Peggy Pawlowski:„...sich begnügen, im Geheimen für das Gute zu wirken“. Der Beitrag Johann Adam Weishaupts zur Pädagogik des Illuminatismus (III)

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Wenn unter Menschen eine Vereinigung zu besonderen Zwekken entsteht, so ist das ein Zeichen, daß diese Menschen noch nicht alles haben, was sie wünschen, daß sie noch etwas suchen, und daß sie in dieses Etwas, welches sie suchen, und ihnen mangelt, einen Theil ihrer Glückseligkeit sezzen, die bis zur Erlangung derselben unvollkommen ist.
Adam Weishaupt, Anrede bey der Aufnahme eines Illuminati minoris

III. Der Stufengang der Bildung

1. Das pädagogisch motivierte Gradsystem

Der von Weishaupt, zeitweilig unter Mitarbeit von Ferdinand Maria Baader {Celsus}, Adolph von Knigge {Philo}, Johann Friedrich Mieg {Epictet} u.a. ausgearbeitete illuminatische Ausbildungsgang ist als ein Versuch der Errichtung einer "geheimen Weisheitsschule"[1] zu werten. Zunächst sollten dem Orden und auf längere Sicht der Gesellschaft brauchbare und aufgeklärte Mitglieder herangebildet werden. Die ordensinterne Bildungsarbeit vollzog sich innerhalb eines Gradsystems[2] wie es bereits zur Bildung von Freimaurern oder Rosenkreuzern[3] in Anwendung gekommen war. Ein solches System basiert auf dem Gedanken der Stufenfolge[4] Es sollte die stufenweise Leitung der Edukanden, bei Weishaupt der sog. Insinuanten[5] zu den höchsten Weisheitslehren gewährleisten. Die graduelle Hinführung zu den höchsten Weisheiten war verbunden mit dem Ziel, Bildungsstand und Charakter des Adepten zu heben. Jede Stufe sollte, wie den Beschreibungen der einzelnen Grade zu entnehmen ist, eine neue Ideenwelt eröffnen und eine andere Fähigkeit entwickeln. Es sollte "mit jedem neuen Organ der Vorhang hin weggenommen, der bisher undurchdringliche Schleyer aufgehoben"[6] und ein neuer Ausbildungsabschnitt erfolgreich abgeschlossen werden. Die einzelnen Abschnitte wurden so aufeinander abgestimmt, daß sie "dem Menschen die Verbesserung seines moralischen Charakters interessant zu machen, menschliche und gesellschaftliche Gesinnungen einzuflößen, boshafte Absichten zu verhindern, der bedrängten, nothleidenden Tugend gegen das Unrecht beizuspringen, auf die Beförderung würdiger Personen zu denken und noch meistens verborgene menschliche Kenntnisse allgemein zu machen"[7] vermochten. Das Erziehungs- und Bildungsprogramm war umfassend angelegt. Oberstes Ziel war die Charakterbildung im Zusammenhang mit der sittlichen Bildung, die eine humane Gesellschaft ermöglichen sollten. Auch die intellektuelle Bildung hatte beachtlichen Stellenwert, wie das Bemühen um einen wissenschaftlich fundierten Unterricht im Orden erkennen läßt.

Zügige Progression war dem Edukanden erste Pflicht, er mußte die sukzessive Beherrschung und Verinnerlichung illuminatischer Grund- und Leitsätze nachweisen. Weishaupt legte darauf besonderen Wert, "um dem Fortrücken auf der grossen Leiter der menschlichen Vollkommenheit nicht still zu halten und auf der nemlichen Stelle zu verweilen."[8] Ein Illuminat, der das im Gradsystem vorgezeichnete curriculum durchlief, sollte dazu befähigt werden, am Ende aus freien Stücken sagen zu können: "Man hat mich gelehrt, wie ich mich selbst und andere erkennen, lieben und regieren soll."[9] Auf dem Wege zu diesem Ziel wurde er durch unterschiedlichste erzieherische Maßnahmen zur Selbständigkeit im Denken und Handeln angeleitet.

Weishaupts Intention war es, daß "die edleren, würdigeren Menschen in ein dauerhaftes Bündniß zusammentreten, um mit allen großen Menschen, die dermalen sind und einen gleichen Drang fühlen, mit allen, die dereinst seyn werden, nur ein Volk, eine Familie zu formiren, für alle Lande und Jahrhunderte zu leben, ihren wohlthätigsten Geist und Eifer auf die Nachwelt zu verpflanzen, und ein reiferes, sittlicheres Menschengeschlecht vorzubereiten."[10] Sie sollten sich gegen "Irrthum, Unwissenheit und Leidenschaften"[11] durchsetzen.

Die aufgeführten philanthropischen Ziele sollten durch planmäßige Unterweisung erreicht werden. Der für die einzelnen Grade festgelegte Erwerb von Wissen, Erkenntnissen und Haltungen unterlag strengen Maßregeln. Man wollte erreichen, daß "alle Mitglieder von einem Geiste beseelt werden."[12] Wissensstand, Loyalität dem Orden gegenüber und Geisteshaltung wurden bei der Initiation in einen neuen Grad immer wieder geprüft. Da mit dem Aufstieg im System die sukzessive Offenlegung des gesamten Apparates verbunden war, kam es darauf an, charakterliche Schwächen auszumerzen sowie Wissenslücken zu beseitigen. Als der Orden sich Ende der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts anschickte, zu einer vielbeachteten Instanz des Geheimbundwesens des Aufklärungszeitalters emporzusteigen, war Weishaupt davon überzeugt, daß das illuminatische System "das größte ist, was die menschliche Vernunft hervorgebracht hat."[13] Der Ausbildungsgang war durch drei pädagogische Grundelemente gekennzeichnet, die nahezu in jedem Grad anzutreffen sind. Es sind dies die aus der Einsicht in ihre Notwendigkeit resultierende Subordination, das pädagogisch funktionalisierte Geheimnis sowie die Übernahme pädagogischer Verantwortung durch die Lernenden.

Weishaupt setzte zur Erreichung seiner Ziele grundsätzlich auf "Abhängigkeit"[14] und "Anhänglichkeit"[15] Die vor allem in den unteren Graden geforderte strenge Subordination galt der Disziplinierung der Adepten. Sie nahm, was häufig vergessen wird, den Orden gleichsam als Träger des Vertrauens der Edukanden in die Pflicht. Der jeweilige Obere fungierte als "rechtmäßiger Gesetzgeber"[16] der die Entwicklung der Unteren zum höchsten pädagogischen Ziel, "der Herrschaft über sich selbst"[17] begleitete und überwachte. Der Edukand hatte nur begrenzt Einblick in das Ordenssystem, aber auch den Oberen wurde nur der Teil der Hierarchie dargeboten, den sie entsprechend ihres Grades nach unten hin überschauen konnten. Bis in die höchsten Grade verfolgten sog. "unbekannte Obere"[18] den Werdegang der Adepten. Dieses Vorgehen, das den Praktiken der Jesuiten, Rosenkreuzer und auch den Organisationsstrukturen der Strikten Observanz abgeschaut war, besaß Kontrollfunktion. Es gewährte gleichzeitig Schutz vor eventuellen verräterischen Handlungen[19] und sollte nicht zuletzt der Vermeidung kleinlicher zwischenmenschlicher Zwistigkeiten dienen. Illuminaten wollten, entgegen allen gegenteiligen Behauptungen, "keine Gläublinge ihres Systems, wollten Leute, die selbst über das, was sie sahen nachdenken, und nur eigner Ueberzeugung folgen."[20]

Das Geheimnis, was von der Forschung zurecht als Faszinosum angeführt wird, ist anderen arkanen Gesellschaften entlehnt. Es wurde als ordenspolitische Notwendigkeit gesehen und war mit einer pragmatischen Intention verbunden, es sollte zur Motivierung der Mitglieder dienen: "Alles Verborgene hat mehr Reitz und Anhänglichkeit."[21] Weishaupt glaubte, die Bindung der Adepten an den Orden vergrößern zu können, wenn sie "in der Ferne einige Größe hoffen"[22] konnten. Außerdem sollten sie "die zunehmende Güte ihres moralischen Charakters fühlen"[23] lernen. Der Orden nutzte diese Vorgehensweise, um Neugier potentieller Adepten zu entfachen. Häufig mag mehr vermutet worden sein, als zu erwarten war, jedenfalls können geschickt angebrachte Verweise auf Verborgenes große Wirksamkeit erzielen. Was sich im 21. Jahrhundert wie arglistige Täuschung ausnimmt, war im 18. Jahrhundert durchaus legitim. Diese Vorgehensweise steht beispielsweise im Einklang mit der vorherrschenden Staatsräson. Wenn es die Umstände geboten, konnte auch auf Mittel der Täuschung zurückgegriffen werden. Die illuminatischen Lehren erschienen in einer Aura des Geheimen in einem helleren Licht. Darüber hinaus schützte das Geheimnis illuminatische Lehrinhalte vor unautorisierter Verbreitung. Weishaupt glaubte, die Lehren "verlieren [...] ihren Werth"[24] wenn sie allgemein bekannt gemacht würden. Den Umgang der Ordensbrüder miteinander sollten Sachbezogenheit und Diskretion bestimmen. Persönliches sollte in den gegenseitigen Beziehungen keinen Platz haben: "Erlaubet Euch nie eine auffallende Vertraulichkeit. Ihr müßt Euch ewig lieben, und es ist aus der Erfahrung gewiß, daß nichts zu leicht die stärkste und innigste Freundschaft trenne, als zu starkes Gemeinmachen."[25] Es galt, sich im distanzierten Umgang mit sich und anderen zu üben, eine überindividuelle Haltung zu entwickeln.

Im Gegensatz zur hierarchischen Struktur der Ordensorganisation wurde das pädagogische Verhältnis eher partnerschaftlich verstanden. Mitglieder, die über Kenntnisse verfügten, die Angehörige höherer Grade nicht besaßen, konnten diesen Unterweisung zu geben. Der Orden betrachtete sich als eine Schule wechselseitiger Belehrung und gemeinsamer Erkenntnisbündelung, als einen Ort "wo keine Erkenntnis verloren geht".[26] Deshalb wurde bereits in den unteren Graden die Übernahme von erzieherischer Verantwortung praktiziert. Der Status des Lernenden war damit nicht aufgehoben. Eine sehr weitsichtige nicht nur didaktisch geschickte Maßnahme! Man vermittelte dem Edukanden das Gefühl, in die illuminatische Gemeinschaft einbezogen zu sein. Eine solche Verfahrensweise mindert das Artifizielle einer Schulsituation mit festgefügter Rollenverteilung. Der Adept ist nicht schlechthin Erzieher, er soll jedoch, wenn die Situation es gebietet, pädagogisch agieren. Daß wechselseitiger Unterricht dem Einzelnen und dem Ganzen zugute kommen kann, bestätigen Erfahrungen Pestalozzis aus seiner Armenanstalt in Stans: "So wie das ältere und fähigere Geschwister unter dem Auge der Mutter den kleinern Geschwistern leicht alles zeigt, was es kann, und sich froh und groß fühlt, wenn es also die Mutterstelle vertritt, so freuten sich meine Kinder, das, was sie konnten, die andern zu lehren. Ihr Ehrgefühl erwachte, und sie lernten selber gedoppelt, indem sie das, was sie wiederholten, andere nachsprechen machten. [...] Ich hatte in Kurzem unter meinen Kindern Mitarbeiter, die in den Fertigkeiten, die Schwächern das, so diese noch nicht konnten zu lehren, mit der Anstalt immer vorgerückt, und für die Augenblicksbedürfnisse der Anstalt ohne Zweydeutigkeit brauchbarer und vielseitig brauchbarer geworden wären, als angestellte Lehrer."[27]

Der Bildungsweg im Rahmen des Gradsystem sollte dazu befähigen "große und erhabene Menschen zu bilden."[28] Er beginnt mit einem Noviziat und endet nach dem Durchlaufen von drei Klassen und insgesamt bis zu zwölf Graden beim Doceten der sog. höheren oder größeren Mysterien. Die unterste als Pflanzschule bezeichnete, umfaßte ein Noviziat sowie die Grade des Minervalen und des Illuminatus minor, zusammen bildeten sie das illuminatische Propädeutikum. Die Hauptaufgabe des nächsten Bildungsabschnitts bestand in der Hinführung zum selbstbestimmten Handeln, zunächst im Grad des Illuminatus maior weitestgehend auf die eigene Person beschränkt und durch die Aufgaben des Illuminatus dirigens übergehend in selbständige Leitung anderer. In der letzten Klasse, den Mysterien, war der Beweis anzutreten, daß all die ausgebildeten Fähigkeiten verantwortungsvoll eingesetzt werden konnten. Innerhalb der kleineren Mysterien galt es, die bis dahin erworbene Gelehrsamkeit und Menschenkenntnis zusammenzuführen. In den höheren Mysterien erfolgte die Unterweisung der Kandidaten in den Weisheitslehren. Auf diese Weise erhielt der Adept eine auf Ganzheitlichkeit zielende Bildung, die ihm durch eine den jeweiligen Grad charakterisierende Disziplin sukzessive näher gebracht wurde. Der Adept sollte zu "hoher practischer Weisheit"[29] geführt werden. Gewonnene Einsichten und Erkenntnisse sollten im Alltagsleben einen Platz finden und auf praktikable Weise in alle Lebensbereiche integriert werden.

Die Verweildauer, in der ein Mitglied die Aufgaben eines Grades zu absolvieren hatte, war zum Zeitpunkt der Aufhebung nicht genau festgelegt. Sie wurde anhand der Fortschritte des Lernenden durch die Oberen bemessen. Weishaupt veranschlagte beispielsweise für das Noviziat nach der Festigung des Systems zwei Jahre. Grundsätzlich galt, daß die Übereinstimmung des erworbenen Wissens und des Verhaltens der Edukanden mit den vermittelten Lehren gewährleistet sein mußte: "Kein neuer Grad wird ertheilet, bevor nicht der vorhergehende Unterricht in die Denkungsart übergegangen ist."[30] Es sollte zudem nicht jedermann automatisch vom Noviziat ausgehend beim Docetengrad der höheren Mysterien anlangen: "Je höher die Grade werden, je auserwählter müßen die Leute seyn."[31] Über die einzelnen Illuminatenkarrieren lassen sich kaum allgemeingültige Aussagen treffen. Johann Benjamin Koppe {Accacius} wurde beispielsweise im Mai 1781 als Novize von Andreas Gottfried Schäfer {Prometheus} aufgenommen, im August 1782 zum Illuminatus dirigens, im November desselben Jahres in den Priestergrad befördert. Man überantwortete ihm das Amt des Präfekten in Göttingen {Andrus} von 1782 bis 1784. Während dieser Zeit erhielt er den Regenten- und den Philosophengrad. Ein solch zügiges und noch dazu planmäßiges Vorwärtskommen war nicht an der Tagesordnung. Der spätere Rektor der Universität Kopenhagen Daniel Gotthelf Moldenhawer {Godeskalk} wurde im Juli 1782 durch Knigge zum Novizen und unverzüglich bis zum Illuminatus minor befördert. Seine Laufbahn endete im Grad des Illuminatus maior. Es kam ebenso vor, daß ein neues Mitglied sofort die höheren Grade erteilt bekam, wie z.B. Johann Friedrich (von) Schwartz {Agesilaos}, der im März 1783 von Bode initiiert und im April desselben Jahres in den Regentengrad befördert wurde[32] Besonders in der Anfangszeit wurden viele Mitglieder umgehend in die oberen Grade aufgenommen, dies sollte späterhin nur in Ausnahmefällen möglich sein.

Daß die Grade in ihrer Gesamtheit wie vorgesehen Anwendung gefunden haben, beweist die Arbeitsweise einer Vielzahl von Logen, wie der im thüringisch-sächsischen Raum, insbesondere in Gotha, deren Vorbildlichkeit nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß die Instruktionen und Inhalte konsequent befolgt wurden. Die Auswahl der Mitglieder richtete sich nach deren Gesinnung und ihrem Willen zur Veränderung der Gesellschaft. Weishaupt ging davon aus, daß der Mensch über unbegrenzte Möglichkeiten zu seiner freien Entfaltung verfügt: "O! Gewiß, mit und aus Menschen ist alles zu machen."[33]

Weishaupt suchte Menschen "von gutem natürlichen, praktischen Verstand, Freunde und Bekenner der Wahrheit"[34] die sich unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu Kennern ihrer eigenen Wesenheit und darüber hinaus zu Gestaltern des gesellschaftlichen Lebens ausbilden zu lassen bereit waren. Er glaubte, daß sie die Disziplin des Gradsystems akzeptieren und die vorgezeichnete Laufbahn absolvieren würden: "Geister, die für diese Ideen gemacht sind, brauchen nur einen Wink, um in Flammen zu gerathen, und diese sind die eigentlichen Männer für uns."[35] Die Rekrutierungspolitik der Illuminaten war von der Standeszugehörigkeit unabhängig. Entscheidend war der Wille, sich entwickeln zu wollen und frei von niederen Beweggründen zu sein.

Weishaupt positionierte sich selbst außerhalb der Grade. Er gehörte keinem Rang an, achtete penibel darauf, im Verborgenen zu bleiben und beabsichtigte, nach und nach fähige Mitglieder als Lenker des Ordens einzusetzen: "In dem O.s System, so wie sie es dermalen bearbeiten, finde ich mich weiter nichts als zum Rathgeben nöthig."[36] Er sah sich lediglich als Organisator, dessen Aufgaben sich erübrigen würden, sobald das Projekt Erfolg versprach. Weishaupt schwebte nicht die Etablierung eines auf festen Traditionen und Strukturen gegründeten Schulungssystems vor, er wollte das curriculum des Bildungsganges "nach dem einrichten, was die Umstände erfodern. Die Zeit und der Erfolg sollte zeigen, was man zu ändern hat. Ich selbst lerne täglich, und sehe ein, daß ich das, was ich vor einem Jahr gemacht, dieses Jahr un­gleich besser machen würde."[37] Da jedes Individuum auf unterschiedlichem Wege zu seinem Wissen gelangt, erfordere eine jede Epoche eine auf sie zugeschnittene Auseinandersetzung mit Lehrformen und -inhalten: "Jedes Zeitalter hat seine eigene Lehrart."[38] So unterschiedlich und z.T. unvereinbar die im Bildungsgang des Illuminatenordens zusammengeführten Zeremonien und Mysterienlehren auch sein mögen, wurden sie mit dem Ziel verwandt, das Niveau der Belehrungen zu erhöhen, sie interessant zu gestalten. Sie waren nurmehr Mittel zum Zweck und bildeten nicht wie z.B. von LeForestier angenommen, das ultimative Ziel der Aktivitäten, vielmehr dienten sie dem pädagogischen Anliegen des Ordens. Knigge gibt beispielsweise zu bedenken: "Wie wäre es denn, wenn man jeden Grad in zwey Gestalten hätte, maurerisch und auf andre Art?".[39] Es stand also nicht die jeweilige esoterische Lehre im Zentrum der Bemühungen, sie fungierte lediglich als Einkleidung des zu Lernenden. Auch Weishaupt sah die Bedeutsamkeit von Geheimlehren und den damit verbundenen Zeremonien hauptsächlich in der Motivation der Adepten, wenn er schreibt, er habe sich "Regeln für die Nothwendigkeit der Ceremonien abstrahiert. Der Urheber da­von war sicher kein schlechter Seelenkenner. Nehmen sie der katholischen Religion den Pracht ihrer Kirchen, die Musik, die besondern Kleidungen, die häufigen, und im kleinsten gut ausgedachten Ritus v. g. bey der Priesterweihe, bey dem öffentlichen Gottesdienst und Aemtern: so werden sie sehen, daß alles das, was soviel Aufsehens und Eindruck macht im Grunde gar nichts ist."[40] Er wußte diese Einsicht unmittelbar für die pädagogische Praxis des Ordens zu nutzen, indem er die Oberen anwies, die Adepten sollten Ideen zu diesem Themenkreis sammeln: "Lassen sie zu diesem Ende ein Pensum über die Nothwendigkeit und Macht der Cere­monien und Liturgie verfertigen."[41] In den Ordensversammlungen wurden die Ideen zunächst ausprobiert, für gut befunden oder verworfen. Weishaupt ließ den Oberen Hefte mit Anweisungen zu den einzelnen Graden zukommen, ihre Aufgabe bestand dann in der Umsetzung und Rückmeldung: "Führen sie in der Zwischenzeit das aus, was ich ihnen anweise. Berichten sie mir den Erfolg getreu; denn ich baue in den weiteren Graden darauf."[42] In der Praxis führte dies zu Irritationen, da mit der starken Vergrößerung des Ordens die Adepten bald ihr Soll erledigt hatten und auf weitere Grade warteten. Es kam auch vor, daß bereits eingesetzte Grade im Nachgang eine Neuausrichtung erhielten. Dies erregte naturgemäß den Unmut einiger Mitglieder wie z.B. den Ludwig Adolph von Grolmans {Gratianus} : "Spartacus verfertigte Sachen, wobey dieser nicht immer mit sich selbst einig war, und von Zeit zu Zeit manches geändert und zugesetzt hätte."[43] Akzeptanz und Nachhaltigkeit der im Gradsystem verankerten Lehren forderten demnach die Ausmerzung solcher Ungereimtheiten.

Noch im Jahre 1780 schrieb Weishaupt an Zwackh {Cato}, – zu diesem Zeitpunkt bildeten zwei Grade das gesamte System – er wolle einen Mittelgrad einführen, "damit wir Zeit gewinnen, Leute anzuwerben, zu prüfen und auszusuchen."[44] Nun war es nicht mehr Weishaupt, der den Gang seines Ordens bestimmte, er gehorchte eher den Zwängen seines Systems. Sein Vorgehen wurde vom Areopag, dem höchsten Illuminatengremium, jedoch nicht lange gebilligt. Ein Beschluß aus dem Jahre 1781 legte die Anzahl der Grade auf sechs in den damaligen kleineren Mysterien fest und verpflichtete ihn zur schnellstmöglichen Abfassung der noch nicht in Angriff genommenen. Knigges Unterstützung festigte von 1780 an die Struktur des Gradsystems, brachte jedoch auch Grade hervor, die nicht von allen leitenden Mitgliedern gebilligt wurden. Knigge wollte ebenso Zeit gewinnen, nach seiner Auffassung mußten "die Sÿsteme, welche wir mittheilten, allzeit ein Paar Rückhalte haben, daß wir sagen könnten: ‚Wir haben sie Euch nur vorgelegt, um Eure Denkungsart zu erforschen.'"[45] Der Ausbildungsgang war, wie die Entwicklung der Illuminatengrade zeigt, in starkem Maße Veränderungen unterworfen. Die folgende Darstellung orientiert sich an der Ausformung des Systems nach den Editionen Fabers, Grolmans und Schüttlers[46] da diese auf den Texten basieren, die im Orden kursierten. Die von den Herausgebern verwendeten Quellendokumente können daher als verbindlich im Hinblick auf die Ordenspraxis angesehen werden. Um Spezifika und Variationen aufzuzeigen, bedürfte es einer eigenen Untersuchung, die die Entwicklung der einzelnen Grade in den Blick nimmt. Dies kann die vorliegende Arbeit nicht leisten.[47]

2. Die erste Klasse – Propädeutische Bildung

1. Das Noviziat – Erwerb von Arbeitstechniken

Die unteren Grade der Illuminaten wurden in der frühen Ordenskorrespondenz[48] als Pflanzschule oder Vorbereitungsschule bezeichnet. In dieser Klasse waren diejenigen Fertigkeiten zu erlernen, die der Erfassung der Weisheitslehren dienten. Sie stellten das methodische, wissenschaftliche und sittliche Rüstzeug für spätere Verpflichtungen. Im Noviziat sollte die Ausgangsbasis für den Werdegang hin zum aufgeklärten, vollkommenen Menschen geschaffen werden. Dieser erste propädeutische Abschnitt zielte auf die Einübung von im weitesten Sinne wissenschaftlichen Arbeitstechniken sowie auf die Ausbildung illuminatischer Tugenden. Das Noviziat bildete das Fundament einer Ausbildung, die das Potential des Adepten auszuloten und seine Entwicklung anzubahnen suchte.

