem er Ratschläge zur Durchführung von politischen Reformen, die von der Pädagogik getragen werden müßten, erteilte. Die Publikationen im Gefolge der Schrift Pythagoras oder über die geheime Welt- und Regierungskunst geben davon Zeugnis. In ihnen erläutert er Konsequenzen seines Denkens für Staat, Kirche sowie die Gesellschaft im allgemeinen[70] Dabei erstarkt die Idee einer geheimen Gesellschaft, die Aufgaben zu erfüllen vermag, welche die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt nicht hätte bewältigen können. Weishaupt zeigt auf, wie ein ideal verlaufender Bildungsgang auf gesellschaftliche Institutionen wirken sollte. Die vornehmlichen Aufgaben des Staates bestünden darin, zu "versuchen, die vollkommenste, der höchsten Cultur angemessenste Regierungskunst zu finden, die Schule, in welcher man sich zu diesem Geschäft übt, der Mittelpunkt, in welchem sich die dazu nöthigen Kenntnisse und Erfahrungen sammeln, um sich dereinst auf die übrige Welt zu verbreiten."[71]

Ihm war ebenfalls die Verbesserung und Erweiterung des Schulwesens auf alle Bevölkerungsschichten stets ein Anliegen. Seine letzten beiden veröffentlichten Schriften Über die Staatsausgaben und Über das Besteuerungs-System sind auf Fragen der Staatenführung gerichtet. Aus dem thematischen Spektrum der Schriften Weishaupts ist mehr als deutlich zu erkennen, daß sich der Gründer der Illuminaten in der Hauptsache pädagogischen Fragestellungen zugewandt hat. Da ihm praktische Ausübung nach der Auflösung des Ordens verwehrt blieb, kommt seinem Schrifttum im Hinblick auf pädagogische Fragestellungen ein umso größerer Stellenwert zu.

Anmerkungen

  1. August Kluckhohn schreibt hierzu: "Nicht minder als Geist und Tendenz des Ordens gehen die Ansichten über den Stifter Adam Weishaupt auseinander." Kluckhohn, Vorträge, S. 351. Vgl. hierzu u.a. Hartmann, "Professor Weishaupt" dessen Darstellungen auch im 19. Jahrhundert der konservativ-katholischen Sicht Bayerns zugeordnet werden muß. Auch van Dülmen teilt diese Ansicht noch im 20. Jahrhundert.
  2. Der Wolff-Schüler Johann Adam Ickstatt (1702 - 1776) war Prinzenerzieher des jungen Max Josef gewesen bevor er auf den Lehrstuhl für Natur- und Völkerrecht an der Universität München berufen und als Rektor der Universität Ingolstadt tätig wurde. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens war er maßgeblich an den Reformen und der Ausgestaltung des bayerischen Schulsystems beteiligt. Für weitere Erläuterungen zur Person s. Kluckhohn: "Der Freiherr von Ickstatt und das Unterrichtswesen in Bayern unter dem Kurfürsten Maximilian Joseph.", S. 313 - 343.
  3. Dazu zählten u.a. Naturrecht, öffentliches und gemeines Recht, Privatrecht, allgemeines und Völkerrecht; vgl. dazu Engel, S. 26f, der Weishaupts Doktordiplom zeigt. Engel befand sich überhaupt in der glücklichen Lage, private Gegenstände Weishaupts präsentieren zu können. Er verleibte sie den Beständen des von ihm neu gegründeten Illuminatenordens ein. Leider konnte bisher nicht eruiert werden, wo sich die Materialien aus Engels Besitz befinden.
