Peggy Pawlowski:„...sich begnügen, im Geheimen für das Gute zu wirken“. Der Beitrag Johann Adam Weishaupts zur Pädagogik des Illuminatismus (IV)

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Die Erziehung, die wir in ganzen Ländern gerne geben wollten, aber nicht geben können, kann irgend ein Individuum durch Zufall genossen haben.
Lichtenberg, Sudelbücher, Heft F, Nr. 895

IV. Die konstituierenden Momente des pädagogischen Prozesses

1. Vorbemerkungen

In einem Brief an Zwackh und Hertel aus dem Jahre 1779 konstatiert Weishaupt, andere Sozietäten nähmen "die Leute an auf blosse Empfehlung ohne sie zu beobachten, zu praeparieren, zu unterrichten"[1] und verweist damit auf ihm wesentliche konstituierende Momente des Bildungsganges. Präparation, Beobachtung und Unterricht erscheinen als Schlüsselbegriffe der illuminatischen Pädagogik. Sie bilden den Rahmen für ein terminologisches Gefüge, für das die in diesem Kapitel dargestellten Begriffe als repräsentativ gelten können. Sie wurden nach Maßgabe der Häufigkeit ihres Gebrauchs aus Weishaupts Schrifttum gewonnen und – den drei Schlüsselbegriffen subsumiert. Weishaupt hatte sehr früh damit begonnen, eine auf die pädagogischen Belange des Ordens zugeschnittene Terminologie zu entwickeln. Die dazugehörigen Begriffe sollten möglichst eindeutig bestimmt werden, daß sie die pädagogische Aufgabe und Zielsetzung erkennen lassen, diese verbindlich machen und Mißverständnisse ausschließen. Weishaupt wollte vermeiden, daß sie "schwankend und unzuverlässig bleiben"[2] Er war überzeugt, die Ordensphilosophie sei weit genug gediehen, daß sie nicht mehr "auf das Ansehen gelehrter Vorgänger" angewiesen sei und "Stärke genug besitzt, um ihren eigenen Flug zu wagen."[3]

Seine Kategorie der Präparation unterteilt er in Vorbereitung und Stufengang. Unter Vorbereitung versteht Weishaupt die allgemeine Einstimmung des Adepten sowie die propädeutische Phase auf jeder Stufe des illuminatischen Bildungsweges. Mit dem Begriff des Stufenganges lenkt er auf den methodisch aufgebauten und kontrollierten Bildungsgang hin. Der Kategorie der Beobachtung ordnet er die Begriffe Beobachtungsgeist, Ideenreihe und Selbsterkenntnis zu. Entwickelter Beobachtungsgeist sollte den Bildungsbemühungen die nötige Erfahrungsbasis verschaffen. Der Begriff der Ideenreihe ist bezogen auf die notwendige Ordnung und Bewertung der gewonnenen Sinneseindrücke, der der Selbsterkenntnis umschreibt die doppelte Aufgabe, Kenntnisse über sich zu erlangen und selbstkontrolliert zu agieren. Mit vier weiteren Begriffen bzw. Begriffspaaren – Einheitlichkeit, Wissenschaftlichkeit, Menschenkenntnis und Menschenführung sowie Welt- und Regierungskunst – verbindet Weishaupt wesentliche Prinzipien und Ziele des illuminatischen Unterrichts. Der Begriff der sittlichen Vollkommenheit repräsentiert das übergreifende Prinzip und Anliegen der Bildung im Orden, die Vollkommenheit des Menschen: "Immer wachsende Vollkommenheit und Entwicklung des menschlichen Geschlechts, Vermehrung der Sittlichkeit, als die einzige Quelle aller wahren Menschenglückseligkeit, als der Grund aller dauerhaften Reformen, Unterordnung der Zwecke, innere Vollkommenheit als das höchste Gut des Menschen."[4] Bildung und Entwicklung sollten dem Menschen größtmögliche Glückseligkeit zu verschaffen. Daß Weishaupt sich diesem Ziel von Beginn an verpflichtet fühlte, belegt die frühe Bezeichnung des Ordens als Bund der "Perfectibilisten".

2. Formen und Wege der Präparation

1. Funktion und Maßnahmen der Vorbereitung

Die Vorbereitung sollte nach Weishaupt die illuminatische Bildung grundlegen und auf das Ziel weisen, sie sollte "zu großen Dingen"[5] führen. Vorbereitende Übungen, wie die des Noviziats, sollten dem einzelnen Ordensmitglied die Möglichkeit verschaffen, seine Bildung nach illuminatischen Maßstäben auszurichten. Erst wenn dies geschehen war, konnten ihm weitere Mittel an die Hand gegeben werden. In der Hinführung des Adepten an den Verhaltens- und Moralkodex des Ordens und in der Befähigung zur sachgerechten Erledigung verschiedenster wissenschaftlicher Aufträge bestand die Hauptaufgabe der sog. ersten Vorbereitung. Man müsse "die Menschen, ehe man sie in höherer Weisheit unterrichten kann, erst ganz anders stimmen, und für die Weisheit empfänglich machen."[6] Weishaupt ging davon aus, daß der Mensch nicht in genügendem Maße befähigt sei, sich selbst zu vervollkommnen. Der Mensch müsse einsehen, daß er "noch nicht [ist], was er späterhin seyn wird"[7] und in der Tat daran arbeiten, seinen unvollkommenen Zustand zu überwinden. Damit war die pädagogische Aufgabe gestellt, den Adepten auf ein bestimmtes Bildungsziel auszurichten. Das bedeutete für den Illuminatenorden aber auch, sich auf einen langwierigen und mühsamen Bildungsweg einzustellen: "Wir müßen die Leute erst machen, und das kostet Mühe."[8]

Die Vorbereitung des illuminatischen Zöglings ist als pädagogische Hilfestellung zu verstehen, mit deren Hilfe bereits vorhandene Fähigkeiten und Kenntnisse angesprochen, aufgegriffen sowie gebündelt werden sollten, um so den Zugang zu weiterführendem Wissen zu ermöglichen. Ihr Ziel bestand in Aufbau und Festigung von Lernstrategien. Aufgabe der Vorbereitung ist die Orientierung des Adepten, dieser "muß sich in der moralischen wie in der physischen Welt, soviel wie möglich orientiren."[9] Derjenige, der dies unterläßt, "treibt sich ewig im Zweifel und Irrthum umher, ohne jemals an das Ziel seiner Wünsche zu gelangen."[10] Wissen und Orientierung der Adepten sollten auf dem Wege der Übungen gewonnen werden. Damit der Zögling Wertbewußtsein entwickelt, sollte er "belehrt werden, welche die vorzüglichern Gesichtspunkte eines gegebenen Gegenstandes sind. Es muß von jedem derselben der Werth bestimmt werden, und der Mensch muß auf diesem Wege die Weisung erhalten, welcher Gesichtspunkt in der vorliegenden Sache den Vorzug verdiene."[11] Eine solche Unterrichtung könne sein Unterscheidungsvermögen stimulieren, ein Gespür für wesentliche Werte entwickeln, neue Erfahrungen erschließen und seinen Horizont erweitern.

Der Orden nahm die Auswahl der Bildungsinhalte für die Heranzubildenden vor und bestimmte die Lehr- und Lernmethoden. Themen und Fragestellungen sollten nach pragmatischen Kriterien ausgewählt werden, aber auch kanonisches Wissen berücksichtigen. Sie sollten weit ausgreifend sein, daß sie nicht als Einschränkung erfahren wurden und die Wißbegierde des Adepten erstickten. Ihr Wert ließ sich danach bestimmen, inwieweit sie dem Adepten nach der propädeutischen Phase nützten. Weishaupt befriedigt damit das Grundbedürfnis des Menschen, zu einem Verständnis von Welt zu gelangen, um sich in dieser zu behaupten.

Die vorbereitende Anleitung sollte sich nicht bloß auf die intellektuelle Bildung beschränken, sondern ebenfalls sein sittliches Verhalten befördern. Menschen, denen weder Zuwendung noch Unterweisung zuteil wurden, haben sich nach Weishaupts Überzeugung "noch nicht genug über Vorurtheil, Leidenschaft und Privatintereße erhoben".[12] Die Ausmerzung dieser aus der unmittelbaren Reaktion auf äußere Einflüsse resultierenden charakterlichen Hemmnisse betrachtete er als eine wichtige Aufgabe im illuminatischen Bildungsgang. Ob und wann während der Absolvierung des Propädeutikums ein Aufstieg möglich war, wurde durch geeignete Prüfungen festgestellt. Der Zögling mußte sowohl durch sicheres, anwendungsbereites Wissen als auch durch sein auf Loyalität bedachtes Verhalten signalisieren, daß er die gestellten Anforderungen erfüllte.

Für den Unterweisenden war damit die weitere Aufgabe verbunden, "den O. zu eines jeden Steckenpferde machen."[13] Dazu mußte er seine "Lehre mit dem Interesse des Lernenden zu verbinden wissen,"[14] dieses durch geschickte Impulse verstärken und den Lernprozeß begünstigen. Ist der Lehrende im Rahmen vorbereitender Unterweisung dazu in der Lage, den Grundstein nicht nur für das jeweils zu Vermittelnde, sondern auch für vom Zögling ausgehende selbständige Aneignung von Lehrinhalten zu legen, kommt er erst seiner Vermittlungsaufgabe nach. Die Vorbereitung von Adepten bedeutet, sich einer Aufgabe zu stellen, die der Mensch von sich aus kaum leisten kann. Sie setzt voraus, den Zögling und seine Möglichkeiten zu kennen. Der Lehrende unterstützt im Grunde lediglich den Aneignungs- und Verstehensprozeß seines Schülers, indem er das, was erkannt und beherrscht werden soll, nachvollziehbar aufbereitet und den Schüler mental vorbereitet: "Jeder Mensch muß vorher seine Seele dazu stimmen, und die nöthigen Vordersätze und Begriffe durch Unterricht, oder noch besser durch eigene Erfahrungen sammeln. Darum giebt es auch bey jedem guten Unterricht gewisse vorbereitende höchst einfache Lehren, von welchen jeder Lehrer ausgehen sollte, um den Geist seiner Schüler zu stimmen, und für spätere zusammengesetzere Lehren empfänglich zu machen."[15] Weishaupt fährt mit methodisch-didaktischen Übungen fort. Er sieht "die große Kunst des Unterrichts und Lehrens darin, daß der Lehrer die Begriffe gehörig ordnet, vorbereitet, vom Bekannten und Einfachen von Erfahrungen und Thatsachen zum minder Bekannten und zusammengesetzten zu höhern und abstractern Begriffen und Grundsätzen übergeht. Und die Verbindung zwischen beyden eindeutig und einleuchtend macht."[16] Innerhalb eines Propädeutikums wird sowohl die Eignung des Adepten erkennbar, als auch inwieweit er Leistungsanforderungen zu erfüllen vermag. Die Art der Unterweisung und die Befähigung der beauftragten Lehrkraft haben ebenfalls Anteil am Ergebnis der vorbereitenden Bildungsphase, die Verbindlichkeit von pädagogischen Inhalten allein gewährleistet nicht schon erfolgreiche Bildungsprozesse. Weishaupt dringt deshalb auf pädagogische Kompetenz der Vermittler und plädiert für Methodenvielfalt und Individualisierung: "Darum taugt nicht jede Art des Unterrichts so wie jeder Lehrer für jeden Menschen und daher sollte jeder Zögling subjectiv nach seiner Art, nach seinen Begriffen behandelt, diese erforscht, mit solchen der Anfang gemacht und alle neue Begriffe an diese älteren gereiht werden."[17] Es liegt im Ermessen des Lehrenden, das individuelle Bildungsvermögen seines Zöglings einzuschätzen und eine Entscheidung darüber zu treffen, welcher Unterricht ihm zugute kommen sollte. Ein Lernender ist demnach darauf angewiesen, daß "jeder Lehrer sich in deßen Denkungsart vollkommen hineindenken"[18] kann. Weishaupt zählt diese Fähigkeit zu den entscheidenden Voraussetzungen eines fruchtbaren Verhältnisses von Lehrer und Zögling.

Vorbereitung soll zur Beherrschung geeigneter Methoden für die Aneignung von Kenntnissen, zur Ermittlung der Bedürfnisse des Zöglings beitragen und die Wahl geeigneter Formen des Lehrens und Lernens erleichtern. In dieser Lernphase, die auch Probezeit ist, sollen die Fundamente für den weiteren Entwicklungsgang gelegt werden. Dessen Verlauf und Qualität hängen vom Leistungsvermögen des Zöglings wie auch von Geschick, Eindringlichkeit und Wohlwollen des Lehrenden ab.

2. Weiterführung in Stufen

Der illuminatische Bildungsgang beginnt mit der ersten Vorbereitung als Prüfungsphase und vollzieht sich aufsteigend von Stufe zu Stufe über die bekannten jeweiligen Teilziele bis zum eigentlichen Ziel, dem vollkommenen Menschen. Die Stufenfolge bezeichnet den Weg des menschlichen Werdens hin zur Vollkommenheit. Die Denkfigur des Stufengangs ist keine originäre Kategorie der Illuminaten und der Aufklärung. Sie fand bereits in der Didaktik des 17. Jahrhunderts beispielsweise durch Ratke und Comenius verstärkt Beachtung. Der spanische Moralist Baltasar Gracian y Morales, dessen Begriffswelt von Weishaupt früh rezipiert wurde, hat die Altersstufen des Geistes mit dem Stufengang der Bildung direkt miteinander in Beziehung gesetzt[19] Er verbindet die Vorstellung des in einer Stufenfolge sich vollziehenden Entwicklungsprozesses des Menschen mit dem Heranreifen seiner Kräfte. Gracian deutet den Werdeprozeß des Menschen nicht einfach als Entwicklung, sondern hebt die Bedeutung der Katharsis hervor: "Der Vorgang des Reifens hat offenbar wenig gemein mit einer ‚Entwicklung'. Er vollzieht sich wesentlich durch die Klärung, Reinigung und Entschlackung der Seele, im Durchdringen des beständigen Wesens. [...] Reif sein heißt, zu sich selbst gekommen zu sein."[20] Weishaupts Vorstellung vom Stufengang folgt dieser Auffassung.