Galt der Aufnahmerevers als ausdrückliches Zeichen des Einvernehmens zwischen Novizen und Orden, der die Befolgung illuminatischer Direktiven verbindlich machte, war der sog. Vorbereitungsaufsatz vornehmlich dazu bestimmt, potentielle Mitglieder auf den Orden einzustimmen, sie zu motivieren. Diese dem Interessenten vor dem Eintritt verlesene Abhandlung gehört dem Anschein nach als vereinheitlichendes Mittel der Anwerbung und Prüfung zu den später eingeführten verbesserten Maßnahmen im Gradsystem. Er kam nicht in jedem Falle zur Anwendung. Der Aufsatz diente der Information über die Anforderungen des Ordens und war Mittel der Prüfung, um herauszufinden, ob ein Kandidat zur Mitgliedschaft befähigt war. Er orientierte demnach über die Ziele des Ordens und zeigte den Bildungsweg auf, der mit dem Eintritt eingeschlagen werden sollte. Innerhalb der Darstellung wird die Programmatik des Gradsystems in komprimierter Form offenbar. Der Aufsatz war intendiert als Aufruf an den "beßern Menschen"[49] sich anzuschicken zur "Erfüllung seiner Bestimmung"[50] d.h. sich zu einem gefestigten und handlungsfähigen Individuum ausbilden zu lassen.

Der Provinzialobere von Sinope {Leipzig} August Gottlob Dörrien {Eginhard} hatte diese Maßnahme selbst kennengelernt, war von ihrer Wirksamkeit überzeugt und forderte deshalb, sie generell einzusetzen. Es müsse einem Kandidaten "doch eine allgemeine Notiz von der Sache gegeben werden, so, wie sie der Aufsatz enthält, den man mir vor Ausstellung des Reverses vorgelesen hat."[51] Dem Aufnehmer oblag es, aufzuzeigen, daß der Illuminatenbund vor anderen Arkanorganisationen die geeignete Plattform für diesen Zweck darstellte. Er hatte die Vorzüge des Ordens hervorzuheben sowie dessen ernsthaftes Interesse an der Umsetzung dieses Zieles zu betonen. In acht Punkten wurden die wesentlichsten Grundsätze und Ziele des Ordens zusammengefaßt. Das potentielle Mitglied erfuhr, daß, "nur äußerst geprüfte Menschen darin aufgenommen" werden, man "diese Menschen stuffenweise mit unbeschreiblicher Kunst" bildet, damit "sie nach und nach alle menschliche Dinge mit denselben Augen ansehen", der Orden "die sichersten Mittel [hat], seine Mitglieder auf das genaueste kennenzulernen", "ein jeder seiner Richtung und seinen Fähigkeiten gemäß geführt und in Thätigkeit gesezt" wird, "niemand Geheimnisse versprochen" werden, alle tätig sind, "die Hindernisse zum Guten in der Wurzel anzugreifen", "kein Stand, Ansehen etc." im Orden entscheidet und "jedem Mitglied [...] ein Gesichtspunct gezeigt [wird], wo er für das Ganze würken kann."[52] Die illuminatische Gesellschaft erschien nach diesen Zusicherungen als ein pädagogisches Refugium, innerhalb dessen die Belange des einzelnen ebenso Berücksichtigung fänden wie die der Gemeinschaft. Ein illuminatischer Novize konnte sich von der Glaubwürdigkeit dieser Maximen überzeugen, wenn er sich nach der Unterzeichnung des Eintrittsrevers mit den ersten Übungen für diesen Grad auseinanderzusetzen begann. Er war darauf eingeschworen worden, das Geheimnis dieser Verbindung unter keinen Umständen preiszugeben: "Ich, Endesunterschriebener verpflichte mich [...] gegen Niemand, auch nicht die vertrautesten Freunde noch Verwandte, auf keine irgend mögliche Art, weder durch Worte, Zeichen, Blikke, noch sonst niemal das geringste zu offenbaren".[53] Gleichzeitig erklärte er sich zur Erfüllung der ihm angetragenen Aufgaben und Obliegenheiten bereit. Im Gegenzug wurde ihm seitens der Gesellschaft versichert, daß diese keine politisch, religiös oder sittlich fragwürdigen Ziele verfolge.

Gleich zu Beginn der Unterweisungen wurde ein Novize mit den ihn betreffenden Teilaufgaben des illuminatischen Lehrsystems konfrontiert. Diese unterschieden sich in spezifisch für diese Stufe der Ausbildung festgelegte Übungen sowie in für alle weiteren Grade gleichermaßen geltende Anweisungen. Diese in den "allgemeinen Ordensstatuten" verankerten Instruktionen wurden ihm in der Regel verlesen. Das Arbeitspensum eines Novizen umfaßte verschiedene Einzelübungen, die in regelmäßigen Abständen von einer höheren auch dem Aufnehmer meist unbekannten Ordensinstanz kontrolliert, ausgewertet und kommentiert wurden. Jeder Novize war verpflichtet "zur Haltung eines diariums", in dem alles aufzuzeichnen war, was er vom Orden erhielt bzw. an ihn abgab. Er mußte "beide an ihn übergebene Tabellen ausfüllen und einsenden", von Zeit zu Zeit hatte er "Vorschläge für mögliche Ordenskandidaten einzureichen", "einen Bogen Papier bereitzuhalten, bestimmt für folgende Fächer: gesammelte Charaktere, Handlungen und Denkungsart gelehrter und angesehener Männer alter und neuer Zeiten erhabene Gedanken, Sentiments und Kernsprüche derselben und aus den zum Lesen anbefohlenen Büchern", aller zwei Wochen war "die Abgabe des quibus licet Bogens" fällig, schließlich sollte der Novize "Daten zur Biographie des Mannes, dessen Namen man vom Orden verliehen bekommen hat"[54] sammeln. Bevor er sich diesen einzelnen Aufgaben widmen sollte, war vom Novizen ein Hauptpensum einzureichen, "welches er zum Zeichen seiner Fähigkeit ausarbeiten muß."[55]

Eine methodische Anleitung zum Verfassen schriftlicher Arbeiten war Anstoß zur Arbeit an sich selbst. Disziplin und Regelmäßigkeit, die Fähigkeit zum Abstrahieren, die Ausbildung eines kritischen Bewußtseins sowie die Schärfung des Beobachtungsvermögens wurden in vorbereitenden Übungen geschult. Diese Fähigkeiten sollten zur Gewohnheit werden, um für kommende Aufgaben gerüstet zu sein.

Das folgende Beispiel der Aufnahme des Novizen Johann Martin Heinrich Flügge {Marcus Varro} durch den Schottischen Ritter und Direktor der Präfektur Göttingen {Andrus} Andreas Gottfried Schäfer {Prometheus}, belegt, daß den Anweisungen und Statuten des Ordens gemäß verfahren wurde. Schäfers Protokoll dokumentiert den Vorgang: "Ich habe heut das Vergnügen, dem Orden ein neues Mitglied zuzuführen: Es ist der Amtsschreiber Flügge in [...]hausen. Ich habe ihm den Namen M Varro gegeben, und den Auftrag gemacht, über die Frage: Wie kann ein Landedelmann oder ein Beamter die moralische und phisische Glückseligkeit der ihm untergebenen Landleute am sichersten befördern? einen Aufsatz einzuschicken. Hier schliesse ich seinen Revers und die von ihm verfertigten Tabellen an, und wünsche, daß die Erl. Obern auch diesen meinen Schritt billigen mögen." [56]

Der Novize hatte monatlich schriftliche Arbeiten anzufertigen. Er sollte "gleich zu Anfang eines jeden Monats eins oder das andere Blatt zurecht" legen, kontinuierlich alles aufzeichnen, "was ihm hierher gehöriges vorfällt"[57] und die Niederschrift am Monatsende abgeschlossen haben. Die schriftlichen Arbeiten, zu denen conduite-Tabellen, quibus licet, Aufsätze zu Preisfragen und Notizen der Beobachtungen zählten, waren einen wichtige materiale Basis des Bildungsganges, "der Grund von allem Künftigen. Sie müssen daher sehr genau gemacht werden; mehr erzählend als räsonnierend seyn."[58] Die Aufzeichnungen waren auch im Hinblick auf die sukzessive zu erlangende Menschenkenntnis von Bedeutung. Der Orden war an den Ergebnissen der Beobachtung und Analyse von Menschen interessiert, die als "physiognomische Bemerkungen"[59] eingereicht werden sollten. Ebenso waren die auf empirischem Wege "gefundenen Regeln, menschliche Charaktere zu beurtheilen"[60] von Interesse. Eine weitere Aufgabe bestand in der Lektüre eines Schriftenkanons, sie diente der theoretischen Fundierung der Beobachtungsergebnisse. Im Noviziat "liest der Candidat die vorgeschriebenen Bücher, arbeitet an der Erforschung seiner Nebenmenschen, zeichnet alles fleißig auf, notirt auf eine gewisse eigene Methode, und sucht das Gelesene zu verdauen und auf seine eigne Art zu sagen."[61] In selbsttätiger Arbeit sollte er also seine Erkenntnisfähigkeiten entwickeln und sich eine eigene Vorgehens- und Erarbeitungsweise angewöhnen.

Für den weiteren Verlauf der Ausbildung eröffnete der Orden Aussichten auf eine wissenschaftliche Bildung und erbot sich "durch seinen Unterricht dazu behülflich [zu] seyn."[62] Der Receptus erhielt von seinem Rezipienten während der Aufnahme die Möglichkeit, "schriftlich sich zu erklären, zu welcher Kunst oder Wissenschaft er sich bekennen will."[63] Dies verpflichtete den Orden im Gegenzug dazu, einen entsprechenden Unterricht anzubieten und dafür qualifizierte Obere bereitzustellen. Nach den Statuten waren die dafür vorgesehenen Lehrfächer "practische Philosophie, Natur und Naturkunde, Kameralwesen, Oeconomie, schöne Künste, Wissenschaften und Sprachen.[64]

Das Interesse an dem jeweiligen Novizen konzentrierte sich nicht ausschließlich auf den Werdegang innerhalb des Ordens, auch die Bewährung im täglichen Leben, im Beruf sowie im Privaten war eingeschlossen: "Verwaltet eure Aemter in der bürgerlichen Gesellschaft mit Treue, Eifer und Standhaftigkeit; steht euren Familien als gute Väter, Ehemänner, Herren vor; oder gehorcht als Söhne, Diener, Untergebene; wer Pflichten seines Standes, seines Amts vernachlässigt, wird auch die Ordenspflichten versäumen."[65] Dem Orden war auch an der moralischen Vervollkommnung seiner Mitglieder gelegen, deshalb gehörte die Ausbildung von Tugenden wie Behutsamkeit, Verschwiegenheit, Mäßigkeit, Häuslichkeit sowie Zufriedenheit zu den Grundlagen der sittlichen Bildung eines Illuminaten. Es wurden Verhaltensweisen geübt, die den Umgang mit anderen außerhalb des arcanums bestimmen sollten.

Nach Weishaupts Lehrmethode erfolgte, in Anlehnung an die Gelübde monastischer Gemeinschaften, die Unterweisung des Novizen als Einzelunterricht. Man wollte zunächst prüfen, ob der Kandidat für die weiteren Stufen der Einweihung in das höhere Wissen geeignet war. Der Einzelunterricht sollte die konzentrierte und selbständige Durchdringung der Bildungsinhalte befördern, dies kam einer Zurückziehung gleich. Der Novize wurde trotz der Absonderung vom Gesamtorden bei der Erarbeitung seiner Aufgaben nicht sich selbst überlassen. Die Rezipienten fungierten als direkte Verbindung zum Orden, gleichgültig, wo sie in der Ordenshierarchie standen: "Der Recipient von jedem Candidaten ist auch sein Oberer."[66] Das Verhältnis zwischen Oberen und Novizen basierte auf der Einsicht in die Notwendigkeit der Subordination: "Obere [...] leiten uns durch die Finsternis und im Irrthum, führen uns ab vom ungangbaren Wege. Da wird Beugsamkeit, Folgsamkeit zur Pflicht und selbst zur Dankbarkeit. Keiner wird sich also weigern, dem zu folgen, der für sein bestes arbeitet." [67] Die Novizen waren vor eventuellen Willkürakten der Rezipienten weitestgehend geschützt, indem sie den unbekannten Oberen regelmäßig Bericht über ihre Aufnehmer zu geben hatten.

Im Regelfall bestand ein persönlicher Kontakt zum Aufnehmer, der Mentor war. Der Novize hatte ihn wöchentlich einmal aufzusuchen oder aber, wenn er nicht direkt vor Ort sein konnte, im vierzehntägigen Abstand schriftlich zu informieren. Auf diese Weise konnte der Orden zunächst noch im Dunkel bleiben und es war möglich, den Neuzugang zu beobachten und zu prüfen, so daß dieser bei Nichtbestehen der Anforderungen den Bund ohne ihm gefährlich zu werden, wieder verlassen konnte. Es gab eine Probezeit, die von Mitglied zu Mitglied unterschiedlich lang ausfiel, je nachdem, wie die gestellten Aufgaben bewältigt wurden. Der Rezipient als Verbindungsglied zwischen Einzuweihenden und dem im Verborgenen wirkenden unbekannten Oberen, die den Fernunterricht zentral überwachten, mußte mindestens dem Minervalgrad angehören, um facultas recipiendis, d.h. die Befähigung zu Aufnahme und Unterweisung von Novizen, zu erhalten. Er zeichnete dafür verantwortlich, daß der Novize die nötigen Direktiven erhielt, um seine Aufgaben im Sinne des Ordens zu bewältigen. Er "zeigt ihm die Art zu notiren, die Verfassung des Diarii und Quibus lic. giebt ihm Abschriften dieser Instruction, wenn es nöthig ist, liest mit ihm gute Bücher; läßt sich seine Excerpta zeigen, und bemüht sich überhaupt, ihn aufzuklären und vorzubereiten."[68] Darüber hinaus gab der Rezipient ihm eine einfache Chiffre. In regelmäßigen Treffen mit den einzelnen Novizen wurden Lehrgespräche durchgeführt und gemeinsame Lektüre der empfohlenen Schriften betrieben.

Die Aufzeichnung der Beobachtungsergebnisse zur Charakterisierung des Novizen sowie zur Beurteilung seiner Progression zählte zu den wichtigsten Aufgaben des Oberen. Er sollte ihr gewissenhaft nachkommen: "Wenn der Obere Zeit hat, so theilt er die Tage der Woche unter seine Leute aus, er liest, notirt, und führt unterrichtende Gespräche mit ihnen."[69] Der Rezipient hatte nachzuprüfen, ob die Novizen im Sinne des Ordens handelten, ihre Kenntnisse erweiterten, durch Übungen in praktischer Philosophie und Beobachtung ihre Vorurteile ablegten und ihren "moralischen Charakter" vervollkommneten. Er war angehalten, Proben der Treue, des Stillschweigens, der Arbeitsamkeit sowie von Anhänglichkeit und Gehorsam durchzuführen. Der Rezipient mußte über das nötige Feingefühl verfügen, um den Novizen taktvoll und wirksam anzuleiten, seine pädagogischen Absichten aber nicht zu offensichtlich zu verfolgen: "die Leute müssen aber bei jedem Schritte fühlen und klar sehen, wohin man sie führt, warum man sie behutsam führt, und daß man nur zu ihrem Besten für sie arbeitet."[70] Die Erfüllung dieser Pflichten sprach gleichzeitig von seiner Eignung.

Die für das Noviziat geltenden schriftlichen Anweisungen sind zwar funktional unterschieden, doch sind die Spezifika der Instruktionen für Aufzunehmende und die für Aufnehmer nicht immer hinreichend deutlich. Dieser Mangel wurde von Knigge bereits 1781 indirekt angesprochen: "Es würde mir sehr lieb seyn, einst ein Verzeichnis von denen Stücken zu erhalten, die die Grade ausmachen, und abgesondert von dem, was blos Instruction und Vorbereitung ist, um recht zu wissen, wie ich solche Leute zu führen habe, denen man Grade giebt, ohne sie von dem Operations-Plane zu unterrichten."[71] Dies war auch in der 1787 gedruckten Fassung bei Faber nicht völlig behoben. Ein Novizenoberer mußte sich im Vorfeld mit den das Noviziat betreffenden Ordensdokumenten gründlich vertraut machen. Außerdem hatte er darauf zu achten, daß den Adepten die Ordensinterna verborgen blieben.

Vom Eintritt an ist es den Mitgliedern erlaubt, andere für den Orden zu vorzuschlagen. Die Begründung für diese Praxis ist bemerkenswert: "Das Unange­nehme der Unterwürfigkeit wer­de bey uns gemäßigt dadurch, daß dem Candidaten gleich erlaubt wird, aufzunehmen, daß er auf solche Art gleich in den ersten Augenblicken selbst eine Herrschaft über seine Receptos erhalte. Er solle sagen, in welchem andern Orden er dieses finde, hier könne jeder durch häufige Aufnahmen sich sein Königreich selbst bauen etc."[72] Ein Novize konnte jedoch nicht das Amt des Oberen übernehmen. Daß dieses Zugeständnis nicht in jedem Fall unproblematisch war, zeigt folgende Anmerkung des Mitgliedes Justus Lipsius {Carl Gotthold Lenz}, der in der Loge von Butus {Jena} organisiert war: "Das Recht, ja die Verpflichtung, die jeder neu aufgenommene hat, dem Orden neue Subjecte zuzuführen, bläht den jungen Mann, der sich selbst erst bilden sollte, auf, erzeugt unvermerkt eine gewisse Herrschsucht, wenn er als Recipient einen gewissen Vorzug und Macht über seinen Insinuanten hat."[73] In der Realität dürfte der von Lenz beschriebene Effekt nicht solch dramatische Wirkung gezeigt haben.

Die Beförderung des Novizen in den nächsten Grad war – wie in den Statuten festgelegt – leistungsabhängig: "Viele Notaten, Bemerkungen, viele entworfene Charaktere aufgezeichnete Gespräche von Leuten, die man in der Sprache der Leidenschaft redend angetroffen, so wie auch die Erfüllung der O.Statuten und Folgsamkeit gegen der Obern, sind der sicherste Weg zur Beförderung."[74] Die Aussicht auf Verkürzung der Novizenzeit durch zügige und zufriedenstellende Erfüllung des vorgeschriebenen Programms diente dem Ansporn, schneller zum folgenden Grad, dem des Minervalen als der eigentlichen Initiation in den Orden, aufzusteigen.

2. Der Minervalgrad – Wissenschaftliche Grundbildung

Im Minervalgrad waren Mitglieder zusammengefaßt, die den allgemeinen Ausbildungsweg beschritten, aber der Grad war ebenso dazu bestimmt, ausgewählte Minervalen auf eine Mitgliedschaft im Minervalmagistrat hin zu bilden, d.h. Geeignete erhielten bereits hier die Befähigung zur Anleitung anderer: "Diese Klasse ist also gleichsam die Schule, in welcher einige Mitglieder sich bilden, andern die nöthige Anleitung zu geben; und in welcher einem Jeden Hülfsmittel an die Hand gegeben werden, die er, sich allein überlassen, nie finden würde."[75] Diese nächste Stufe des illuminatischen Propädeutikums hatte Platos Akademiegedanken zum Vorbild und sollte Zugang zu allen Wissenschaften ermöglichen. Der Verweis auf den griechischen Philosophen und Schulgründer soll die Nähe der illuminatischen Weisheitsschule zu dem Athener Vorbild betonen. Mit den während des Noviziats erworbenen Fähigkeiten und Arbeitstechniken war die Voraussetzung für fundierte wissenschaftliche Arbeit gegeben. Weishaupt sah in der Verbesserung des Verstandes sowie der Erweiterung der Kenntnisse "die Hauptbeschäftigung des O. in dieser Klasse"[76] was mit einigen Veränderungen hinsichtlich der Durchführung der Unterweisung verbunden war. War der Novize bisher einzeln angeleitet worden und dem Rezipienten unterstellt, konnte er nach seiner Aufnahme Kontakte wiederum zu andern Minervalen und auch zu Oberen pflegen. Die sog. Minervalversammlungen, die durch ein streng reglementiertes Procedere gekennzeichnet waren, bildeten eine regelmäßige Anlaufstelle für den Introducendus. Die Aufnahme in diesen Grad wurde seitens des Ordens als ein gegenseitiger Vertrag angesehen. Dem Introducendus wurde bei der Aufnahme in den Grad zu Bewußtsein gebracht, daß der Status des Minervalen bedeutete, "sich neue Verbindlichkeiten auf[zu]bürden"[77] und die "natürliche Freyheit einzuschränken".[78]

Der Aufnahmeakt besaß gleichfalls motivierenden Charakter. Dem Kandidaten wurde vermittelt, daß die verborgene Gesellschaft es nicht als notwendig erachtete, Personen aufzunehmen, deren charakterliche Disposition ihre Ansprüche nicht zufriedenstellte. Der für die Zeremonie verantwortliche Vorsteher der Illuminatenversammlung mußte von dem Fürsprecher des neu Aufzunehmenden wiederholt von dessen sittlichen und intellektuellen Qualitäten sowie dessen Beweggründen überzeugt werden. Der zukünftige Minerval verpflichtete sich zum Dienst an anderen sowie zur Erfüllung seiner Ordenspflichten: "Ich verspreche [...], daß ich alle Gelegenheiten, der Menschheit zu dienen, begierig ergreifen, meine Kenntnisse und meinen Willen verbessern, und meine nützlichen Einsichten zum allgemeinen Besten verwenden wolle."[79] Außerdem nahm er seinen eigenen Werdegang kritisch in den Blick, verpflichtete sich, seine Defizite zu erkennen und diese auszumerzen. Er vollzog dies in dem Bewußtsein, daß er seine "natürliche Schwäche und Unvermögenheit erkenne[n], [...] doch immer nur ein Mensch wie andere Menschen bleibe[n]"[80] würde. Alles Persönliche war aus der Ordensarbeit herauszuhalten: "Ich thue in O.Sachen treulich Verzicht auf meine Privat-Einsicht."[81] Eine sachliche Haltung war nach Weishaupt Voraussetzung vorurteilsfreier Erkenntnis.