  4. Weishaupt verfolgte zeitweilig die Idee, die unteren Grade als Bienenorden zu bezeichnen und die Terminologie nach diesem Sinnbild auszurichten: "Wenn es Ihnen beliebig und nicht zuviel Mühe macht, so geben Sie dem  statt Illuminaten den Namen Bienenorden, oder Bienengesellschaft. Kleiden sie die ganze Statuten in diese Allegorie ein, v. g., daß dieser Grad die Vorbereitungsschule sey, das Honigsammeln, um auf künftige Zeiten seine Auskunft, Nahrung, erforderlichen Unterricht und Wissenschaft zu haben. Daher und darunter | gehören die Regeln von Mäßigung, Hauswirthschaft. Unsere Regierung ist gelind und sanft, wie bey Bienen, bey welchen die Königinn die Oberhand hat. Darunter gehören die Artikel der Statuten, von dem Verfahren, Nachsicht und Gelindigkeit der Obern. [...] Ueberhaupt untersuchen sie die Eigenschaften der Bienen v. g. arbeitsam, vorsichtig, mäßig etc. Diese müßen unsre Leute auch haben, und unter diese Eigenschaften theilen sie die Pas­sus concernentes Statutorum ein. Daher wird auch die Terminologie entstehen, v. g. der Bien hat geschwärmt, das heißt, er hat aufgenommen, oder es ist eine neue Versammlung durch uns an diesem Ort entstanden." Dies traf jedoch bei Zwackh und Hertel nicht auf Zustimmung: "Mir will die Sache gar nicht gefallen [...]. Der Name ist zu klein, und giebt nicht Stof genug zum Erhabenen." Vgl. hierzu: Weishaupt an Hertel und Zwackh [Ingolstadt 31. 3. 1778] in: Reinhard Markner/ Hermann Schüttler (Hgg.): Die Korrespondenz des Illuminatenordens. Eine Dokumentation. Bd. 1, Von der Gründung bis zum Konvent in Wilhelmsbad. (in Vorbereitung). Der Verfasser dankt an dieser Stelle beiden Herausgebern für die Überlassung des Typoskripts vor der Drucklegung. Es konnten aufgrund des Bearbeitungsstandes der Edition keine Seitenzahlen angegeben werden, ein Bezug kann jedoch aus der jeweiligen Datierung hergestellt werden.
  5. Vgl. hierzu: van Dülmen, Richard: Die Gesellschaft der Aufklärer. Zur bürgerlichen Emanzipation und aufklärerischen Kultur in Deutschland. Frankfurt a.M. 1986.
  6. Der offizielle Grund hierfür war, daß Weishaupt das Dictionaire historique et critique des französischen Aufklärers und Naturwissenschaftlers Pierre Bayle für die Universitätsbibliothek anschaffen wollte.
  7. Vgl. hierzu die Darstellung der Vernehmung bzw. Verfolgung in: Weishaupt, Johann Adam: Apologie der Illuminaten. Frankfurt a.M. u. Leipzig 1786.
  8. Weishaupt ist jetzt sehr das Gespräch der Welt. [...] Ich habe nur einen Maaßstab für Moralität, und ich glaube, den strengsten: ist die That, die ich begehe, von guten oder schlimmen Folgen für die Welt - wenn sie allgemein ist?" zitiert nach Jacoby, Daniel: "Der Stifter des Illuminatenordens und eine Briefstelle Schillers an Körner." in: Euphorion. 10 (1913) S. 91 - 98, hier S. 96f
  9. Vgl. hierzu Schüttler, Mitglieder, S. 72 bzw. 180.
  10. Weishaupt, Johann Adam: Kurze Rechtfertigung meiner Absichten: zur Beleuchtung der neuesten Originalschriften. Frankfurt a.M. 1787, S. 56
  11. Unter Kindesmord verstand man die Abtreibung oder die Tötung eines Kindes kurz nach seiner Geburt, um die nach damaliger Auffassung "Blutschande" nicht öffentlich machen zu müssen. Davon waren unverheiratete Frauen betroffen, die, wenn ihre Tat entdeckt wurde, zumeist die Todesstrafe ereilte. Die Männer, welche die Frauen in diese auswegslose Lage gebracht hatten, gingen meist straffrei, ohne persönlich zur Verantwortung gezogen zu werden, aus. Dies ist für Weishaupt die Gelegenheit, in der mißlichen Lage seine moralische Haltung zu zeigen. Daß diese Problematik, die nichts anderes ist als ein Zeichen der damaligen gesellschaftlichen Doppelmoral, aus der Welt zu schaffen sei, darüber existieren mehrere aufklärerische Schriften, ganz besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die prägnante und weitsichtig formulierte Schrift Pestalozzis Über Gesetzgebung und Kindermord. PSW 9 in: Pestalozzi, Johann Heinrich: Sämtliche Werke und Briefe. CD-ROM Edition Konzeption und Bearbeitung L. Friedrich und S. Springer Zürich 1994, S. 7 - 179
  12. Weishaupt, Kurze Rechtfertigung, S. 61; Vgl. hierzu auch eine unmittelbare Reaktion gegenüber Zwackh in einem Brief von ca. 1783: "In diesen Zeiten und Um­ständen einen Freund zu finden, dem man sich vertrauen kann, ist gewiß ein herrliches Pflaster auf die desperateste Wunde. Ich habe in dieser meiner Lage, welche zur Prüfung seiner Freunde gewiß aufgelegt ist, an ihnen und Marius zwey erprobte Freunde gefunden. Ich weiß nicht, welche Teufel mir diesen desperaten Streich gespielt, bey welchem mir nichts so sehr schmerzt, als daß ich dadurch an meiner Macht, über unsre Leute zu wirken, gewaltig verliere, indem ich mich ihnen auf einer Blöße zeigen muß, hinter welche sie sich sogleich stecken werden, wenn ich Moralität predige, und sie zur Tugend und Rechtschaffenheit aufmuntere. Freylich ist es mehr Schwachheit als Verbrechen, und eine Schwachheit, die ich durch meine Heurath wieder verdecke: aber doch wollte ich alle mein Haab darum geben, wenn ich auch dieses unge­schehen machen könnte. Diese Vorstellung hat mich diese Zeit her schon so oft und so stark gepeinigt und gefoltert, daß ich mir manchmal nach offenen Thoren aus dieser Welt umge­sehen habe: und nur der Gedanke konnte mich noch zurück­halten, daß ich dadurch meine verwundete Ehre noch weniger herstelle. Nun heißt es: hast du gesündigt, so büße und leide, und merke dir das künftig." in: OS, S. 382ff .