Voraussetzung für die Reifung des Menschen ist beim Übergang von Stufe zu Stufe ein Innehalten, die Rückschau und das Überdenken des Erreichten. Jede Stufe unterliegt einer Gesetzmäßigkeit, keine kann übersprungen werden. Für Weishaupt war jedwede Art des Fortschreitens in Wissen und Fähigkeiten mit dem Modell des Stufenganges verbunden. Deshalb wurden potentielle Ordensmitglieder auf die Notwendigkeit eines stufenweisen Vorgehens hingewiesen und ihnen damit auch zu Bewußtsein gebracht, daß Bildung Anstrengung und Ausdauer erfordert. Hatte der Obere den Eindruck, daß ein Insinuant zu ungeduldig war, sollte er einen Aufsatz über Sinn und Notwendigkeit des Stufenganges verfassen: "einem, der gern bald oben seyn möchte, gibt man das Pensum von der Stuffenbeförderung."[21]

Das präparatorische Moment ist dem Stufengang immanent. Auf jeder Stufe müssen vorbereitende Übungen absolviert werden und jede einzelne Stufe fungiert als Vorbereitung der nächstfolgenden. Die Ausbildung des Zöglings muß "von der untersten Stufe ausgehen, und sich nach und nach durch die regegewordenen Bedürfnisse veredeln und verbessern."[22] Weishaupts pädagogische Auffassung ist in dieser Hinsicht kein Novum. Das Modell der Stufenfolge hat seine Geschichte. Es bestimmt auch die Organisation schulischen Lernens. Schulbildung erfolgt stufig in aufeinander aufbauenden Klassen. Einstimmung und Vorbereitung auf die Lern- und Bildungsaufgaben der jeweiligen Stufe und die Hinführung zu den jeweils verbindlichen Leistungsstandards bleiben permanente Aufgaben.

Weishaupt bleibt nur Spielraum für eine Variante. Das Voranschreiten in Stufen entspricht dem Weg, der dem Individuum von der Natur vorgezeichnet ist: "Dies ist unsere Art zu verfahren, nicht von uns so eingeführt, sondern vom Schöpfer selbst in der Natur der Dinge gegründet."[23]

Ein Merkmal des Stufengangs ist die hierarchisierte Abfolge, bei der eine einmal absolvierte Stufe die Grundlage der nächsten bildet. Weishaupt argumentiert in diesem Sinne: "Die Natur, welche stuffenweise Entwickelung eines unendlichen Planes ist, wo das nämliche Urbild in allen möglichen Veränderungen, Graduationen und Formen zum Grunde liegt, und von uns Menschen nach der Verschiedenheit seiner Gestalt verschiedene Nahmen erhält, macht in allen diesen ihren Veränderungen keinen Sprung: sie fängt von dem kleinst-möglichen und unvollkommenen an, durchlauft ordentlich alle Mittelstuffen, um zum größten und vollkommensten dieser Art zu gelangen, welches höchste, vielleicht neuerdings die niederste Stuffe einer neuen höhern Veränderung ist."[24] Das Ende eines Stufengangs bedeutet nicht automatisch das Erreichen von Vollkommenheit. Nach der metemspychotischen Weltsicht Weishaupts ist Vollkommenheit zwar innerhalb einer Lebenszeit möglich, jedoch keinesfalls zwangsläufig. Es ist nur konsequent, wenn er die Forderung nach individueller Unterweisung erhebt und auch nicht jedes Mitglied des Illuminatenordens zu den höheren Mysterien geführt wird.

Die nach Anforderungsstufen organisierte und standardisierte Ausbildung im Illuminatenordens könnte – so scheint es – einen einheitlichen Kenntnisstand gewährleisten, faktisch aber differiert dieser nach Maßgabe der Lernkapazitäten. Anfängliche Schwierigkeiten im Bildungsgang waren einkalkuliert und wurden als Herausforderungen gewertet: "alle Uebel sind bloß niedere Stuffen, die wir durchlaufen, um zu höhern zu gelangen; sie sind Mittel zur Vervollkommnung unseres Geistes; ohne solche wären diese ein Unding; sie hören nun auf, Uebel zu seyn und werden sogar vorzügliche Güter."[25] Die Entwicklung des Menschen endet nicht während einer seiner Lebensphasen, es besteht vielmehr zeitlebens die Verpflichtung, seine Möglichkeiten zu steigern und sich entsprechend voranzubringen. Das Verharren auf ein und derselben Stufe ist nicht akzeptabel, denn "die Natur eines perfektiblen Wesens erfordert, daß es bey seinem Entstehen sowohl, als durch seine ganze Dauer hindurch wachse; daß es in keinem vorhergehenden Zustande sey, was es in dem nachfolgenden werden soll; daß es lediglich umso unvollkommener sey, je weiter wir auf seine erste Entstehung zurückgehen."[26] Das Erreichen einer Entwicklungsstufe ermöglicht eine Einschätzung des Bildungsstandes, es lassen sich definitive Aussagen über Fähigkeiten und Möglichkeiten des Zöglings treffen. Es ist jedoch vorher genau festzulegen, welche Anforderungen in jeder einzelnen Stufe gestellt werden können. Daran ist das zu Vermittelnde auszurichten, der Mensch soll "in jeder Periode des Lebens so viel finden, als er jedes Mal tragen kann."[27] Der Stufengang der Bildung wird ebenfalls bestimmt von dem jeweiligen Vermögen des Adepten, d.h., die zu jeder Stufe gehörigen pädagogischen Angebote sind nach Kriterien der individuellen Entwicklung auszuwählen. Zunächst müssen allgemeine Grundbegriffe vermittelt werden, das, was bereits als Wissen verfügbar ist, muß methodisch durchdrungen und von einengenden Sichtweisen gereinigt werden, bevor vertiefende Kenntnisse und weiter gefaßte Einsichten angeboten werden können: "Die Ausbildung eines jeden Menschen fängt erst von seinen gröbern Sinnen an, und geht von diesen zu den feinern über. Nach diesem trift die Reihe die Einbildungskraft, das Anforderungsvermögen, den Verstand. Auf jeder dieser Stufen der Ausbildung sind die Vorstellungen vom Guten und Besten, vom Schädlichen und Nüzlichen, nach welchen sich doch jedes Begehrungsvermögen, sammt allen menschlichen Handlungen auf das genaueste richtet, sehr verschieden. Der Gesichtspunkt, aus welchem wir die Gegenstände betrachten, ist anfänglich sehr beschränkt. Die Folgen, welche in Betracht kommen, sind nicht sogleich die entfernteren, sondern die unmittelbaren und nächsten."[28] Diese Prozedur ist auf jeder einzelnen Stufe einzuhalten.

Weishaupt steht mit seinem Verständnis des Stufengedankens nicht allein. Mit der Etablierung eines flächendeckenden Schulsystems und der Einführung der nationalen Schulpflicht im Jahre 1919 setzt sich das Prinzip der Stufenfolge in der Organisation schulischer Bildung durch. Auch in der Didaktik kommt es zur Geltung, z.B. in der Formalstufentheorie der Herbartianer. Innerhalb der pädagogischen Reformbewegung begegnet man beispielsweise bei Wilhelm Flitner einer stärker die Individualität des Menschen berücksichtigenden Auffassung des Stufenganges, die damit verbundenen Implikationen sind denen von Weishaupts Auffassung nicht unähnlich: "Der Bildungsprozeß zeigt [...] einen Stufengang, nach welchem sich Individualität entwickelt, indem ihr die Natur, die geschichtlich-gesellschaftliche Welt und schließlich der Geist begegnen und Bedürfnisse dauernd erweckt, aber auch Forderungen immer umfassender und strenger geltend gemacht werden. Echte Forderungen aber müssen zu Bedürfnissen des Zöglings werden, wenn sie ihn fördern und nicht hemmen sollen. Umgekehrt sind die vorhandenen Bedürfnisse des Zöglings in echte zu verwandeln."[29] Bei Flitner finden sich nahezu sämtliche Merkmale des Stufengangs, wie sie Weishaupt vorschwebten, er berücksichtigte sowohl den Umstand, daß jeder Zögling entsprechend seiner Voraussetzungen behandelt werden sollte, als auch die Verbindlichkeit der Reflexion des Erreichten vor dem weiteren Voranschreiten. Flitner setzt das Prinzip des Stufengangs mit einem Prozeß der Verinnerlichung gleich, dessen Ziel erreicht ist, wenn die von außen gebotenen und angeregten Gegenstände verstanden und habitualisiert worden sind. Das Prinzip des Stufenganges steht somit im Dienste der Vervollkommnung des Menschen, die Anzahl der zu durchlaufenden Stufen bestimmt die Dauer der Angleichung des Ist-Zustandes an das Ideal der Vollkommenheit.

3. Die Beobachtung – ihre Funktion und ihre Folgen

1. Schulung des Beobachtungsgeistes

Das in seinem Denken empirisch ausgerichtete 18. Jahrhundert hat der Beobachtung besondere Bedeutung beigemessen, das Fehlen von "Beobachtungsgeist" wurde als Mangel bewertet. So beklagt z.B. Knigge, daß es manchen Ärzten "bei der gründlichsten Kenntnis an Beobachtungsgeist"[30] fehle. Mit der verstärkten Hinwendung zu den Naturwissenschaften vom Ende der Renaissance an hat das Beobachtungsvermögen eine wichtige Funktion bei der Gewinnung von Erkenntnissen erhalten. Gegenstand der Beobachtung war alles, was die äußere Erfahrungswelt des Menschen ausmachte. Erst im 18. Jahrhundert wurde der Mensch als Objekt der Beobachtung interessant und die Erkenntnis des Menschen auf den – wie es im Sprachgebrauch der Zeit hieß – Beobachtungsgeist gegründet. Nachdem das Projekt ‚Mensch' von der Aufklärung in Gang gesetzt worden war, wurde der Mensch zum Studienobjekt seiner selbst erhoben. Es ist mithin keinesfalls zufällig, daß mit dem Interesse des Menschen an seiner eigenen Verfassung und allen ihn betreffenden Vorgängen sich Anthropologie und in deren Gefolge Pädagogik und Psychologie zu konstituieren beginnen.

Empirisch angelegte Methoden sind auf das Observieren angewiesen. Beobachtung treibt Wahrnehmungsprozesse voran und ermöglicht überprüfbare Erkenntnisse, sie ist zielgerichtet. Die durch sie gewonnenen Erfahrungsdaten bedürfen der Interpretation durch das beobachtende Subjekt. Die Verquickung des Beobachters mit dem beobachteten Objekt kann zu Ungenauigkeiten und Fehlern führen, die in bezug auf das Beobachten des Menschen besonders kraß und irreführend sein können. Das Observieren menschlicher Handlungen und Regungen, die Systematisierung der Befunde und die sich aufdrängenden Schlußfolgerungen hält Kant, wie er in seiner Anthropologie in pragmatischer Hinsicht feststellt, für recht problematisch: "Der Mensch, der es bemerkt, daß man ihn beobachtet und zu erforschen sucht, wird entweder verlegen (geniert) erscheinen, und da kann er sich nicht zeigen, wie er ist; oder er verstellt sich, und da will er nicht gekannt sein, wie er ist. [...] Will er auch nur sich selbst erforschen, so kommt er, vornehmlich, was seinen Zustand im Affekt betrifft, der alsdann gewöhnlich keine Verstellung zuläßt, in eine kritische Lage: nämlich, daß wenn die Triebfedern in Aktion sind, er sich nicht beobachtet; und wenn er sich beobachtet, die Triebfedern ruhen."[31] Auch Weishaupt war dieser Umstand bewußt, er zog jedoch andere Schlußfolgerungen als Kant und baute weit mehr auf die Möglichkeiten des Beobachtens. Er nahm an, man könne durch gezielte Beobachtung zu verläßlichen Aussagen gelangen. Er forderte allerdings, Beobachtungen aufs Präziseste vorzunehmen, ihre Resultate unter größtmöglichem Ausschluß subjektiver Fehlinterpretationen zu gewinnen und durch ständige Revision und kritische Auseinandersetzung zu extrahieren.