Nachdem sich an einem Ort eine Illuminatenniederlassung konstituiert hatte, ging man in der Regel dazu über, sog. Minervalkirchen anzulegen, was bedeutete, daß nach der Etablierung der Basis, die zumeist aus hochrangigen Mitgliedern bestand, potentielle Nachfolger ausgebildet wurden. In diesem Grad beginnt die Ausrichtung der Zusammenkünfte an einem allegorischen Vorbild. Sie ist in diesem Falle der antiken Göttin der Weisheit gewidmet, auf deren römischen Namen, Minerva, die Bezeichnung des Grades zurückgeht. Minervalkirchen waren Einrichtungen, die im weitesten Sinne einen Weisheitskult pflegten. Die zugehörige Symbolik war nicht sehr verfeinert, erwies sich jedoch als adäquat für die in diesem Grad zu erreichenden Bildungsziele. Die über den Wolken schwebende, lorbeerbekränzte Eule, welche ein Buch in den Klauen hält, dessen aufgeschlagene Seiten das Motto P.M.C.V. (per me cœci vident)[82] zeigen, war das Sinnbild des Minervalgrades und wurde in einem Medaillon an einem grünen Band getragen. Wie der Vogel der Weisheit, der das Tageslicht scheut, weil er von ihm geblendet und von seiner Bestimmung abgelenkt wird, in der Dunkelheit unbemerkt und unzerstreut seine Aktivität entfaltet, so soll der Minerval Weisheit suchen: "Sie liebt die Stille in der Nacht;/ Wenn Luna´s bleiches Antlitz lacht,/ Täuscht kein geschmückter Tand. / Der Thorheit nimmt die Dunkelheit/ Ihr an der Sonne schimmernd Kleid/ und farbiges Gewand."[83] Die Oberen waren dazu angehalten, vor den rituellen Handlungen ein Blendzeichen zu machen. Indem sie die flache Hand wie zum Schutze vor zu großer Lichteinstrahlung an die Stirn hielten, wurde die Pflicht des Tätigseins im Verborgenen persönlich bekräftigt. Im Minervalgrad wurde den Insinuanten vermittelt, daß sie sich auf das innere Heiligtum des Ordens zu bewegten. Um dort anzugelangen, bedurfte es der Einsichten auf dem Wege der Katharsis. Nur so war die Befreiung von Verblendung und Untugend zu erreichen: "Wer das Licht sehen will, dessen Herz sey rein, rein sein Verstand, rein seine Gedanken, Worte und Werke."[84] Die bereits im Novizengrad geltenden Verpflichtungen wurden bei den Minervalen keineswegs aufgehoben; sie wurden z.T. ergänzt. Die Aneignung von Kenntnissen, die strenge Beobachtung der eigenen Person sowie anderer wurde durch gezieltere Befragung erweitert, auch erhielt man Gelegenheit, über selbst gefundene allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten in der Minervalversammlung zu sprechen. Die in den quibus licet zu beantwortenden Fragen zielten auf die Erwartungen, die der Minerval gegenüber dem Orden hegte sowie seine eigenen Beiträge, die er einzubringen gedachte. Lektüre geeigneter Bücher und das Einsenden von schriftlichen Aufgaben blieben bestehen. Der Minerval hatte in den Versammlungen Bericht über seine Lesetätigkeit zu erstatten. Darüber hinaus war er angehalten, innerhalb eines Monats nach seiner Initiation ein Verzeichnis seiner Bücher einzusenden. Er sollte diese im Bedarfsfall dem Orden zur Verfügung stellen.

Minervalversammlungen dienten einer verstärkten Ausrichtung auf soziale Tugenden, wie gegenseitige Achtung oder das Bemühen um ein harmonisches Miteinander im Freundschaftsverbund. Sie boten darüber hinaus Gelegenheit zum Austausch in akademischen Disziplinen. Minervale hielten Vorträge zu wissenschaftlichen Thematiken, verlasen Aufsätze, in denen eigene Erkundungen ihren Niederschlag gefunden hatten. In den Minervalenstatuten wurde der praktische Zweck dieser Übungen hervorgehoben. Die Ausführungen wurden erst dann als nutzbringend angesehen, wenn der Edukand sich mit den Inhalten kritisch auseinanderzusetzen und Position zu beziehen vermochte. Deshalb die Anforderung an die Minervale: "lernet fleißig, [...] braucht vorzüglich euren, nicht fremden Sinn; was andere gedacht und gesagt haben, denkt und sagt auf eure Art; [...] denkt auf die Ausübung und Anwendung des Gelesenen und Gedachten. Vor allem, forscht den Menschen nicht aus Büchern so sehr, als euch selbst aus der Betrachtung anderer und aus Schlüssen von ähnlichen Umständen auf andere abgezogen."[85] Die Einlösung des Versprechens, in sämtlichen wissenschaftlichen Fächern Unterweisung zu finden, erwies sich zunächst als problematisch. Knigge hat auf die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität hingewiesen: "Dem Minerval werden Aufklärungen in seinem Fache versprochen. Diese Aufklärungen soll die Mÿsterien-Classe geben. Diese soll sammlen und austheilen, und existiert nicht, soll auch noch gar nicht errichtet werden. Um also nicht zum beständigen Lügner zu werden muß ich beÿ 40 Anfragen, welche ich monathlich bekomme, vielleicht 90 Briefe an Gelehrte in allen Ecken schreiben – Und doch soll ich nicht wünschen endlich die höhern Classen hergestellt zu sehen? Habe ich nun einen im höchsten Grade aufgeklärten Mann vor mir, und er frägt mich um Dinge, über welche er täglich mit Vernunft raisonnirt; so soll ich ihn zur Ruhe verweisen, seine Erwartung so groß machen, und ihm nach 2 Jahren geben, was er vor 10 Jahren einsah."[86] Daß der Minervalgrad den Anforderungen der Zeit an Bildungsinstanzen vor allem in der Spätphase gerecht wurde, belegt die positive Resonanz auf den innerhalb der Minervalkirchen durchgeführten Unterricht.

Das nachstehende Beispiel zeigt, inwieweit den Anweisungen Folge geleistet wurde und auch, daß das Zusammenspiel der einzelnen Bildungsaufgaben als eine systematische und grundlegende Schulung betrachtet werden kann. So berichtet der zur Hannoveraner {Tarsus} Loge gehörige Arnold Gerhard Denecke {Gelon} seinem Pronvinzialoberen Bode {Aemilius} von der dortigen Minervalkirchentätigkeit, "daß also wechselseitige Aufklärung durch eine gewählte Lectüre u durch zweckmäßige Aufsätze, der HauptGegenstand unsrer Beschäftigungen gewesen seÿ. Wir übten uns gemeinschaftlich in der praktischen Philosophie und suchten dieselbe in unsern Verhältnissen anzuwenden ‑ Wir hielten in der Minerv[al] Vers[ammlung] Vorlesungen über die Pflichten, denen wir nach unsrer individuellen Lage vorzüglich unterworffen waren ‑ deren Grenzen wir also so genau wie möglich kennen lernen mußten und deren Beobachtung oft von einigen unter uns vernachlässigt wurde. Wir liebten uns untereinander brüderlich ‑ beobachteten uns ‑ machten Charakteristiken ‑ gestanden uns offenherzig unsre Fehler u. Schwächen ‑ suchten sie mit vereinter Hülfe zu verbessern ‑ unterstützten uns in unsren guten Unternehmungen ‑ nahmen uns junger Leute von guten Anlagen an, um sie zu bilden ‑ und erreichten auf diese Weise eine seltene ‑ gleichgestimmte DenkungsArt und durch diese manche nützliche Zwecke zu unsrem und unsrer NebenMenschen Wohl."[87] Es kann davon ausgegangen werden, daß sich in anderen, wenn auch nicht allen, Minervalkirchen ein solches oder ähnliches Bild zeigte.

Die Oberen der Weisheitsschüler, die in der Regel Illuminati minores waren,[88] hatten bei ihren Bemühungen um "Bildung junger Leute zu würdigen Mitgliedern" nun "gleichsam an die Stelle der Eltern und Lehrer [zu] treten."[89] Im Unterschied zur Praxis im Noviziat war der Minerval umgeben von einer Reihe von Personen, die mit der Gestaltung der Versammlung und der Administration der Minervalkirche betraut waren. Die Versammlungen und auch die Initiationszeremonien erfolgten nach einem festem Plan, der stark liturgische Züge trug. Für die Durchführung zeichneten Mitglieder aus den höheren Graden verantwortlich. Dazu gehörte der Obere der Minervalen, der, mindestens Illuminatus maior, als Leiter der Versammlungen die Entwicklung der einzelnen Mitglieder überwachte sowie die höchste Verfügungsgewalt hatte. Der Quaestor war für das Protokoll und die Befolgung der Anweisungen des Oberen verantwortlich. Kanzler und Sekretär verkündeten die Befehle und Aufträge für die Minervalen und verlasen die Statuten.[90] Getreu der Maxime, "in unseren Versammlungen unsern Geist zu bessern und zu erleuchten"[91] wurden den Zöglingen während der Minervalversammlungen Proben abverlangt. Obere waren angehalten, die wissenschaftlichen Darbietungen der Minervalen zu beaufsichtigen, sie vergaben Themen zur Erörterung, überprüften die schriftlichen Arbeiten und schickten diese an die nächsthöhere Instanz ein. Sie werteten die Beobachtungen der Minervalen aus und ließen die Sitzungen protokollieren. Schriftliche Arbeiten, deren Qualität hohen Standards gerecht wurden, waren den unbekannten Oberen zu übermitteln.

Der Minervalgrad ist offensichtlich in Anlehnung an Gepflogenheiten des während der Aufklärung prosperierenden Sozietätswesens entstanden: "In dieser Klasse verlangt der O. nur als eine gelehrte Gesellschaft betrachtet zu werden" die zugleich darauf zu achten hatte, daß "das Beyspiel und der Unterricht das Herz bessern und den Verstand leiten."[92] Der Orden verstand sich strukturell und auch von seinen inhaltlichen Ansprüchen her als Ort der Bildung, vergleichbar öffentlichen Bildungseinrichtungen. Minervalkirchen eigneten sich für eine unbemerkte Eingliederung des Gradsystems in privat initiierte bzw. auch finanzierte Schulprojekte. In der Korrespondenz zwischen Knigge und Weishaupt findet sich ein Beispiel, das entsprechende Überlegungen belegt. Die Absicht des Frankfurter Kaufmanns Johann Georg Heuser[93] "sein Vermögen zum allgemeinen Besten anzuwenden" und "eine allgemeine Accademie (mit einem Worte! eine Minerval-Schule hier [zu] errichten)"[94] will Knigge nutzen, die projektierte Bildungsanstalt illuminatisch auszurichten. Er teilt Weishaupt mit: "ich bin beschäftigt ihm einen Plan dazu zu entwerfen, wobey ich nicht versäume alles so anzulegen, daß das Institut in die Direction des O. kommen muß, besonders wenn wir H. H. aufnehmen, und dann die besten Zöglinge als Minervalen aufnehmen. [...] Dies Institut soll junge Leute zu Universitäten vorbereiten, und weil itzt so wenig Menschen dahin gehen, die genugsame Grund-Kenntnisse haben; so soll dies das Mittel zwischen Schule und Universität halten." [95] Die erwogene Kooperation zeigt das taktische Vorgehen der Illuminaten im Bildungsbereich. Der Minervalgrad sollte die Nahtstelle vom arcanum des Ordens zum Öffentlichen bilden und konnte z.B. als Schulgründung oder Lesegesellschaft getarnt, nicht nur zu Anwerbung neuer Anwärter für den Orden, sondern auch zur Verbreitung illuminatischer Anliegen genutzt werden[96]

Das dem Minervalgrad innewohnende pädagogische Potential und dessen Attraktivität für das öffentliche Bildungswesen wußte auch Goethes Schwager Schlosser {Dion/ Euclides} geschickt ins Spiel zu bringen, als er 1785 Bode {Aemilius} vorschlug, die Geheimhaltung aufzugeben und den Minervalkirchen ein anderes Gepräge zu geben, um sie auf diese Art für den öffentlichen Raum anpassungsfähig zu gestalten. Er forderte, man solle dazu übergehen, "die Minerval Kirchen in Lesgesellschaften zu verwandeln."[97] Dazu führt er folgendes aus: "Der Gedanke ist groß und nicht unwahrscheinlich auszuführen. Ich meinte z. B. Man stellte dem Kaiser, oder dem König] in Pr[eußen] oder sonst einem wichtigen Monarchen vor: daß alle Schulen, Academien, gelehrte Gesellschaften u. s. w. nicht wirkten. [...] Man schlüg ihm also vor, eine Academie der Wissensch[aften] zu errichten die, ohne Besoldung sich zum Zweck sezte, mit allen dergl. Gesellschaften in Verbindung zu tretten, [...] die Haupt-Academie sollte blos aus distinguirten Gelehrten bestehen, [...] sollten die [Facumberz] haben, mit allen diesen Lesegesellschaften zu corresp[ondieren] ihre Vorschläge zur lecture zu thun etc."[98] Nach Schlossers Auffassung hätte man den Minervalgrad vor allem ohne die rituelle Ebene bis auf seinen pädagogischen Kern entkleiden und der akademischen Bildung beispielsweise in Form einer Eliteanstalt angliedern sollen.

Minervalkirchen wurden während des Bestehens des Ordens von den weiteren Aktivitäten abgesondert. Eine mögliche Angliederung an den Orden sollte erst dann erfolgen, wenn sich die notwendige Routine im Bildungsbetrieb eingestellt hätte und pädagogische Erfolge vorzuweisen wären. Dies stand auch nach Knigges Meinung nicht so schnell zu erwarten: "Minerval-Kirchen und □□ werden in den ersten 50 Jahren noch nicht können zusammengeschmolzen werden."[99] Die in dieser Klasse nachwachsenden Illuminaten galten zwar als vollwertig in den Kreis der Mitglieder aufgenommen. Man bescheinigte ihnen die Teilhabe am Lichte der Erkenntnis, zeigte ihnen jedoch zugleich, daß auf dem Weg zum endgültigen Ziel, der vollständigen Überwindung der Unkenntnis, noch Hürden zu nehmen waren: "Liebe Br. in meinen Augen in meinem Geiste wird es helle: könnt Ihr auch so wie ich das Licht sehen? [...] Eure Augen sehen heller, Euer Geist ist heiterer; Ihr habt einen Schritt näher zum Lichte gethan; aber ganz ist die Finsternis und Blödigkeit noch nicht von Euch gewichen."[100]

3. Illuminatus minor – Grundlagen der Menschenführung

War der vorige Grad der Vervollkommnung wissenschaftlicher Bildung gewidmet, sollte der Grad des Illuminatus minor auf die Unterweisung und Leitung der Minervalen vorbereiten. Wer auf dieser Ausbildungsstufe angelangt war, betrat nunmehr den Kreis der untersten Leitungsebene und wurde darauf eingeschworen, seine Verhaltensweisen entsprechend der zu bekleidenden Funktion auszubilden. Obwohl dieser Grad noch zum Propädeutikum der untersten Klasse des Ordens gehörte, sollten die hierfür bestimmten Aufgaben die illuminatische Ausbildung wesentlich voranbringen: "Hier fängt auch eigentlich die Hauptbildung an."[101] Den Angehörigen dieses Grades wurde eine erste Probe ihrer Führungsqualitäten abverlangt: "Diese Klasse ist die Grundlage des Ordens; sie arbeitet darin an dem Grunde des Gebäudes, das für die Einigkeit zum Nuzzen des Menschengeschlechts dauren soll. Diese Klasse enthält keine Geheimnisse, aber sie führt zu den größten aller Geheimnisse, zu dem Geheimnis, das viele so sehnlich gewünscht, so oft fruchtlos gesucht haben, zu der Kunst, Menschen zu regieren, sie zum Guten zu leiten, sie bey dem Guten zu erhalten, und dann mit ihnen alles auszuführen, was den Mehresten bisher Traum und nur den Aufgeklärtesten möglich schien."[102] Die Aufnahme des Kandidaten erfolgte ohne Zeremoniell. Ein Fürsprecher mußte den Oberen davon überzeugt haben, daß der Kandidat sich aufgrund seiner erfolgreichen Bildung im Minervalengrad des nächstfolgenden Grades würdig erweisen werde. Dem Kandidaten wurde eröffnet, daß weiterhin große Anstrengungen und schwierige Aufgaben bevorstünden: "die Zeit des Strebens und Kämpfens ist noch nicht vorüber. Denken Sie sich die Sache nicht leicht, nicht als schon vollführt."[103] Der Insinuant war jedoch nicht zum Aufsteigen verpflichtet. Nach der Devise, "die unterste Klasse adelt schon"[104] hätte er, ohne einen Ansehensverlust hinnehmen zu müssen, auf der erreichten Stufe verbleiben können. Dieses Prinzip galt für jeden weiteren Grad. Weishaupt verfügte bereits 1778, es stehe "jedem frey, bis auf einen bestimm­ten Grad wieder zurückzutretten, wenn es ihm gefällt."[105] Gab ein Kandidat jedoch seine Einwilligung zur Beförderung, unterstellte er sich der illuminatischen Lehre der Selbsterkenntnis, die in diesem Grad unter dem Leitgedanken Cave ne cadas[106] stand. Die Fähigkeit zum Erkennen der eigenen Wesenheit war die wichtigste Voraussetzung für die Übernahme der Unterweisung der Minervalen. Es galt also, die in den vorherigen Graden vorbereitete Selbststeuerung in noch stärkerem Maße auszubilden: "Es ist wahr, kein Kampf ist schwerer, als der gegen sich selbst, aber auch kein Sieg herrlicher. Diese Selbstverleugnung ist es also, wodurch Sie zeigen müssen, was Sie zu thun imstande sind."[107] Selbstverleugnung hier meint nicht die extreme Form, wie sie in religiösen Reinigungsübungen verlangt wird, sondern zielte auf eine stabile, im weitesten Sinne rational fundierte innere Festigkeit des Kandidaten. Damit war keineswegs gemeint, die eigene Emotionalität zu unterdrücken. Die Anweisung zielte allerdings darauf, "die große Kunst [zu] lernen, vernünftig zu begehren."[108] Dazu gehörte ein Verhalten im Sinne der illuminatischen Tugenden sowie die Unterordnung unter den Zweck des Ordens. Illuminati minores sollten sicheren Standes die Führung der ihnen Anbefohlenen übernehmen können.

Der Illuminatus minor sah sich nunmehr realiter zur aktiven Teilnahme am Orden aufgefordert. Das Hineinwachsen in eine Leitungsfunktion bedeutete die Intensivierung der eigenen Lerntätigkeit. Der Aufgabenbereich des Illuminatus minor konzentrierte sich "auf die Art der Vorbereitung, auf die Bildung der Minervalen, auf Erhaltung des Eifers und auf Gehorsam und Subordination."[109] Diese vier Teilbereiche ergeben ein pädagogisches Arbeitsfeld, in dem ein in jeglicher Hinsicht umsichtiges Handeln gefordert war. Die Aufgabe der Vorbereitung bestand in der Überprüfung der Lernfortschritte der Minervalen, die der Bildung verlangte die szientifische Unterweisung, die Beantwortung von Fragen ebenso wie das selbständige Erteilen gradspezifischer Aufgaben. Mit "Erhaltung des Eifers" war die Aufgabe umschrieben, die Adepten zu motivieren. Aufrechthaltung von Gehorsam und Subordination gehörte zu den anspruchsvolleren Pflichten des Illuminatus minor, zu der er Talent zeigen mußte.

Da von einem sich im Unterweisen Übenden nicht erwartet werden konnte, daß sich seine pädagogischen Fähigkeiten umgehend zeigen würden, mußte auch eventuellen Rückschlägen und Fehlhandlungen im Umgang mit den Adepten vorgebeugt werden. Es wurde dazu geraten, die Lehrtätigkeit behutsam anzugehen, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und die Zöglinge nicht von vornherein gegen sich einzunehmen. Der Lehrende sollte dem Lernenden nicht fortwährend seine Überlegenheit, seine umfangreicheren Erfahrungen und tieferen Kenntnisse zu Bewußtsein bringen.

Die Unterweisung der Insinuanten erfolgte im Sinne der Ordensmaxime, im Geheimen zu wirken. Jedes Mitglied sollte durch die weitestgehend unauffällige Zutageförderung von Erkenntnissen gebildet werden. Der Illuminatus minor sollte seinen Edukanden Gelegenheit geben, selbst zur Einsicht gelangen, indem er sich ihnen gleichstellte: "so lassen Sie anfangs die Antworten Ihrer Zöglinge besser als die Ihrige scheinen; das erweckt Muth."[110] Er sollte sie nicht sofort auf Fehler aufmerksam machen, sondern ihn von selbst auf die Konsequenzen fehlerhaften Handelns kommen lassen. Die Bildung der Minervalen sollte nachhaltig vonstatten gehen. Eine verbindliche Anweisung, wie der Unterricht abzuhalten war, gab es nicht. Der Unterweisende hatte einen gewissen Freiraum zum Experimentieren: "Wenn die Art der Behandlung fehl schlägt, so versuchen Sie eine andere bis Sie die wahre treffen."[111] So konnte er auch Erfahrung im Lehren sammeln. Seitens des Ordens erhielt der Illuminatus minor Hilfestellung. In Instruktionsheften wurden pädagogische Richtlinien formuliert und ihm z.B. geraten: "zeigen Sie lebhaft, was Menschen sind und was sie seyn sollen [...] Erwerben Sie sich Liebe und Zutrauen, aber auch Ansehen und Ehre, vermeiden Sie Familiarität [...] Ihre Untergebenen müssen also arbeiten, lesen, denken, empfinden, handeln [...] aber Sie müssen jeden auf seine eigne Art behandeln, um [...] den Gegenstand anschaulich zu machen."[112] In erster Linie sollte der Illuminatus minor den Zögling seinen Möglichkeiten gemäß und unter Beachtung seiner Individualität unterrichten und sein Vertrauen erwerben unter Einhaltung der gebotenen Distanz.