  13. Schüttler, Bode und Freimaurerei in Weimar, S. 26
  14. Vgl. hierzu u.a.: Hartmann oder van Dülmen, Illuminaten.
  15. Vgl. hierzu Schüttler, Mitglieder.
  16. Rudolph Zacharias Becker {Henricus Stephanus} an den Mitherausgeber der ALZ Friedrich Justin Bertuch zitiert nach: Tölle, Ursula: Rudolph Zacharias Becker: Versuche der Volksaufklärung im 18. Jahrhundert in Deutschland. Münster/ New York 1994, S.313
  17. Reichard, Selbstbiographie, S. 166
  18. ebd.
  19. ebd.
  20. Da jedoch der Nachlaß Carl Wilhelm Ettingers nicht aufzufinden ist, kann dies nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.
  21. Ettinger, der kein Illuminat war, aber in den progressiven Kreisen Gothas verkehrte, muß also, neben dem geschäftlichen Instinkt, ebenso eine gute Meinung von Weishaupt gehabt haben. Vgl. dazu die entsprechenden Rezensionen in den GGZ aus den Jahren 1786 bis 1804: Apologie der Illuminaten - 42. bis 45. Stück 1786, S. 250 ff: Gedanken über die Verfolgung der Illuminaten in Bayern - 44. Stück 3. Juni 1786, S. 361 - 366; Über Materialismus und Idealismus - 65. Stück 2. August 1786, S. 506 - 511; Das verbesserte System der Illuminaten - 66. Stück 19. August 1786, S. 537 - 543; Apologie des Mißvergnügens und des Übels - 42. Stück 26. Mai 1787, S. 345 - 349; Über Wahrheit und sittliche Volkommenheit - 49. Stück 19. Juni 1793, S. 428 - 432 et al.; Die Leuchte des Diogenes - 58. Stück, 2. Juli 1804, S. 497 - 504;
  22. Friedrich Christian war außerdem der Gönner Friedrich Schillers, dessen vielbeachtete Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen Resultat des Austauschs zwischen Dichter und Partikularfürst ist.
  23. Friedrich Christian an Adam Weishaupt am 29. 3.1791in: Schulz, Hans: Aus dem Briefwechsel des Herzog Friedrich Christian zu Schleswig-Holstein. Stuttgart u. Berlin 1912, S. 92
  24. Hierbei waren ihm seine ehemaligen Illuminatenkontakte zu Zwackh und dem Grafen Montgelas behilflich, die zu diesem Zeitpunkt beide hohe Staatsämter in Bayern bekleideten.
  25. SK II Dok. 109 Weishaupt an Herzog Ernst, Regensburg 1787
  26. Weitere Attribute, die Hagbard ihm zuschreibt sind "nüchtern, gelehrt, aufklärerisch." Hagbard, R.W.: Der Illuminatismus in Bayern, seine Entstehung, Entwicklung, Verfolgung und Beurteilung. Leipzig 1914, S. 13
  27. Koselleck, "Weishaupt und die Anfänge der bürgerlichen Geschichtsphilosophie" , S. 324
  28. a.a.O., S. 327
  29. Weishaupt, "Materialien" I.3, S. 439
  30. Weishaupt, Johann Adam: Das verbesserte System des Illuminatenordens. Frankfurt a.M. 1787, S. 43
  31. a.a.O., S. 49
  32. Vgl. hierzu besonders: Sonntag, Lothar: "Der Einfluß des jungen Rousseau auf Adam Weishaupt und die Politik des Illuminatenordens. Ein Beitrag zur Rezeption der Rousseauschen Geschichtsphilosophie in der deutschen Aufklärung." in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin. Ges.-Sprachw. R. XXVIII (1979) S. 795 - 800
  33. ebd.