Die auf empirischem Wege gewonnenen Erfahrungen vom Menschen sollten zusammengefaßt und methodisch aufbereitet werden, "um aus allem das beste zu ziehen und ein ordentliches und weitläufiges System über den Beobachtungsgeist zu entwerfen."[32] Eine gründlich durchgeführte Beobachtung setzt nach Weishaupt verschiedene Fähigkeiten voraus. Dazu gehören Aufmerksamkeit und Konzentration, um einen gezielten Einsatz der Sinne zu gewährleisten. Darüber hinaus braucht der Beobachtungsgeist, um präzise wahrzunehmen, den esprit de detail, der als höchste Form der Aufmerksamkeit eine minuziöse Differenzierung und ein fundiertes Urteil ermöglicht. Um diese Fähigkeiten optimal ausbilden zu können, wurden die Priester im Illuminatenorden dazu angehalten, methodisch vorzugehen. Es sollten: "1) Junge Leute zum Beobachtungsgeiste gewöhnt; 2) Facta und ungezweifelte Beobachtungen in Menge gesammelt; 3) diese gehörig untersucht, verglichen, benuzt werden."[33] Beobachtungen sollten die Grundlage aller pädagogischen Handlungen bilden. Der Dekan der Presbyter sollte beispielsweise dafür sorgen, daß die Mitglieder ihren Beobachtungsgeist mobilisieren und entsprechend tätig werden. Weishaupt war der Auffassung, daß Wirklichkeit durch wiederholte, differenzierte und vergleichende Beobachtung gründlich erfaßt werden kann. Der Beobachter soll sich seines Beobachtungsgegenstandes vergewissern: "Unser ganzes Wissen beruht auf richtige Facta, auf richtige Schlüsse, und richtige Anwendung auf andre Fälle. Ist daher unser Wissen irrig, so muß der Fehler im Factum, im Schließen oder im Anwenden liegen. Der Beobachter kan mithin sich nie genug von der Richtigkeit des Factums versichern."[34]

Wie Weishaupt war auch Lavater von der Leistungsfähigkeit des Beobachtungsgeistes überzeugt, dieses Phänomen war das wesentliche Element für seine physiognomischen Studien. In seiner Anleitung für Physiognomen heißt es: "Diese feinen Sinne müssen seinen Beobachtungsgeist bilden, und hinwiederum durch den Beobachtungsgeist ausgebildet und zum Beobachten geübt werden. Der Beobachtungsgeist muß Herr über sie seyn. Beobachten ist die Seele der Physiognomik. Der Physiognomist muß also den feinsten, schnellesten, sichersten, ausgebreitetsten Beobachtungsgeist haben. Beobachten ist aufmerken. Aufmerken ist etwas aus einer Menge Gegenstände herausnehmen, und mit Beyseitsetzung aller andern insbesondere betrachten, und die Merkmale und Besonderheiten davon sich zergliedern; folglich unterscheiden. Beobachten, aufmerken, unterscheiden, ist das Werk des Verstandes. Der Physiognomist muß also einen scharfen, hohen, und ausnehmenden Verstand besitzen, um theils richtig zu beobachten, theils die gehörigen Folgen aus den Beobachtungen herzuleiten; nicht mehr und nicht weniger zu sehen, als sich der Beobachtung darstellt; nicht mehr und nicht weniger zu schließen, als richtige Prämissen in sich fassen."[35] Weishaupt, der kurzzeitig mit dem Schweizer Geistlichen in Verbindung stand, geht es nicht nur um den Aspekt des Physiognomischen, er will ein auf Beobachtung fußendes System der Menschenkunde etablieren.

Es war ihm bewußt, daß die Beobachtung durch vielerlei Störfaktoren beeinträchtigt, durch eine strenge methodische Vorgehensweise aber reduziert oder beseitigt werden können. Aus diesem Grunde hielt er die illuminatischen Presbyter, denen die Vermittlung des Beobachtungssystems oblag, dazu an, möglichst objektiv zu beobachten: "Aber Ihre Leidenschaften, Ihre Neigungen und Abneigungen müssen keinen Einfluß auf ihre Beobachtungen haben. [...] Diesen Fehler begehen so viele Menschenbeobachter, daß sie sich sogleich beim ersten Blick einnehmen lassen."[36] Er war der Überzeugung, daß effektives Beobachten erlernt werden könne, deshalb sollten die Priester "die Leute zum Beobachten anführen und darinn üben."[37] Die Beobachtung sollte am konkreten Beispiel erfolgen und sie sollte solange aufrecht erhalten werden, bis das unbedeutendste Detail erfaßt war. Sie sollte möglichst verdeckt ausgeführt werden, denn Verborgenheit "schärft den Untersuchungsgeist, sammt der Aufmerksamkeit; sie vermindert die Einseitigkeit im Denken."[38] Die Möglichkeiten des Beobachtungsgeistes verringern sich, wenn die Beobachtungsintention offenkundig wird.

Der Beobachtungsgeist wurde ein zentraler Begriff im Orden und Beobachtung gehörte zu den Hauptbeschäftigungen der Mitglieder, die bis hin zum Ausspionieren anderer reichte. Weishaupt beschreibt sein diesfälliges Anliegen folgendermaßen: "in specie mache ich darinnen jeden zum Spion des andern, und aller."[39] Was er durch Beobachtung zu erreichen hoffte, sollte auch zur Festigung der Struktur des Ordens beitragen und war nicht frei von machtpolitischen Erwägungen. Doch wird diese Intention erträglich durch Weishaupts wohlwollende Grundhaltung gegenüber dem Menschen. Der Auftrag zur konsequenten Observierung anderer führte bei den Illuminaten selbst zu unterschiedlichen Reaktionen. Adolph Heinrich Friedrich Schlichtegroll {Gronovius} z.B. zeigte sich verlegen, wie aus einem seiner quibus-licet-Berichte hervorgeht. Er tat sich schwer mit dem Beobachten der ihm bekannten Illuminaten Mereau {Thuanus} und Weidner: "Mit einiger Schaamröthe geh' ich daran, Urtheile über diejenigen meiner Bekanten niederzuschreiben, die zu beobachten mir der erlauchte Orden aufgetragen hat. Ich, selbst mit wankendem Schritt auf einer glatten Bahn gehend soll den Gang anderer beurtheilen?"[40] Andere Mitglieder wandten sich erzürnt vom Orden ab, wie das Beispiel des schließlich zum entschiedenen Illuminatengegner gewordenen Baron Joseph von Utzschneider {Seneca} zeigt. Utzschneider war ungehalten über diese Praxis. Weishaupt sah in dieser Reaktion lediglich ein Mißverstehen seiner Absichten, er glaubte, "daß die Illuminaten bey diesem vorgeblichen Verbrechen sich im Grund von nichts weiter schuldig gemacht, als was ieder Vater, ieder Vormund, ieder Hofmeister über seine Zöglinge und Kinder thun muß, wenn er sie wohl und gut zu erziehen gedenkt." [41] Die gebotene Zurückhaltung im Umgang mit persönlichen Informationen war keineswegs in jedem Falle gewährleistet, was zwangsläufig zu Problemen führen mußte und dazu beigetragen hat, den Illuminatenorden in Verruf zu bringen.

Auch Knigge plädierte dafür, nicht dem Eindruck, den man intuitiv von einer Person erhält, zu trauen, sondern respektvolle Distanz zu wahren. Dadurch werde das Verhältnis der Menschen zueinander weniger persönlich, die gegenseitige Aufmerksamkeit nicht geringer, Takt bestimme den Umgang miteinander und gleichzeitig könne sich die Wahrnehmung des anderen versachlichen und damit verbessern: "man eifere nicht so heftig gegen den wahren feinen Weltton. Er lehrt uns, die kleinen Gefälligkeiten nicht außer acht zu lassen, die das Leben süß und leicht machen. Er erweckt in uns Aufmerksamkeit auf den Gang des menschlichen Herzens, schärft unsern Beobachtungsgeist, gewöhnt uns daran, ohne zu kränken und ohne gekränkt zu werden, mit Menschen aller Art leben zu können."[42] In der Atmosphäre kultivierten Umgangs könne der Beobachtungsgeist wirksam werden, ohne bestimmend zu sein.

Auch wenn Weishaupt, ebenso wie Knigge, seine Auffassung zu Wesen und Wertigkeit des Beobachtungsgeistes weniger euphorisch zu formulieren lernte, schrieb er Beobachtung und dem Beobachtungsgeist doch weiterhin einen hohen Stellenwert zu. Selbst nach Ende seiner Illuminatentätigkeit stellte er Kritikern ironisch die Frage: "Es soll gefährlich seyn, den individuellen Menschen zu beobachten, seine Absichten zu erforschen, dem Gang seiner Neigungen nachzuspähen, von besonderen Fällen allgemeine Regeln abzusondern, die Regeln selbst erst zu erfinden und zu entdecken? [...] Es soll mir erlaubt seyn, den Menschen im Allgemeinen zu beurtheilen? Wo ist der Mensch im Allgemeinen, der abstrakte Mensch? Er ist nirgends, wenn er nicht in dem individuellen Menschen aufgesucht werden darf. Von dem individuellen Menschen haben unsere Vorgänger den abstrakten Menschen abgesondert. Diesen mußten sie zuerst beobachten. Wir müssen dieselbe Freyheit haben, damit wir einsehen und prüfen können, welchen Grund die bisherigen Theorien haben, damit wir in Stand gesetzt werden, einseitige Theorien und Urtheile zu berichtigen, und falsche Anwendungen zu vermeiden."[43] Nachdem Weishaupt den im Überschwang seiner aufklärerischen Absichten hochgelobten Beobachtungsgeist relativiert hatte, sah er in der Beobachtung doch eine entscheidende Orientierung für das pädagogische Handeln: "Ohne diese ist keine Leitung und Bildung der Menschen möglich oder zu denken, der Zweck mag seyn, welcher er will."[44] Weishaupt plädierte später für eine empirisch fundierte Wissenschaft vom Menschen und zeigt auf, daß diese auf die konsequente Beobachtung aller menschlichen Regungen nicht verzichten kann.

2. Ideenreihe – ihre Bedeutung als Faktor bei der Bewußtseinsbildung

Der Beobachtungsgeist ist auf äußere Vorgänge gerichtet und führt Sinneseindrücke dem Bewußtsein zu. Darüber, auf welchem Wege dies vollzogen wird, entscheidet eine Instanz, die bereits vorhandene Bewußtseinsinhalte "verwaltet" sowie neu hinzukommende aufnimmt und miteinander verbindet. Das Zusammentreffen verschiedener Sinneseindrücke verlangt intrapersonal nach einer Gewichtung, welche die Abfolge und Wertigkeit von Vorstellungen bestimmt. Diese Instanz erzeugt aus dem sensorischen Material Vorstellungen, also einen geordneten Zusammenhang, der mit dem Begriff Ideenreihe umschrieben wird und im 18. Jahrhundert geläufig war. Weishaupt definiert ihn folgendermaßen: "Alle Vorstellungen eines gegebenen Menschen bilden also eine sukzessive und simultane Reihe, welche, weil kein Mensch ganz von denselben Gegenständen, in ganz derselben Zeit, in gleicher Anzahl und Stärke affiziert wird, bei keinem Menschen ganz dieselbe sein kann. [...] Nicht so sehr darauf kommt es an, welche Vorstellungen ein gegebener Mensch hat, (denn diese können bei vielen Menschen grösstenteils dieselben sein), als vielmehr in welcher Ordnung die Vorstellungen koexistieren oder aufeinander folgen."[45] Die Verarbeitung von Bewußtseinsinhalten unterliegt demnach individuellen Präferenzen. Zwar können bisweilen einzelne Vorstellungen identisch sein, sie lassen sich u.U. sogar quantitativ erfassen, aber das entscheidende Moment ist ihre Aneinanderreihung, die nicht bis ins Detail nachvollziehbar ist, da sie stetig Erweiterung, Neuordnung und Überlagerung erfährt. Die Ideenreihe selbst wird bestimmt von der "Willkür" der Vorstellungen, die zum einen auf Wahrnehmungen beruhen, zum anderen ein Produkt der Introspektion sind. Eine Ideenreihe präsentiert Bewußtseinsinhalte, die mannigfaltig sind und sich stetig erweitern. Sie hat dynamischen Charakter.

Der Begriff der Ideenreihe beschäftigte auch andere Zeitgenossen, Jean Paul beispielsweise kritisiert in diesem Zusammenhang Kant, der seiner Meinung nach in seinen epistemologischen Überlegungen nicht berücksichtige, daß eine Bestimmung von ursprünglichen Bewußtseinsinhalten unmöglich ist. Jean Paul meint, Kant "vermenge die Schwierigkeit, Ideen zu bilden, mit der untergeordneten, neue zu bilden, die Schwierigkeit des Übergangs mit der Unerklärlichkeit des Stoffs."[46] Jean Paul hält das Phänomen der Ideenreihe für nicht greifbar. Fast ehrfürchtig führt er weiter dazu aus: "Ich erschrecke und erstaune über die verhüllte Allmacht, womit der Mensch seine Ideenreihe ordnet, d.h. schafft. Mir ist kein besseres Symbol der Schöpfung bekannt als die Regelmäßigkeit und Kausalität der Ideenschöpfung in uns, die kein Wille und kein Verstand ordnen und erzielen kann, weil eine solche Ordnung und Absicht die unerschaffene Idee ja – voraussetzte."[47]

Jean Paul verweist auf das Paradoxon, das mit dem Begriff der Ideenreihe verbunden ist. Es erscheint ihm im Grunde nicht möglich, der Welt der im Innern des Menschen sich regenden Vorstellungen Herr zu werden. Es müssen daher Orientierungspunkte zur Strukturierung der Gedankengüter des Menschen geschaffen werden. Um zu einer strukturierten Ideenreihe zu kommen, plädiert Weishaupt für ein Kriterium, das eine Entscheidung ermöglicht, für eine idea victrix, die er folgendermaßen charakterisiert: "Die Idee, welche den Menschen orientiert oder den Kopf zurecht setzt, ist eigentlich diejenige, welche allem Streit und allem Missverstand ein Ende macht. Sie ist das, was die Schule idea victrix nennt, was in der Sache den Ausschlag gibt."[48] Mit ihr sei ein verläßlicher Maßstab für die Bewertung aller Gedanken und Handlungen des Menschen gefunden. Dem Weishauptschen Lösungsvorschlag widerspricht der Hallesche Arzt Johann Christian Reil. Er schließt die Möglichkeit einer direkten Einflußnahme auf Bewußtseinsinhalte aus: "Direct sind wir zwar eigentlich nie Meister unserer Vorstellungen; aber uns stehen indirekte Mittel zu ihrer Leitung zu Gebote. Wir ändern nemlich die Objekte und erregen neue Ideenreihen, durch welche die vorhandenen modificirt oder getilgt werden."[49]

Durch sich herausbildende typische und wiederkehrende Muster in den Gedankenabläufen kommt es bei jedem einzelnen zu entsprechenden Präferenzen. "Wenn einmal der menschliche Geist einen gewissen Gang genommen, eine gewisse bestimmte Ideenreihe zu durchlaufen gewohnt ist: so entschließen wir uns selbst zum bessern nicht ohne Widerwillen und Abscheu. So kann lange Gewohnheit mit dem Uebel ausöhnen und vertraut machen, und das angenehmste missfällt, wenn der Uebergang zu auffallend ist. Nur der Lauf der Zeit und öftere Wiederholung samt einem vertrautern Umgang mit dem neuen Gegenstand söhnen uns mit solchem aus, gründen eine neue Fähigkeit, machen uns den ältern vergessen."[50] Gewohnheiten, die sich für den einzelnen hilfreich erweisen, sollten beibehalten werden. Ist das Gegenteil der Fall, so sollte eine Veränderung durch gezielte Maßnahmen angestrebt werden.