Der Orden verlangte, daß die dem Illuminatus minor Anbefohlenen zu "sein[em] eigne[n], sorgfältige[n] Studium werden; an ihnen muß er sich in Menschenkenntnis üben."[113] Er war angehalten, die zwei bis drei Minervalen, für die er verantwortlich war, täglich zu sehen, wenn dies erforderlich war. Die den Illuminati minores übertragene Verantwortung, Menschen zu bilden, schloß aus, "dabey allen seinen Gemächlichkeiten nach[zu]gehen"[114] Erfolg sollte erreicht werden durch "beständigen, vernünftigen, zu rechter Zeit angebrachten Zuspruch, durch gutes Beyspiel und beständige Sorgfalt."[115] Man war überzeugt, "die Vorsorge guter, wachsamer, unermüdeter Menschen macht wieder gute Menschen."[116] Von den Illuminati minores sollte Vorbildwirkung ausgehen. Sie galten als Multiplikatoren der Ordensmaximen, deren Glaubwürdigkeit sowohl von ihrer inneren Einstellung bzw. Loyalität dem Orden gegenüber als auch von ihrem Talent, die geforderten Kenntnisse und Tugenden lebendig zu vermitteln, abhing. Ein Illuminatus minor seinerseits konnte "indem er andere lehret, selbst lernen."[117] Der Orden erwartete vor allem moralische Integrität von seinen Mitgliedern, sie war das Hauptkriterium bei der Auswahl und Beurteilung geeigneter Adepten: "Das gute Herz ist, was Sie am meisten bey Ihren Leuten zu suchen und am sorgfältigsten zu bilden haben. [...] wer des Schwächern nicht spottet; wessen Seele fühlbar gegen große Entwürfe ist, begierig, sich gegen alles niedrige Interesse zu erheben und durch große Wohlthaten auszuzeichnen; wer den Müßiggang flieht, und keine Art von Kenntniß für unnütz hält, welche zu erlangen er Gelegenheit hat, aber Menschenkenntniß seyn Hauptstudium seyn läßt [...] das ist der Mann für uns."[118] Es kam nicht darauf an, eine große Anzahl von Minervalen zu befördern, der "Erweiterungsgeist [sollte] hier gänzlich wegfallen"[119] Ein Minerval mußte durch seine Leistungen überzeugen.

Die Unterrichtung der Minervalen machte jedoch nur einen Teil der Tätigkeit der Illuminati minores aus. Eine andere Aufgabe bestand in der Vorüberprüfung der von den Edukanden eingereichten Materialien. Für Illuminati minores fanden monatliche Treffen statt, die an einem vom Oberen bestimmten Tag abgehalten wurden. Die Ergebnisse der Beobachtung von Edukanden waren in der Ordensversammlung zu präsentieren: "In den Versammlungen liest er sein in diesem Monat gemachten Bemerkungen ab; er zeigt an, wie er die hier bemerkten Maximen auf sie anwendet, und welcher Erfolg daraus erwachsen, wie er sie zu behandeln gedenket; was noch an ihnen zu ändern ist etc."[120] Die Berichterstattung war obligatorisch: "Unverzeihlich wäre die Ausrede, wenn jemand anführen wollte, er habe diesen Monat weiter nichts bemerkt: denn da jeder Mensch einen ganzen Monat doch reden und handeln muß, so zeugt es offenbar von der Faulheit des Beobachters, wenn er nichts anführen kann."[121] Darüber hinaus mußten Berichte über den Werdegang der jeweiligen Minervalen gegeben werden: "Es muß kein Minerval seyn, der nicht zum Unterricht an einen Illuminaten angewiesen wäre, keiner, über den nicht in dieser Versammlung vollständig referiert würde."[122] Die Befugnisse des Illuminatus minor gingen nicht so weit, daß die Kontrolle der Minervalen gänzlich von ihm abhing. Er hatte über seine Aktivitäten Rechenschaft abzulegen, bevor er eine Entscheidung treffen konnte, waren die nächsthöheren Oberen zu konsultieren.

Mit der Beendigung der Vorbereitungsklasse hatte ein Ordensmitglied den illuminatischen Bildungsgang im kleinen durchlaufen. Der Grundstein für alle weiteren Maßnahmen war gelegt, es galt, nunmehr die eigentlich zu bewältigenden Aufgaben in Angriff zu nehmen.

3. Die zweite Klasse – im Zeichen der Autonomie

1. Illuminatus maior – Wege zur Selbst- und Menschenkenntnis

Nach Abschluß der Vorbereitungsklasse bot das Bildungsprogramm der Illuminaten zwei Wege an. Ein für würdig gehaltener Adept erhielt entweder die Möglichkeit, wenn er bereits die Freimaurerei durchlaufen hatte, direkt in den Grad des Illuminatus maior aufzusteigen oder aber mußte die Maurergrade außerhalb des Ordens in illuminatisch unterwanderten Freimaurerlogen absolvieren. In jedem Falle war das Innehaben der drei Maurergrade, Lehrling-Geselle-Meister, Vorbedingung für den weiteren Aufstieg im Gradsystem.

Weishaupt hatte nach seinem eigenen Eintritt in die Münchener Loge "Zur Behutsamkeit" 1777 die Inkorporierung der Freimaurerei in sein System erwogen: "Ich selbst habe die Einsicht in dieses Gebäude in meinen Plan aufgenommen."[123] Seine Begeisterung für das Masonische hielt jedoch nur kurz an. Für ihn waren die Freimaurergrade ein Teilstück des Ausbildungsganges, das zu durchlaufen war, wenn zweifelsfrei feststand, daß sich ein Mitglied in den unteren Graden bewährt hatte: "das wahre Maurer System werde erst dann erscheinen, wann die Raupe von den bisherigen unreinen Menschen gereinigt ist. Der Minerval und andere Grade seyn erfunden worden, um die Nichtswürdigen durch das Arbeiten zu entfernen."[124] Weishaupt verfolgte mit dieser Strategie die Vereinnahmung der masonischen Netzwerke für die Ziele des Ordens vornehmlich zur Rekrutierung neuer Illuminaten. Knigge hingegen war der Auffassung, durch das illuminatische System die vollendete Maurerei schaffen zu können, was Niederschlag in seinen Vorschlägen zur Ausgestaltung der Grade, insbesondere von Illuminatus minor bis zum Illuminatus dirigens gefunden hat. Die Eingliederung der masonischen Grade sollte so unauffällig wie möglich vonstatten gehen. Der jeweilige Obere war angehalten, die Adepten zu überzeugen, die Mitgliedschaft bei den Freimaurern brächte die illuminatische Ausbildung voran, doch durfte ein Kandidat nicht den Eindruck gewinnen, "daß man ihn dazu bewegen will, und daß seine weitere Beförderung davon abhängt; sondern es muß dieser Wunsch, wo möglich ganz von sich selbst in ihm bestehen."[125] Eine ähnliche Strategie verfolgten einige Rosenkreuzervereinigungen, die ihre potentiellen Mitglieder die Freimaurerei durchlaufen ließen.

Nach Vollendung des masonischen Meistergrades wurde das rein illuminatische Bildungsprogramm fortgesetzt. Der Aufstieg zum Illuminatus maior ging einher mit der methodischen Schulung der Selbsterkenntnis. Das Motto dieses Grades wurde der Inschrift am Apolloheiligtum in Delphi entlehnt und in seiner latinisierten Form Nosce te ipsum[126] verwendet. Selbsterkenntnis wurde "als das nothwendigste Stück"[127] dieses Ausbildungsabschnitts angesehen. Das nosce te ipsum sollte dem Illuminatus maior Ansporn und Maßstab zugleich sein, er sollte sich – auf einer neuen Ebene – als Lernender verstehen.

Der Kandidat für die Versammlung der Illuminati maiores, das als "Noviziat der höhern schottischen Maurerey"[128] galt, hatte im Vorfeld bereits einige Proben seiner Eignung zu geben. Er wurde zunächst aufgefordert, einen Lebenslauf zu verfassen. Daß diese Aufgabe von den Mitgliedern überaus ernst genommen, wurde, verdeutlicht das Beispiel des Wetzlaer Reichkammergerichtsassessors Ditfurth {Minos}, der auf mehreren hundert Seiten den Verlauf seines Lebens bis zur Universitätsausbildung schilderte[129] Während der Aufnahme wurde der Insinuant dann gebeten, ein Charakterprofil von sich zu entwerfen. Diese Art der "Evaluierung" verlangte von einem Kandidaten einen hohen Grad an Distanz sich selbst gegenüber. Das Ergebnis der Selbsterkundung wurde mit einem von der Illuminatenversammlung im Vorfeld der Initiation gemeinschaftlich erstellten Charakterisierung des Betreffenden verglichen. Er wurde also nicht nur der Konfrontation mit sich selbst ausgesetzt, sondern erfuhr auch um die Wirkung, die er bei Mitmenschen hervorrief. Diese Vorgehensweise ist Ausdruck der die Grade durchziehenden stetigen Steigerung der Anforderungen im Hinblick auf Selbsterkenntnis. Die spezifische Bildungsaufgabe des Grades lag in der Entwicklung pädagogischer Führungskompetenz.

Für die Ausbildung des Illuminatus maior wurde die katechetische Lehrform gewählt. Das geradezu ritualisierte Abfragen erwies sich nicht zuletzt deshalb als vorteilhaft, weil die interessierenden Informationen aus Fakten und insofern aus empirischen Daten bestanden. Der an die Pforten des neuen Grades Tretende kam nicht unbedarft, er hatte sich ein Zutrittsrecht erworben und war auf dem Weg in das Heiligtum der höheren Mysterien, um zu letztendlicher Gewißheit zu gelangen. Er hatte sich bisher als würdiger Illuminat erwiesen, der von sich behaupten konnte: "Man hat mich gelehrt, wie ich mich selbst und andere erkennen, lieben und regieren soll."[130] Der Illuminatus maior bekräftigte seine Bereitschaft zur weiteren Vertiefung seiner Kenntnisse sowie zum Ausbau seiner Fähigkeiten. Er verpflichtete sich zur Erkenntnis seiner selbst zu gelangen, sich kritischer Selbstbeobachtung auszusetzen, eigene Mängel zu erkennen, sich diese einzugestehen und zu beheben. Dadurch sollte den Gefahren der Selbsttäuschung entgegengewirkt werden: "Lernen Sie durch sich selbst, was andere sind, aber lassen Sie sich durch dieses betrügerische Glas nicht schmeicheln."[131]

Diese Ausbildungsstufe war ebenso der Beginn der systematischen Unterweisung in Menschenkenntnis. Die während der Tätigkeit als Illuminatus minor gesammelten Erfahrungen in Menschenführung erhielten eine theoretische Fundierung. Die Verinnerlichung der Prinzipien der Menschenkenntnis sollte zu einem umfassenden Verständnis der menschlichen Natur führen: "Wir studiren das menschliche Herz: Aber je weiter man es in dieser Kunst bringt, desto nachsichtiger und duldender wird an, um desto mehr sieht man, wie sehr wir von Umständen und Leidenschaften regiert werden, wie wenig es oft an uns liegt, daß wir nicht besser oder nicht schlimmer sind."[132] Die Analyse von Charakteren und die differenzierte Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen sollte dazu beitragen, auf den Grund des menschlichen Wesens zu sehen. Die gewonnenen anthropologischen Erkenntnisse sollten zum Nutzen des Einzelnen und der Gesellschaft verbreitet und angewendet werden. "Allein alle diese Kenntnisse sind nichts werth und gehen endlich für die Welt verlohren, wenn wir die Welt nicht klüger und besser machen."[133]

Je nach Eignung wurde ein initiierter und in Selbst- und Menschenkenntnis kompetenter Illuminatus maior entweder einer sogenannten Arbeisloge zugeordnet oder als Oberer der Aufnehmer und Werber für untere Grade vorbereitet. Die Beamten der Arbeitsloge entwickelten Theorien und Verfahren zur Menschenkenntnis. Sie verrichteten die "Hauptarbeit dieses Grades, [...] die genaue Zergliederung der Charaktere".[134] Ihr Auftrag bestand in der Ermittlung geeigneter Kandidaten unter den Illuminati minores, sie unterbreiteten Vorschläge für Neuaufnahmen, fällten jedoch keine endgültige Entscheidungen, dies oblag den Oberen aus den Reihen der Illuminati dirigentes.

Zu diesem Zweck wurde den Illuminati maiores ein Fragebogen für die Erhebung von empirischen Daten zur Persönlichkeit eines Kandidaten ausgehändigt. Sie sollten auf der Basis einer "standardisierten" Erhebung gemäß Beylage B – Fragepunkte, nach welchen der Charakter eines in diesen Grad Aufzunehmenden geprüft wird[135] ein Charakterportrait erstellen. Der Fragebogen umfaßte sechs Schwerpunkte: 1. Person; 2. Erziehung, Bildung, Kultur und Gaben; 3. Geist; 4. Herz; 5. Aufführung, Gewohnheiten und Handlungen; 6. Äußere Umstände, Lebensart und Verhältnisse[136] Unter diesen Rubriken wurden über 600 Fragen, die der Erstellung eines verläßlichen Charakterportraits dienen sollten, zusammengefaßt. Den größten Anteil dabei hatten diejenigen, die sich auf die Rede und das Handeln bezogen, sie machten nahezu die Hälfte der Fragepunkte aus.

Den Angehörigen der Beamtenloge oblag die Aufsicht über die Minervalklassen und über den aus Illuminati minores bestehenden Minervalmagistrat. Ihr Verantwortungsbereich umfaßte auch die Berichtigung von eingereichten Tabellen der unteren Grade sowie deren Einsendung zur endgültigen Überprüfung an ihre direkten Vorgesetzten, die Illuminati dirigentes. Der große Illuminat verfügte in seiner Eigenschaft als Ausbilder der Aufnehmer über relativ ausgedehnte eigene Einflußmöglichkeiten. Er hatte zu gewährleisten, daß dem Orden möglichst nur geeignete Mitglieder zugeführt wurden und diese zu Subordination und Befolgung der illuminatischen Maximen bereit waren.

Die Illuminaten vertraten die optimistische Auffassung, daß der Mensch potentiell dem Guten zuneigt: "Es ist eine Wollust für den Menschenkenner, zu sehen, daß doch im Grunde die Menschen alle gut, daß sie nur verblendet sind und ihr Interesse nicht kennen."[137] Es muß jedoch Anreiz und Hilfe geboten werden, um das Leben des Einzelnen darauf auszurichten. Der sittliche Auftrag des Illuminatus maior, der diese Zusammenhänge erkannt haben sollte, bestand darin, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Da die herkömmliche pädagogische Praxis, "das Lehren und Predigen"[138] kaum etwas bewirkt hatte, bedurfte es geeigneterer Mittel und eines andersgearteten Vorgehens. Der Illuminatus maior wurde darauf während der Initiation in den Grad aufmerksam gemacht, man sprach ihn direkt an: "Da Sie selbst fühlen, wie wenig die Menschen bis jetzt ihre Bestimmung erfüllen, wie sehr alle öffentliche Anstalten ausgeartet sind, wie wenig es den Lehrern der Weisheit und Wahrheit bis jetzt gelungen ist, die Menschen auf einen andern Ton zu stimmen, und ihnen das Interesse, gut zu seyn, an das Herz zu legen; so sehen Sie auch leicht ein, daß es vorzüglich an den Mitteln gelegen haben muß, deren Sie sich bedient haben: Diese müssen also besser gewählt werden, wenn je Tugend und Weisheit wieder in der Welt herrschen sollen und dies ist das Geschäft unsers erlauchten Ordens."[139] Die Einlösung dieses Anspruchs, Menschen auf das Gute einzustimmen, erforderte ein umfassendes und vielfältiges Erziehungskonzept. An die Illuminati maiores wurde daher appelliert, "jede Quelle der Nachforschung [zu] eröffnen, jedes unterdrückte Talent [zu] belohnen, jedes Genie aus dem Staube hervor[zu]ziehen, aller Orten reine Grundsätze nach der Constitution des Zeitalters [zu] lehren, uns der Erziehung der Jugend an[zu]nehmen, die besten Köpfe in ein unzertrennliches Band [zu] vereinigen, Aberglauben, Unglauben, Dummheit, kühn, aber mit Klugheit [zu] bestreiten, endlich alle unsere Leute so ab[zu]richten, daß sie über alle Gegenstände, gleiche, grade, richtige Begriffe haben."[140] Es sollten die Menschen – gemäß den pädagogischen Intentionen der Aufklärung – "von Vorurtheilen gereinigt, der Kopf aufgeklärt, sodann mit gemeinschaftlichen Kräften die Wissenschaften von unüzzen Subtilitäten gereinigt, richtig aus der Natur geschöpfte Grundsäzze festgesetzt, und also dem Menschen der Weg geöffnet werden, ohne Hinderniße der reinen jetzt verdunkelten Wahrheit auf den Leib zu gehen." [141] Diese Instruktionen verwiesen den Illuminatus maior auf seine pädagogische Pflicht. Sie lenkten all seine Aktivitäten innerhalb des Ordens. Seine Aufgaben bestanden in der Bereitstellung von Lehr- und Bildungsmaterialien, der Förderung Begabter, dem Unterrichten der jüngeren Mitglieder und der Festigung des Ordensverbundes.

2. Illuminatus dirigens – Administration des unteren Ordensgebäudes

Ein Illuminatus dirigens – auch schottischer Ritter genannt – sollte daran arbeiten, "daß er die Harmonie wiederherstelle, seine Natur veredle, und sich also zum reinsten Werkzeug der Gottheit mache." [142] Er sollte dazu Mäßigkeit üben, seinen Geist erheben und für die ihm Anvertrauten tätig werden. Die Mitglieder dieses Grades organisierten sich im sogenannten geheimen Kapitel, zu dem Präfekt, Schwertträger, Zeremonienmeister, Kanzler und Schatzmeister, Oberaufseher, Altschottischer Obermeister, geheimer Sekretär, Priester sowie bereits aufgenommene Schottische Ritter gehörten. Es sollten während der Zusammenkünfte mindestens 6 Personen, jedoch höchstens 12 bei der Initiation anwesend sein. Es ist für den Illuminatus dirigens ebenso eine an den Freimaurerritualen orientierte Aufnahmezeremonie durchgeführt worden. Der Neuaufzunehmende wurde an einem ihm unbekannten Ort, an den er zuvor mit verbundenen Augen geführt worden war, in verschiedenen rituellen Handlungen nach seiner inneren Einstellung befragt und schließlich zum sog. Andreasritter geschlagen. Daß die Verbindung zum Orden nunmehr ernstzunehmender war als noch im Noviziat, war selbstverständlich. Das Voranschreiten auf dem Weg bedeutete verantwortliche Mitarbeit. In einem zweiten Revers bekräftigte der neu aufzunehmende Illuminatus dirigens seinen Willen, von diesem Zeitpunkt an das ganze Leben hindurch sich den Belangen des Ordens zu unterwerfen. Der lange Weg seiner Entwicklung wurde dem Kandidaten ins Bewußtsein gehoben: "Ein Freund zeigte ihnen den Weg der Wahrheit. Man prüfte sie genau. Sie mußten erst eine Reise unternehmen."[143] Es folgte die Konsolidierung und Überprüfung des Erworbenen, der Introducendus mußte "erst Proben gegeben haben, daß er sich denjenigen Unterricht, welchen man ihm im größten Illuminatengrade oder im Schottischen Noviziate zu Erkenntniß seiner selbst und anderer ertheilt, zu Nutze gemacht habe. Zu diesem Endzweck muß er sich fleißig üben, die Semiotik der Seele ins Helle zu setzen."[144] Darüber hinaus waren neue Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehörte die Anfertigung einer Lebensbeschreibung der Persönlichkeit, deren Namen der Schottische Ritter trug und die Abgabe noch nicht erfüllter pensa.

In diesem Grad wurde der Adept mit geschichtsphilosophischen Überlegungen konfrontiert. Ihm wurde erläutert, daß die Ursache der gesamtgesellschaftlichen Misere in dem Verlust einstiger Vollkommenheit läge: "Der Mensch, so wie er jetzt unsern Sinnen erscheinet, ist tief von seiner hohen Würde herabgesunken. Einst war seine Natur rein, geläutert, das Ebenbild der Gottheit. Fähig, das reinste Werkzeug der Urquelle zu seyn, stand er oben in der Stuffenreihe und freuete sich seiner Unsterblichkeit. Bei einer gewissen großen Revolution in der Geisterwelt wurde sein feineres Wesen mit dieser gröbern Hülle, wie solche jetzt in unsre Sinne fällt, umgeben." [145] Der momentane Zustand der Welt müsse jedoch nicht so akzeptiert werden, sondern könne dank des Überdauerns des Geheimwissens in ausgewählten Gruppierungen überwunden, der Urzustand wieder erreicht werden: "Es konnte und sollte aber der Mensch wieder zu jener Höhe emporstreben, und einige Vertraute der ewigen Weisheit, die ihren Geist, um sinnlich zu reden, rein und unbefleckt erhalten hatten, gaben dem schwachen Menschengeschlechte in einer Bildersprache die Mittel dazu an Handen. – Diese Bilder, diese Offenbarungen, die ersten Buchstaben der ächten Gottesweisheit, wurden in geheimen Weisheitsschulen fortgepflanzt. [...] daß die Bessern empfänglich für diese hohen Gegenstände durch einen treuen Freund geleitet, auf die Spur ihrer höhern Bestimmung kommen sollten."[146] Hier wird das Bestreben des Ordens erkennbar, sich in die Tradition der gnostisch-esoterischen Gesellschaften einzureihen. Überdies tritt eine bemerkenswerte Analogie zu der Darstellung im Constitutionenbuch der Freimaurer zutage. Der Verweis auf das Alter des Ordens entspricht der Vorgehensweise bei der Einführung neuer Maurer, denen ebenfalls klar gemacht wird, daß das in diesen Orden gehütete Wissen von dem Urvater Adam in einer ununterbrochenen Linie z.B. durch den Templerorden übermittelt wurde.[147]

Eine Besonderheit dieses Grades bildet das aus dem clermontschen Freimaurersystem übernommene sog. Liebesmahl oder Agape, eine feierliche Handlung, die die Brüder des geheimen Kapitels in Anwesenheit des Oberen, zelebrierten. Das Zeremoniell war eine im weitesten Sinne säkularisierte Form der christlichen Eucharistie.[148] Während des Liebesmahls wurde Tugenden wie Mäßigkeit, Sittlichkeit, Strenge, echte Bruderliebe und Ergießung des Herzens zu unschuldiger sorgloser Fröhlichkeit gehuldigt. Das was in den Mysterien auf der nächsten Stufe zu erkunden war, setzte eine gefestigte, im Denken und Handeln geübte Persönlichkeit voraus sowie einen gereinigten und vom ethischen Standpunkt her unbeugsamen Charakter, der von Mitgefühl und Menschenliebe bestimmt sein sollte, daher sollte sich jeder Illuminatus dirigens prüfen, "ob Liebe in seinem Herzen wohnt."[149] In Anlehnung an das christliche Vorbild wurden Schottische Ritter dem "alte[n] Meisterwort Jehova" und damit vorchristlichen Traditionen verpflichtet.[150]

Auch wenn über die Bildungsinhalte im Schottischen Rittergrad Differenzen zwischen den Auffassungen ihres Urhebers Knigge und Weishaupt bestanden[151] so ist doch seine Zielstellung eindeutig festgelegt. Sie bestand in Anleitung und Administration aller unter ihm befindlichen Grade: "Die schottischen Ritter sollten das mechanische des Gebäudes dirigieren, und da auf dieser Stufe die mehrsten Leute stehen blieben, so sollte man ihnen etwas halb wahres, halb falsches zur Befriedigung geben. Wir bedürfen einer Menge Ill. dir. zur Arbeit."[152] Über diesen Grad hinaus sollten nur wenige geführt werden, zumal der bis dahin erreichte Stand an Kenntnissen und Fähigkeiten in Rücksicht auf Bildung und Aufklärung der Mitglieder als ausreichend erschien.