  34. Diesen Umstand versucht Jan Rachold mit dem nicht klar umrissenen Begriff "Gedankensplitter" zu umschreiben. Vgl. Rachold, Aufklärerische Vernunft, S. 213ff.
  35. Weihaupt, "Materialien" I.3, S. 441
  36. Weishaupt, Verbessertes System, S. 87
  37. Cassirer, Ernst: Die Philosophie der Aufklärung. Hamburg 1998, S. IX
  38. Kant, Immanuel: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." zitiert nach: Bahr, Ehrhard (Hg.): Was ist Aufklärung? Stuttgart 1998, S. 9
  39. Mendelssohn, Moses: "Über die Frage: was heißt aufklären?" zitiert nach Bahr, Ehrhard (Hg.): Was ist Aufklärung?, S. 4
  40. zitiert nach: Faber, Johann Heinrich (Hg.): Der ächte Illuminat oder die wahren unverbesserten Rituale der Illuminaten. Edessa {Frankfurt a. M.}, 1788, S. 10
  41. Cassirer, S. IX
  42. [von Grolman, Ludwig Adolph Christian]: Die neuesten Arbeiten des Spartacus und Philo in dem Illuminaten-Orden. Jetzt zum erstenmal gedruckt und zur Beherzigung bey gegenwärtigen Zeitläuften herausgegeben. Frankfurt a.M. 1793, S. 47
  43. ebd.
  44. ebd.
  45. Weishaupts in einem Brief an Cato {F.X. Zwackh} vom 6. April 1779; OS, S. 331 Diese Stelle ist aufgrund ihres Bezuges zum Zoroasterkult gleichsam charakteristisch für die an altertümlichen Mysterien ausgerichtete äußere Gestalt des Ordens. Vgl. hierzu Agethen, "Mittelalterlicher Sektentypus", der ein chiliastisch-utopisches Moment als maßgebend für die Interpretation ansieht.
  46. Vgl. hierzu Kodalle, "Eliten", S. 12ff.
  47. Grolman, Spartacus und Philo, S. 47
  48. Vgl. hierzu u.a. Herrmann, Ulrich: Das pädagogische Jahrhundert. Volksaufklärung und Erziehung zur Armut im 18. Jahrhundert in Deutschland. Weinheim 1981.
  49. Vgl. hierzu die Charakterisierung in: Stollberg-Rillinger, Barbara: Europa im Jahrhundert der Aufklärung. Stuttgart 2000, S. 12f.
  50. ebd.
  51. [Grolman, Ludwig Adolph Christian von]: Illuminatus Dirigens oder Schottischer Ritter. Ein Pendant zu der nicht unwichtigen Schrift: Die neuesten Arbeiten des Spartacus und Philo in dem Illuminaten-Orden. Jetzt zum erstenmal gedruckt und zur Beherzigung bey gegenwärtigen Zeitläuften herausgegeben. Frankfurt a. M. 1794, S. 37. Vgl. auch Direktiven wie: "Jedes Mitglied muß daher Zeit Lebens alles [...] sammlen [...] oder auf Verlangen auch öfter seinem Recipienten zum Beweise des Fleises und Gehorsams vorzeigen." "Statuten für die Minervalen" in: Bassus, S. 23.
  52. Engel, S. 465
  53. Gädicke, Johann Christian (Hg.): Freimaurer-Lexikon. Nach den vieljährigen Erfahrungen und den besten Hülfsmitteln ausgearbeitet. Berlin 1818, S. 271
  54. Lessing, Gotthold Ephraim: Die Erziehung des Menschengeschlechts. Stuttgart 1999, S. 8
  55. Im Appendix, S. 193f, werden die Schriften Weishaupts in chronologischer und thematischer Ordnung aufgeführt, bibliographiert sind sie im Quellen- und Literaturverzeichnis, S. 249f
  56. "Allgemeine Übersicht des ganzen Ordenssystems." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 210
  57. Lessing galt als einer der ersten deutschen Schriftsteller, deren literarische Produktion die Bestreitung des Lebensunterhaltes ermöglichte.