Da die Ideenreihe offensichtlich den Bildungsprozeß wesentlich mitbestimmt, sollte sie gründlich pädagogisch reflektiert werden. Auch Jean Paul lenkte die Aufmerksamkeit auf das Verhältnis zwischen Bildungstrieb und Ideenreihe und er verweist darauf, daß das Bedürfnis des Menschen nach Bildung die nötigen Willenskräfte freisetze, die es ermöglichen, einmal gefasste Vorstellungen zu revidieren. Die Fähigkeit zur Modifizierung der Ideenreihe schrieb er ausschließlich dem Menschen zu. Sie wird begleitet von reflektierendem Denken, kreativem Schaffen und zielgerichtetem Handeln: "Der geistige Bildungstrieb, der höher als der körperliche nach und durch Willen schafft, nämlich die neue Idee aus den alten Ideen, ist das Abzeichen des Menschen. Kein Wollen bedingt die Vorstell-Reihe des Tiers; im Wachen denken wir selber, im Traume werden wir gedacht, dort sind, hier werden wir unserer bewußt; im Genie erscheint dieses Ideen-Schaffen als schöpferisch, im Mittel-Menschen nur als besonnen und notwendig."[51] Da nach Jean Paul die Erzeugung von Ideenreihen im wachen Bewußtseinszustand erfolgt, zeigt er, daß die Vorstellungen willentlicher Beeinflussung unterliegen. Im Zustand des Träumens werden die Ideen sich selbst überlassen und wirken auf das Unterbewußtsein des Menschen.

Auch Weishaupt vertritt die Ansicht, der Mensch neige von Natur aus dazu, seine Vorstellungswelt zu erweitern und zu verändern. Dabei ist die Auswahl dessen, was er von sich aus zu lernen begehrt, von Qualität und Ausrichtung seiner Ideenreihe abhängig. Die vorhandenen Bewußtseinsinhalte bestimmen über Ausmaß und Intensität der Hinwendung zu einem Wissensgebiet. Die sich regenden Interessen fungieren als treibende Kräfte bei der Formierung des bevorzugten Wissensbereiches. Weishaupt argumentiert ähnlich wie Jean Paul: "Alles, was der Mensch weiß, weiß er vollkommen so, wie es zu seiner vorhandenen Ideenreihe passt. Jedes Fach, welches sein Geist bearbeitet, wird nach und nach von ihm soviel wie möglich erschöpft. Da, wo ein lebhaftes Interesse seinem Geist vorschwebt, kennt seine Thätigkeit keine Gränzen. In allen Fällen, wo wir an geistiger Entwicklung zurückstehen, fehlt es unserm Geist entweder an den erfoderlichen Gründen und Triebfedern, oder wir fühlen ein entgegengesetztes lebhaftes Interesse."[52] Der Lehrende, der die Vorlieben und Interessen seiner Zöglinge kennt, kann Einfluß nehmen und bereits vorhandenes Wissen vertiefen. Er kann darüber hinaus, Bildungsinhalte in den Blick bringen, die bisher nicht im Interessengebiet des Schülers lagen.

3. Selbsterkenntnis als Schlüsselkompetenz

Weishaupt sah in der Selbsterkenntnis ein wichtiges Ziel illuminatischer Bildung und hatte sie auf dem Übungsweg des Illuminatus maior zur hauptsächlichen Aufgabe bestimmt. Mit ihr sollte der entscheidende Schritt hin zur autonomen Persönlichkeit getan werden. Selbsterkenntnis war angewiesen auf die Schulung des Beobachtungsgeistes und die Bemühungen um strukturierte Ideenreihen. Ihre Problematik liegt in dem Umstand, daß im Akt des Selbsterkennens der Mensch zugleich die Rolle des Subjekts und des Objekts einnehmen muß. Selbsterkenntnis ist aber unverzichtbar, auch wenn sie nur begrenzt möglich ist. Ohne sie kann der Mensch in seiner persönlichen Entwicklung nicht vorankommen und auch seine Lebensanforderungen nicht realistisch und konstruktiv bewältigen. Weishaupt hielt sein Plädoyer für Selbsterkenntnis durch alle Phasen der Ordensentwicklung aufrecht. Doch die frühe enthusiastische Hochschätzung wich allmählich einer differenzierten und relativierenden Sicht.

Bereits in der Antike wurde der Selbsterkenntnis, wie das Motto des delphischen Apolloheiligtums  und der Anspruch der sokratischen Mäeutik belegen, große Bedeutung. Im 18. Jahrhundert wurde der Mensch Objekt seiner eigenen Erkenntnisinteressen, sowohl Selbsterkenntnis als auch Menschenkenntnis im allgemeinen wurden zu einem zentralen Thema der wissenschaftlichen Anthropologie.

Selbsterkenntnis dient der Selbsterziehung und Selbstvervollkommnung. Ihr steht die Neigung des Menschen entgegen, seinen Vorlieben zu folgen und der Wirklichkeit auszuweichen. Eine von täuschenden Einflüssen möglichst befreite Selbsteinschätzung ist Voraussetzung für wirkliche Erkenntnis der eigenen Person. Selbstwahrnehmung erfordert einen unversperrten und kritischen Blick auf sich selbst, emotionale Gereiztheit z.B. trübt die Sicht. Hauptzweck der Selbsterkenntnis sollte das Ermitteln und schließlich die Beseitigung sittlicher Mängel sein. Weishaupt spricht in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit der Selbstverleugnung, die jedoch nicht in Selbstbezichtigung ausarten soll. Darüber hinaus soll sich der in Selbstkenntnis Übende ein förderliches menschliches Umfeld suchen. Er sollte sich jedoch davor hüten, die äußeren Umstände als auf den Gang seines Lebens allein bestimmende Faktoren anzusehen. Je mehr er andere verantwortlich macht für das, was ihn betrifft, desto weniger hat er sein eigentliches Wesen und seine Pflichten erkannt. Weishaupt macht die Selbsterkenntnis von einer klaren und distanzierten Sicht abhängig. Diese gilt es zu erreichen und zu wahren. Selbsterkenntnis verhilft zur "Mäßigung, [zu] Macht über sich selbst."[53] Sie geht einher mit der "Aufhellung dessen, was in der Seele dunkel ist."[54] Zur Gewinnung von Erkenntnissen über sich selbst bedarf es der geschulten Aufmerksamkeit, hellen Anschauungsvermögens, eines sicheren inneren Gefühls, praktischen Verstandes sowie eines höheren Grades "des feinen Beobachtungsgeistes".[55] Diese "Fertigkeiten" sollen auch dazu befähigen, die Motive und Intentionen von Handlungen aufzudecken. Der Adept soll selbst eine "Semiotik der menschlichen Handlungen"[56] erarbeiten. Dazu muß er in der Lage sein, seine Absichten zu erforschen und selbstkritisch zu prüfen. Er muß die Symptome erkennen, die mit Absichten einhergehen und lernen, korrigierend einzugreifen.

Selbsterkenntnis ist für Weishaupt "ein praktisches Geschäft, das ganz in der individuellen Ausübung und Anwendung besteht,"[57] sie ist die "konkreteste aller Kenntnisse".[58] Sich selbst zu kennen heißt dann auch, die eigenen Vorstellungen im Detail zu kennen, die eigene Denkungsart, die eigene Handlung- und Reaktionsweise: "Der Selbstkenner, gleichwie er mit Recht verlangt, daß er von anderen, wenn sie bei ihm ihren Zweck erreichen wollen, nach seiner Art behandelt werde, wird sich auch ein gleiches gefallen lassen und andere subjektiv behandeln. Er, welcher mit allen Gründen unserer Handlungen so vertraut ist, wird sich sehr leicht in den Geist und die Denkungsart anderer Menschen versetzen. Er wird keinen Erfolg übereilen, er wird der beste Geschäftsmann, der erste Gesetzgeber, Sittenlehrer und Erzieher sein. Er wird keine Unmöglichkeiten fordern, er wird in allen Vorfällen Menschen behandeln, wie sie unter solchen Umständen und bei solchen Voraussetzungen behandelt werden müssen."[59]

Strategien der Selbsterkenntnis erlernen zu können, wie sie bei der Anwerbung neuer Mitglieder vom Illuminatenorden in Aussicht gestellt wurden, galt als besonders attraktiv. Der Orden präsentierte sich als geistige Bewegung auf der Höhe der Zeit. Auch Bode, der sich im weiteren Verlauf der Ordensgeschichte um die Menschenführung verdient gemacht hatte, erschien dieser Aspekt in einem seiner ersten Briefe an Weishaupt als erstrebenswert: "ganz besonders aber hoffe ich, sicher erprobte Hülfsmittel kennen zu lernen, wodurch die Selbstkenntniß zum festen Grunde der Ruhe und Zufriedenheit und die Selbstliebe zur ergiebigen Quelle der allgemeinen Menschenliebe erhöhet werde."[60]

Das, was Bode u.a. sich von den Illuminaten erhofften, war die Erlangung allgemeiner Menschenkenntnis auf dem Wege der Selbsterkenntnis. Die Kenntnis der eigenen Wesenheit, die durch Erfahrungen im Umgang mit sich selbst erst ermöglicht wird, wurde als Voraussetzung für die Einschätzung und Leitung anderer angesehen: "Selbsterkenntnis ist das magische Glas, durch welches Sie in den Seelen anderer lesen können. [...] Von unserm eignen Herzen aus geht der Weg hinüber zu den Herzen Anderer. Machen Sie also mit sich den Anfang: untersuchen Sie sich oft nach den Fragestükken [...] Beschauen Sie sich fleißig. Glauben Sie wohl, das innerlich zu seyn, was Sie äußerlich scheinen? Erforschen Sie Ihre Gestalt, öfters, täglich, stündlich. Sie werden immer neue Züge entdekken, und nach diesen Zügen auch andere beurtheilen lernen."[61] Jede noch so gute auf der Beobachtung anderer fußende Schlußfolgerung wurde für wertlos befunden, wenn ihr nicht eine auf sich selbst gerichtete vorausgegangen war: "In sich selbst, in Ihrem Herzen, werden Sie alle Menschen finden. [...] Wer sich recht kennt, kennt alle, wer sich nicht kennt, kennt niemand."[62]

Selbsterkenntnis ist die Vorstufe für das Wahrnehmen und Beurteilen anderer. Je mehr sich der Mensch kennt und von seinen Vorurteilen und Meinungen distanzieren kann, desto besser wird er es verstehen, die Prinzipien der Menschenkenntnis zu erfassen: "Sich selbst kennen heißt also [...] soviel wie über sich urteilen, bestimmen welche von allen möglichen kontradiktorisch entgegengesetzten Eigenschaften und Prädikaten mir individuellen Wesen kraft einer modifizierten Ideenreihe zukommen."[63] Das pädagogische Ziel der Selbsterkenntnis ist es, Einfluß auf die eigene Ideenreihe zu nehmen. In einem dynamischen Prozeß können die Ideenreihe optimiert und die persönliche Gedankenwelt aufgebaut werden. Wer andere erziehen will, wird seine eigene Ideenreihe vorher "erforschen und diese verbessern, ehe er Dinge gebietet, welche eine gewisse Ideenreihe voraussetzen. Er wird zu diesem Ende die Ideenreihe dessen, auf welchen er zu wirken gedenkt, mit der seinigen vergleichen und nach der sich ergebenden Übereinstimmung oder Verschiedenheit seinen Plan entfalten oder seine Maßregeln ändern."[64] Dies ist eine Herausforderung, die Konsequenz und Aufrichtigkeit im Umgang mit sich selbst verlangt. Nur wenige sind dazu von sich aus bereit oder in der Lage. Auch Weishaupt war dieser Umstand bewußt: "Kein Wunder also, daß wir uns doch sehr wenig kennen."[65] Selbsterkenntnis befördert nicht nur die Erkenntnis anderer, sie ist auch methodische Vorbereitung für die Menschenführung. Sie soll jener Aufgabe dienen, der sich der Orden verschrieben hat.

4. Ziele illuminatischen Unterrichts

1. Einheitliche Ausrichtung und Wirksamkeit

Die mit dem Unterricht anvisierten Bildungsziele des Illuminatenordens sollten sich nach Weishaupt durch für alle verbindliche Grundsätze auszeichnen und äußerste Bestimmtheit und Eindeutigkeit aufweisen: "Wo Einförmigkeit der Grundsätze herrscht, ist Einförmigkeit der Gesinnungen und Handlungen eine notwendige Folge."[66] Der eng mit der Vorbereitung verbundene Begriff der Einheitlichkeit wurde von ihm bereits während der Unterweisung der ersten Illuminaten als zentrales Moment betrachtet. Er diente der Ausrichtung auf verbindliche Normen und Stabilisierung der Organisationsstrukturen. Weishaupt, später unterstützt durch Knigge und andere, versuchte von Beginn an planmäßig vorzugehen, wie der häufig in diesem Zusammenhang verwendete Terminus ‚System' beweist. Nach seiner Auffassung mußte eine Institution, die sich über Erziehung und Bildung definiert, ihren Adepten Gewißheit und Orientierung geben. Die abgeschlossene, in ihrem Bildungsanspruch umfassende Einrichtung des Illuminatenordens war zeitweise auf dem Weg zu einer autark arbeitenden Organisation. Die Maxime "wo eine Gesellschaft ist, muß Ordnung seyn"[67] hat er zu keinem Zeitpunkt aufgegeben. Er begründete ihre Notwendigkeit damit, daß man der Vervollkommnung des Menschen nur so dienen könne. Nichts sei vollkommen, "dem nicht die Einheit zugrunde liegt."[68] Einheitlichkeit ist im Grunde ein allen pädagogischen Unternehmungen eigenes Anliegen. Sie wird bezogen auf Lerninhalte und Lehrorganisation. Sie erstrebt die Bündelung aller Faktoren zu einem verbindlichen Ganzen: "Die einzelnen Kräfte müssen eine Richtung erhalten."[69] Vereinheitlichung soll Kontinuität und mit ihr Beständigkeit und Erfolg gewährleisten. Weishaupt charakterisiert ihren Nutzen folgendermaßen: "Da wo vorher alles ohne Sinn, und von gleicher Bedeutung war, entsteht, sobald sich diese Einheit vor die Nullen stellt, eine Rangordnung, eine Unterordnung der Begriffe, der Wahrheiten, der Ursachen, der Folgen, der Zwecke, der Güter und der Gesichtspuncte."[70] Von dieser Position aus erklärt sich die z.T. übertrieben anmutende Kontrolle der pädagogischen Maßnahmen im Gradsystem der Illuminaten.