Die Zugehörigkeit zu den Illuminati dirigentes konfrontierte einen Inhaber dieses Grades mit einem neuen pädagogischen Anspruch. Er sollte sich nunmehr in freier Verantwortung "durch Beschäftigung mit höheren Gegenständen"[153] vertiefte Kenntnisse und Einsichten verschaffen und durch Übungen der Selbsterkenntnis eine breite Erfahrungsbasis für eine Selbstbildung gewinnen: "Sie haben jetzt Fingerzeige genug! – Prüfen Sie, lesen Sie, denken Sie nach. – Es giebt eine Menge Dinge, welche man zwar nicht ohne Anleitung finden, aber auch nicht durch bloßen Unterricht lernen kann, und diese Wahrheiten, wovon man Ihnen hier das Alphabet gegeben hat, erfordern Fleiß und Studium."[154] Es versteht sich von selbst, daß der Illuminatus dirigens seine Selbstbildung methodisch vorantrieb, sich mit religiösen und philosophischen Problemen auseinandersetzte und den Bildungsprozeß dokumentierte. Er wurde angehalten "den rohen Stein"[155] seinen "nicht geläuterten Geist, so [zu] bearbeiten, daß er gerade und richtig wie der behauene Stein werde"[156] er müsse seine "Handlungen mit den Werkzeugen der Vernunft und Tugend messen, abwägen und richten, und sich in Nachforschungen über hohe Gegenstände üben."[157] Die mit dem Verweis auf den zu bearbeitenden Stein anklingende maurerische Symbolik gewann in diesem Grad besondere Bedeutung.[158]

Der Schottische Ritter zeichnete verantwortlich für Aufnahme, Beobachtung, pünktliches Einreichen der monatlichen Aufgaben aller unter ihm befindlichen Mitglieder. Er prüfte die eingehenden Arbeiten und leitete sie zur Begutachtung an seine Oberen weiter. Der Illuminatus dirigens und seine Mitbrüder sollten ihre Arbeit in dem Bewußtsein verrichten, "daß sie Vorsteher einer großen Anstalt zum Besten der Menschheit sind. Also muß bei ihnen alle Eitelkeit, eine Rolle im Orden zu spielen, wegfallen."[159] Sie waren die Garanten für die Qualität der intellektuellen und sittlichen Bildung im Orden. Das Hauptaugenmerk sollte auf die Ausmerzung dreier charakterlicher Mängel gerichtet werden, auf die Begierde, alles zu genießen, auf die Begierde, sich durch sinnliche Mittel zu erheben und auf die Neigung, sich die Untätigkeit zueigen zu machen. In der Funktion des Oberen mußte der Schottische Ritter jeden Kandidaten genau kennen und sollte dies jedem auch beweisen. Dazu bedurfte es der gründlichen Auswertung der eingesandten Materialien. Außerdem sollte er immer wieder Überprüfungs- und Bewährungssituationen arrangieren. In einer unter vier Augen stattfindenden Unterredung sollte dem Kandidaten "durch verfängliche Fragen in Verlegenheit setzen, damit man sehe, ob er Gegenwart des Geistes habe; und wenn er nicht fest in seinen Grundsätzen ist, und hier Blöße zeigt, so soll man ihn das fühlen lassen, damit er empfinde, wie viel ihm noch fehlt, wie sehr er unsrer Leitung bedarf."[160] Um einem Mißverstehen dieses mitunter an die Grenzen der Aufrichtigkeit stoßenden Vorgehens vorzubeugen, wurde er zu selbstloser Haltung im Umgang mit dem Kandidaten ermahnt: "Wir müssen immer nur geben, nie nehmen"[161] und aufgefordert, "der Neugier und Eitelkeit [zu] entsagen, und auf seinem Platze zum Besten des Ganzen [zu] wirken, was er kann."[162] Der Illuminatus dirigens stand mehreren Minervalkirchen vor, zu seinen Aufgaben gehörte, alles zu referieren, was bei ihm abgeliefert wurde, Tabellen für den sogenannten äußeren Orden zu verfertigen, quibus licet durchzusehen bzw. weiterzuleiten sowie Strategien zur Vermehrung der Ordenskassen zu entwickeln. Die Hauptaufgabe bestand in der Beobachtung der einzelnen Kandidaten wie auch des Ordenslebens, um daraus praktischen Nutzen für den Orden zu ziehen. Es waren Methoden zu entwickeln, die Ordensaktivitäten optimierten: "so soll jeder Schottische Ritter alle Mängel beobachten, Entwürfe machen, wie in einer Provinz der Zusammenhang unter den Mitgliedern enge und genau, die Unterwürfigkeit ohne Sklaverey Strenge könne erhalten."[163] Der Umgang mit anderen Menschen, seien es Mitbrüder oder Ordensexterne, sollte strategisch organisiert werden, stets in dem Bewußtsein, das Anliegen des Ordens zu fördern. Zwackh zitiert in diesem Zusammenhang häufig den auch in den Statuten verwendeten Satz: "Der Zweck heiligt die Mittel."[164] Diese unbedacht formulierte Maxime wurde außerhalb des Ordens meist negativ gewertet. Die Illuminaten fühlten sich mißverstanden, wenn "in hiesigen Gegenden am meisten der Satz [fällt], welcher in unseren Statuten war, man bediene sich derjenigen Mittel, welche der Betrug zur Boßheit anwendet."[165] Zurecht konnten sie entgegnen, daß ihnen willentliche Täuschung fern lag und es allein ihr Anliegen war, das Ordensprojekt zu realisieren: "Ueberhaupt muß der Schottischen Ritter vorzügliches Studium seyn, auf alle Menschen zu wirken, wie es ihnen gefällt, weltklug, ohne Falschheit, vorsichtig, beredt ohne Geschwätzigkeit, einschmeichelnd und unermüdet zu Durchsetzung des Zwecks zu seyn."[166] Dieser Auftrag steht im Zusammenhang mit einer weiteren Aufgabe des Illuminatus dirigens. Er sollte sich in anderen Gesellschaften umsehen und eruieren, ob sich für die Illuminaten lohnende Ideen gewinnen ließen. Ein Illuminatus dirigens sollte seine Mitbrüder auf dem Weg zur Autonomie, die er sich mit diesem Grad erworben hatte, geleiten.

4. Die dritte Klasse – Führungskompetenz und Freiheit

1. Priester – Leitung der illuminatischen Akademie

In einer der Einführung in ein kirchliches Amt ähnlichen Zeremonie[167] vollzog sich die Initiation in den Grad des Priesters oder Presbyters und damit der Eintritt in die dritte und letzte Klasse des illuminatischen Bildungsgangs. Hier begann das Studium der durch Christoph Meiners[168] vermittelten "wahren Mÿsterien, wo alles Spielwerk, alle FrMrÿ aufhörte, wo alles erklärt wird."[169] Nach langem Ausbildungsgang sollte nun auch dazu befähigt werden "diese nackten Wahrheiten zu ertragen,"[170] d.h., es sollte die höchste Einsicht vermittelt, auf den Grund der Wahrheit gesehen werden. Das illuminatische Priesteramt war intendiert zur Beförderung der reinen Religion. Die Fähigkeit, vernünftig zu begehren, die bereits dem Illuminatus minor nahegebracht wurde, spielte hier eine Rolle. Es sollte dem Willen Gottes größeres Gewicht als dem eigenen zugestanden werden. Dieser Grad stand unter dem Zeichen I.N.R.I. und verpflichtete seine Inhaber, sich dem Vorbild Christi anzunähern.

In diesem und im folgenden Grad standen die Lehrbefugnisse und -aufgaben im Vordergrund. Dem Aufzunehmenden wurde aufgezeigt, warum er den Weg, den er über die einzelnen Stufen gegangen war, hatte einschlagen müssen: "Wären Menschen gleich anfänglich das, was vernünftige Menschen seyn sollten; könnte ihnen gleich bey dem ersten Eintritt die Heiligkeit der Sache und die Herrlichkeit des Plans vorgelegt und einleuchtend gemacht werden."[171] Der Boden für die Teilhabe am höheren Wissen schien nunmehr bereitet. Ein Kandidat aus den Reihen der Illuminati dirigentes erhielt im Vorhinein vom Präfekten den entsprechenden Fragenkatalog[172] der von ihm außerhalb der Ordensveranstaltungen zu beantworten und dann dem Dekan der Provinz zuzuleiten war. Die Fragen waren sehr genereller Natur, sie betrafen ein großes Spektrum an Problemen "unsere[r] jetzigen Welteinrichtung"[173] und mündeten in die Prämisse der Illuminaten, eine Verbesserung der Verhältnisse sei am ehesten über geheime Gesellschaften zu erzielen. Daran schloß sich der sog. Unterricht im ersten Zimmer an. Er war Bestandteil der Initiationszeremonie, bei der dem Kandidaten eine Abhandlung über das Verhältnis zwischen christlicher Religionsausübung und der Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse verlesen wurde. Während der Absolvierung der Rituale in zwei Vorzimmern wurde ihm die Möglichkeit eröffnet "Weisheit [zu] lernen"[174] sowie "Menschen klüger, besser, frey und glücklich [zu] machen".[175] Im weiteren Verlauf der Zeremonie wurde eine zweite Anhandlung verlesen, die geschichtsphilosophische Erörterungen zum Inhalt hatte, diese war ein weiterer zentraler Bestandteil der Initiation. In ihr wurde die Rückbesinnung auf die eigentlichen Intentionen von Religion und Politik gefordert. Die Errichtung einer Gesellschaftsordnung mit neuen Qualitäten wurde darin in Aussicht gestellt, da mit dem Illuminatenorden "der Same zu einer neuen Welt [...] nunmehr unter Menschen geworfen"[176] sei. Geheime Weisheitsschulen wurden als prädestiniert angesehen, die notwendigen Veränderungen durchzuführen. Sie seien "vor allzeit die Archive der menschlichen Rechte, durch sie wird der Mensch von seinem Fall sich erholen, Fürsten und Nationen werden ohne Gewaltthätigkeit von der Erde verschwinden, das Menschengeschlecht wird dereinst eine Familie, und die Welt der Aufenthalt vernünftiger Menschen werden. Die Moral allein wird diese Veränderungen unmerkbar herbeyführen."[177] Der Illuminatenorden als Weisheitsschule, der den Menschen auf die Freiheit vorbereiten konnte, sah seinen Auftrag in der Verbreitung der Aufklärung. Diese sollte es ermöglichen, "den Menschen den Zustand ihres vorigen Elends und ihrer gegenwärtigen Glückseligkeit begreiflich"[178] zu machen. Es wurde die These vertreten, "daß es kein ausschließendes Vorrecht der Vornehmen seye, den Wahrheiten der Vernunft Beyfall zu geben."[179] Bildung und Aufklärung sollten allen zugestanden werden.

Der Priestergrad verhieß zudem: "sey frey und löse die Fesseln von Dir."[180] Das lapidare Versprechen mußte verblüffend wirken, stand es doch in einem krassen Spannungsverhältnis zu den Anstrengungen des Kandidaten. Es galt der Grundsatz, daß "Freyheit ein Gut sey, dessen nicht ein jeder fähig ist."[181] Aufgrund dieser Prämisse wurde eine Unterscheidung vorgenommen zwischen denjenigen Presbytern mit berechtigten Chancen zum weiteren Aufstieg in den Mysterien und denjenigen, welche in diesem Grad verbleiben sollten.

Letztere, die sog. kleinen Presbyter, stellten den bei weitem größten Teil dieser Klasse. Von den neun Priestern einer Provinz waren sieben ausschließlich zu Vorstehern der illuminatischen Wissenschaftsakademie bestimmt: "wer sich zu nichts besserm schickte, finde auch hier Befriedigung in der Mittheilung der geläuterten wissenschaftlichen Kenntnisse."[182] Die während der Initiation übermittelten geschichtsphilosophischen und weltanschaulichen Ideen machten den ihnen zugedachten Anteil an den Mysterien aus. Sie wurden dem Kandidaten dann als höchst mögliche Einsicht dargestellt.

Dem Priester oblag es, die dem Minervalgrad vorstehende Akademie des Ordens zu leiten, administrative Leitungsfunktionen hatte er kaum noch zu erfüllen. Er mußte bereits "als Minerval gezeigt haben, daß er sich derjenigen Wissenschaft, welche er sich zu seinem Lieblingsfach gewählt, mit Ernst gewidmet, und in derselben keine gemeine Fortschritte gemacht habe, als worüber er Proben ablegen, und eine Aufgabe beantworten muß."[183] Vom Orden wurden Priester als Diener im Tempel des wahren Lichts betrachtet, sie sollten nach Möglichkeit keinen weltlichen Geschäften mehr nachgehen: "Entsagen sie daher vorerst (diese Probe müssen wir von ihnen verlangen) allen Ansprüchen auf Regierung, und widmen sich eine Zeit lang der Direction ihres wissenschaftlichen Faches."[184] Der Priester war Mehrer und Verwalter der illuminatischen Wissensbestände zugleich. Die ihm zukommende Funktion in der Ordensgemeinschaft war die eines der obersten Vertreter der gelehrten Fakultät. Die sieben kleinen Priester widmeten sich je einer Klasse der wissenschaftlichen Akademie, die jeweils eine physische, medizinische, mathematische, naturhistorische, politische, künstlerisch-handwerkliche sowie eine geheime Wissenschaften betreibende Klasse umfaßte. Die Vorsteher dieser Klassen hatten sich fachspezifische Kompetenzen anzueignen, um auf Anfragen, die von den einzelnen Minervalkirchen kamen, fundierte Antworten geben zu können. Die Provinzialakademien arbeiteten unabhängig voneinander.

Der Presbyter konnte sich zur Bewältigung seiner Arbeit Gehilfen aus unteren Graden heranziehen: "Jeder Priester sorgt also für eine hinlängliche Anzahl Unterarbeiter in seinem Fache und stellt eine Art von Facultät her. Die Leute müssen unter ihm arbeiten und forschen."[185] Die wissenschaftliche Arbeit sollte auf Empirie basieren. Gemäß der empirischen Methode sollte in allen wissenschaftlichen Fächern verfahren werden. Ein Priester war dafür zuständig, daß Beobachtungsdaten und daraus resultierend Erkenntnisse gesammelt, systematisch erfaßt und geprüft wurden, so daß Schlußfolgerungen gezogen, Gesetzmäßigkeiten abgeleitet werden konnten. Er war Garant der wissenschaftlichen Arbeit des Ordens: "Da nun alle scientifischen Anfragen bey eben dem Fach an ihn kommen, und er die Leute befriedigen muß: so liegt ihm ob, sich zu bemühen, feste Systeme herzustellen"[186] Diese dienten als Basis für den sogenannten Real-Katalogus, eines Sammelbeckens von Kenntnissen und relevanten Begriffen, dessen Nutzung jedem Mitglied offen stehen sollte. Jeder Presbyter führte ein Buch, in das er nach alphabetischer Ordnung Erkenntnisse eintrug, die als gesichert gelten konnten. Ziel war es, die Wissensbestände zu bearbeiten "bis endlich, nach und nach ein untrügliches System sich bildet und entstanden ist."[187] Jedes erstellte Teilarchiv wurde jährlich während der Synodalversammlung der Priester zur Mehrung der Kenntnisse des Ordens an das National-Archiv in scientificis abgeliefert.

Neben der Leitung der Ordensakademie oblag es den Priestern, die besten Ausarbeitungen der Minervalen aufzubewahren oder sie nach eingehender Prüfung weiter zu befördern. Sie waren darüber hinaus dafür verantwortlich, in regelmäßigen Abständen Fragestellungen für Aufsätze, Debatten etc. vorzuschlagen. Die Vorschläge wurden an den Dekan geschickt, der sie in den Minervalkirchen austeilte, damit die "Zöglinge beschäftigt"[188] werden konnten.

Die beiden zur Beförderung bestimmten Presbyter oder Magi erhielten als "kleine Regenten" Unterweisungen in der sog. gereinigten Religion, der unverfälschten Lehre Christi. Diese sei in der Kirche, insbesondere im Jesuitenorden nicht zu finden. Ein Magus sollte die Kunst, sich zu seinem Vorteil selbst zu regieren, den Menschen predigen. Diese Unterweisung wurde "nur solchen Leuten, die Licht ertragen können"[189] zuteil, d.h. denjenigen, die eine kritische Auffassung gegenüber Staat und Kirche vertraten und gewillt waren, aktiv gegen die gesellschaftlichen Mißstände anzutreten.

Magi wurden als Bindeglied zwischen der vergangenen und der zukünftigen Welt betrachtet. Sie gehörten zur Generation aufgeklärter Männer, die wiederum der nachwachsenden Generation die Hand bieten sollten auf dem Weg zur Vollkommenheit. Sie hatten ihren Verstand aufgeklärt, ihr Herz gebessert und auch sich und andere erkennen und bilden gelernt, waren fähig, "andere zu erleuchten und zu regieren."[190] Das war "die höchste Ehre, wonach der edlere Mann streben soll."[191] Insbesondere die Magi verpflichteten sich, "in dem Furchtsamen Muth, in dem Lauen und Trägen Eifer und Thätigkeit erwecken, dem Unwissenden predigen und lehren: den Gefallenen aufrichten, den Wankenden und Schwankenden stärken, den Hitzigen zurückhalten, Uneinigkeiten zuvorkommen, entstandene beylegen, alle Mängel und Schwächen verbergen, gegen das Eindringen neugieriger Forscher und Witzlinge auf seiner Hut stehen, Unvorsichtigkeiten und Verrath verhüten, und endlich Subordination und Achtung gegen Obere, Liebe und Neigung unter sich, und Verträglichkeit gegen die, so außen seyend, bey den Deinigen zu bewirken." [192] Es war das erste Anliegen dieses Grades, Menschen "ohne äußeren Zwang in einer dauerhaften Vereinigung, einerley Geist und Seele ein [zu] hauchen."[193] Der Priester sollte Selbständigkeit und Mündigkeit im Sinne der Aufklärung verkörpern und diese bei den Adepten befördern. Sein Wirken sollte dazu beitragen, daß jegliche staatliche Gewalt, ob sie von monarchischen oder republikanischen Regierungen ausgeht, sich erübrigt: "Wer also allgemeine Aufklärung verbreitet, verschafft zugleich eben dadurch allgemeine wechselseitige Sicherheit, und allgemeine Aufklärung und Sicherheit machen Fürsten und Staaten entbehrlich. Oder wozu braucht man sie sodann?" [194]

Um diesen Prozeß zu beschleunigen, sollte ein Illuminat dieser Klasse über staatsmännische Kompetenzen verfügen, daß er "Stütze jedes guten Fürsten"[195] sein kann. Der Magus sollte also nicht nur "diesen Grad der Kultur und Aufklärung nach unserm Plan zu lenken"[196] sondern auch nach dem Vorbild der Jesuiten Strategien entwickeln, um in die Gesellschaft hinein zu wirken z.B. über Erziehungsinstitute, staatliche Einrichtungen. Magi sollten auch Pfründe dem Orden zuführen, junge progressive Schriftsteller illuminatisch beeinflussen und ein Sprachrohr des Ordens in der Öffentlichkeit sein. Ihnen oblag es, den unteren Klassen den Orden "heilig [zu] machen"[197] Sie sollen sich den Ruf der höchsten Aufklärung verdienen. Die Zöglinge sollten durch sie die reine Weisheit erfahren; dank ihrer sollte die "Vernunft zur Religion der Menschen"[198] werden.

2. Regent – Lenkung des gesamten Ordens

Obwohl die Adepten bereits in der oberen Priesterklasse auf die Lenkung des Ordens eingestimmt wurden, war dies lediglich eine Vorübung zur Regierung des gesamten Systems. Erst als Mitglied des Regentengrades war man in unterschiedlichen Funktionen, wie Präfekt oder Provinzial, befähigt, die Direktion sämtlicher Grade und die politische Leitung der Provinz zu übernehmen. Auf dieser Klasse beruhte "das ganze Wohl des Ordens."[199] Die aus der höheren Priesterklasse mitgebrachte Erfahrung in Menschenführung sollte nun zielgerichtet eingesetzt und wirksam werden.

Das bei der Initiation für diesen Grad angewandte Ritual war dem einer Herrscherkrönung nachempfunden. Der Orden bediente sich, trotz seines aufklärerischen Anspruchs, für das Gute zu wirken, der Zeremonien und Insignien des feudalabsolutistischen Staates. Aufgenommen wurde ein Kandidat in den Regentengrad dann, "wenn er Weltklugheit mit Freyheit im Denken und Handeln, Vorsichtigkeit mit Kühnheit, Nachgiebigkeit mit festem Sinn, Geschicklichkeit und Kenntniß mit Einfalt und gerader Vernunft, Originalität mit Ordnung, Größe des Geistes mit Ernst und Würde verbindet; wenn er zu rechter Zeit schweigen und reden kan; wenn er mäßig und verschwiegen ist; wenn er zu gehorchen und zu befehlen versteht."[200] Um den Stellenwert das Auserwähltsein zu betonen, sprach man von den Regenten als denjenigen, die in der "Arche" Platz gefunden hätten. Ihre exponierte Stellung war mit der Aufgabe verbunden, ein neues Menschengeschlecht zu begründen. Während der Zeremonie wurde dem Adepten vor Augen geführt, welchen Weg er hinter sich und welche Erfolge er errungen hatte. Die Oberen befanden ihn für geeignet, in ihren Kreis einzutreten, gleichsam ein Zeichen für die Tauglichkeit des illuminatischen Konzepts, eine freie Persönlichkeit hervorzubringen: "Er war im Finstern, und ihr habt ihn erleuchtet. Ihr habt ihn regiert. Er kann sich jetzt selbst regieren, und nun will er frey werden. [...] Sein Herz und sein Verstand sind uns Bürge dafür, der Orden hat ihn geläutert. Er hat gelernt, seine Leidenschaften zu bezwingen. Er hat sich selbst erforscht, die Oberen haben ihn geprüft."[201] Bevor die Aufnahme abgeschlossen war, galt es, noch eine Befähigung an den Kandidaten weiterzugeben. Wenn auch der Priestergrad dem im Gradsystem Emporgestiegenen die Freiheit verhieß, war doch diese Zusage nicht sogleich eingelöst. Die Initiation zum Regenten gibt davon Zeugnis, denn der Kandidat, der seine Freiheit sucht, wird noch als Sklave bezeichnet, in Abhängigkeit von der bestehenden Gesellschaft, die "Vortheil aus seiner Sclaverey"[202] ziehen wolle.

Das beiderseitige Vertrauen zwischen Kandidat und Orden hatte sich als fruchtbar erwiesen. Dem Adepten wurde nunmehr wahrhaftig Freiheit zuteil: "Du hast dich uns voll Zutrauen in die Hände geliefert, es ist Zeit, dir zu zeigen, daß wir die Freyheit, welche wir so reitzend darstellen, auch geben wollen. [...] sey ein freyer Mensch, das heißt ein Mensch, der sich selbst zu regieren weiß, der seine Pflichten, der seine dauernde Vortheile kennt, der niemand als der Welt dient."[203] Zum Zeichen dafür, daß es dem Orden ernst damit war, erhielt der Kandidat seine sämtlichen eingesandten Dokumente wie Reverse, Tabellen etc. zurück. Er wurde nunmehr für fähig gehalten, ohne verborgene Leitung mit sich selbst und anderen umgehen zu können. Nun war er lebenslänglich dem Illuminatenorden verpflichtet und konnte nicht ohne weiteres davon ausgeschlossen werden. Er war aufgefordert, ein Schriftstück abzugeben, das seinen letzten Willen enthielt. Freiheit bedeutete nicht die Entlassung aus dem Orden, vielmehr die Pflicht, das persönliche Interesse dem allgemeinen Wohl unterzuordnen. Von diesem Moment an unterblieb jegliche Kontrolle durch die unbekannten Obern. Sie wurde jedenfalls bedeutungslos: "Es wird Ihnen nun auch ziemlich gleichgültig seyn, die Oberen zu kennen und auch nicht zu kennen."[204]

Der Regent sollte in jeder Hinsicht vorbildlich sein, es war das besondere Interesse des Ordens, "daß die Lehrer und Regierer der Menschheit auch öffentlich als die besten Menschen bekannt werden müssen. Ein Regent soll also einer der vollkommensten Männer sein, klug, vorsichtig, geschickt, beliebt, gesucht, frey von Vorwürfen und Tadel, im allgemeinen Rufe von Einsicht, Aufklärung und Menschenliebe, voll Integrität, Uneigennützigkeit, Liebe zum Großen, Allgemeinen und Außerordentlichen."[205] Inhaber dieses Amtes waren z.B. August, Prinz von Sachsen-Gotha-Altenburg {Walther Fürst}, Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth {Minos}, Gottlieb Hufeland {Oldendorp}, Christoph Friedrich Nicolai {Lucianus}, Carl Joseph Nepomuk Freiherr von Sonnenfels {u.a. Pompilius Romanus} und Carl August, Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach {Aeschylus}, sie alle traten als überzeugte und handelnde Aufklärer in Erscheinung. Wo der Orden über Einfluß verfügte, agierten Illuminaten dieses Grades an der Seite von Partikularfürsten, einige der Fürsten waren selbst Mitglieder des Ordens.

Die zentralen administrativen Positionen wurden mit erfahrenen Mitgliedern aus den Regentenkonventen besetzt. Aus ihren Reihen wurden Präfekten, Provinziale und Nationalobere rekrutiert. Sie dirigierten das illuminatische Netzwerk in den 1781 vom Areopag bestimmten Provinzen. Innerhalb des Ordens galt jeder Regent als Teilhaber an Weisheit und Aufklärung, man baute auf seine Befähigung: "du bist ein geprüfter und fester Mensch. Sey es immer und regiere künftig mit uns die gedrückten Menschen. Führe sie zur Tugend, zur Freyheit."[206] Mit der Wahl geeigneter Mitglieder für den Regentengrad gewann die Ordensarbeit an Effektivität. An der Spitze glaubte man, daß die Regenten die Ordensgeschäfte sukzessive gänzlich übernehmen könnten. Knigge äußerte sich schon 1781 zuversichtlich: "Jetzt können wir es ruhig abwarten, was sie ferner aus der Sache machen."[207] Er setzte auf ihr Engagement sowie auf die perfekte Organisation: "Meine Leute, die den Regentengrad haben, sind nicht zufrieden, sie sind entzückt darüber, und in demselben ist ja alles so mechanisch vorgeschrieben, daß sie keinen Zweifel haben können."[208]

Um seine administrativen Aufgaben optimal zu erfüllen, hatte der Regent die Möglichkeit, Visiteurs zu entsenden, die ihm von der jeweiligen Loge und Minervalkirche Bericht erstatteten. So wie der Illuminatus dirigens den Plan über das gesamte Ordenssystem erhielt, wurde dem Regenten der sog. ganze Operationsplan ausgehändigt, nach dem er zu arbeiten hatte. Er war zuständig für die Finanzen in seinem Teil der Provinz, entschied z.B. über die Verteilung der Mitgliederbeiträge, über Unterstützung von finanzschwachen Mitgliedern wie auch über Anschaffungen. Eine vorrangige Bedeutung hatte die Verbesserung des Lehrangebots und der Unterweisung.

Der Präfekt wurde aus den Reihen der Regenten berufen und sollte an acht Orten innerhalb der Provinz Minervalkirchen oder Freimaurerlogen errichten. Er hatte in jedem Quartal die "Generaltabelle" für seinen Zuständigkeitsbereich zu verfertigen und über Beförderungen zu entscheiden. Untergebenen sollte er von Zeit zu Zeit andeuten, daß der Orden an öffentlichen aufklärerischen Aktivitäten und Projekten beteiligt sei, um so dessen gesellschaftliche Bedeutung herauszustellen. Er sollte sich angewöhnen, auf gestellte Fragen möglichst schriftlich zu antworten, um unbedachte Äußerungen zu vermeiden. Zu seinen Pflichten gehörten die Einflußnahme auf Schulen, das Bemühen um Volksaufklärung im Geiste der Illuminaten und, wie schon angesprochen, gesellschaftlich-politische Einwirkung: "Darum soll der Präfect in seinem Lande um die Schulen, Erziehung der Jugend und ihre Lehrer sich bemühen, und dieselbe mit O.'s mitgliedern zu besetzen suchen. Denn auf diese Art bringt man der Jugend des O's Maximen bey, bildet ihre Herzen, bearbeitet die besten Köpfe, für uns zu würken, gewöhnt sie an Ordnung und Disciplin, erwirbt sich ihre Achtung, sieht einst die ersten Stellen im Staate mit unsern Zöglingen besetzt etc."[209] Der ersten Illuminatengeneration gehörten überwiegend Mitglieder an, die in ihrem dritten und vierten Lebensjahrzehnt waren, die bevorzugte Zielgruppe bei der Anwerbung war jedoch die Jugend. Man war bestrebt, frei werdende politische Ämter zu besetzen, Schriftsteller als Mitglieder oder als Propagandisten zu gewinnen. Die unmerklich vonstatten gehende Vereinnahmung öffentlicher Einrichtungen glich der Vorgehensweise der Jesuiten. Man übte dieses Praxis trotz des damit verbundenen negativen Odiums und Weishaupt rechtfertigte sie: "Wie bey den geistlichen O. der katholischen Kirche leider! die Religion nur ein Vorwand war, so muß sich auch auf eine edlere Art unser O. hinter irgend eine gelehrte Handlungsgesellschaft zu verstecken suchen."[210] Daß man dieser Strategie folgte, beweisen viele Beispiele, bei denen es Illuminaten, häufig im Regentengrad, gelang, Schulen, Behörden u.ä. im Sinne des Ordens zu unterwandern. Darunter zählen u.a. die Hohe Karlsschule in Stuttgart, einige Philanthropine wie das von Bahrdt oder Salzmann, eine große Zahl von Lesegesellschaften, Ämter wie die Zensurbehörde in Bayern, das Reichskammergericht in Wetzlar.[211]

Der ebenfalls aus dem Regentengrad rekrutierte Provinzial, der alle illuminatischen Unternehmungen in einer Ordensprovinz verantwortete, sollte sich mit der Verfassung des Ordens so vertraut machen, "daß er das System im Kopf habe, als ob er es erfunden hätte."[212] Wenn die Provinzialen sich als höchste Ordensinstanz, als Verantwortliche für das gesamte Ordensgebäude, ausgaben, glaubte man, die Spur in die höchste Leitungsebene verwischen zu können. Hierzu hieß es in den Instruktionen: "Höhere Grade müssen den untern allezeit verschwiegen bleiben. Man ist geneigter, von Personen, die man nicht kennt, Befehle anzunehmen, als von Bekannten, an denen man nach und nach allerley Mängel wahrnimmt. Man kann auch die Untergebenen besser beobachten, und diese werden sich besser und vorsichtiger betragen, wenn sie immer von Aufsehern umringt zu seyn glauben, und so lange gut handeln, bis ihnen die Tugend zur Gewohnheit wird." [213] Der Provinzial sollte auch durch die Einrichtung einer Bibliothek, eines Mineralienkabinetts, eines Museums oder einer Manuskriptensammlung die Bildungsmöglichkeiten des Ordens verbessern. Die anderen Regenten waren die Konsultatoren des Provinzials. Der Umgang mit den Mitgliedern der unteren Grade basierte auf der Einsicht in die Notwendigkeit der Subordination: "Denn man hat es mit freywillig gehorchenden Menschen zu thun, die nicht nur ihr Joch nicht fühlen, sondern überhaupt kein Joch tragen müssen. Man will die Menschen an der Hand ihrer eigenen Vernunft zu ihrem Besten leiten." [214] Die Anleitung der Zöglinge sollte unter keinen Umständen in einem schulmeisterlichen Stil erfolgen: "Man vermeide also jenen schulmäßigen Ernst, wodurch man sie nur zurückstößt, und sich bey klugen Weltleuten lächerlich macht."[215] Das Verhältnis zwischen dem Regenten und den ihm Untergebenen sollte aufrichtig und ernsthaft sein. Der Regent sollte den Adepten Vertrauter, Vater, auch Schüler sein und sich nur in Ausnahmefällen als unerbittlicher Oberer zeigen: "du seyest es müde, hier den Schulmeister, den Zuchtmeister eines Menschen zu spielen, der längst gelernt haben sollte, sich selbst zu führen."[216]

Der Regent hatte, egal welches Amt er in diesem Grad bekleidete, Vorbildfunktion. Er war Lehrer in intellektueller, moralischer, lebenspraktischer, politischer Hinsicht und sollte in dem Bewußtsein handeln, daß er diesen Pflichten freiwillig nachkommt. Ohne den Anschein eines Herrschers sollte er unumschränkt walten, durchsetzen, was dem Orden dient, ohne demonstrativen Gebrauch seiner Autorität: "Wir verlangen nicht Tyrannen, sondern Lehrer der Menschheit zu seyn."[217] Zu seinen Tugenden sollten Verschwiegenheit, Verborgenheit sowie Vorsicht und Besonnenheit, gehören. Sie sollten gewährleisten, daß "jedes Menschen Seele erweitert und gegen große Entwürfe fühlbar gemacht" und der Orden "für jedes Zeitalter das Ideal der vollkommensten menschlichen Regierung."[218] werden kann Ein illuminatischer Regent entsprach seiner Funktion nach einem Staatsoberhaupt im öffentlichen Raum. Die Regenten verkörperten die pädagogischen Grundsätze des Ordens, die im illuminatischen Bildungsgang Stufe um Stufe übermittelt wurden. So konnten eine relativ einheitliche Ausrichtung der Mitglieder auf den Ordenszweck und auch Anhänglichkeit und Gehorsam erreicht werden. Die Lehrinhalte sollten praktischen Wert haben, die Unterweisung sollte anschaulich und anregend sein und die Vorstellungskraft fördern, der Unterweisende sollte sich bemühen "jede Lehre mit dem Interesse des Lernenden zu verbinden"[219] Das Bildungsziel wurde erst als erreicht betrachtet, wenn "bey jedem Mitglied eine Fertigkeit zum Guten zu würcken und edel zu handeln" [220] vorhanden war.

3. Philosoph – Überwindung von Denk- und Handlungsgewohnheiten

Der Zutritt zu den höheren Mysterien war nur den ausgesuchtesten Mitgliedern vorbehalten, deren Loyalität nicht angezweifelt wurde und mit dem Ordensprogramm Übereinstimmung bekundeten. Den Kandidaten für diesen Grad wurde bedeutet, daß sie nach dem Erringen ihrer Freiheit sich nunmehr der höchsten Ebene näherten und der letztendlichen Weisheiten teilhaftig würden: "Steige also, wenn Du kannst zu Uns herauf. Dieses Heraufsteigen, dieses Verallgemeinern deines Gesichtspunktes, ist der Berg, oder die große Leiter zum Vergnügen, auf welcher der Auserwählte sich schon hienieden zur Gottheit, zur Glückseligkeit aufschwingt, weil er mit jeder höhern Stuffe, von seiner wachsenden Höhe herab, unten in der Tiefe, ein immer mehr ihm vorher unbekanntes Land der Freude und des Vergnügens entdeckt. Das, was Unten zu häßlich, zu unschicklich schien, erhält erst von dieser Höhe sein gehöriges Verhältniß und Ebenmaß."[221] Erst die Ausbildung und Reinigung des Charakters ermöglichte es dem Kandidaten, das Weltgefüge allmählich zu durchschauen. Die noch bestehenden Trübungen und Verblendungen des inneren Auges sollten mit dem Schritt in die höheren Mysterien nun vollends entfernt und die Erkenntnisse von subjektiver Sicht befreit werden: "Du hast bis jetzt durch ein gefärbtes Glas geschauet, [...] Nun stehe hier, [...] wo Wir stehen, und schau von Neuem in die Welt hinaus – und erstaune! Eine andre, neue, herlichere Welt!"[222] Das bedeutet zugleich Überwindung geistiger Trägheit, Abschied von bisherigen Auffassungen und Wahrnehmungsgewohnheiten: "Du siehst die Welt freylich nicht, wie sie ist, sondern wie man sie von deinem Standorte, durch das von deinen Wünschen gefärbte Glas sehen kann; und dieser Standort ist dir zu lieb, als daß du ihn verlassen wolltest."[223] Der Introducendus sollte sich um einen Standpunkt bemühen, "wo die Häßlichkeit zu Schönheit wird und anscheinende Unordnung zur regelmässigsten Uebereinstimmung."[224]

Auf dieser Stufe des Gradsystems wird offenbar, daß das am Beginn Versprochene auch erreicht werden konnte. Das "Forschen in dem allgemeinen Zusammenhang der Dinge"[225] sollte dem Adepten den Weg in die geistige Unabhängigkeit weisen und ihn zur Haltung innerer Gelassenheit führen. Erst diese Einstellung, so wird ihm vermittelt, "wird deine Begierden ordnen, wird dich mit der Wahrheit aussöhnen, die Quellen deines Vergnügens deiner Glückseligkeit vermehren, deine Schmerzen vermindern, das Schwarze deiner Einbildungskraft verscheuchen: es wird dich überzeugen, daß alles moralisch Gute und Böse sich nach dem Standorte richten, aus welchem man die Welt überschauet: [...] daß ein weiser Mann sich bemühen müsse, alle Gegenstände nach dieser Beziehung zu beurtheilen."[226]

Die Illuminaten wollten ihren bewährten Anhängern die Augen öffnen, diese sollten nicht mehr Gefangene ihrer eigenen Fehlschlüsse und Projektionen sein. Sie sollten den Dingen auf den Grund sehen lernen. Derjenige, der nicht versteht, daß es dazu einer objektivierten Sichtweise bedarf, "dessen Urtheile sind schief, dessen Begierden thörigt, seine Entwürfe eitel und schwankend, seine Klugheit unsicher und er läuft Gefahr, dem Uebel eben dadurch in die Hände zu fallen, daß er ihm entgehen will."[227] Die Texte der höheren Mysterien entstanden in der Spätphase des Ordens und wurden nachweislich ab 1783 eingesetzt. Wie aus einer neueren Arbeit Hermann Schüttlers hervorgeht, hatte neben Weishaupt und anderen auch der Heidelberger Ordensprovinzial Johann Friedrich Mieg {Epictet} einen nicht unbedeutenden Anteil an ihrer Ausgestaltung.[228] Weishaupt selbst schreibt über seine mit den Abhandlungen über die höheren Mysterien verfolgte Intention: "Von den Mysterien will ich ihnen indessen soviel sagen, daß ich alle meine Erfindungskraft, Philoso­phie und Eloquenz darauf verspare; und ich will auch solche so einrichten, daß es ein geübter Kenner seyn muß, der mir die Neuheit daran sieht, und daß jeden die Feyerlichkeit davon freuen und an­ziehen soll. Aber sie kosten mich noch viel Lesen und Denken."[229] Diese Texte sollten dem Kandidaten ob der vermeintlichen Gefahr des unverantwortlichen Gebrauchs lediglich vorgelesen werden.

In diesen Grad stiegen z.B. der kurmainzische Statthalter in Erfurt, spätere Kurfürst von Mainz und Fürstprimas des Rheinbundes Carl Theodor Freiherr von Dalberg {Baco di Verulam} und der Göttinger Philosophieprofessor Johann Georg Heinrich Feder {Marc Aurel} auf. Dalberg war seit 1784 Ordenspräfekt in Erfurt, Feder bekleidete dieses Amt zur selben Zeit in Göttingen {Andrus}. Auch der Generalsuperintendent in Gotha und spätere Hofprediger in Hannover Johann Benjamin Koppe {Accacius} war von 1782 bis 1784 Präfekt in Göttingen gewesen und hatte 1784 den Philosophengrad erhalten.

Der für den Philosophen bestimmte Unterricht war vorwiegend geschichtsphilosophischen Betrachtungen gewidmet. Auch wenn, wie Reinhart Koselleck für die geschichtsphilosophischen Erörterungen der unteren Grade anmerkt[230] ebenfalls in diesem Grad das vermittelte Bild der Geschichte der Menschheit mechanistisch anmutet, nach wissenschaftlichen Kriterien sogar naiv ist und sich keineswegs mit den Entwürfen der Zeitgenossen messen läßt, so hatte es diesen gegenüber den Vorteil, daß es sich für das Anliegen des Ordens instrumentalisieren ließ, indem man den Adepten aufzeigte, die Instanz zur Beseitigung der geschilderten gesellschaftlichen Misere gefunden zu haben.

Die illuminatische Geschichtsphilosophie basiert auf der Annahme der inneren Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, aus der Erforschung der Vergangenheit sollten Perspektiven für die Gestaltung der Zukunft gewonnen werden: "Untersuche das Vergangene, vergleiche damit das Gegenwärtige, und du wirst die Zukunft finden. Mache das Vergangene zur Zukunft."[231] Es wird unterstellt, daß diese drei Zeitmodi so miteinander verbunden sind, daß aus dem Vergangenen geschöpfte Erkenntnisse zukunftsdienlich genutzt werden können. Koselleck interpretiert diesen geschichtsphilosophischen Ansatze als "Prognostizierbarkeit von historischen Ereignissen"[232] Gemäß dieser Auffassung war ein Adept auch im Philosophengrad gehalten, sich zu vergegenwärtigen, "daß in der Welt nichts ohne Ursach und Vorbereitung geschehe [...], daß jeder ihrer vorhergehenden Zustände [...] Vorübung sey, um wieder einen nächsten bessern hervorzubringen."[233] Weishaupt vertrat, wie seine Ordensbrüder, eine auf dem Kausalitätsprinzip basierende Geschichtsauffassung, die von der Überzeugung, daß stetiger Fortschritt möglich sei, getragen war. Alle Ereignisse und Bestrebungen stehen in der großen "Reihe und Kette der Dinge"[234] Der momentane Zustand der menschlichen Gesellschaft sei aufgrund falsch gesetzter Prämissen, vornehmlich seitens ihrer Lenker, weit entfernt von der Vollkommenheit. Es wäre "unphilosophisch zu glauben, daß die Erde und das Menschengeschlecht keiner weitern Vervollkommnung, außer der jetzigen fähig sey."[235] Der Anwärter auf den Philosophengrad wurde mit der Geschichte der Menschheit, von den Anfängen bis in die Gegenwart vertraut gemacht. Er lernte die Abfolge der menschlichen Kulturen kennen. Der vollkommene vorgeschichtliche Zustandes und der Abfall des Menschen von seiner Bestimmung durch die zunehmende Zivilisierung waren ein zentrales Moment innerhalb der Darstellung. Der sich daraus ergebende Befund lautete, die Menschheit habe sich von dem Schrecken der Sintflut noch nicht erholt. Deshalb sei "der wahre Gegenstand der ältern und neuern, und auch der gegenwärtigen Mysterien [...], die Folgen der diluvianischen Schrecken zu vermindern."[236] Die Menschheit sei nunmehr an einem Wendepunkt angekommen, wo der Zustand der Roheit übergehen sollte in den der entwickelten und aufgeklärten Gesellschaftsordnung.