  58. Ferdinand Maximilian von Meggenhofen an Adam Weishaupt, Ried, 12. 12. 1788 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  59. Die apologetisch motivierten Schriften sollen neben den anderen postilluminatischen Veröffentlichungen im letzten Kapitel der Arbeit beleuchtet werden.
  60. Weishaupt, Apologie der Illuminaten, S. 47
  61. Weishaupt, Johann Adam: "Endliche Erklärung." in: GGZ, 36. Stück vom 4. 5. 1799, S. 302 - 304, hier: S. 304
  62. Rez.: Gedanken über die Verfolgung der Illuminaten in Bayern. s.l., 1786, S. 56
  63. Die Ausmaße der Illuminatendebatte werden z.B. in von Biebersteins Arbeit genauer untersucht. Im Hinblick auf die in aufklärerischen Publikationsorganen geführte Debatte, insbesondere "Wiener Zeitschrift" und "Eudämonia", sei an dieser Stelle auf die Arbeit von Christoph Hippchen verwiesen.
  64. [Zimmermann, Johann Georg]: Eine Rede über den Illuminaten-Orden gehalten in einer Freymaurer-Loge im December 1793. Regensburg 1794, S. 6
  65. Weishaupt, "Endliche Erklärung", S. 303
  66. Weishaupt, Johann Adam: Die Leuchte des Diogenes. Oder Prüfung unserer heutigen Moralität und Aufklärung. Regensburg 1804, S. 9
  67. ebd.
  68. Aufgrund der Themenstellung der vorliegenden Arbeit kann dieser Aspekt keine Berücksichtigung finden. Es sei jedoch angemerkt, daß der Weishauptschen Kantkritik einmal gesondert nachgegangen werden sollte. Die Aufnahme der Schriften zur Kantrezeption in die Reihen der Aetas Kantiana zeigen, daß Weishaupt einen respektierten Beitrag dazu geleistet hat. Da er bereits in den Titeln seiner Publikationen kritische Anmerkungen macht, ist es von besonderem Interesse zu erfahren, aus welchen Quellen Weishaupt Kant rezipiert hat. Die erste diesbezügliche Schrift Ueber Materialismus und Idealismus scheint nach Meinung des Freiherrn von Meggenhofen nicht direkt von der Lektüre Kants beeinflußt zu sein, sondern von Mendelssohns bzw. Jacobis Auslegung: "daß Sie nicht Kant selbst, sondern die Prüfung der mendelssohn[ischen] Morgenstunden zu Grund legen. Es entstund der Gedanken, daß Sie Kants Philosophie nicht aus seinem Werk, sondern aus [I]hrem Kopf (ich möchte sagen a priori) haben. Sie führen keine Gründe des kantischen Sistems aus Kant, und keine kantischen Erklärungen an, sondern haben sich blos an den von Jakobi gelieferten Resultate genügen lassen; ich habe Sie in Verdacht, daß Sie sich nicht haben überwinden können Kants Kritik zu studieren. Ich habe schon gesagt, daß ich Kant nicht verstanden, und ihn jetzt gar nicht beÿ der Hand habe und auch kaum mehr nehme; indessen so viel ich mich besinne, lehrt Kant keine totale Subjektivität; vielmehr das Gegentheil, und Erfahrung ist beÿ ihm Kriterium, fast ganz allein mit Ausschluß aller übrigen Spekulation Kriterium. Nach [I]hrer Darstellung lehrt Kant den Idealismus im engsten Verstand, und ich laß im Kant eine Widerlegung des Idealismus. Ich weiß nicht, ob diese Widerlegung in beÿden Auflagen steht: Wo ich nicht irre, so steht sie beÿ der ersten. Damit ichs kurz mache! Sie haben mich nicht überzeuget, daß Sie Kants Sistem dargestellet haben, oder ich müßte sinnlos gewesen seÿn, als ich Kants Werk laß; aber Sie haben das dargestellte Sistem widerlegt, und das auf eine belehrungsvolle Art. Ich sehe [I]hrer neuen Schrift mit Sehnsucht entgegen, nicht weil mich die kantische Philosophie interessiret, sondern weil mich die Ihrige interessiret." von Meggenhofen äußert sich hier massiv kritisch zu Weishaupts Kantverständnis. Ferdinand Maximilian von Meggenhofen an Adam Weishaupt, Ried, 12.12.1788 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  69. Weishaupt, "Materialien" I,1 , S. 106
  70. Vgl. hierzu: Wilson, W. Daniel: "Illuminaten." in: Schneiders, Lexikon, S. 184 - 186.
  71. Weishaupt, Nachtrag zur Rechtfertigung, S. 54