Ein wichtiger mit der Einheitlichkeit in Verbindung stehender Begriff ist der des "ein und desselben Zwecks", dem sich sowohl das Verhalten der Adepten als auch ihre Bildung unterordnen sollte: "In unserer Verbindung muß jeder denselben Zweck vor Augen haben, nur das thun, was sicher dazu führt, alles übrige aber unterlassen."[71] Dieser Zweck sollte sich an einem universellen Maßstab ausrichten und allen Illuminaten Orientierungshilfe sein: "Wir bedürfen also, wie es scheint, eines Unwandelbaren und Absoluten."[72] An der dogmatisch anmutenden These orientierte sich die Disziplin der Adepten wie auch die Ausformung gesellschaftlicher Normen. Die Ausrichtung an einem umspannenden Zweck sollte der Verbesserung des Miteinander dienen: "Soll daher Uebereinstimmung und Friede unter den Menschen werden; sollen wir gleichförmiger, als bisher, denken, handeln, und Hand in Hand zu einem gemeinschaftlichen Ziele gehen; sollen wir erfahren und mit Ueberzeugung einsehen lernen, was in der That, unabhängig von willkührlichen Urtheilen, gut oder bös, recht oder unrecht ist: – so müssen diese individuellen Gesichtspunkte, welche jeder, kraft seiner besondern Lage hat, in etwas berichtigt und mit bessern vertauscht werden können."[73] Der einheitliche Zweck sollte von Beginn an die sozialen Fähigkeiten befördern, den Willen zur Subordination, Liebe und Neigung unter den Mitgliedern sowie Verträglichkeit nach außen. Die Liebe zum Zweck "und der Zwang, der daraus entsteht, ist der edelste der sich denken läßt."[74] Dieser Anspruch konnte nur dann glaubwürdig vertreten werden, wenn er von den Oberen selbst verkörpert wurde. Knigge unterstützte Weishaupts Forderungen nach Einheitlichkeit und Subordination, gab aber zu bedenken, daß insbesondere mit der Anwendung jesuitischer Praktiken auch Gefahren verbunden waren: "Despotismus thut doch in der Folge nicht gut, wir selbst predigen dagegen, und wollen doch mit jesuitischer Gewalt die Leute in Formen zwängen? – Das seÿ fern! Es giebt eine sichrere Art zu herrschen, eine innere Würde, von Demuth und Bescheidenheit begleitet; Nicht Maske, nein! aus einem wahrhaftig liebevollen Herzen hervorstrahlend! Eine Würde, die uns dann alle Gemüther zu eigen macht, daß man nicht unserer Gewalt, nur unserer Güte huldige, daß Sÿmpathie die Leute zu uns ziehe. Es ist so süß, alle Menschen als Brüder zu betrachten."[75]

Vornehmste Aufgabe der Oberen sollte sein, ihren Zöglingen den "Orden zum Lieblingsgegenstand [zu] machen"[76] und diese ohne Drangsalierung, Nötigung oder gar Züchtigung an Gehorsam und Ordnung zu gewöhnen. Der Einsatz von Zwangsmitteln sollte vermieden werden, die pädagogische Praxis des Ordens sollte die Adepten zu freiwilligem Gehorsam veranlassen: "Eine geheime Gesellschaft, welche gar keinen wirklichen Zwang über ihre Mitglieder ausüben kann, findet sich ihrer Natur nach in der Lage und Nothwendigkeit, daß sie, um sich zu erhalten, nur die reinsten untadelhaftetesten Mittel erwählen kann."[77] Daraus ergab sich für den Lehrenden die Verpflichtung, durch seine Lehrart die Lehrinhalte verbindlich zu machen, jedoch auch offen zu bleiben für die imponderabilen Momente des Unterrichtens.

Wie die Oberen durch ihr eigenes Beispiel überzeugen und bei den Adepten Einsicht zur Befolgung der Anweisungen hervorrufen könnten, sagt die Maxime, der Obere leite "alle Macht aus der Uebereinstimmung des Willens her."[78] Knigge wollte seine Führungsrolle folgendermaßen verstanden wissen: "Ich bin der Sklave aller meiner Untergebenen, aber sie lieben mich, und folgen mir, wünschen mich, wenn ich von ihnen entfernt bin, in ihre Arme zurück; Auch arbeite und wache ich unaufhörlich für sie, und würde nie ruhig schlafen, wenn ich wüsste, daß mich ein Einziger fürchtete."[79] Auch Weishaupt machte immer wieder deutlich, daß "nicht der Person, sondern der Heiligkeit und Zweckmäßigkeit ihrer Aufträge"[80] zu folgen sei. Er war nicht der Despot, für den mancher ihn hielt[81] sondern betrachtete seine Vorrangstellung solange als notwendig bis andere Mitglieder die Befähigung zur Leitung erlangt hatten: "An dem Subordinations System hangen wir nicht so angstlich, daß wir nicht von ganzem Herzen jeder Nation, jeder Provinz, so gar jeder Prafectur wenn sie einmahl in gang ist, zugestehen sich eigenmachtig und unabhangig zu Dirigiren."[82] Die Qualität der Arbeit im Illuminatenorden hing nicht zuletzt davon ab, inwieweit die Mitglieder, vor allem in den unteren Graden, das Postulat der Einheitlichkeit und Subordination akzeptierten. Es zeugt keineswegs von Uneinsichtigkeit, wenn Weishaupt in bezug auf eine einheitliche Vorgehensweise auch später bei seinen Überzeugungen blieb. Das im Illuminatenorden angewandte Prinzip der Alleinherrschaft, dem die gezielte Bündelung aller Kräfte unterstand, erschien ihm naturgegeben: "Die Alleinherrschaft ist, wie wir gewahr werden, das Schooskind der Vernunft, die Seele der intellektuellen, der moralischen und der politischen Welt. Sie ist diejenige, welche die Natur allenthalben eingeführt und befolgt hat, auf welche aller Gang der menschlichen Thätigkeit hinausführt. Sie ist die Quelle und Bedingung aller möglich erreichbaren Vollkommenheit."[83] Innerhalb dessen, was ein Zögling zu erlernen hatte, gehörten die auf Gehorsam basierende einheitliche Ausrichtung sowie die aus Selbstdisziplin erwachsene Fähigkeit zu systematischen Arbeitsweisen zu den Aktivposten des Ordens. Ohne sie hätten die anspruchsvollen Bildungsziele, die im folgenden zu erörtern sind, nicht erreicht werden können.

2. Wissenschaftlichkeit und Aufklärung

Obwohl sich in Weishaupts Schriften keine direkten Hinweise auf das Gebot der Wissenschaftlichkeit finden lassen, zeigt doch die pädagogische Praxis im Illuminatenorden, welch hoher Rang der intellektuellen und wissenschaftlichen Schulung innerhalb der illuminatischen Bildung zugedacht war. Allein die Errichtung der ordensinternen Akademie mit ihren verschiedenen auf jeweils ein Fach spezialisierten Klassen beweist das Interesse des Ordens, die zum damaligen Zeitpunkt bestehenden Möglichkeiten zur Beförderung gelehrter Bildung zu nutzen.

In diesem Konzept finden sich Elemente gelehrter Gesellschaften ebenso wie Formen und Inhalte wissenschaftlicher Forschung und Lehre innerhalb des akademischen und universitären Bereiches. Der Orden wollte seinen Mitgliedern zunächst die gleichen Möglichkeiten wie sie in anerkannten Institutionen der Gelehrsamkeit bestanden, bieten, sie längerfristig aber in ihrer Leistung überrunden. Mit diesem Vorhaben wollten die Illuminaten quasi wissenschaftliche Autarkie erreichen. Sie hegten sogar die Erwartung, daß der Orden zu einer Monopolstellung innerhalb der Bildungslandschaft des 18. Jahrhunderts gelange, so daß er "der übrigen profanen Welt nothwendig, sich aber dieselbe im Gegentheil entbehrlich mache."[84] So sollte er in die Lage kommen, einen "Vorrat der tiefsten und verborgensten Weisheiten"[85] zur Verfügung zu haben.

Der Akademiegedanke wie er innerhalb des Illuminatenordens vertreten worden ist, wurde von zwei wissenschaftlichen Errungenschaften der Epoche geprägt; zum einen vom Encyclopèdieprojekt der französischen Aufklärer, das alles verfügbare Wissen zugänglich machen sollte, zum andern von der akademischen Tradition der Preisfrage, die zur schriftlichen Auseinandersetzung mit einem aktuellen Problem herausforderte. Diese beiden Momente haben die Idee eines illuminatischen Real-Catalogus, einem "wahren Behältnis aller menschlichen Erkenntnisse" [86] hervorgebracht. Zu ihm sollte vom Minervalgrad an jedem Mitglied freier Zugang ermöglicht werden. Das aus der Aneignung dieser Wissensbestände resultierende geistige Potential sollte dazu dienen, daß der Orden "dann das durch Arbeit und Weisheit seiner Mitglieder erworbene Licht austheilen könne, an wen er will."[87]

Um eine qualitative Überlegenheit in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen zu erreichen, sollte jedes Mitglied in den einzelnen Klassen der Ordensakademie sich einem Sachverhalt gründlich und solange zuwenden, "bis die Materie in ihrem kleinsten Theile erschöpft"[88] sei. Die fachliche Ausrichtung sollte dem Adepten nicht vorgeschrieben werden. Er sollten seinen wissenschaftlichen Neigungen nachgehen: "Es müssen alle Mitglieder zu den verschiednen Wissenschaften, zu welchen sie Lust und Anlage haben, und in welchen sie beobachten sollen und wollen, abgetheilt werden."[89] Davon versprach man sich eine höhere Motivation und positive Auswirkungen auf die Qualität der Gelehrsamkeit. Der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit sollte also eingelöst werden auf der Ebene wissenschaftlicher Motivation und Kompetenz geeigneter Adepten wie auch auf wissenschaftsorganisatorischer Ebene, durch Schaffung einer Forschungs- und Bildungsinstitution.

Die angestrebte gelehrte Akademie stellte sich in den Dienst der Vervollkommnung des Menschen. Ein Aufgenommener war zu intensiver Forschungstätigkeit angehalten: "Da, wo über die Welt selbst, über ihren Gang, über das gesamte Menschengeschlecht, über unsere endliche Bestimmung abgesprochen werden soll, – da wird es nöthig seyn, daß der Forscher an die Gränzen unsers Wissens so lange vorrücke, bis er auf Totalität, auf volle Beruhigung stößt."[90] Mit anderen Worten bestand die wissenschaftliche Mission der Illuminaten nicht nur im Erzielen von hervorragenden Leistungen in einem Gebiet, sondern auch in der Erhellung von Problemen und dem Aufweis der Grenzen der Erkennbarkeit. Gelehrsamkeit galt Weishaupt jedoch nicht als das endgültige Ziel. Sie sollte dem Adepten zu seiner Vervollkommnung Orientierung bieten, aber auch lebenspraktischen Wert haben: "Alle Theorie und Speculation, selbst alle Gelehrsamkeit sind nur insofern würdige Gegenstände unsers Wissens, als die practischen Wahrheiten und Disciplinen ohne sie nicht deutlich und vollständig erkannt werden können. Alle Wissenschaften, Theorien, Speculationen, und blos gelehrte Untersuchungen, sind sammt der ganzen eigentlichen Gelehrsamkeit, nichts weiter als das Gerüst zu dem größten aller Gebäude – zur Weisheit des Lebens, zur Wissenschaft zu leben und zu sterben."[91]

Die illuminatische Auffassung von Gelehrsamkeit ist zugleich Kritik an den vom Staat getragenen Bildungseinrichtungen, den höheren Schulen und der Universität. Deren Mangel bestehe darin, die in ihnen ausgebildeten Adepten nur einseitig und keineswegs umfassend zu bilden. Diese Institutionen verfügten nicht über die Mittel, Menschen für den Erwerb von Kenntnissen zu begeistern. Ihre "Fakultätsgelehrsamkeit" kollidiere mit dem praktischen Leben und besitze wenig bis gar keinen Nutzen. Im Illuminatenorden wurde wissenschaftliche Bildung lediglich als ein Element, nicht jedoch als das eigentliche Ziel von Bildung angesehen: "Facultätsgelehrsamkeit war keine Beschäftigung der Illuminaten, weil sie ohnehin in iedem Staat Brodwissenschaft ist, und wenig oder gar keine weitere Ermunterung nöthig hat. Aber versäumt wurde sie von keinem. Dafür war Ermunterung zu Kenntnissen, die einem Staat nicht minder nüzlich, aber wozu die Aufmunterungen meistentheils sehr schwach sind. Die Illuminaten haben also mehr gethan als ihre bürgerlichen Pflichten mit sich bringen."[92] Mit diesem Hinweis konnte Weishaupt dem Vorwurf begegnen, den sich Universitäten häufig gefallen lassen mußten, ihre Studenten und Absolventen verfügten zwar über gute Kenntnisse, doch ließen deren Persönlichkeit oft eine ihrem Wissenstand angemessene Reife vermissen. Weishaupt konnte mit Recht behaupten, ein Gegenmittel gefunden zu haben. Die Unterweisung der Adepten im Illuminatenorden habe den Vorzug, daß man sie "besser ordne und ausbilde"[93] und jeder lerne, "was er thun soll."[94] Die der menschlichen Natur gemäße Verbindung von Geistesbildung und Charakterbildung gehörte seit jeher zu den wesentlichen pädagogischen Forderungen. Der Orden sei dank seines Bildungskonzeptes in der Lage, eine Lücke zu schließen, die im Rahmen des öffentlichen Bildungswesens zu diesem Zeitpunkt nicht zufriedenstellend ausgefüllt werden konnte.