Eine wesentliche Triebfeder des Fortschritts bildet das Bevölkerungswachstum, das als Indikator für die sich ausbreitende Aufklärung gesehen wird. Viele Zeitgenossen glaubten, so auch Weishaupt, "daß der Mensch erst dann am glücklichsten und aufgeklärtesten seyn wird, wenn die Erde am bevölkertsten seyn wird."[237] Also sollte die Strategie verfolgt werden, "durch Vermehrung der Menschen die Wildheit von der Erde zu vertreiben." [238] Die Entwicklung der Menschheit vollziehe sich von Osten nach Westen hin, mit dem Erreichen Amerikas habe sie "ihre erste Reise um die Welt vollendet"[239] und werde in Nordamerika ihren höchsten Stand erreichen, danach werde es einen zweiten Aufbruch geben, der die Vollkommenheit des Menschen bringen werde. Die Zukunftsgesellschaft, die "nach durchwanderten Mittelstufen einst am Ziel stehen"[240] wird, lebt in Verhältnissen, die der Vorstellung vom Jenseits gleichen, mit dem Unterschied, daß dieser Zustand von Menschen erschaffen wurde. Jeder ist dann Herr über sich selbst: "Die ganze Erde wird zu einem Garten, und die Natur hat sodann hienieden ihr Tagewerk vollendet; mit der möglichsten Menschenmenge dauerhafte Aufklärung, Frieden und Glückseligkeit herbeygeführet: sie hat jeden Menschen zu seinem Richter, Priester oder Könige gesalbt: sie hat den so lange verlachten Roman vom goldenen Zeitalter, [...] zur Wirklichkeit gebracht."[241] Weishaupts Vision, die aus "geschichtsphilosophische[r] Unbekümmertheit"[242] hervorgegangen ist, verfehlte insofern nicht ganz die historische Realität, als die prognostizierte wichtige Rolle der Geschichtswissenschaft durch ihre Entwicklung im 19. Jahrhundert und die Vorreiterrolle der USA im 20. Jahrhundert eine gewisse Bestätigung gefunden haben. Auch hier zeigt sich, daß die illuminatische Lehre die Ende des 18. Jahrhunderts vertretenen Ideen und virulenten Vorstellungen bündelte und in politischer und pädagogischer Hinsicht wirkungsvoll zur Geltung zu bringen vermochte – ein Tatbestand, den Koselleck kommentierte: "theoretische Naivität schützt nicht vor Erfolg."[243] Die Aufnahme der Geschichtsphilosophie in das illuminatische curriculum entsprach dem Trend der zeitgenössischen Diskussion. Historisches Bewußtsein bildete die Grundlage für eine weitere in diesem Grad angestrebte Kompetenz: die Fähigkeit anhand der Analyse von Vergangenheit und Gegenwart Zukünftiges zu erkennen. Die Forderung, gewohnte Sichtweisen aufzugeben und sich für neue zu öffnen, soll der Zukunftsorientierung den Weg bahnen. Solange wir "zu sehr an die heutigen Formen und Einrichtungen gewöhnt [sind], beurtheilen wir alle Zukunft nach solchen."[244] Doch "nicht alles ist unmöglich, dessen Möglichkeit wir nicht einsehen."[245] Der illuminatische Philosoph sollte sich quasi divinatorisch im Erkennen zukünftiger Ereignisse und Umstände üben. Er sollte Gedanken zu Sachverhalten anstrengen, die in der Zukunft realisierbar sein würden: "Viele Dinge scheinen uns dermalen noch unmöglich, weil die noch vorher nöthige vorbereitete Mittelerfindungen fehlen. Auch diese mußt Du mit in den Plan aufnehmen, mußt denken, welche Felder stehen dem ErfindungsGeiste der Menschen noch leer? Erforsche ihre Erwartungen, ihre dringendsten Bedürfnisse, und du kannst vielleicht vorhersehen, welche Straße die entsetzliche Wirksamkeit des menschlichen Geistes einschlagen wird. Jede solche Aufgabe, wenn sie auch unmöglich und lächerlich schiene, wird dich neue Verhältnisse, neuen Zusammenhang der Dinge lehren."[246] Es sollte beispielsweise darüber nachgedacht werden, ob und wie der Mensch in der Zukunft imstande sei, zu fliegen. Solche und ähnliche Gedankenexperimente sollten gesammelt werden und den Fundus an Ideen bereichern. So wollte der Orden zu einem Sammelbecken innovativer Ideen und sowohl Erfinder hervorbringen als auch sich bemühen, Erfinder als Mitglieder zu gewinnen.

Futuristische Aufgabenstellungen sollten den Erfindungsgeist anregen und Entwicklungsmöglichkeiten ausloten. Sie galten als wichtig, wenn auch vieles Spekulation blieb und Irrtümer sich einschlichen, "freylich läuft man dabey Gefahr, aus Mangel an richtiger und richtiger Uebersicht aller mit unter laufenden Umstände, eine Menge falscher Schlüsse zu machen."[247] Weishaupt glaubte aber, durch solche Übungen die Erkenntnisfähigkeit steigern zu können. Dem Moment der Übung wurde im Bildungsprozeß große Bedeutung zugemessen. Deshalb riet Weishaupt: "vernachlässige diese Uebungen nicht" und begründet dies folgendermaßen: "Du lernst doch dadurch eine Menge neuer Verhältnisse kennen; überzeugst dich dadurch immer näher von der seligsten aller Lehren, von dem Zusammenhang und der Güte der Welt." [248] Der Adept im Philosophengrad erlangte eine Kompetenz, die ihn befähigte, sich den Aufgaben seiner Zeit zu stellen.

Diese erste Berührung mit den höheren Mysterien bedeutete nicht, daß die bereits in diese Klasse Erhobenen den Eintretenden durchaus als gleichwertiges Mitglied ansahen. Es sollte ihm damit lediglich eine Chance eröffnet werden. Ihm wurde deutlich gesagt, daß er noch nicht als ein Gleicher unter Gleichen akzeptiert war: "Wir halten dich für klein, weil wir dich gegen uns vergleichen; deine Gestalt häßlich, und deine Kräfte eingeschränkt, weil sie nicht die unsrigen sind."[249] Dieses rigide Vorgehen sollte gewohnte Denk- und Handlungsmuster aufbrechen, er sollte erschüttert und zum Überdenken seiner Einstellung veranlaßt werden, damit er seine Stellung im Gefüge der Welt begreife und annehme: "Er, der allein wahr und richtig urtheilt, bestimmt den Werth jedes Dinges nicht nach der Beziehung welches es auf thörigte Wünsche hat, sondern nach der Beytragsfähigkeit, nach dem Abzwecken zur Universalmassa der Seligkeit aller Wesen, zur Offenbarung der Größe seines Urhebers: er findet, daß alles, alles lebende Signatur und Gepräge der Gottheit sey."[250] Auch in dieser Passage ist der Überschwang der von ihren Ideen eingenommenen Aufklärer deutlich vernehmbar, wie auch die Überzeugung, für das Gute zu wirken und zu den Auserwählten zu gehören: "Du aber freue Dich, daß Dich die Vorsicht auf die gute Seite gestellt hat."[251]

4. Docet – Einsicht in die Unverfügbarkeit des Absoluten

Im letzten Grad des Ausbildungsganges, dem des Doceten oder Rex, konnten die Adepten die höchste Stufe erreichen und das Tor zu den letzten Wahrheiten aufstoßen, welche "die Grundlage des ganzen Gebäudes"[252] bildeten. Diese Wahrheiten verhießen "geheimgehaltene oder wenig bekannte Aufschlüsse über Geschichte, Philosophie, und Naturwissenschaft"[253] sie waren bisher verhüllt von der diffusen Umschreibung "esoterisch-gnostische Wahrheiten", meist jedoch von dem Begriff der Mysterien. Auf der Basis eines nochmals erweiterten curriculums erschlossen sich den Adepten hinter der geheimnisvollen Terminologie drei "Wahrheiten" – eine illuminatische Erkenntnislehre, eine Metemspychosislehre sowie der Erkenntnis der prinzipiellen Unüberbrückbarkeit der Kluft zwischen Erscheinung und Sein. Damit war das Endziel des im Novizengrad begonnenen Erkenntnisweges erreicht, dieses erwies sich als weniger okkult, als es scheinen mochte. Es ging vorwiegend um Erkenntnisse von praktischem Wert, wie sie den Erwartungen der rational-aufklärerisch denkenden Mitglieder entsprachen. Eine Aussage Bodes kann wohl als Beleg für die vorherrschende Einstellung gelten: "Erwartet habe ich nie, und erwarte noch, keine übernatürliche Offenbarung; keine Magie, Alchimie keine thaumaturgische, und überhaupt keine so genannte Philosophia occulta. Aber der stuffenweise Fortschritt der Grade, von den Untern bis zu den höhern mir bekannt gewordenen Classen hat mich auf hohe praktische Weißheit vorbereitet."[254] Nur einer kleinen Gruppe von Mitgliedern war die Unterweisung in diesem Grad vorbehalten, dies betraf hauptsächlich Angehörige der Gothaer Ordensniederlassung, wie z.B. Ernst II., Herzog v. S.-G.-A. {Timoleon}, die Gothaischen Kammerherrn Christian Georg v. Helmolt {Chrysostomos} und Joachim Friedrich Ernst v.d. Lühe {Cato Uticensis} oder aber den Hamburger Kaufmann und Senator Gustav Heinrich Sieveking {Osman}. Diesen wurde wie auch im vorigen Grad das zu Erkennende lediglich verlesen. Das Innehaben der Position eines Doceten war nicht gleichbedeutend mit dem Recht, andere zu initiieren.

Die vom Illuminatismus angestrebte Apotheose begann mit dem Versuch, sich aufzumachen, die Quellen von Wahrheit und menschlicher Erkenntnis zu erkunden und auch dem nachzuspüren, was jenseits der Begrifflichkeiten liegt. Das war ein entscheidender Schritt, die vertraute Gedankenwelt hinter sich zu lassen, "sich aus dieser allgemeinen Täuschung heraus zu arbeiten, sich auf eine Zeit vom Körper und den Sinnen los zu machen, sich zu verklären und in eine andre Welt hinein zu denken."[255] Die illuminatischen Lehren boten – wie der Theologieprofessor und Präfekt von Göttingen Johann Benjamin Koppe {Accacius} an Weishaupt schrieb – die "den Menschlichen Geist bis an die äusserste Grenzen seines Wissens hinführende Philosophie."[256]

Die erkenntnistheoretische Position Weishaupts basierte auf der Hypothese, daß der Mensch ausschließlich durch den Einsatz und das Zusammenspiel seiner Sinne zu Einsichten gelänge. Die Sinnesorgane bestimmten die Qualität der Erkenntnisse: "Kein Mensch hat angeborne Begriffe. All unsre Begriffe erhalten wir erst durch die Sinne, in dem Maaße als solche besser oder schlechter, deren mehrere oder weniger sind."[257] Die sensualistische Auffassung erklärt den menschlichen Geist zum bloßen Empfänger äußerer Sinneseindrücke, das impliziert, daß das Wahrgenommene jede Person anders erreicht und damit unterschiedlich verarbeitet wird, so daß eine allgemeingültige Sichtweise nicht existiert und die Vorstellungen über Sachverhalte etc. nicht gänzlich übereinstimmen können. Weil sich die Welt als solche als eine Ansammlung von subjektiven "Erscheinungen"[258] darstellt, "haben wir alle Ursach, mit der größten Zuversicht zu behaupten, daß diese Erde so wohl als alle übrigen Theile der Welt das nicht an und vor sich seyen, was sie uns erscheinen; daß [...] all unser Wissen auf dieses schwankende Suppositum gebaut sey: daß alles diese unsre darauf gebauete Begriffe und Abstractionen nicht in das Innere der Sache selbst führen; [...] daß die uns bekannte fünf Sinne ohne Grund als die einzige und letzte angenommen werden, aus welchen man sich die Welt vorstellen kann."[259] Um zu einer Erkenntnis zu gelangen, die über die Ebene der Erscheinungen hinausgeht, bedürfe es derer, die – wie es Docetengrad geschieht – sich "den höchsten Betrachtungen der Natur und ihres Wesens widmen, welche bis an die Gränzen der menschlichen Vernunft vorzurücken gedenken."[260] Aus der sensualistischen Deutung des Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesses ergibt sich konsequent die im Orden geforderte und praktizierte Übung und Schärfung der Sinne. Auf diesen Zweck waren viele Aufgabenstellungen im Stufengang der Bildung ausgerichtet, insbesondere die gezielten Beobachtungsaufträge der Sinnesschulung.

Anders als bei vielen Sensualisten, deren Auffassungen hin zu Atheistismus und Materialismus neigten, findet man in der Mysterienlehre Weishaupts eine Hinwendung zur Metempsychosis, die auf dem Gedanken basiert, daß die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen nicht nur auf mehrere Wesen verteilt sind, sondern, daß sie mehr als eine Existenz ermöglichen. Die einzelnen angenommenen Existenzformen befinden sich in einem Kreislauf des Werdens und Vergehens, jede einzelne von ihnen konstituiert sich unter veränderten Voraussetzungen, beeinflußt durch die jeweilige Wahrnehmungsfähigkeit und Auffassungsgabe: "Welche trostreiche Aussicht für die Fortdauer unseres Ichs! Sterben heißt, hier aufhören, so zu sehen, zu erkennen [...] Aber Sterben heißt hier nicht, gänzlich aufhören, ohne Vorstellung zu seyn. Es heißt vielmehr, eine andere Organisation erhalten; seine Receptivität verändern, diese nämliche Gegenstände auf eine andre Art sehen, erkennen [...] Sterben heißt geboren werden, und geboren werden heißt sterben, unter einer Gestalt aufhören, um unter einer anderen zu wirken, zu erscheinen."[261] Der Mensch gehört in eine Kette von Wesen[262] er trifft auf unterschiedlich organisierte Verhältnisse, je nach Apperzeptions- und Erkenntnisvermögen: "der Tod, der uns erwartet, wird vielleicht nicht der einzige seyn."[263] Dies bedeutet für das Individuum, es kann vor seiner gerade erfahrenen Existenz und auch danach über Erkenntnisse aus verschiedenen geistigen Welten verfügen bzw. diese noch erhalten.

Die Wahrnehmungsorgane ermöglichen erst eine Vorstellung von Welt. Das Nebeneinander von sensualistischer Erkenntnislehre und Metempsychosislehre wirkt irritierend, weil beider Prämissen einander widersprechen. Die sensualistische Erkenntnistheorie leugnet angeborene Ideen, die Palingenesisauffassung wurde von Denkern vertreten, die – wie z.B. Plato – die Möglichkeit der Erkenntnis allein auf angeborene Ideen gegründet sehen. Die Koexistenz so unterschiedlicher Denkwelten läßt sich wohl nur aus einer eklektizistischen Einstellung, wie sie Weishaupt eingenommen hat, erklären. Martin Mulsow, der bei seiner Deutung des Docetengrades eine Verbindung von Sensualismus und Metempsychosislehre unterstellt, verkennt, daß die dem Docetengrad zugrundeliegende Intention sich dieser Ideen lediglich bedient, um dem Adepten auf drei unterschiedlichen Wegen die Unverfügbarkeit des Absoluten näherzubringen, nicht aber auf ihre Verschränkung hinausläuft[264]

Die von den Sinnen evozierte Erkenntnis kann über die Ebene der Erscheinungen nicht hinausgehen, ihr wird lediglich ein Verhaftetsein in den eigenen Empfindungen nachgewiesen. Die eigentliche Beschaffenheit der Dinge ist damit jedoch nicht erfaßt. Der sich daraus ergebende Wahrheitsbegriff unterliegt demnach Entscheidungen, die allein von der Apperzeption bestimmt sind: "Wenn dann weiter alles, was wir empfinden und erkennen nicht in das Innre der Sachen selbst führt, sondern bloßes Resultat der Einwirkung von Dingen außer uns, auf so und nicht anders organisirte Wesen ist: so muß es nothwendig eine zweifache Wahrheit geben, Eine, welche anzeigt, was an der Sache selbst ist, das objective und absolute Wesen, der Kräfte außer uns; die Andre, welche die Wirkung anzeigt, welche diese innere Objective in Uns so organisirten Wesen, unsere Receptivität hervorbringt; und diese letzre ist nicht absolut, ist relatif, ändert sich mit ihrem Grunde, ist so verschieden als es die Organisation und Empfänglichkeit der Wesen ist; führt nicht in das Innre der Sachen, ob sie gleich durch solches hervorgebracht wird, bestimmt nur, wie die Sache erscheint, wie sie unter diesen Umständen, dieser Receptivität erscheinen muß; ist für uns soviel als Wirklichkeit, Realität; auf sie sind all unsere Künste und Wissenschaften gegründet, und sind eben darum auch alle relatif."[265] Der Sache selbst, ihrem Wesen ist auf diese Weise nicht beizukommen. "Relative" Wahrheiten sind bedingt durch die Umstände, in denen sie gewonnen werden und abhängig von der sensorischen Ausstattung des Subjekts. Sie ermöglichen dem Individuum, sich als ein solches begreifen, sie führen es zu einer subjektiven Auffassung der Welt sowie zu Gewohnheiten im Denken und Handeln. Sie vermögen nicht die Welt wiederzugeben, wie sie objektiv ist, sind nicht umfassend und können deshalb nicht Allgemeingültigkeit beanspruchen: "Von aller relativen Wahrheit ist nichts wahr, als daß unsichtbare, außer uns befindliche Kräfte, bey so organisirten Wesen, unter dieser Lage und Umständen so erscheinen, um bey einer andern anders zu erscheinen."[266] Von einem Illuminaten auf der Stufe des Doceten wurde erwartet, die Gründe relativer und damit bedingter Wahrheiten zu erkennen und sich der Tatsache bewußt zu sein, daß auch die eigenen Ansichten und Urteile falsifiziert sein können. Mitgliedern, denen der Docetengrad verliehen wurde, sollten Einsichten wie diese bereits intuitiv erspürt haben und im Grunde eine Bestätigung ihrer Ahnungen erhalten. In seinem Schreiben an Weishaupt berichtet Johann Benjamin Koppe {Accacius} von der Wirkung, die die Lektüre des für den Doceten bestimmten Textes hervorgebracht hat : "Habe ich jemals bei irgendeiner philosophischen Lecture mich des Glücks, ein nicht ganz ungebildeter, an eigenes Denken nicht ganz ungewohnter Mensch zu seÿn, innigst, und dankbar gegen den Himmel, erfreut, so war es jezt da ich dies Meisterstück wahrer höherer Philosophie mir eigen zu machen durch Sie, Bester Geliebtester Sp. das Recht erhielt. Den Hauptgedanken selbst: daß in der Welt, wie in einem schönen Zauber[Ballet] nur alles Traum [und] Erscheinung seÿ, hatte ich freÿlich wohl längst dunkel gefast: aber so entwikkelt, so dargestellt, so von seiner practischen Seite gezeigt, so auf die genauere Bestimmung dessen was Wahrheit, verschiedene menschliche Wahrheit ist, angewandt, erschien es mir nie."[267] Die Doceten sollten Distanz zu wahren verstehen, um sich objektivierend der Wahrheit zuwenden zu können, die von Weishaupt als dritte relative oder, was sehr viel zutreffender ist, ontologische Wahrheiten bezeichnet wurden. Diese Wahrheiten standen für den höchsten Grad der Einsicht, zu dem sich aufzuschwingen der Mensch in der Lage sei: "Diese ontologischen Wahrheiten sind die Grundlage unsers Wissens; das Rectificatorium unsrer Sinne und aller unserer Erscheinungen, das untrügliche Kenntzeichen, ob Etwas bloße Erscheinung sey; der Leitfaden, an welchem wir uns bey dieser Ungewißheit und Täuschung zu halten haben; der feste Grund auf welchem Wir stehen; der Ort, von dem wir ausgehen. [...] Diese sind die Anfangsgründe unsrer Erkenntniß.[268] Ontologische Wahrheiten verschaffen dem Menschen jedoch nicht die Erkenntnis, die es ihm ermöglicht, die Urgründe seiner Existenz zu erfassen. Das Heraustreten aus den um sich selbst kreisenden Eindrücken versetzt ihn in den Stand, weitergefaßte Urteile zu treffen, Gesetzmäßigkeiten und Handlungsmaximen abzuleiten. Diese Urteile bieten Orientierung innerhalb der Erscheinungen der äußeren Welt, vermögen aber nicht, bis zum Letzten vorzudringen. Die das Wesen der Welt umfassende Wahrheit, die als absolut bezeichnet wird, kann der Mensch nicht erschließen, er vermag nur ihre Wirkungen wahrzunehmen, nicht jedoch ihre Ursachen: "Absolute Wahrheit ist das, was an und für sich in der Sache selbst ist. Sie ist diese unsichtbare Kraft, die uns durch ihre Wirkungen erscheint; auf uns verschiedentlich organisirte Wesen verschiedentlich wirkt [...] Sie kann niemalen verändert werden."[269] Die anfangs versprochenen unverrückbaren, höheren Weisheiten werden dem illuminatischen Adepten also nur soweit aufgewiesen als es überhaupt möglich ist. Der Docet erhielt die Gewißheit, im Besitz dessen zu sein, was der Mensch erkennen und wissen kann, und daß es Erscheinungen und Sachverhalte gibt, deren Zusammenhänge wohl vernehmbar, jedoch weder begrifflich noch auf sonst eine andere Weise faßbar sind.

Höhere Wahrheiten sind nach dieser Vorstellung nur zu erahnen, man kann ihrer nicht habhaft werden, insofern soll der Docetengrad lediglich als Fingerzeig, wie es um die Wahrheitsfrage steht, verstanden werden. Der Mensch kann gleichwohl nicht darüber verfügen. Ahnungen sind gleichwohl das Äußerste, wozu der Mensch im Hinblick auf absolute Wahrheit und Erkenntnis fähig ist. Die für diese Überlegungen verwendeten Ideen von Sensualismus, Metempsychosis und Wahrheitslehre waren als dreifache Veranschaulichung ein und desselben epistemologischen Grundproblems gedacht. Sie stellten nicht zuletzt aufgrund ihrer unterschiedlichen Prämissen kein einheitliches Konzept dar.

Der Docet sollte zur Meisterschaft in praktischer Philosophie geführt werden. Er sollte andere, die sich zur Teilhabe an den illuminatischen Lehren eignen, nicht nur erkennen, er sollte sie durch das Gradsystem führen, dahin, wo er selbst stand, sollte versuchen, ihre persönlichen Ansichten einem umfassenden Urteilsvermögen unterzuordnen. Auch die Mysterienlehren waren mit einer pädagogischen Intention verbunden. Ihr Gegenstand durfte "keine betrugliche Hoffnungen der Menschen ernahren."[270] Er sollte vielmehr dazu dienen, "die Menschen aufgeklarter, ruhiger, vergnugter gesellschafftlicher, mit ihrer Lage und der welt zufrieden zu machen. Er mus Ideen enthalten, welche die Majestat Gottes in das Licht sezen, uns selbst aber vertrauen auf ihn und unsre Wurde in hohem Grad einflossen: welche nahern Bezug auf unsre geistige Gluckseeligkeit haben, er mus dadurch, das er alle Gegenstande der Welt in einem andern grossern Gefuhlspunct zeigt den Verstand und die Begriffe der meisten und eben dadurch ihr ganzes Begierden System andern, und folglich eben dadurch [...] Menschen ins bessere modificiren."[271] Der Status eines Doceten bedeutete für einen Illuminaten, einem hohen Anspruch auf zwei Ebenen gerecht zu werden, neben dem epistemologischen Anliegen ist hier ein zweites angesprochen, die Erziehung zur sittlichen Persönlichkeit.

Das Phänomen Illuminatenorden wird u.a. den politischen Utopien des 18. Jahrhunderts zugeordnet, gleichwohl ist seine eigentliche Absicht nicht vorrangig politisch, wie die Texte der höheren Mysterien beweisen. In seiner Entwicklung bis an diesen Punkt gelangt, hätte ein Illuminat nach Weishaupt zu seiner wahren Bestimmung und Natur gefunden und würde dem Politischen entsagen können bzw. seiner nicht weiter bedürfen. Das Ziel des illuminatischen Bildungsganges war kein staatsbürgerlich-politisches, sondern ein pädagogisches: die sittliche Persönlichkeit. Ein regulierender Staat ist solange nötig, wie die Menschen nicht zur Kenntnis ihrer selbst gelangt sind. Aus diesem Grunde ist die staatsbürgerliche, häufig als politisch bezeichnete, Dimension im Gradsystem lediglich bis zum Regentengrad zu finden. Dieser Zusammenhang beantwortet auch die Frage, warum Weishaupt "die illuminatische Lehre nicht auf ihrer letzten Stufe gänzlich politisiert und säkularisiert, das Bild einer freien und gleichen Zukunftsgesellschaft in der Immanenz entworfen?"[272] hat, die Monika Neugebauer-Wölk stellt. Eine Politisierung bzw. Staatsdenken war in der höheren Mysterienlehre nicht notwendig, da Menschen, die in diese Grade aufgenommen wurden, keiner wie auch immer gearteten Staatsform mehr bedurften. Illuminaten und später alle Menschen sollten gelernt haben, sich sowohl durch Kenntnis ihrer selbst als auch anderer sittlich so zu verhalten, daß Vergesellschaftungsformen wie Staaten, die nach Weishaupts Auffassung nur deshalb bestünden, um den u.a. von Rousseau postulierten gesellschaftlichen Zwischenzustand zu überwinden, nicht mehr notwendig seien.


Anmerkungen

  1. Vgl. Bassus, S. 59 oder auch: Grolman, Illuminatus dirigens, S. 64.
  2. Zur allgemeinen Charakterisierung dieses Systems siehe Schüttler, Hermann: "Freimaurerei in Weimar. Zum 200. Todestag von Johann Joachim Christoph Bode." in: Ettersburger Hefte 3 (1995), S. 19.
  3. Für einen Vergleich der erzieherischen Absichten der Freimaurer ist in Ermangelung einer einschlägigen wissenschaftlichen Arbeit die Lektüre des Constitutionenbuches hilfreich. Vgl. hierzu: Constitutionenbuch 1723. Neuausgaben und Übersetzungen älterer Freimaurerische Werke. Wiesbaden 1902, Bd. 2.
  4. Innerhalb der Aufklärung verbindet sich diese Vorstellung mit dem Fortschrittsmotiv. Siehe dazu: Dierse, Ulrich: "Fortschritt." in: Schneiders, Lexikon, S. 119 – 122.
  5. von lat.: Schmeichler, diese Bezeichnung wurde im Orden für die Lernenden verwendet.
  6. Weishaupt, "Höhere Mysterien: 2. Klasse. Doceten." in: Bode, Journal, S. 399
  7. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 25
  8. Weishaupt, Verbessertes System, S. 50
  9. "Catechimus der Schottischen Brüder." in: Faber, S. 142
  10. Weishaupt, Verbessertes System, S. 48
  11. Weishaupt, Johann Adam: Pythagoras. Oder ueber die geheime Welt- und Regierungskunst. Frankfurt a.M. 1790, S. 47ff
  12. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Bassus, S. 14
  13. Weishaupt an Zwackh 1./ 2. 1783 in: van Dülmen, Illuminaten, S. 311
  14. Vgl. hierzu: Weishaupt, Verbessertes System, S. 64f.
  15. ebd.
  16. a.a.O., S. 65
  17. a.a.O., S. 69 In den allgemeine Ordensstatuten heißt es dazu ergänzend: "denn Obere sehen weiter, sehen tiefer in das System ein, und eben darum und aus keiner andern Ursach sind sie Obere." zit. nach "Allgemeine Ordensstatuten." in: Bassus, S. 12
  18. Eine solche Einrichtung ist charakteristisch für nahezu alle esoterischen Bünde der Zeit, so auch z.B. für Freimaurer oder Rosenkreuzer.
  19. Daß diese Maßnahme ihrer Intention gemäß gelang, beweist die Tatsache, daß Weishaupt in seiner Funktion als Haupt der Organisation bis zum Verbot des Ordens ausschließlich den eingeweihten Provinzialoberen und Areopagiten bekannt war.
  20. [Weishaupt, Johann Adam]: Vollständige Geschichte der Verfolgung der Illuminaten in Bayern. Frankfurt u. Leipzig [Nürnberg] 1786, S. 135
  21. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Bassus, S. 20
  22. "Instruction der Präfecten oder Local-Obern." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 159
  23. ebd.
  24. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, [Ingolstadt] 5. 3. 1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  25. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Bassus, S. 12
  26. "Unterricht zur besseren Beurtheilung der innern Einrichtung des Ordens, und dessen, was derselbe von uns fordert." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 103
  27. Vgl. hierzu die Ausführungen des Pädagogen in: Pestalozzi, Johann Heinrich: Pestalozzi's Brief an einen Freund über seinen Aufenthalt in Stanz. PSW 13, S. 29 bzw. auch die Anmerkungen dazu auf S. 26 daselbst.
  28. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Bassus, S. 9
  29. Weishaupt, "Höhere Mysterien: 2. Klasse. Doceten." in: Bode, Journal, S. 407
  30. Weishaupt, Verbessertes System, S. 99
  31. OS, S. 373
  32. Diese Angaben wurden entnommen aus Schüttler, MitgliederNEU.
  33. Weishaupt, Verbessertes System, S. 70
  34. a.a.O., S. 87
  35. a.a.O., S. 95
  36. Weishaupt an Zwackh und Hertel, o. O., o. D. [Ingolstadt, 1779] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  37. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, 26. 5. 1781, OS, S. 375
  38. Weishaupt, Apologie der Illuminaten, S. 147
  39. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, [Frankfurt a. M.,] 26. 3. 1781 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  40. Adam Weishaupt an Zwackh und Hertel, 27. 3. 1779 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  41. ebd.
  42. ebd.
  43. "Kritische Geschichte der Illuminatengrade." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 8
  44. OS, S. 264
  45. Philo an Spartacus [Frankfurt a.M.], 1.-5.11.1781 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  46. Dazu werden herangezogen: Faber, Ächter Illuminat; Grolman, Illuminatus dirigens; ders., Spartacus und Philo sowie Bode, Journal.
  47. Einen Eindruck sowohl von der Entwicklung des Gradsystems als auch von Variationen vermittelt der Anhang, S. 195 ff.
  48. Adam Weishaupt an Hertel und Zwackh, [Ingolstadt, 31. 3. 1779] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  49. "Vorbereitungsaufsatz." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 8
  50. ebd.
  51. SK IV Dok. 28 August Gottlob Dörrien an Johann Christoph Bode am 25. 6. 1783
  52. a.a.O., S. 12ff
  53. "Revers-Brief eines Aufzunehmenden." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 17f
  54. "Instruction für die Insinuanten oder Recepten. Auszug aus den Statuten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 18ff
  55. "INSTRUCTIO pro Insinuantibus s. Recipientibus." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 21
  56. Andreas Gottfried Schäfer an Adam Weishaupt Göttingen, 31. 1. 1783 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  57. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 30
  58. a.a.O., S. 33
  59. ebd.
  60. ebd.
  61. ebd.
  62. "Instruction für die Insinuanten oder Recepten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 19
  63. "Instructio pro Insinuantibus s. Recipientibus." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 23
  64. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 28
  65. a.a.O., S. 27
  66. a.a.O., S. 30
  67. a.a.O., S. 28
  68. "Instructio pro Insinuantibus s. Recipientibus." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 24
  69. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 35f
  70. Knigge an Lavater am 3. 2.1783 in: van Dülmen, Illuminaten, S. 313
  71. Knigge an Weishaupt, Frankfurt a.M. um den 11.12.1781 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  72. Adam Weishaupt an Hertel und Zwackh, 6. 4. 1779, in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  73. SK XI Dok. 387 quibus licet von Justus Lipsius {Carl Gotthold Lenz}
  74. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 33
  75. "Statuten für die Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 44
  76. ebd.
  77. "Ceremonien bey der Initiation." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 55
  78. ebd.
  79. a.a.O., S. 60
  80. a.a.O., S. 59
  81. a.a.O., S. 60
  82. lat.: durch mich sehen die Blinden
  83. "Ode auf die Weisheit." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 73
  84. "Statuten und Ceremonien für die Versammlung der Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 71
  85. "Statuten für die Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 51
  86. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. D., Nentershausen, 20. 3. [1782] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  87. SK IV Dok. 15 Arnold Gerhard Denecke an Johann Christoph Bode, Bremen, 11. 3. 1787
  88. Den Vorsitz der Minervalmagistraten führte ein Illuminatus maior.
  89. "Formular zu einem Initiationsprotokoll." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 41
  90. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. D., Nentershausen, 20. 3. [1782] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  91. "Statuten und Ceremonien für die Versammlung der Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 77
  92. "Statuten für die Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 50
  93. Heuser wurde jedoch nicht in den Orden aufgenommen.
  94. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. O. u. D. [Frankfurt, 28.-30. 4. 1781] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  95. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, [Frankfurt], 10. 4. 1781, a.a.O.
  96. Bandbreite und Umfang solcher Projekte sollten einmal gesondert untersucht werden.
  97. SK VII Dok. 27 Johann Georg Schlosser an Johann Christoph Bode, 24. 4. 1785
  98. ebd.
  99. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. D., [1782], in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  100. "Statuten und Ceremonien für die Versammlung der Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 77
  101. "Instruktion für den Obern der kleinen Illuminaten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 82
  102. "Unterricht zur besseren Beurtheilung der innern Einrichtung des Ordens, und dessen, was derselbe von uns fordert." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 110
  103. "Unterricht zur besseren Beurtheilung der innern Einrichtung des Ordens, und dessen, was derselbe von uns fordert." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 104
  104. "Anrede bei der Aufnahme eines Illuminati minoris." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 97
  105. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, [Ingolstadt,] 21.3.1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  106. lat.: Gib acht, daß du nicht fällst.
  107. "Unterricht zur besseren Beurtheilung der innern Einrichtung des Ordens, und dessen, was derselbe von uns fordert." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 109
  108. "Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitarbeiter." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 123
  109. "Unterricht, welchen die Illuminati minoris abschriftlich in die Hände bekommen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 130
  110. "Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitarbeiter." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 118f
  111. ebd.
  112. a.a.O., S. 115
  113. "Instruktion für den Obern der kleinen Illuminaten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 84
  114. a.a.O., S. 87
  115. ebd.
  116. ebd.
  117. "Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitarbeiter." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 118f
  118. a.a.O., S. 113
  119. "Unterricht, welchen die Illuminati minoris abschriftlich in die Hand bekommen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 130
  120. "Instruktion für den Obern der kleinen Illuminaten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 84
  121. ebd.
  122. a.a.O., S. 85
  123. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, [Ingolstadt,] 2. 12. 1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  124. Adam Weishaupt an die Münchener Areopagiten, Ingolstadt, 15.3. 1782 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz In der Frühphase war dieser Schritt bereits nach der Minervalausbildung vorgesehen.
  125. "Instruction in Ansehung der Freymaurer-Logen." in: Grolman, Illuminatus Dirigens, S. 29
  126. lat.: "(Er)kenne dich selbst"
  127. "Ritual für die Logen zur Aufnahme in diesen Grad." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 186
  128. ebd.
  129. Vgl. hierzu "Lebenslauf" von Minos {Ditfurth} in: Fenner, Wolfgang u. Hermann Schüttler (Hgg.): "Illuminatische Lebensläufe." (in Vorbereitung) Der Verfasser möchte den Herausgebern für die Überlassung des Typoskripts danken.
  130. "Catechimus der Schottischen Brüder." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 142f
  131. a.a.O., S. 193
  132. a.a.O., S. 188
  133. "Ritual für die Logen zur Aufnahme in diesen Grad." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 186
  134. "Nachricht von den Arbeitslogen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 145
  135. abgedruckt bei Faber, Ächter Illuminat, S. 150 – 180
  136. Der genaue Wortlaut dieses Materials zur Menschenführung wurde zur besseren Orientierung und Nachvollziehbarkeit in den Appendix, S. 221ff aufgenommen.
  137. "Ritual für die Logen zur Aufnahme in diesen Grad." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 196
  138. "Allgemeine Übersicht des ganzen Ordenssystems." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 204
  139. "Ritual für die Logen zur Aufnahme in diesen Grad." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 198
  140. ebd.
  141. "Allgemeine Übersicht des ganzen Ordenssystems." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 203f
  142. "Beylage C. Catechismus der Schottischen Ritter." in: Grolman, Illuminatus Dirigens, S. 75f
  143. "Beylage B. Erklärung der Maurerischen Hieroglyphen." in: Grolman, Illuminatus dirigens, S. 65
  144. "Nachricht von der Aufnahme in diesen Grad." in: Grolman, Illuminatus Dirigens, S. 17
  145. "Beylage B. Erklärung der Maurerischen Hieroglyphen." in: Grolman, Illuminatus dirigens, S. 63f
  146. ebd.
  147. Vgl. hierzu: Constitutionenbuch 1723. Neuausgaben und Übersetzungen älterer Freimaurerische Werke. Bd. 2 Wiesbaden 1902.
  148. Dadurch bot sich den Kritikern des Ordens die Gelegenheit, ihn in ihrem propagandistischen Feldzug der Blasphemie zu beschuldigen. Grolman verfolgte diese Intention als er sich zur Publikation der Anweisungen zu diesem Grad entschloß.
  149. "Vom Liebes mahl oder Agape." in: Grolman, Illuminatus dirigens, S. 57
  150. "Ritual bey der Aufnahme." in: Grolman, Illuminatus Dirigens, S. 50
  151. Die Ausarbeitung des Grades war Knigge zugesprochen und nach Fertigstellung nicht nur von Weishaupt moniert worden. Knigge hatte sich, auch weil er das Ziel verfolgte, den Illuminatenorden zur Verbesserung der Freimaurerei zu nutzen, darauf konzentriert, ausgedehnte zeremonielle Elemente zu inkorporieren. Vgl. hierzu die Ausführungen von LeForestier und Neugebauer-Wölk, Monika: Esoterische Bünde und bürgerliche Gesellschaft: Entwicklungslinien zur modernen Welt im Geheimbundwesen des 18. Jahrhunderts. Wolfenbüttel 1995 deren Schilderungen von Reaktionen der Göttinger Loge oder auch des Reichskammergerichtsassessors von Ditfurth {Minos} zeigen, welche Differenzen in der Leitungsebene über die Funktion der Grade bestanden.
  152. Knigge an Weishaupt, Nentershausen, o. D. [Anfang/Mitte 82] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  153. "Beylage C. Catechismus der Schottischen Ritter." in: Grolman, Illuminatus Dirigens, S. 75f
  154. "Beylage B. Erklärung der Maurerischen Hieroglyphen." in: Grolman, Illuminatus dirigens, S. 71
  155. a.a.O., S. 68
  156. ebd.
  157. ebd.
  158. Diese sogenannten Hieroglyphen sollten dem Illuminatus dirigens nach Knigges Auffassung "politisch erklärt" werden.
  159. "Nähere Nachrichten und Instruktionen, das Ganze betreffend." in: Grolman, Illuminatus dirigens, S. 17
  160. ebd.
  161. a.a.O., S. 19
  162. "Instruction, die untern Klassen betreffend." in: Grolman, Illuminatus Dirigens, S. 26
  163. ebd.
  164. Franz Xaver von Zwackh an Adam Weishaupt, 27. 12. 1786 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  165. ebd.
  166. Nähere Nachrichten und Instruktionen, das Ganze betreffend." in: Grolman, Illuminatus Dirigens, S. 19
  167. Unter dem Zeichen des Kruzifix wurden sogenannte evaterische Mysterien gefeiert, bei denen Milch und Honig zum Zeichen der Reinheit und des Fleißes gereicht wurden.
  168. Vgl. hierzu besonders: Meiners, Christoph: "Ueber die Mysterien der Alten. Besonders über die Eleusinischen Geheimnisse." in: ders.: Vermischte philosophische Schriften, Bd. 3, Leipzig, 1776.
  169. Knigge an Weishaupt, Nentershausen, o. D. [Anfang/Mitte 82] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  170. ebd.
  171. "Unterricht im ersten Zimmer." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 14
  172. Vgl. hierzu Appendix, S. 237ff, die Illuminati dirigentis betreffend, S. 239.
  173. dito
  174. "Weitere Nachrichten von der Aufnahme in diesen Grad." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 9
  175. ebd.
  176. "Unterricht im ersten Zimmer.", Grolman, Spartacus und Philo, S. 68
  177. a.a.O., S. 38
  178. a.a.O., S. 60
  179. a.a.O., S. 53
  180. "Ritual zur weitern Aufnahme." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 75
  181. "Unterricht im ersten Zimmer.", Grolman, Spartacus und Philo, S. 35
  182. ebd.
  183. ebd.
  184. "Instruction für den ersten Grad der Priesterklasse." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 78
  185. a.a.O., S. 79f
  186. a.a.O., S. 90
  187. a.a.O., S. 91
  188. a.a.O., S. 80
  189. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. D., Heidelberg, 19. [11. 1782], in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  190. "Unterricht im ersten Zimmer." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 19
  191. ebd.
  192. ebd.
  193. a.a.O., S. 12
  194. a.a.O., S. 48
  195. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, Nazareth {Nentershausen} 18. – 22. 12. 1782 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  196. "Instruction für den ersten Grad der Priesterklasse." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 102
  197. "Unterricht im ersten Zimmer." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 26
  198. a.a.O., S. 50
  199. "Directions-System des ganzen Ordens." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 132
  200. "Nachricht an den Provinzial wegen Ertheilung dieses Grades." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 114
  201. "Ritual bey der Aufnahme." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 120
  202. ebd.
  203. a.a.O., S. 126f
  204. a.a.O., S. 121
  205. "Instruction für den ganzen Regentengrad." in: Grolman, Spartacus und Philo, S.135f
  206. "Nachricht an den Provinzial wegen Ertheilung dieses Grades." in, Grolman: Spartacus und Philo, S. 128
  207. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. O. u. D. [9. 11. 1782] 1781 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  208. ebd.
  209. "Instruction der Präfecten oder Local-Obern." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 149f.
  210. a.a.O., S. 147
  211. Vgl. hierzu: Schings, Posa; Burggraf, Salzmann; Weis, Montgelas; Neugebauer-Wölk, Reichskammergericht.
  212. "Instruction für die Provincialen." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 166
  213. "Instruction für den ganzen Regentengrad." in: Grolman, Spartacus und Philo, S.144
  214. a.a.O., S.136
  215. ebd.
  216. a.a.O., S.137
  217. "Nachricht an den Provinzial wegen Ertheilung dieses Grades." in: Grolman: Spartacus und Philo, S.128
  218. "Instruction für den ganzen Regentengrad." in: Grolman: Spartacus und Philo, S.145
  219. a.a.O., S. 158
  220. a.a.O., S. 160
  221. Weishaupt, "Grössere Mysterien. Erste Klasse. Philosophi.", in: Bode, Journal, S. 363
  222. a.a.O., S. 362
  223. a.a.O., S. 363
  224. ebd.
  225. a.a.O., S. 393
  226. ebd.
  227. a.a.O., S. 362
  228. Vgl. hierzu: Schüttler, Hermann: "Johann Friedrich Mieg und die Organisation des Illuminatenordens in der Kurpfalz." in: H. Zaunstöck u. M. Meumann (Hgg.): Sozietäten, Netzwerke, Kommunikation. Neue Forschungen zur Vergesellschaftung im Jahrhundert der Aufklärung, Tübingen 2003, S. 143-57. Da die Texte in führenden Illuminatenkreisen kursierten, besprochen und redigiert wurden, ist eine kollektive Autorschaft anzunehmen.
  229. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, 19. 3. 1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  230. Vgl. hierzu: Koselleck, "Weishaupt und die Anfänge der bürgerlichen Geschichtsphilosophie", S. 325
  231. ebd.
  232. ebd.
  233. Weishaupt, "Grössere Mysterien. Erste Klasse. Philosophi." in: Bode, Journal, S. 365f
  234. a.a.O., S. 369
  235. a.a.O., S. 367
  236. a.a.O., S. 380 Hier zeigt sich der Einfluß Boulangers, in dessen Werk Das durch seine Gebräuche aufgedeckte Alterthum sich ein Kapitel auf die Auslegung der Sintflut konzentriert und dessen Ideen direkt in den Philosophengrad eingeflossen sind.
  237. a.a.O., S. 371
  238. ebd.
  239. ebd.
  240. ebd.
  241. a.a.O., S. 372
  242. Koselleck, "Weishaupt und die Anfänge der bürgerlichen Geschichtsphilosophie", S. 327
  243. ebd.
  244. Weishaupt, "Grössere Mysterien. Erste Klasse. Philosophi." in: Bode, Journal, S. 375
  245. ebd.
  246. a.a.O., S. 391f
  247. a.a.O., S. 392f
  248. ebd.
  249. a.a.O., S. 364
  250. a.a.O., S. 365
  251. a.a.O., S. 394
  252. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, [Ingolstadt] 25. 2. 1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  253. SK II Dok.156 Johann Christoph Bode an Ernst von Gotha, 28. 7. 1783
  254. ebd.
  255. ebd.
  256. Johann Benjamin Koppe an Adam Weishaupt, Gotha, 20. 12. 1784 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  257. Weishaupt: "Höhere Mysterien: 2. Klasse. Doceten." in: Bode, Journal, S. 395
  258. a.a.O., S. 400
  259. a.a.O., S. 396
  260. ebd.
  261. a.a.O., S. 400f
  262. Vgl. zu dieser auch im 18. Jahrhundert weit verbreiteten Vorstellung: Lovejoy, Arthur O.: The Great Chain of Being. A Study of the History of an Idea. Harvard 1933.
  263. Weishaupt: "Höhere Mysterien: 2. Klasse. Doceten." in: Bode, Journal, S. 401
  264. Vgl. hierzu Mulsow, "Vernünftige Metempsychosis".
  265. Weishaupt, "Höhere Mysterien: 2. Klasse. Doceten." in: Bode, Journal S. 406
  266. a.a.O., S. 407
  267. Johann Benjamin Koppe an Adam Weishaupt, Gotha, 20. 12. 1784 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  268. Weishaupt, "Höhere Mysterien: 2. Klasse. Doceten." in: Bode, Journal, S. 410f
  269. ebd.
  270. SK VII Dok. 231 Adam Weishaupt an Johann Joachim Christoph Bode, 2. 9. 1783
  271. ebd.
  272. Neugebauer-Wölk, Esoterische Bünde, S. 57