3. Menschenkenntnis und Menschenführung

Ein Mensch, der es vermag, über die Selbsterkenntnis hinaus seinen Beobachtungsgeist auf andere zu lenken, das nosce te ipsum mit einem nosce alios zu verbinden, wird nicht nur seine persönliche Entwicklung und geistige Reifung voranbringen, sondern auch andere Menschen führen können und zur Gestaltung des gemeinschaftlichen Lebens beitragen. Deshalb sollte der Erwerb von Menschenkenntnis Vorrang haben und das Hauptstudium eines jeden Mitglieds werden. Das Studium des Menschen wurde als die "größte Wissenschaft"[95] angesehen. Durch gezieltes methodisches Vorgehen sollte die Persönlichkeit eines Menschen erschlossen werden. Um seine Motive und Handlungen zu verstehen, sollten Langzeitbeobachtungen angestellt werden: "Menschenkennen, heißt die Gründe ihrer Handlungen und zugleich ihre Absichten kennen. Dies sei gegenwärtig unsere erste Arbeit, unser erster Grad. Der Erforschung derselben wollen wir eine gute Zeit widmen. Denn darauf kommt alles an. Die Absichten, die Triebfedern unserer Handlungen, die Bewegungsgründe, bestimmende Vorstellungen sind das Alphabet durch dessen Hilfe man das schwere Buch, das Herz des Menschen, entziffern und lesen kann."[96] Weishaupt glaubte, daß ausschließlich Personen von ausgeglichenem Charakter zur Menschenkenntnis fähig seien, daß erst dann "der Mensch aus seinem Schlummer geweckt und gereitzt werde, sich und andere besser zu erforschen."[97] Eine entsprechende Schulung der Mitglieder und Lehrenden hielt er für unumgänglich. Sie sollten lernen, psychologische, soziologische, anthropologische sowie pädagogische Aspekte fruchtbar miteinander zu verknüpfen und der Erforschung des Menschen dienstbar zu machen. Erste Aufgabe war, sich in unvoreingenommener Beobachtung zu schulen und sich zu "überzeugen, daß jede Handlung des Menschen, ja sogar jedes Nicht handeln, jede Unterlassung, den Zustand der Seele, seinen Karakter verrathe. Denn kein Mensch handelt ohne Ursache. Jede Ursache ist abermal eine Wirkung einer weiteren Ursach, die sich endlich in dem Zusammenhang und der Ordnung des Weltalls verliert; und aus den Wirkungen erkennen wir in der moralischen sowie in der physischen Welt die geheime Triebfedern und Ursachen." [98] Weishaupt strebte offensichtlich eine kausal-erklärende Psychologie an und eine entsprechende Technik psychologischer Forschung: "So wie es eine Physiologie, Pathologie und Semiotik bei körperlichen Unfällen giebt, so gilt auch ein Gleiches von der Seele, von den Gemüthszuständen der Menschen. Der Seelenforscher geht in seinen Untersuchungen mit dem Arzt des Körpers einen durchaus ähnlichen Gang: Er schließt von dem, was er sieht, auf das, was er nicht sieht."[99] Es sollten die somatische, intellektuelle und psychische Dimension des Seelenlebens Berücksichtigung finden. Eine methodische Vorgehensweise sollte subjektive Verzerrungen überwinden. Sinnlichkeit gilt ihm als eine trübe Quelle von Störfaktoren, die eine vorurteilsfreie Erforschung des Menschen behindert, sie "erzeugt Schüchternheit und Blödigkeit, und verursacht, daß der Mensch sich nie selbst angehöre. Sie ist es auch, welche uns ausser Stande sezt, Beleidigung und Zurücksetzung mit Anstand und Würde zu ertragen, welche uns nöthigt, unsere Zuflucht zu Falschheit und Verstellung zu nehmen."[100]

Der Priestergrad der Illuminaten arbeitete an einem empirischen System zur Menschenforschung und -kenntnis. In zehn Punkten war zusammengefaßt, worauf die Untersuchungen gerichtet werden sollten: "1. Die herrschenden Leidenschaften und Ideen eines Menschen. 2. Das Entstehen und Wachsen dieser Leidenschaften. 3. Die Ideen, so er Kraft seines Karacters am ersten annehmen und verwerfen werde. 4. Wie eine gewisse Neigung bey diesem Menschen nach diesen datis könne erweckt oder geschwächt werden? 5. Welche Personen im O. man dazu am fähigsten nüzen könne? 6. Wie er über Religion und Staatsverfassung denke? 7. Ob er so weit gekommen sey, alle Vorurtheile abzulegen, nur die Wahrheit, selbst gegen sein Interesse aufzusuchen? 8. Ob er ohne Eigennuz aller Art Standhaftigkeit und Anhänglichkeit genug besize? 9. Wenn eins von diesen Stücken fehlen sollte, wie ihm solches, und durch wen beyzubringen sey? 10. Zu welchen Aemtern im Staat und im O. er tauglich, wozu er nüzlich seyn könne?"[101] Die gewonnenen Antworten sollten zu einer Gesamteinschätzung des jeweiligen Mitglieds führen, aber auch allgemeine anthropologisch-psychologische Schlußfolgerungen und die Ableitung elementarer Regeln psychologischer Forschung ermöglichen: "Wenn alle Bemerkungen gesammelt, durch die data aus dem Karacter und Lebenslauf erläutert, und so berichtigt worden, so wird denn im allgemeinen ein Gutachten aufgesezt [...] Aus diesen vielfältigen Bemerkungen aber werden allgemeine Regeln und Maximen zur Menschenkenntniß abgezogen, gesammelt, in den Realkatalog eingetragen und eingeschickt."[102]

Weishaupts Bemühungen reihen sich ein in die damaligen Versuche, eine Wissenschaft vom Menschen zu etablieren. Zeitgenossen wie Johann Kaspar Lavater und Carl Philipp Moritz waren mit diesem Thema befaßt. Sein eigener Ansatz geht auf die Begeisterung über Christoph Martin Wielands Bildungsroman Agathon zurück. Einen weiteren Anstoß zu Weishaupts Interesse an der Beförderung der Menschenkenntnis gab la Bruyere mit seiner Rezeption des griechischen Naturwissenschaftlers und Gelehrten Theophrast, eines unmittelbaren Aristotelesschülers, der in seiner Schrift Charaktere[103] archetypische Grundeinstellungen herausgearbeitet hat.

Einer der hervorhebenswerten zeitgenössischen Versuche zur Erforschung des Menschen ist in der 1792 erschienenen Anthologie Menschenkunde[104] dokumentiert, in der ähnlich wie in oder Carl Phillip Moritz' Zeitschrift  oder Magazin der Erfahrungsseelenkunde als ein Lesebuch für Gelehrte und Ungelehrte." Berlin 1783 – 93</ref> reichliches Beobachtungsmaterial zusammengetragen ist. In seiner Art einzig ist der Ansatz Lavaters, welcher jedoch lediglich die physiognomischen Merkmale des Menschen zum Thema hat.[105] Georg Christoph Lichtenberg gehörte ebenfalls zu denjenigen, die für eine Wissenschaft der Menschenkenntnis eintraten. Er sprach sich jedoch ganz explizit gegen Lavaters Ansatz aus. Nützlicher als die Physiognomielehre Lavaters schien ihm "ein anderer Weg, den Charakter des Menschen zu erforschen, der sich vielleicht wissenschaftlich behandeln ließe: Nämlich aus bekannten Handlungen eines Menschen, die zu verbergen er keine Ursache zu haben glaubt, andere, nicht eingestandene zu finden."[106] Kants Überlegungen zur Menschenkenntnis muten eher konservativ an, da sie auf die von der Temperamentenlehre geprägten vier Charaktertypen Sanguiniker, Choleriker, Phlegmatiker und Melancholiker zurückgriffen.

Die menschenkundlichen Ansätze bei Weishaupt und anderen Autoren des ausgehenden 18. Jahrhunderts, zu denen auch Wilhelm von Humboldt mit seinem Plan einer vergleichenden Anthropologie aus dem Jahre 1795 und seiner Theorie der Menschenkenntnis von 1797 zu zählen ist, wurden auf vielfältige Weise ergänzt und bis ins 20. Jahrhundert hinein als Menschen- und Charakterkunde zu einer wichtigen Hilfswissenschaft der Pädagogik weiterentwickelt[107]

Die Menschenführung ebenso wie Subordination sind von den Zeitgenossen häufig skeptisch beäugt[108] und später von der Illuminatenforschung kritisch bewertet worden. Auch Friedrich Schiller gehörte zu denen, die dem Orden gegenüber mißtrauisch eingestellt waren. Die Geheimbundaktivitäten seines Freundes Christian Gottfried Körner inspirierten ihn, die Figur des Raphael in seinem Roman Der Geisterseher als von Menschenkennern manipuliert darzustellen. Körner-Raphael "wird mit Mitteln psychologischer Menschenkenntnis, durch Erschütterung und Verunsicherung, durch einen ihm im Augenblick der Krise zur Seite tretenden lenkenden Erzieher auf ein bestimmtes Glaubensbekenntnis eingeschworen."[109]

Die kritischen Anmerkungen sollten nicht übersehen lassen, daß Weishaupt, diejenigen, die sich zum Menschenführer qualifiziert hatten, mahnte, "vorsichtig, väterlich, sorgsam"[110] mit den ihnen Anvertrauten umzugehen. Sie sollten befähigt sein, von den "äußern Zeichen auf den Zustand der Seele"[111] zu schließen. Aus der Erforschung der Stimmungen der uns umgebenden Menschen war die Semiotik der Seele abzuleiten. Erst dem erfahrenen Oberen war es erlaubt, lenkend einzugreifen. Dem illuminatischen Priester wurde zu Bewußtsein gebracht, daß er zu humanem und behutsamen Umgang verpflichtet war: "Das, was du bis jetzt weist, und was du in dieser Stunde noch lernen wirst, giebt dir Ueberlegenheit und Einsichten über andere Schwächere, und eben diese Ueberlegung ist die einzige wahre Quelle der Macht des Menschen über andere Menschen."[112] Er sollte dem jeweiligen Individuum gerecht werden und jederzeit gegenwärtig haben, es "wird keiner auf eben die Art, wie der andere behandelt, sondern ein jeder seiner Richtung und seinen Fähigkeiten gemäß geführt und in Thätigkeit gesezt, desfalls ist es beynahe in eines jeden Hand, ob, wie weit und wie bald er an unserm Plane Theil nehmen will."[113] Die mit der Führung von Menschen Betrauten sollten Wohlwollen und Toleranz gegenüber ihren Zöglingen walten lassen. Ein Verständnis für Menschen auf ihrem Entwicklungsweg war erreicht, wenn die Maxime galt: "je weiter man es in dieser Kunst bringt, um desto nachsichtiger und duldender wird man, um desto mehr sieht man, wie sehr wir von den Umständen und Leidenschaften regiert werden, wie wenig es oft an uns liegt, daß wir nicht besser oder nicht schlimmer sind. Also scheuen wir uns nicht, einander unsere Fehler zu gestehen, und brüderlich darauf aufmerksam zu machen, und dadurch unsern Scharfsinn und unseren Beobachtungsgeist zu üben."[114] Mit dieser Bemerkung, die von Wohlwollen und Nachsicht zeugt, befreit Weishaupt Menschenkenntnis und -führung vom Odium der Allmacht und Manipulation. Er zeigt auf, daß die Neigung des Menschen zu Fehlern zu keinem Zeitpunkt wirklich aufgehoben werden kann, daß es grundsätzlich nicht möglich ist, endgültige Aussagen über den Charakter eines Menschen zu treffen. Nur in diesem Bewußtsein konnte die Berechtigung zum Führen von Menschen erworben werden. Weishaupt versteht Menschenführung als "Kunst, andere zu beurtheilen, zu leiten, und sich selbst zu betragen." [115] Ein solcher Menschenführer bewirkt, "daß andere gut von ihm urtheilen."[116] Seine vorbildliche Rolle kommt ihm selbst zugute, "er wird aufmerksam auf sich selbst und bessert sich."[117]

4. Welt- und Regierungskunde

Eine weitere wichtige Aufgabe des illuminatischen Unterrichts galt der staatsbürgerlichen Bildung. Die Adepten sollten neben der notwendigen Subordination, dem Wissen sowie den Fähigkeiten zur Anleitung von Menschen auch Kenntnisse in staatstheoretischen und politischen Belangen besitzen und in der Lage sein, einen Standpunkt begründet zu vertreten. Nach Weishaupts politischen Vorstellungen sollte der Staat nicht dem Regenten, sondern seinen Bürgern dienen. Der Regent sollte zur Erfüllung seiner Aufgaben durch talentierte und kenntnisreiche Berater unterstützt werden. Offensichtlich schwebte ihm vor, die neuen politischen Berater im Orden auszubilden und sie in all den Fähigkeiten zu schulen, die er unter dem Begriff der Welt- und Regierungskunst zusammenfaßte.

Weishaupt und die Illuminaten sahen im Absolutismus keineswegs die optimale Staatsform. Neben der bestehenden Herrschaftsform sollte ein sog. Sittenregiment errichtet werden. Dieses sollte kosmopolitischen Charakter haben und wirksam werden als "eine Regierungsform, die allgemein über die ganze Welt sich erstreckt, ohne die bürgerliche Bande aufzulösen, in welcher alle übrigen Regierungen ihren Gang fortgehen, und alles thun können, nur nicht den großen Zweck vereiteln, das Gute wieder über das Böse siegend zu machen."[118] Die Hauptantriebskraft für ein solches Regiment war eine moralische: Sie war mit der Überzeugung verbunden, daß sich Handlungen, die vom Guten bestimmt sind, die Gesellschaft menschlicher machen. Für ein Sittenregiment konnte nur der Grundsatz gelten, Menschen zu "regieren, ohne sie zu beherrschen."[119]

Dem Sittenregiment sollte ein Regent vorstehen, der wiederum die Hilfe von moralisch integren und gebildeten Männern in Anspruch nehmen kann. Man versprach sich eine Verbesserung der Verhältnisse durch eine moralische und in die Gesellschaft hineinwirkende Instanz. Bemerkenswert ist die von Thomas Freiherr von Bassus {Hannibal} vorgetragene Begründung: "ich glaube auf keinem irrwege zu seÿn, wenn ich beÿ Einführung eines allgemeinen Sitten Regiments mehr auf ein gutes Herz, als auf glänzende Verstandes Kräften baue, denn diese sind zu geneigt alle Gattungen von Regierung zu hassen, oder zu verachten, wenn Sie nicht selbst allezeit das Steürruder führen können."[120] Es herrschte im Orden die Vorstellung, ein Zusammenschluß der Gutwilligen könne wesentlich zur Moralisierung der Gesellschaft beitragen, gemäß dem Ideal des römischen Staatsmanns Marcus Portius Cato, des Älteren, die staatliche Ordnung mit Moralität, Vorsicht, Klugheit, Freiheit und Tugend zu durchdringen.

Die Formierung eines Sittenregimentes nach Weishaupts und auch Knigges Vorstellungen sollte im Illuminatenorden vorbereitet werden. Das illuminatische Netzwerk sollte zur Rekrutierung geeigneter Persönlichkeiten genutzt werden: "Man muß um die Mächtigen der Erde her, eine Legion von Männern versammlen, die unermüdet sind, alles zu dem großen Plan, zum Besten der Menschheit zu leiten, und das ganze Land umzustimmen; dann bedarf es keiner äußern Gewalt."[121] Ein gesellschaftliches Gefüge sollte davon bestimmt sein, "daß keiner über den anderen mehrere Gewalt fordert, als ihm gebührt, daß sich jeder mit dem seinigen begnügt."[122] Das bedeutete nichts anderes, als daß die "Rechte der Menschheit"[123] gelten. Die Qualität der Regierung war nach Weishaupt erkennbar an dem Status, der dem Volk zugestanden wurde. Ziel sollte sein, die Würde des Menschen zu achten, jedem Individuum gerecht zu werden. Der Einzelne sollte sich als Staatsbürger verstehen und sich verpflichtet fühlen zur aktiven Teilnahme an öffentlichen Belangen. Das Sittenregiment sollte die Menschen allmählich und unbemerkt auf einen tugendhaften Weg führen und sie motivieren, ihre staatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen. Darin sah Weishaupt das gemeinsame Anliegen von Regierung und Religion für das die Menschen empfänglich zu machen seien. Der Weg zu diesem Ziel konnte nur mit Hilfe der Erziehung beschritten und auf diesem Wege geeignete Menschen gebildet werden, die das Anliegen des Sittenregiments in die Gesellschaft hineintragen konnten. Der Unterschied zwischen den Herrschenden und den Unterdrückten – Weishaupt sprach in den späteren Schriften von beiden Gruppen – sollte durch das Sittenregiment gemindert und schließlich aufgehoben werden. Er war trotz seiner gesellschaftskritischen Haltung kein Verfechter der Aufhebung von Ständen. Er war sogar der Überzeugung, daß jede Gesellschaftsschicht entsprechend ihrer Möglichkeiten einen Beitrag im gesellschaftlichen Gefüge leisten müsse: "Jeder Stand der Menschen kann daher als eine Pflanzschule oder Boden angesehen werden, in welchem gewisse Vollkommenheiten als einheimische Pflanzen zur Reife gelangen."[124] Das Sittenregiment sollte zur Entwicklung und Beherrschung der Welt- und Regierungskunst beitragen und ein neues Verständnis von der Aufgabe des Regierens schaffen: "Regieren heißt von nun an, nicht nach Willkühr gebieten, sondern leiten und dahin führen, wohin wir, wenn wir durchaus vernünftig wären, von selbst gehen würden. [...] Wir selbst sind in einer solchen Verfassung unsere Gesetzgeber. Alle Gesetze sind unser Willen. Der Regent ist das Organ unserer Vernunft, unsers Willens. Wir gehorchen nicht ihm, sondern uns selbst."[125]

Die Besten sollten für den Dienst am Staat gewonnen werden, Menschen von hohem ethischen Bewußtsein und Geschick zur Menschenführung. Für sie sollte die Idee des allgemeinen Besten Richtschnur sein. Weishaupt war überzeugt, es ließe sich "mit so viel geschickten, moralisch gebildeten, folgsamen, im Verborgnen arbeitenden Männern alles ausrichten, alles edle möglich, alles schlechte unwürksam machen."[126] Die Bildung zu dieser Funktion stützte sich auf eine "Theorie der geheimen Politik"[127] die die charakterlichen und instrumentellen Elemente einer leistungsfähigen Welt- und Regierungskunst zum Gegenstand hat.

5. Sittliche Vollkommenheit als oberste Bildungsmaxime

"Aller Inhalt dreht sich schon vom Anfang um einige wenige, aber große Hauptgedanken, die sich immer mehr ausbilden und zu einer höhern Vollkommenheit gelangen."[128] Diese Passage aus Weishaupts Apologetik weist auf das Ziel seiner pädagogischen Bemühungen. Zwar sollten alle hier behandelten Konstitutiva des Bildungsprozesses einzeln und für sich genommen perfektioniert werden, doch konnte erst ihr Zusammenwirken zur Vollendung von Bildung und Erziehung führen, den Flüssen gleich, die "sich am Ende in ein Meer ergießen, in welchem sich alles vereinigt."[129] Vollkommenheit bedeutet für Weishaupt ein "universelles Leitbild menschlicher Aktivität",[130] ein ideales Ziel, für das alle Kräfte mobilisiert werden sollten, wenngleich nur eine asymptotische Annäherung zu erreichen ist. Es kann weder empirisch ermittelt werden noch läßt es sich auf sonst eine Weise greifen. Es erzeugt für die menschlichen Bestrebungen die nötige Triebkraft. In diesem Sinne schreibt Moses Mendelssohn: "Wir haben es auch nicht gehört, nicht gefühlt; kein äußerlicher Sinn hat uns je einen Begriff von Weisheit, Güte, Vollkommenheit, Schönheit, Denkungsvermögen, u.s.w. zugeführet, und dennoch wissen wir, daß diese Dinge außer uns wirklich sind, in dem allerhöchsten Grade wirklich sind."[131] Vollkommenheit ist Antrieb und ideales Ziel zugleich. In dem Begriff Perfektibilität[132] ist die Fähigkeit zur Vervollkommnung gefaßt, der, wie bereits erläutert, im 18. Jahrhundert zu einem zentralen Begriff der Pädagogik geworden ist und in einem engen Zusammenhang mit der Fortschrittsidee der Aufklärung steht.

Er findet sich bei Moses Mendelssohn ebenso wie beispielsweise bei Lessing und Lichtenberg, doch kamen auch allmählich Zweifel an der Perfektibilität des Menschen auf. Der von Mendelssohn so emphatisch als natürlich angesehene Hang des Menschen zur Vervollkommnung war für Hegel eine diffuse Größe: "Perfektibilität [ist] beinahe etwas so Bestimmungsloses als die Veränderlichkeit überhaupt; sie ist ohne Zweck und Ziel: das Bessere, das Vollkommenere, worauf sie gehen soll, ist ein ganz Unbestimmtes."[133] Der Glaube an die Perfektibilität des Menschen ist bei Hegel erschüttert, die Skepsis gegenüber der vormals so klar scheinenden Bestimmung des Menschen hält Einzug.

Weishaupts Vorstellung von der Option des Menschen auf Vollkommenheit ist mit der Annahme eines vollkommenen Zustandes in bezug auf Leib, Seele, Gelehrsamkeit, Moral und Sittlichkeit verknüpft. Vollkommenheit erscheint identisch mit der Glückseligkeit des Menschen, mit dem Gedanken, "daß die endliche Bestimmung aller Menschen die Glükseligkeit, der Zustand eines überwiegenden und dauerhaften Zustands sey, daß diese Glükseligkeit nur nach dem Maas unserer innern Vervollkommnung erreicht werden könne."[134] Es herrschte die Überzeugung, Vollkommenheit könne stufenweise erlangt werden. Weishaupt unterstellt einen Vervollkommnungstrieb, der sowohl auf die Lebenswelt des Menschen als auch auf ihn selbst gerichtet ist: "Der Mensch wird also glükseeliger, indem er vollkommener wird, dadurch, daß er entweder seinen äußern Zustand, oder sich selbst, oder beydes zugleich zu verbessern sucht."[135] Martin Mulsow hat Weishaupts diesfällige Position als "theoretisch wie praktisch entwickelte Philosophie der Perfektibilität"[136] bezeichnet.

Der Mensch "ist unvollkommen, um vollkommen zu werden."[137] Vervollkommnung heißt, sich beständig fordern, seine Motive und Absichten läutern und sich um höhere Einsicht in die wahre Beschaffenheit aller Dinge und Erscheinungen zu bemühen. Auf den Weg der Vollkommenheit gelangt nur, wer nach dem Guten strebt und nach "höhern Absichten handelt."[138] Auf welche Weise der Prozeß der Vervollkommnung verläuft, ist von der individuellen Befähigung dazu abhängig.

Bei der Beurteilung, ob ein Mensch oder auch ein Sachverhalt sich ihrer Vollkommenheit annähern, legte Weishaupt folgenden Maßstab an: "Ein Ding ist vollkommen, wenn es das wirklich ist, was es kraft seiner ursprünglichen Anlage werden kann; wenn seine Anlagen, Fähigkeiten und Kräfte größtmögliche Ausbildung erhalten haben; wenn von seinen so mannigfaltigen Fähigkeiten und Kräften keine den Gebrauch der andern hindert oder aufhebt."[139] Er ist dann auf diesem Wege, wenn seine Beweggründe und Intentionen von dem Willen bestimmt sind, Gutes zu wirken und dem Allgemeinwohl zu dienen. Die Vervollkommnung des Menschen gründet aber – das ist eine bemerkenswerte, aber nicht überraschende Annahme – "auf der Vollkommenheit seines Verstandes. Derjenige Verstand ist der vollkommenste, wo keine Vorstellung die andern aufhebt, der von allem Irrthum so frei als möglich ist; welcher die meisten Gegenstände mit der größten Deutlichkeit, nach ihren möglichen Beziehungen, Verhältnissen und Folgen, nach ihrem wahren und eigentlichen Gesichtspunkte erkennt und beurtheilt."[140] Der Rückgriff auf die Verstandeskräfte befähigt den Menschen zur Einschätzung von Situationen und Problemstellungen sowie zum Abwägen seiner Handlungen. Weishaupt verweist darauf, daß der Mensch zwar nach Vollkommenheit streben könne und solle, diese aufgrund seiner physischen wie auch mentalen Disposition aber nicht vollends erreichbar sei. Die Entwicklung des Menschen geht jedoch fehl, wenn er die Vervollkommnung seiner Anlagen unterlasse: "Der Mensch kann sich von diesem Ziel nicht entfernen, ohne die Folgen zu empfinden; aber reines, lauteres, ungestörtes Vergnügen ist eben so wenig für den Menschen, welcher sich auf dieser Erde herumtreibt, aus der Ursache, weil seine Vollkommenheit nur in der Annäherung besteht, und mehr Vervollkommnung als Vollkommenheit seyn und genannt werden kann."[141] Nach Weishaupts Auffassung existiert eine Form der Vollkommenheit, die innere Vollkommenheit, die der Mensch für sich selbst erwerben kann. Sie besteht im Einssein mit sich selbst. "Innere Vollkommenheit ist die Fähigkeit, alle Güter am unschädlichsten zu geniessen. Innere Vollkommenheit ist das einzige Gut, das von allen Menschen, zu allen Zeiten erreicht und genossen werden, das kein Zufall rauben und keine Macht entziehen, das jeder Mensch sich allein geben kann, das den Menschen unzertrennlich begleitet."[142] Mit sich eins sein bedeutet auch, sich selbst genug zu sein, innere Standfestigkeit zu haben und im Leben bestehen zu können. Diese Art der Vollkommenheit ist von ethischer Qualität, sie ist verantwortungsbewußtem Handeln verpflichtet. Weishaupt hatte den Optimismus, dieses Ziel mit pädagogischen Mitteln erlangen zu können.

Die Aussicht, sich selbst vervollkommnen zu können, faszinierte die Menschen der Zeit. Sie entsprach dem aufklärerischen Postulat, mündig zu werden und sich seines Verstandes zu bedienen. Für die Einlösung dieses Postulats haben die Illuminaten eine vielversprechende Plattform geboten. Die Auflösung des Ordens rief daher auch Enttäuschung hervor. In einem Brief an Bode heißt es: "Mein Herz, das sich vordem beÿ der Wärme, die der O.zur Tugend einflößte, so wohl befand und so große Hofnung zur Erreichung desjenigen Grades von Ausbildung, der hier stete innere Ruhe gewährt, hegte, ward beÿ allen diesen Erfahrungen, welche auf einmal die Aussicht in eine schöne Zukunft verschlossen, zusammen gepresst. Die Welt fing an ihr Interesse für mich zu verliehren, da ich es täglich überzeugender fühlte, daß dem aufrichtigsten Streben nach innerer Vervollkommnung so mächtige Hindernisse entgegenstehen, welche ich, als ein einzelner Mensch nicht wegzuräumen vermogte und denen ich doch immer gänzlich zu unterliegen befürchten musste."[143] Es ist verständlich, daß man sich in Sachsen-Gotha um eine Fortsetzung des illuminatischen Vorhabens bemühte und einem Grundbedürfnis des Menschen und dem aktuellen Bedürfnis der Zeit entsprechen wollte.


Anmerkungen

  1. Adam Weishaupt an Hertel und Zwackh, [Ingolstadt], 6. 4. 1779 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  2. Weishaupt, Johann Adam: Ueber Wahrheit und sittliche Vollkommenheit. Regensburg 1793, Teil I, S. XIII
  3. Weishaupt, "Materialien" I,1, S. 464
  4. Weishaupt, Kurze Rechtfertigung, S. 48
  5. "Anrede bey der Aufnahme eines Illuminati minoris." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 90
  6. a.a.O., S. 9
  7. Weishaupt, Pythagoras, S. 175
  8. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, Ingolstadt, 28. 1. 1783 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  9. a.a.O., S. 7
  10. ebd.
  11. Weishaupt, Diogenes, S. 6
  12. Bassus, S. 137
  13. "Instruction der Präfecten oder Local-Obern." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 149f.
  14. a.a.O., S. 158.
  15. Weishaupt, Sittliche Vollkommenheit II, S. 330f
  16. ebd.
  17. a.a.O., S. 331
  18. ebd.
  19. Vgl. hierzu das daran angelehnte Kapitel 5 "Altersstufen des Geistes und Stufengang der Bildung" bei Werner Krauss. in: ders. Gracians Lebenslehre. Frankfurt a. M. 1947.
  20. a.a.O., S. 100
  21. Adam Weishaupt an Franz Anton von Massenhausen, 31. 10. 1777 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  22. Weishaupt, Pythagoras, S. 174
  23. Bassus, S. 122
  24. "Unterricht im ersten Zimmer." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 17
  25. Weishaupt, Apologie der Illuminaten, S. 126
  26. Weishaupt, Pythagoras, S. 176
  27. Bassus, S. 123
  28. Weishaupt, Pythagoras, S. 181
  29. Flitner, Wilhelm: Allgemeine Pädagogik. Frankfurt a.M. 1980, S. 151
  30. Knigge, Adolph Freiherr von: Ueber den Umgang mit Menschen. Hannover 1788, 3. Teil, S. 130
  31. Kant, Immanuel: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. in: Werke hrsg.v. W. Weischedel, Darmstadt 1983, Bd. 12, S. 401
  32. "Instruction für den ersten Grad der Priesterklasse." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 86
  33. a.a.O., S. 82
  34. a.a.O., S. 98
  35. Lavater, Johann Kaspar: Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und der Menschenliebe. Leipzig u. Winterthur 1775 -1778, Bd.1, S. 173f
  36. "Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitarbeiter." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 111
  37. "Instruction für den ersten Grad der Priesterklasse." in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 86
  38. Weishaupt, Pythagoras, S. 64
  39. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, Ingolstadt, 10. 3. 1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  40. SK XI Dok. 319 quibus licet Gronovius {Schlichtegroll}
  41. Weishaupt, Apologie der Illuminaten, S. 67
  42. Knigge, Umgang mit Menschen, 3. Teil, S. 80
  43. Weishaupt, Pythagoras, S. 295f
  44. Weishaupt, Geschichte der Verfolgung, S. 52
  45. Weishaupt, Johann Adam: Ueber die Selbstkenntnis: ihre Hindernisse und Vorteile. Nürnberg 1794, S. 34f
  46. Paul, Jean: Das Kampaner Thal oder über die Unsterblichkeit der Seele. in: J.P. Werke. Kleinere erzählende Schriften 1796 – 1801. hrsg. v. Norbert Miller, München 1988, 4. korr. Auflage, S. 589
  47. ebd.
  48. Weishaupt, Diogenes, S. 7
  49. Reil, Johann Christian: Rhapsodieen über die Anwendung der psychischen Curmethode auf Geisteszerrüttungen. Halle 1803, S.133
  50. Weishaupt, Johann Adam: Ueber die Schrecken des Todes. Eine philosophische Rede. Nürnberg 1786, S. 49f
  51. Paul, Jean: Levana oder Erziehlehre. in: J.P. Werke. hrsg. v. Norbert Miller, München 1987, 5. Aufl., S. 826
  52. Weishaupt, Diogenes, S. 138
  53. Weishaupt, Pythagoras, S. 144
  54. Weishaupt, Selbsterkenntnis, S. 80
  55. ebd.
  56. a.a.O., S. 132
  57. a.a.O., S. 106
  58. a.a.O., S. 105
  59. a.a.O., S. 57f
  60. Johann Christoph Bode an Adam Weishaupt, Weimar, 9. 9. 1783 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  61. Weishaupt, Selbsterkenntnis , S. 192
  62. a.a.O., S. 193
  63. a.a.O., S. 38
  64. a.a.O., S. 57f
  65. a.a.O., S. 115
  66. Weishaupt, Verbessertes System, S. 61
  67. Weishaupt, Johann Adam: Gedanken über die Verfolgung der Illuminaten in Bayern. s.l. 1786, S. 47
  68. Weishaupt, "Materialien" I.1, S. 159
  69. Weishaupt, Gedanken über Verfolgung, S. 47
  70. Weishaupt, "Materialien" I.1, S. 163
  71. "Unterricht zur besseren Beurtheilung der innern Einrichtung des Ordens, und dessen, was derselbe von uns fordert." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 106
  72. Weishaupt, Diogenes, S. 86
  73. Weishaupt, "Materialien" I.1, S. 80
  74. Weishaupt, Gedanken über Verfolgung, S. 47
  75. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. D., Nentershausen, 20. 3. [1782] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  76. "Unterricht, welchen die Illuminati minoris abschriftlich in die Hände bekommen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 136
  77. Weishaupt, Geschichte der Verfolgung, S. 33
  78. "Geheime Instruction zum Unterricht derer, welche neue Mitglieder zum O. anwerben sollen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 147
  79. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. D., Nentershausen, 20. 3. [1782] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  80. Weishaupt, Gedanken über Verfolgung, S. 50
  81. Die Darstellung Zwackhs, verkürzt abgedruckt bei Engel, S.80 ff legt nahe, daß Weishaupt nicht ganz der despotische Herrscher des Ordens war, wie gemeinhin angenommen, sondern, daß eine gegenseitige Einflußnahme bestand, die sich in dem oben beschriebenen Prozeß wiederfindet. Weishaupts vermeintliches Despotentum konzentriert sich auf die Auseinandersetzung mit den Areopagiten in München im Jahre 1779 und folgende sowie die Debatte um den Ausschluß Knigges 1783/ 84. Vgl. hierzu die diesfälligen Ausführungen bei van Dülmen, Illuminaten, oder LeForestier.
  82. SK VII Dok. 224 Weishaupt an Bode, Ingolstadt, 1. 7. 1783
  83. Weishaupt, "Materialien" I.1, S. 165
  84. ebd.
  85. "Instruction für den ersten Grad der Priesterklasse." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 82
  86. ebd.
  87. ebd.
  88. a.a.O., S. 87
  89. a.a.O., S.83
  90. Weishaupt, "Materialien" I.3, S. 359
  91. Weishaupt, Diogenes, S. 280f
  92. Weishaupt, Apologie der Illuminaten, S. 113
  93. Weishaupt, Kurze Rechtfertigung, S. 48
  94. ebd.
  95. ebd.
  96. LA Schleswig, Abt. 22 Nr. 223 Weishaupt an Herzog Friedrich Christian am 24. September 1793. Für die Bereitstellung dieser Dokumente aus dem Landesarchiv Schleswig dankt Verfasser der Arbeitsgruppe Strukturen und Strategien des Geheimbundes der Illuminaten im Kontext der Spätaufklärung am IZEA in Halle.
  97. Weishaupt, Diogenes, S. 103
  98. Weishaupt, Johann Adam: Apologie des Mißvergnügens und des Uebels. Frankfurt und Leipzig [d. i. Nürnberg] 1787, S. 394
  99. ebd.
  100. Weishaupt, Diogenes, S. 258
  101. "Instruction für den ersten Grad der Priesterklasse." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 96f
  102. a.a.O., S. 97
  103. Theophrastos: Theophrasti Charakteres, seu notationes morum Atticorum. hrsg. v. J.G. Schneider Jena 1799
  104. Menschenkunde: Sammlung der besten und vorzüglichsten Wahrnehmungen und Erfahrungen über den Menschen. Leipzig 1792/ 93
  105. Vgl. hierzu: Lavater, Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis.
  106. Lichtenberg, Georg Christian: Sudelbücher I. in: Werke und Briefe. hrsg. v. Wolfgang Promies, Frankfurt a.M. 1994, Bd. 1, S. 634
  107. Durch die Begründer der Tiefenpsychologie wie Sigmund Freud oder Alfred Adler erhielt die Menschenkenntnis auch im 20. Jahrhundert Impulse. Andere Vertreter, die sich vornehmlich für das Verhältnis zwischen Körperbau und Charakter interessierten, waren Joseph Rattner oder Ernst Kretschmer, dessen gleichnamige programmatische Schrift Reformpädagogen wie Meumann zum Studium der Charakterologie anregten. Die Pädagogik am Anfang des 20. Jahrhunderts war bereit, der Menschenkenntnis bzw. Menschenkunde mehr Bedeutsamkeit zuzugestehen. Hermann Nohl beispielsweise sah in der Charakterologie ein Mittel um das Verhältnis zwischen Anlage und Umwelt in bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung zu bestimmen. Peter Petersen stellte die Bedeutung der pädagogischen Charakterologie für das von ihm entwickelte Konzept der pädagogischen Tatsachenforschung heraus: "Die Forderung nach einer ,Pädagogischen Charakterologie' ist also in den Kreisen der Schulerziehungsreformer entstanden, und zwar aus einer inneren Notlage heraus, die immer dringlicher wurde, sofern nämlich die eingeleitete neue Erziehungsbewegung nicht in dem wichtigsten Stück ihrer neuen Praxis unzulänglich bleiben sollte: in der Menschenbehandlung, in der Pädagogie. Denn das ganz besondere und durchaus Neue in dieser jungen Erziehungsbewegung war die innere Umstellung in dem Verhältnis Lehrer: Schüler." zitiert nach: Petersen, Peter: Die pädagogische Tatsachenforschung. Paderborn 1965, S. 68 Es hat den Anschein als würde eine der Menschenkenntnis verpflichtete Pädagogik den Möglichkeiten des Individuums mehr Raum zugestehen als eine pädagogische Praxis, die sich des Schülers ausschließlich als zukünftigem Staatsbürger annimmt. Der Begründer der Waldorfpädagogik und Anthroposophie, Rudolph Steiner, verwies auf die gewichtige Rolle, welche die Menschenkenntnis innerhalb des pädagogischen Verhältnisses innehat: "Und so haben wir versucht [...] eine Anthropologie, eine Erziehungswissenschaft zu begründen, die eine Erziehungskunst, eine Menschenkunde werden kann, welche aus dem Toten das Lebendige im Menschen wieder erweckt." zitiert aus: Steiner, Rudolph: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik: Menschenkunde und Erziehungskunst. Teil 1. Dornach 1993, S. 207f Eine auffällige Parallele im Denken sowohl Weishaupts als auch Steiners besteht darin, daß beide auf eine Metempsychosislehre setzten. Gegenwärtig gehören Aspekte der Menschenkenntnis nur im Einzelfall zu pädagogischen Erwägungen.
  108. Vgl. hierzu insbesondere die Ausführungen Rogalla von Biebersteins, These von der Verschwörung oder Agethen, Geheimbund.
  109. Krautscheid, Christiane: Gesetze der Kunst und der Menschheit Christian Gottfried Körners Beitrag zur Ästhetik der Goethe-Zeit. Diss. Phil. 1998 http://edocs.tu-berlin.de/diss/1998/krautscheid_christiane.pdf
  110. "Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitarbeiter." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 121
  111. "Allgemeine Ordensstatuten." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 35
  112. "Unterricht im ersten Zimmer." in: Grolman, Spartacus und Philo, S. 9
  113. "Vorbereitungsaufsatz." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 13
  114. "Ritual für die Logen zur Aufnahme in diesen Grad." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 188f
  115. "Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitarbeiter." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 117
  116. ebd.
  117. ebd.
  118. a.a.O., S. 206f
  119. ebd.
  120. Thomas Franz Maria von Bassus an Adam Weishaupt, [Puschlav] 3. 8. 1784 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  121. "Allgemeine Übersicht des ganzen Ordenssystems." in: Faber, Ächter Illuminat, S. Faber, S. 208
  122. Weishaupt, Nachtrag zur Rechtfertigung, S. 66
  123. "Allgemeine Übersicht des ganzen Ordenssystems." in: Faber, Ächter Illuminat, S. Faber, S. 208
  124. a.a.O., S. 76
  125. Weishaupt, "Materialien" I.1, S. 55
  126. Grolman, Spartacus und Philo, S. 172
  127. Weishaupt, Pythagoras, S. 40
  128. Weishaupt, Kurze Rechtfertigung, S. 48
  129. Weishaupt, Diogenes, S. 281
  130. Vgl. hierzu G. Hornig: "Perfektibilität." in: Joachim Ritter u. Karlsried Gründer (Hgg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel 1995 Bd. 7, S. 238 – 244. hier S. 240.
  131. Mendelssohn, Moses: Phaedon oder über die Unsterblichkeit der Seele. in: Schriften über Philosophie und Aesthetik. bearb. v. Fritz Bamberger und Leo Strauss, Stuttgart et al. 1972, Bd. 3, S. 52f
  132. Hornig, "Perfektibilität", S. 240
  133. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte. Hamburg 1970 , VIII 2, 149f
  134. Weishaupt, Pythagoras, S. 166
  135. a.a.O., S. 92
  136. Mulsow, "Vernünftige Metempsychosis", S. 263
  137. Weishaupt, Diogenes, S. 132
  138. Weishaupt, Pythagoras, S. 98
  139. a.a.O., S. 96
  140. a.a.O., S. 98
  141. Weishaupt, Diogenes, S. 360
  142. Weishaupt, Pythagoras, S. 103
  143. Arnold Gerhard Denecke an Johann Christoph Bode, Bremen, 20. 9. 1787 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz