Peggy Pawlowski:„...sich begnügen, im Geheimen für das Gute zu wirken“. Der Beitrag Johann Adam Weishaupts zur Pädagogik des Illuminatismus (V)

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Geling' es zum Besten der Menschheit!
Zum Nachtheil des allgemeinen Besten gelinge Nichts!
Amen!!!
Basilius, Schwedenkiste, Reproche 1

V. Mittel und Techniken illuminatischer Bildungspraxis

1. Vorbemerkungen

In den beiden vorausgehenden Kapiteln wurde dargelegt, daß der Illuminatenorden von Anfang an der Pädagogik grundlegende Bedeutung beigemessen hat. Seine pädagogische Praxis im Rahmen des Gradsystems läßt deutlich werden, daß der Orden selbst erfolgreiche Erziehungs- und Bildungsarbeit zu leisten vermochte. Dies widerlegt die von Rene LeForestier im Jahre 1914 vorgenommene Einschätzung, der pädagogische Wert des Illuminatenordens sei gleich null.[1] Die Mittel, Techniken und Maßnahmen, von denen die Illuminaten in ihrer pädagogischen Arbeit Gebrauch machten, bildeten ein vielfältiges Instrumentarium, das im folgenden aufgewiesen werden soll.

In einem der siebzehn quibus-licet-Berichte, die von Carl Gotthold Lenz {Justus Lipsius} [2] in der Schwedenkiste verwahrt sind, werden gleich mehrere Komponenten des pädagogischen Instrumentariums der Illuminaten erwähnt. Es gibt Hinweise auf im Orden üblich gewordene Aufgabenstellungen und auf typische Bearbeitungsformen, die die Kandidaten einzuhalten hatten. Sie sind verstreut in Lenzens ausführlich begründeter Empfehlung zur Aufnahme von Carl Christian Erhard Schmid[3] – des Hofmeisters Novalis', Theologen, späteren Philosophen und Pädagogen in Jena {Butus} – in den Orden zu finden und belegen, daß das im Rahmen der Darstellung des Gradsystems skizzierte Erziehungs- und Bildungsprogramm auch umgesetzt wurde. Gleich zu Beginn seines quibus-licet-Berichtes verweist Lenz auf die "Tabelle"; es handelt sich um eine der einzureichenden conduite-Tabellen, die den Oberen erlaubte, sich ein Bild über persönliche Umstände, Charakter, Neigungen und sozialen Umgang eines Mitgliedes zu verschaffen. Sodann spricht er die Lektüreempfehlungen an. Er gab Schmid den Anstoß zur Beschäftigung mit Kant. Schmids Abhandlungen zur Kantischen Philosophie, die er in der Vorbereitungszeit niederschrieb, erfüllen den Anspruch eines illuminatischen pensums. Lenzens Hinweise auf Kants Schriften gleichen wiederum Lektüreempfehlungen. Durch diese Mittel wurde der Orden zu einem "Vehiculum [...], in Menschen zu würken"[4] Am Beispiel Schmids läßt sich zeigen, daß kräftige geistige Impulse aus dem Orden kamen, die die wissenschaftliche Entwicklung seiner Mitglieder wesentlich beförderten. Schmid wurde einer der einflußreichsten Wegbereiter der Kantschen Philosophie in Deutschland. Die aufschlußreiche Passage des genannten quibus-licet folgt im vollen Wortlaut:

Ich habe in der eingereichten ersten tabelle, derer ich in den O. aufgenommen zu sehen wünschte, angab, unter anderen Hn. M. Schmidt, dessen vater Prediger in Wenigen-Jena ist, genannt, u. ich bin so frey Sie nochmals an ihn zu erinnern. Zwar bin ich vieljähriger vertrauter freund dieses jungen mannes, und also vielleicht kein ganz unpartheiischer beurtheiler: allein ich hoffe, daß diejenigen so ihn etwas genauer kennen, ihn für einen mann von nicht gemeinen talenten und von einem wohlwollenden, edlen herzen halten werden. Erlauben Sie, daß ich beydes nur mit einem beyspiele belege. Vor 2½ jahren kam M. Schm. aus einer condition, in der er einige jahre bey Coburg gestanden hatte, hierher zurück, um sich zu habilitieren und hier theologische, besonders exegetische vorlesungen zu halten. Er that dieses den ersten winter mit viel beyfall. Noch vor winters anfang sprach ich zuweilen mit ihm von Kants reformen in der philosophie und erzählte ihm von der critik der reinen vernunft, auf die er blos durch die goth. gel. zeitung war aufmerksam gemacht worden, so viel ich davon wußte. Dies veranlaßte in ihm den wunsch, dieses schwere buch mit einigen freunden gemeinschaftlich zu lesen. Wir kamen den ganzen winter durch täglich zusammen, und lasen und erklärten uns das gelesene gemeinschaftlich so gut wir konnten. Schmidt übersah uns bald alle. Noch ein neuling in der Kantischen philosophie hatte er, ungeachtet er die bescheidenheit selbst ist und es ohne vielfältiges zureden nie wagt mit etwas öffentlich hervorzutreten und sein licht leuchten zu lassen, den muth, über Kants critik zu lesen und den leitfaden des schulzischen auszugs bey seinen vorless. zu folgen. Er that es und arbeitete sich glücklich durch alle schwierigkeiten hindurch, fühlte aber sehr oft das unbequeme des schulzischen auszugs zu einem lehrbuch, und beschloß, selbst auf einigen bögen in aphorismen die summe der Kantischen critik zusammen zu fassen und sie seinen zuhörern bey seinen künftigen vorlesungen in die hände zu geben. Er ging an die arbeit und lieferte mehr als er versprach. Er schrieb sein lehrbuch und begleitete es mit einem erklärenden wörterbuch der Kantischen philosophie, worin er sogleich seine eignen zweifel und meinungen vorbringt. Alles dies geschah in 1½ jahr, und seit dieser zeit hat er sich ganz der philosophie ergeben, und es wäre schade, wenn er durch mangel an unterstützung von dieser laufbahn abgebracht würde.[5] Von der pädagogischen Wirkung des Ordens und dem Nutzen seines Instrumentariums geben manche quibus licet Zeugnis. Der Illuminatus maior Cassiodorus {Schack Hermann Ewald}, von welchem die recht ansehnliche Sammlung von dreiunddreißig quibus-licet-Berichten erhalten blieb, ist von den pädagogischen Maßnahmen des Ordens überzeugt, weil sie den Menschen ganzheitlich ansprechen "alle unmittelbar die Bildung des Verstandes, des Herzens und der Sitten bewürken"[6] Im Gegensatz zu der vorherrschenden Praxis in zeitgenössischen Bildungseinrichtungen lobt er, "daß sie so sanft, so menschlich, so friedlich, so liebenswürdig sind."[7]

Neben den intellektuellen Anregungen durch den Orden wurde die Erfahrung der Zugehörigkeit und geistigen Gemeinschaft besonders geschätzt. Bei manchem Mitglied stellte sich nach der Aufhebung des Ordens ein massives Verlusterlebnis ein, wie die Reaktion des nach Dresden geflohenen Mitgliedes Kaspar Danzer {Bellarminus/ Mercur} belegt: "sollte ich denn auf meiner Wanderschaft gar keinen Kreis solcher Menschen mehr finden können, die diese Grundsätz handhaben, die mich unter sich aufnehmen, durch Freundschaft und Aufmunterung meinem Herzen neue Wärme mittheilen, neues Interesse für Tugend geben? Ich ein schwacher einzelner bedarf solcher Antriebe."[8] Daß das Gemeinschaftserlebnis für viele der Mitglieder von vorrangiger Bedeutung gewesen sein dürfte, vermutet auch Florian Maurice, der konstatiert, "daß es darauf ankommt, welche Funktionen diese Vereinigungen im Leben ihrer Mitglieder erfüllen konnten."[9] Man suche "an einer falschen Stelle [...], wenn man bei Vereinigungen die in ihnen vertretenen Lehren oder Ideen für das Wesentliche hält."[10] Viele Belege aus illuminatischem Quellenmaterial bestätigen, daß es nicht in erster Linie die Rituale in den Graden waren, die äußeren Formen des Ordenslebens, sondern die Möglichkeit der Begegnung von Gleichgesinnten in einer solidarischen Gemeinschaft. Dies und die gebotenen Chancen machten die Attraktivität des Ordens aus.

2. quibus licet als Führungs- und Bildungsmittel

Zu den zahlreichen Publikationen, welche durch die "Entdeckung" der Illuminaten veranlaßt worden sind, gehört u.a. die von Ernst August Göchhausen verfaßte und anonym erschienene Persiflage Freimaurerische Wanderungen des Weisen Junkers Don Quichote von Mancha und des großen Schildknappen Herrn Sancho Pansa aus dem Jahre 1787. Darin wird von den illuminatischen Ordensoberen gesagt, "sie seyen die bisher verborgen gewesenen höchsten Obern dieses Ordens, und die eigentlichen Besitzer der königlichen Kunst, unter dem bescheidenen Namen: quibus licet."[11] Dabei wird offensichtlich unterstellt, bei dieser "königlichen Kunst" handele es sich um nichts anderes als Herrschaftsausübung.

Die sogenannten quibus-licet[12] Berichte, die nach ihrer Einsendung von den Ordensoberen kontrolliert und beantwortet wurden, waren im Orden bald Usus geworden und dienten primär der Bildung seiner Mitglieder. Die Tendenz, die Berichte als Instrumente des Ausspionierens und Manipulierens zu deuten, ist vielleicht auch in Agethens Formulierung "Technik der Menschenführung"[13] im Spiel. Die quibus-licet-Praxis war jedoch keineswegs als Machtübung des Illuminatenordens intendiert. Es waren hauptsächlich pragmatische Gründe, die Weishaupt von Beginn an dazu veranlaßten, einen in schriftlicher Form einzureichenden Nachweis der Tätigkeit der einzelnen Mitglieder zu verlangen. Die quibus licet glichen eher der im Pietismus geläufigen Führung eines Diariums zu Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle. Solange man nicht die Gewißheit hatte, Bildung und Erziehung der Eigeninitiative der Adepten überantworten zu können, sollte der Orden als Kontrollinstanz fungieren. Weishaupt neigte dazu, die Praxis der Berichterstattung im Hinblick auf die Praxis im Jesuitenorden als Beichte zu interpretieren.[14] Die von ihm gebrauchte Metapher deutet darauf hin, daß er jedes Mitglied mit der Anfertigung von Berichten einem Läuterungsprozeß zu unterziehen gedachte.

Jedes Ordensmitglied war zu regelmäßiger Berichterstattung verpflichtet: "Diese Verordnung des einzuschickenden Blates, dauert durch alle Grade hindurch, und ist niemand davon ausgenommen."[15] Daß die Mitglieder dieser Aufgabe gewissenhaft in ihrem "diario" nachkamen, beweist die Tatsache, daß allein in den Bänden XI und XII der Schwedenkiste 806 quibus licet aufbewahrt sind[16] In den Berichten findet sich neben "verschloßene[n] Beschwerden"[17] die "Schilderung von Charakteren"[18] hervorgegangen aus einem unmittelbaren Briefwechsel zwischen dem einzelnen Mitglied und seinem zuständigen Oberen. Aus Sicherheitsgründen behielten die Oberen eingegangene quibus licet ein, forderten jedoch ihre darauf gegebenen Antworten zurück. Die quibus licet waren ein wichtiger Bestandteil des Systems interner Kommunikation des Ordens. Die schriftliche Verbindung zwischen Mitglied und Oberem sowie zwischen den Oberen untereinander sollte gewährleisten, daß ihnen alles, was für den Orden bedeutsam sein könnte, bekannt wurde.

Die Berichterstattung erfolgte in drei Stufen. Vom Noviziat an waren alle zwei Wochen quibus licet zu verfassen. Ab dem Grad des Illuminatus minor war der Report einmal im Monat fällig. Besondere Anliegen wurden direkt zur höheren Leitungsebene befördert, wenn der Bericht mit der Aufschrift soli eingereicht wurde. Um mit dem General des Ordens in Verbindung zu treten, war der Brief durch primo zu kennzeichnen.

Den Regenten oblag die Öffnung und Kontrolle der quibus licet aller Mitglieder, die ihnen unterstellt waren. Es war ihnen ebenso gestattet, die soli-Berichte der kleinen Illuminaten, Magistraten und Illuminati maiores sowie die primo-Berichte der Novizen zu öffnen. Die quibus licet der Schottischen Ritter und Presbyter ebenso wie die primo-Berichte der Minervalen, die soli-Berichte der Ritter und Presbyter und quibus licet der Regenten selbst waren an das Provinzcollegio zu senden. Generell gingen die soli-Berichte dem Provinzial zu, die primo-Berichte wurden an den General weitergeleitet.

Ausgenommen von dieser Praxis war lediglich Weishaupt, der als General des Ordens keinem der Grade angehörte. Dieser Umstand erwies sich bald als problematisch, was Knigge 1781 veranlaßte, den General darauf aufmerksam zu machen: "Die quibus licet sind eine vortrefliche Einrichtung um die Mittel-Obern in Ordnung zu halten, aber man wird immer sagen: ‚Am Ende hängt doch alles vom Eigensinne des Generals ab, eines Mannes, den wir nicht einmal dem Nahmen nach kennen.'"[19] Um dieses berechtigte Bedenken auszuräumen, schlug Knigge vor "die Leute glauben [zu] machen, daß der General von dem höchsten Regente[20] -Grade, oder den Areopagiten gewählt und abgesetzt werden könnte."[21] Weishaupt hatte die Struktur des Ordens, wie sie sich in seiner Anfangszeit in München und Ingolstadt als günstig erwiesen hatte, beibehalten wollen, ohne die Folgen des Wachstums zu berücksichtigen. Knigge brachte diesen Kompromiß in die Diskussion ein, um weiterhin ein reibungsloses Ordensprocedere zu gewährleisten. Mag nach Knigges Auffassung das quibus-licet-System auch als nicht hinreichend konsequent erscheinen, im Blick auf seine pädagogische Funktion erwies es sich als höchst effizient.

Die quibus licet wurden zum Großteil für die Beantwortung der obligatorischen Fragen an die Illuminaten aller Grade genutzt.$ Ihre thematische Ausrichtung beschränkte sich nicht nur auf die in den Statuten festgesetzte Beantwortung von standardisierten Fragen, wie sie beispielsweise ein Novize einzusenden hatte, sondern konnte auch die Rückantwort auf zuvor erhaltene Reprochenzettel, auf Berichte über die Tätigkeit im Orden oder auf Berichte über die Aktivitäten der Logen beinhalten. Darüber hinaus waren quibus licet geeignete Mittel, dem Orden Vorschläge für in Betracht kommende Mitglieder zu unterbreiten. Mitunter dienten sie auch dazu, Einschätzungen und Charakterisierungen von anderen Mitgliedern zu geben oder wurden als Plattform theoretischer Erläuterungen und Essays in Form eines pensums genutzt.

Einigen Mitgliedern war es ein regelrechtes Bedürfnis, dem Orden Aufschluß darüber zu geben, was sie von ihm erwarteten, wie sie ihn einschätzten und auch, wie man seine Aktivitäten verbessern könne. Quibus licet Berichte waren hauptsächlich Mittel der Menschenführung. Bereits die Oberen der Minervalen konnten, eingeschlossen im quibus licet, Einschätzungen und Anmerkungen zu den ihnen Anvertrauten einsenden. Als vorbildlicher und verantwortungsvoller Pädagoge erweist sich der Volksaufklärer Rudolph Zacharias Becker {Henricus Stephanus}. Seine Berichte über die Minervalen, für die er verantwortlich zeichnete, geben einen Eindruck von der Gewissenhaftigkeit und dem Wohlwollen, mit denen er seinem pädagogischen Auftrag nachkam. Er verbindet seinen Bericht über den ihm untergebenen Guido della Torre {Friedrich Carl Ernst von Helmolt} mit perspektivischen Überlegungen. Helmolt "fängt jetzt einmahl an, auf seine Bestimmung aufmerksam zu werden. Zum ersten Mahl habe ich 8 Tage lang Eifer und Fleiß an ihm bemerkt. Ich habe ihn sogleich auf einem vertraulichen Fuß behandelt, seine Arbeit gebilligt, und gefunden, daß es fruchtet – wofern anhaltende Nachfrage und Erinnerung zu Hülfe käme. Ich wage es daher die E.O. zu bitten, ihn wegen seiner letzten Vorlesung von der Bestimmung des Menschen einigen Beyfall zubringen. So unvollkommen sie an sich selbst ist: so verdient sie es doch in Ansehung seines darauf verwandten Fleißes. Und dann ersuche ich dieselbe, den jungen Mann oft daran zu erinnern, daß er das nicht hat, was dem Menschen seinen Werth giebt, und daher anhaltend fleißig sein muß."[22] Becker beobachtete seine Zöglinge genau. Ihm war mehr an der Motivation und Begeisterung des Zöglings gelegen als an einer strikten Befolgung der Regeln. Aufgrund seiner Beobachtungen schlägt er den Oberen von Guido della Torre vor, nicht Leistungen zu fordern und anzumahnen, die er nicht zu erbringen vermag, vielmehr seine Regsamkeit zu loben, von der allein ein bescheidenes geistiges Fortkommen erhofft werden könne. Hier zeigt sich, daß Becker im Philanthropin Schnepfenthal wertvolle pädagogische Erfahrungen gesammelt hatte und bestrebt war, sie in die pädagogisch Arbeit des Ordens einzubringen.

Die in den quibus licet vorgenommenen Einschätzungen anderer waren für die Menschenführer des Ordens eine wichtige Zuarbeit. Sie dienten der individuellen Lenkung der Adepten. Knigge z.B. enthält sich in einem Bericht über den Wetzlaer Reichskammergerichtsassessor Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth {Minos} keineswegs der Kritik und setzt diese konstruktiv ein, indem er nach einer knappen Charakterisierung des Kandidaten zu folgender Strategie zur Behebung einer vermeintlichen Charakterschwäche Ditfurths rät: "Er ist eifrig, thätig, und vernünftig, auch strenge redlich, aber ein bisgen geschwätzig und weitschweifig. Man wird gar nicht fertig, wenn er anfängt zu erzählen, wie auch sein q. l. zeugt. Das kömmt aber aus Eitelkeit her; Er hört sich gern selbst. Man muß ihn also immer in Unterwürfigkeit erhalten, nemlich in so weit, daß er nicht die Schwäche des O. merke, sonst will er selbst erfinden, und dazu denkt er nicht tief genug. Von einer andern Seite aber muß er doch auch etwas zu sagen haben, sonst kehrt er um."[23] Ditfurth wurde später ein Mitglied der höheren Leitungsebene. Die an ihm bemerkte Weitschweifigkeit läßt sich anhand der von ihm vorliegenden Dokumente belegen, doch war er nicht der einzige mit einer solchen Neigung. Knigges Offenheit verblüfft ebenso wie seine Treffsicherheit, mit der er Ditfurth und die Konsequenzen einer falschen Behandlung einschätzt. Er löst das Problem, indem er diese Unzulänglichkeit geschickt für das Wohl des Ordens zu nutzen weiß.

Auch das nächste Beispiel zeigt die Schwierigkeit, an anderen Menschen eine für sie selbst wie auch ihre Mitmenschen abträgliche Neigung anzusprechen und diese zu korrigieren. Der pädagogisch geschickte Gronovius {Adolph Heinrich Friedrich Schlichtegroll} reagierte auf die unsensiblen Verhaltensweisen eines Illuminatenbruders mit folgender Mitteilung an den Orden: "Melanchthon[24] wohnt jetzt in Justs. Lips. u. meiner Gesellschaft. Er ist sicher ein sehr guter Mensch; eins wünsche ich ihm nach, das ich den ‚feinen moralischen Geschmak' nennen möchte. [...] Er beobachtet die Hauptgeseze der Moral; aber die kleinen Sittlichkeiten des gemeinen Lebens u. des abgewognen geprüften Ausdruks im Reden sind ihm fremd u. gleichwohl urtheilt unser delicates Zeitalter so sehr nach diesen leztern. Ich glaube, man muß dies von seinen Freunden bekannt machen, damit sie nicht misverstanden, verkannt, wohl aber durch kleine Winke aufmerksamer gemacht werden."[25] Schlichtegroll bekundet hier mit Taktgefühl, daß ihm ernsthaft daran gelegen ist, die Umgangsformen des Melanchthon zu verbessern. In der Regel führen Maßregelungen, die das Benehmen betreffen, zu Unsicherheiten bei demjenigen, dem sie gelten. Die Möglichkeiten des quibus licet nutzt Schlichtegroll, um dem anderen Ordensmitglied indirekt und behutsam zu Hilfe zu kommen.

Wer über ein anderes Ordensmitglied Bericht erstattete, gab gleichzeitig Auskunft über seinen Charakter. Sollte die Einschätzung eines Ordensbruders bei den Oberen ernsthafte Berücksichtigung finden, mußte sie mit der gebotenen Distanz und Aufrichtigkeit verfaßt werden. Der Missbrauch von Charakterbeschreibungen und persönlichen Informationen innerhalb der quibus licet durch Dritte war zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber aufgrund der Praxis, Urteile von verschiedenen Personen einzuholen, doch recht gering. Dies galt weitgehend auch für die Einschätzungen, die Obere abzugeben hatten, obwohl sie einer weniger strengen Kontrolle unterstanden. Daß Fehlgriffe nicht völlig auszuschließen waren, zeigt das folgende Schreiben Costanzos an Zwackh: "In einem Q. L. ohne Unterschrift, das ich aber aus Nauplis {Straubing} kommen vermuthe weil es unter die andere Q. L. von dieser Kirche sich befand, sind Eure Hochwürden auf eine ganz abscheuliche Art überschrieben, nicht allein überschrieben, sondern verschwärzt worden."[26] Costanzo machte Zwackh auf den mißlichen Umstand aufmerksam und warnte freundschaftlich: "Sie müßen sich lieber, theuerster Freund, entsetzlich in Obacht nehmen; denn sie haben erstaunlich viele Feinde, und Neider. Es ist doch ein Glück, daß ich immer gewohnt bin, die Q. L. allein aufzumachen, ehe ich sie dem Alfred mittheile; denn sonst hätte dieser Mann, Gott weiß was, denken können."[27] Wie in diesem Beispiel bedurfte es im Falle des Verstoßes gegen das Gebot der gegenseitigen Achtung des umsichtigen Eingreifens der Verantwortlichen. Generell wurden Informationen, die über andere eingingen, zunächst aufgenommen, überprüft und in geeigneter Weise zumeist als Ratschlag an die Betreffenden zurückgegeben.

Mitunter konnte sich die in Gang gekommene Kommunikation zwischen Adept und Oberen bis hin zum Briefwechsel ausweiten. Der Volksaufklärer Rudolph Zacharias Becker versichert in einem quibus licet, daß er sich der Hinweise, die er auf einen früheren Bericht hin erhalten hat, annehmen werde: "Für den letzten weisen Spruch: whenever i loose a persone's Friendship p. möchte ich dem Br. Basilius die Hände küssen. Ich sehe daraus, daß er weiß, wo es mir fehlt. [...] Sollte es dem Br. Basilius belieben mir einen bestimmten Mann zu nennen, der mein Feind ist, weil ich mir keines solchen bewußt bin: so werde ich mich bestreben, die herrliche Lehre buchstäblich zu befolgen."[28] In diesem quibus licet zeigt sich, daß der Austausch mit dem Oberen sowohl der Lösung zwischenmenschlicher Probleme zugute kam als auch zu sittlicher Bildung und Menschenkenntnis beitrug.

Eine weitere wichtige Aufgabe erfüllten die quibus licet bei der Rekrutierung neuer Ordensmitglieder, wie die zahlreichen Vorschläge, wer als geeignetes Mitglied in Betracht kommen könnte, beweisen: "Der Br. Walther Fürst hat den Herrn Professor Garve in Breslau, in einem Q. L. vorgeschlagen [...] Der Professor Garve ist einer unsrer besten deutschen Philosophen, aber von sehr kränklichen Körper. [...] Möchte ich gerne den Herrn von Rochau, zu Retkan, einen sehr practischen Philosophen, Menschenfreund und guten Schriftsteller in der Pädagogic, vorschlagen. Beyde Männer wären gewiß eine vortrefliche Acquisition für den Orden."[29] Es war durchaus keine Seltenheit, daß namhafte Persönlichkeiten vorgeschlagen wurden, wie in diesem Beispiel der Philosoph Christian Garve oder der Philanthropinist von Rochow. Bode schlägt angesichts der prominenten Persönlichkeiten vor, ausnahmsweise folgendermaßen zu verfahren. Er will "d. Walther Fürst {August von S.-G.-A.} eine angenehme O. Beschäftigung damit machen, wenn ich Ihm die Korrespondenz mit Garve auftragen dürfte. Mit Rochau würde [ich] das Geschäft unmittelbar selbst, oder durch den Damasus pontifex {Johann Gottfried Herder} besorgen. Ich bitte ganz gehorsamst hier über um Belehrung, denn es kommt mir nicht sowohl darauf an, gedeckt, als überzeugt zu seyn, daß ich nicht gegen die Regeln handle."[30] Garve trat dem Orden nicht bei, auch für Rochow ist die Mitgliedschaft nicht gesichert. Die Kommunikationsmöglichkeiten via quibus licet ermöglichten dem Orden, durch die Mitwirkung seiner Mitglieder ohne große Mühen auf potentielle Neulinge aufmerksam zu werden. Es war dann nur noch Aufgabe der Oberen, die geeignetsten unter diesen zu kontaktieren und in Erfahrung zu bringen, wie sie einem möglichen Eintritt gegenüberständen.

Die quibus licet Berichte wurden außerdem gelegentlich für die einzureichenden Abhandlungen genutzt. Zwar sollten Aufsätze gesondert eingeschickt werden, doch bot es sich zuweilen wohl an, niedergeschriebene Gedanken zu einer bestimmten Thematik dem Schreiben an den Oberen beizufügen. Die auf diesem Wege übersandten Abhandlungen galten unterschiedlichen Themen, sie reichten von der recht häufig bearbeiteten Frage, ob mehr gute oder böse Menschen auf der Welt seien, über die auch recht oft erörterte Frage nach den Vor- und Nachteilen geheimer Gesellschaften bis zur der These, die Castellio {Georg Anton Wahl} von der Minervalkirche in Buttstädt {Picentia} bei Rudolstadt aufgestellt hat: "Es ist ein schädliches Vorurtheil daß so viele Kindbettnerinnen ohne Noth Sechswöchnerinnen werden, das heißt, sich volle sechs Wochen zu Hause halten, ohne dazu durch irgend eine Unpäßlichkeit veranlaßt zu werden"[31]

Quibus- licet-Berichte erfüllten, wie schon ausgeführt, unterschiedlichste Funktionen. Sie ermöglichten einheitliches Vorgehen, denn jeder Neuaufgenommene war zu regelmäßiger Berichterstattung verpflichtet. Sie legten ebenso Zeugnis ab vom Fortgang des Bildungsprozesses, beförderten die Sozialkompetenz und dienten der Schulung der Geisteskräfte der Zöglinge. Für die Oberen bedeuteten die quibus licet eine Materialsammlung zur Beförderung ihrer Menschenkenntnis. Sie gaben Fingerzeige zum Anleiten der Zöglinge und waren ein Prüfstein der Motivation der Adepten.

3. Reprochen zur Ermutigung, Belehrung und Evaluation der Adepten

Die Antworten auf die quibus-licet-Berichte, die sogenannten Reprochen, sind für den Erziehungswissenschaftler besonders von Interesse, da sie die von den Mitgliedern eingesandten Beobachtungen, Gedanken und Aufsätze beurteilen und den Werdegang jedes einzelnen ‚überwachen'. Bildeten die quibus licet hauptsächlich eine Verpflichtung für die Adepten des Ordens, so waren die Regenten, die zur Öffnung der eingehenden Berichte befugt waren, im Gegenzug gefordert, diese zu beantworten, die eingesandten Beiträge zu korrigieren, sie zu bewerten, ebenso Ratschläge zu erteilen oder neue Aufgaben anzuregen. Bestand dazu die Notwendigkeit, wurde auch Kritisches angemerkt. Sollte, was im Zwischenmenschlichen nicht ausbleibt, es zu Meinungsverschiedenheiten oder gar Auseinandersetzungen kommen, so waren keine direkten Verweise oder Zurechtweisungen zu geben. Es oblag einzig dem Provinzialen, kritisierend einzugreifen. Dies geschah ebenfalls auf dem Wege der Reprochen, die als Korrektive da, wo es nötig schien, eingesetzt wurden. Hierbei wurde auf ein unpersönliches Verfahren gesetzt, indem der Kritiker mit dem anonymen Ordensnamen Basilius unterzeichnete: "Wenn einem Mitglied, was man nicht hart angreifen darf, Verweis zu geben ist, so soll er dies mit unbekannter Hand unter dem Namen: Basilius thun. Dieser Nahme, welchen niemand führt, ist ausdrücklich im Orden zu diesem Endzweck bestimmt."[32] Die Erstellung der Reprochen oblag den Provinzialen, ausnahmsweise konnte auch ein Funktionsträger unterhalb des Provinzials, so der Präfekt in Jena {Butus} Karl Leonhard Reinhold {Decius}, die Aufgabe des Basilius übernehmen[33] Inwieweit davon Gebrauch gemacht wurde kann aufgrund der Dokumentenlage nicht mehr nachvollzogen werden.

Drei prominente Ordensobere traten unter dem Namen Basilius jedenfalls in Erscheinung. Obwohl Weishaupt als General des Ordens in der Rangordnung weit über den Provinzialen stand, übernahm auch er diese Aufgabe. Reprochen von seiner Hand waren am Anfang des Jahrhunderts Forschern wie LeForestier[34] noch zugänglich. Er verweist darauf, daß Weishaupt unter dem Namen Basilius agierte, was auch Fuchs[35] unter Berufung auf die Monographie des Franzosen hervorhebt. Daß Weishaupt tatsächlich neben den für ihn bestimmten primo-Berichten eingehende quibus licet beantwortete, bestätigt ein Brief an Zwackh, in welchem er berichtet: "Die Reprochenzettln werde ich verfertigen; aber ich muß erst abwarten, bis mich mein Componiergeist anwandelt, um hinlängliches Feuer zu haben, und mitzutheilen. Ich hoffe sie alle auf gute Wege zu bringen."[36] Weishaupt besorgte demnach das Verfassen der Reprochen mit Gewissenhaftigkeit. Die Inspiration, von der er ihre Erstellung abhängig machte, sollte sich auf die Adepten übertragen.

Ebenso wie Weishaupt war es Knigge gestattet, unter dem Namen Basilius pädagogisch tätig zu werden, wie seiner Mitteilung an Weishaupt zu entnehmen ist, er habe Georg Ernst von Rüling {Simonides} und Ernst Friedrich Hektor Falcke {Epimenides} "im Nahmen H Basilius einliegende Fragen zu beantworten aufgelegt."[37] Knigge zeichnete während der Etablierung der im hessisch-niedersächsischen Raum gelegenen Provinzen und des Aufbaus der Minervalkirche in Frankfurt verantwortlich für die Reprochen der dortigen Mitglieder. Falcke und Rüling wurden später selbst zu Provinzialen ernannt und hätten diese Funktion bekleiden können.

Der Provinzial von Ionien {Obersachsen} und spätere Kopf des Ordens, Bode, füllte das Amt des Basilius erwiesenermaßen mit großem Engagement aus. Der in den "Gothaischen gelehrten Zeitungen" im Mai 1784 erschienene Nachruf läßt keinen Zweifel an seiner Pflichterfüllung als Illuminat. Wenn der Verfasser "die seltene Menschenkenntnis, die er sich erworben hatte"[38] hervorhob, so geschah dies auch als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber dem pädagogischen Lenker des verbliebenen Ordens, dessen Reprochen von seiner unaufdringlichen Belehrungskunst als auch von seiner Anteilnahme an dem Fortgang der Bildung jedes einzelnen Mitgliedes zeugen.

Die in der Schwedenkiste befindlichen Reprochen sind zu einem Großteil Bode zuzuschreiben. Sie werden angeführt von drei Dokumenten, zwei davon in seiner Handschrift, die belegen, daß er mit der Prüfung der quibus licet befaßt war. Im ersten formuliert er die Maxime, die seine Handlungen als anonymer pädagogischer Ratgeber leiten soll: "Geling' es zum Besten der Menschheit! Zum Nachtheil des allgemeinen Besten gelinge Nichts! Amen!!!" Er wollte zum Wohle der Ordensbrüder wirken und gelobte, sein Tätigkeit auf die ihm "anbefohlene, geheime, niemand kränkende, jedem Bruder und Genossen unsers heiligen Bündnisses, heilsame Art und Weise, auszuüben."[39]

Das zweite Reprochendokument der Schwedenkiste zeigt, daß die Beantwortung der quibus licet für die Loge in Gotha sowie die mit ihr in Verbindung stehenden Illuminatenversammlungen und Minervalkirchen durch Basilius nicht von Anfang an erfolgte. Den Mitgliedern wurde in einem Schreiben u.a. mitgeteilt, daß die Überprüfung ihrer Berichte mit sofortiger Wirkung durch einen eigens zu diesem Zwecke eingesetzten Mitbruder besorgt würde: "Mit einigem Vergnügen berichte ich Ihnen, mein Bruder, das die Hindernisse, welche unsere Correspondenz bisher verzögert haben, nunmehr gehoben sind und daß sie von nun an auf jedes ihrer quibus licet und dem Inhalt desselben unausbleibliche Antwort des Basilius erhalten sollen. Sie werden sich an der Person dieses ihnen unbekannten Bruders am wenigsten irren, wenn Sie sich unter derselben nicht nur den Abgeordneten des Ordens, durch welchen die Obern die gewöhnlichen Erkundigungen über die bekannten Punkte einziehen, sondern auch einen brüderlichen Freund denken, der Ihnen die Resultate seiner aus längerer Erfahrung geschöpften Bekanntschaft mit dem Orden anbietet. Der Orden, der Ihnen den Basilius in dieser Eigenschaft vorstellt, hat denselben bereits hinlänglich in Stand gesetzt, Ihnen mit denjenigen Gesinnungen entgegen zu kommen, die Sie von einem Bruder erwarten können, der Sie weder von gestern her noch blos unter dem Charakter eines Ordensgliedes kennen, schätzen und lieben gelernt hat."[40] Basilius will also Freund und Mentor sein, nicht übergeordneter Lehrmeister, der durch autoritäres Gebaren den Zögling zum Gehorsam zwingt. Er versteht sich als Mitglied, das über reiche Erfahrung verfügt und diese zum Nutzen aller weiterzugeben bereit ist. Damit konnte der Grundstein gelegt werden für ein Vertrauensverhältnis zwischen den Adepten und Basilius, der stets bestrebt sein wollte, seine Belehrungen entsprechend der individuellen Bedürfnisse der Zöglinge zu geben.

Zu den Grundvoraussetzungen dieses Verfahrens gehörte die strikte Geheimhaltung, von der die Glaubwürdigkeit der Reprochen wesentlich abhing. Es sollten alle zur Verfügung stehenden Mittel genutzt werden, auch die Tarnung durch andere Organisationen, die gewährleisten sollte, "daß wir auch dadurch eine völlig Geheimniß sichere Presse zu unserm Gebrauche erhalten; welches, besonders bey Basilii Briefen, höchst wichtig ist."[41] Die Identität des Basilius blieb für die Mitglieder geheim. Die Reprochenzettel wurden von eigens dafür bestimmten Mitgliedern der Leitungsebene nach Erhalt entweder selbst abgeschrieben oder von Unbekannten vervielfältigt. Auf diese Weise konnten die Mitglieder lediglich Vermutungen anstellen, wer sich hinter diesem Amt verbarg. Aufgrund des vergleichsweise langsamen Informationsflusses im 18. Jahrhundert, weist Bode in einem Schreiben über das Prozedere der Reprochen Helmolt {Chrysostomos} darauf hin, es sei nicht ratsam, "daß auf die q.q.l.l. vom Mordad gleich im Schariver[42] etwas gesagt werde. Das würde nur Vermuthung über die große Nähe des Basilii"[43] erwecken, was keineswegs den Zwecken der Reprochen dienlich wäre. Bode scheint zu befürchten, daß Basilius als ein Illuminat vor Ort identifiziert werden könnte, wenn er so prompt seine Antwortschreiben versendet.

Die pädagogische Aufgabe der Reprochen war dahingehend bestimmt, die Mitglieder auf indirektem Wege "fähig, wissenschaftlich, wißbegierig, aufmerksam"[44] zu machen. Die unpersönlich ausgeübte Evaluierung ermöglichte ein unbelastetes Verhältnis zwischen Oberen und Adepten. In den Reprochen trat der Orden als Autorität in Erscheinung, die durch die Geheimhaltung gesteigert wurde. Den Adepten wurde das Gefühl der Zugehörigkeit und der Eindruck vermittelt, die gewichtige anonyme Instanz diene dem allgemeinen Besten. Die in den Dokumenten überlieferten Anweisungen und Aufträge sowie die entsprechenden Rückmeldungen beziehen sich auf Fragen, die für die wissenschaftliche Bildung von Belang waren. Die psychologischen Ratschläge dienen der Beförderung der Menschenkenntnis. Weitere Impulse wurden gegeben zur mentalen und aktiven Unterstützung von gesellschaftlich bedeutsamen Vorhaben des Ordens, wie z.B. zur Errichtung von Sozietäten.

Der in den Reprochen angeschlagene Ton war freundschaftlich und sachlich zugleich. Zurechtweisungen gehörten zu den Ausnahmen. Falls Angaben aus den quibus licet beanstandet werden mußten, sollte der Zögling entsprechend aufmerksam gemacht werden. Auch Mitglieder der oberen Leitungsebene sollten keineswegs gemaßregelt, sondern mit einem Hinweis in der Ordensversammlung bedacht werden: "Hat nun der Obere eine Klage gegen den Censor, so giebt er ihm den Reproschenzeddel mit dem Zusaz: Bessere dich und andre. Hat er aber keine Klage, so spricht er: Ich finde dich gerecht: sind es aber auch die andern Br? Hierauf theilt der Censor die Reproschenzeddel aus. Hat er aber gar keine Klage, so ruft er: Erlauchter Oberer, alles ist gerecht."[45]

Die insgesamt 285 Reprochen wurden vom dem Gothaischen Geistlichen Lerp, der Anfang des 20. Jahrhunderts sämtliche Dokumente der Schwedenkiste ordnete, in Einzel- und SammelReprochen unterteilt. Den weitaus größeren Teil mit einer Anzahl von 192 bilden die EinzelReprochen, die bereits für ihren jeweiligen Adressaten auf separate Bögen geschrieben waren. Anhand der verbleibenden 93 SammelReprochen wird nachvollziehbar, auf welche Weise die Dokumente zustande kamen. Bode schrieb seine Belehrungen, Kommentare und Aufgabenstellungen nacheinander nieder und versah den jeweiligen Text zur Orientierung der Kopisten mit Namen des Illuminaten, für den er bestimmt war.

Für die unteren Grade waren hauptsächlich Direktiven zur Bewältigung der pensa sowie Verhaltensregeln zu formulieren. Je mehr dem Adepten die Sympathien des Ordens sicher waren, desto vertraulicher konnte er sich an den unbekannten Mitbruder wenden. Die primäre Funktion der Reprochen bestand in einem geleiteten Gedankenaustausch zwischen dem Orden und dem Adepten, der so geführt werden sollte, daß sich späterhin Reprochen erübrigen und er eigenverantwortlich die Aufträge selbst erfüllen konnte. Es gehörte zu den pädagogischen Strategien des Ordens, Mitgliedern, die sich hervortaten, besondere Gratifikationen in Aussicht zu stellen: "Die Wärme, mit der Sie von dem würdigen Bruder Spartacus sprechen, ist ein Zeichen von großer Ähnlichkeit ihrer Köpfe und Herzen und ist beider Ruhm! Spartacus ist im Orden schon lange bekannt; und die Fürsehung wird schon dafür sorgen, daß seine Gaben an der rechten Stelle genüzzet werden. [...] Vielleicht hören Sie bald, daß Ihr Wunsch in diesem Punct erfüllt sey."[46] Die Becker verheißene Begegnung mit Weishaupt[47] war ein Zeichen der Anerkennung seines Engagements und war als weiterer Ansporn gedacht. Der Austausch zwischen Becker und Bode über quibus licet und Reprochen zeigt die besonderen Möglichkeiten auf, die sich durch diese indirekte Art der Belehrung auftaten. Becker hatte in einem quibus licet, das nicht in der Schwedenkiste verzeichnet ist, über die Neigung des Mitbruders Thuanus {Friedrich Ernst Carl Mereau} zur Schwärmerei berichtet. Basilius überläßt es Becker selbst, welche Maßnahmen einzuleiten sind, um diesen vermeintlichen Hang nicht ausufern zu lassen: "Die Antwort, die sie dem Bruder Thuanus geschrieben, ist gut und wahr! Sollten Sie in der Folge wirklichen Hang zur Schwärmerey an ihm gewahr werden, so versäumen Sie ja kein Mittel, ihn davon zu heilen. [...] Glauben Sie meiner Hülfe bey diesem Bruder zu bedürfen: so sagen Sie es in Ihrem q.l. Aber weil meine Antworten nicht so prommt erfolgen, und besonders bey einem jungen Schwärmer, oft Pericula in mora seyn kann; so bitte ich Sie, lieber bald selbst, nach ihrer eigenen richtigen Einsicht zu Hülfe zu eilen, wann Gefahr eintritt."[48] Diese Anweisung ermuntert Becker zu eigenverantwortlichem Handeln. Das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigt dieser, indem er Mereau auf geeignete Weise von seiner Neigung abzubringen suchte. Sollte ihm dies mißlingen, war ihm mit der Zusicherung von Unterstützung durch den Oberen weiterer Handlungsspielraum gegeben. Auch der Fall, daß Becker eine Fehleinschätzung unterlaufen sein könnte, fand bei Bode Berücksichtigung, obwohl dies wenig wahrscheinlich war. Das indirekte Verfahren der Reprochen ermöglichte die Eindämmung von gegenseitigen Unterstellungen, da zur Prüfung des Vorgebrachten jeweils die quibus licet der betreffenden Person herangezogen werden konnten.

Neben Reprochen, in denen konkreten Problemen im Miteinander des Ordens nachgegangen wurde, gab es solche, in denen Antworten in Form von Zitaten aus den Werken namhafter Philosophen, Theologen oder Essayisten erteilt wurden. Die zitierten Passagen dienten der Motivation der Mitglieder. In Reproche 52 beispielsweise wird dem Mitglied Chrysostomos {Christian Georg von Helmolt} zur Einübung in die Menschenkenntnis die häufig zitierte Stelle aus Alexander Popes Essay on Man[49] vor Augen gestellt: "The proper study of Mankind is Man."[50]

Die pädagogischen Mittel der Illuminaten waren, wie sich auch hier zeigt, variabel und psychologisch geschickt eingesetzt. In dem angeführten Beispiel war das Zitat Antwort auf eine ausstehende Frage und darüber hinaus ein Wink, sich der Lektüre philosophischer u.ä. Abhandlungen zu befleißigen. Um pädagogische Impulse zu geben, bediente sich auch Karl Leonhard Reinhold {Decius} geeigneter Zitate. Er hatte neben Bode die Befugnis zum Verfassen von Reprochen, wie das einzige von ihm in der Schwedenkiste vorhandene quibus-licet-Dokument ausweist: "Da ich keine quibus licet zur Beantwortung gefunden, so habe ich ausser der allgemeinen Einleitung zur Korrespondenz des Basilius, für jeden Bruder einen Text, meistens aus Garve der mir auf seine Individualität passend schien gewählt."[51] Der Quelle ist außerdem zu entnehmen, daß Bode die Unterstützung von Reinhold hatte, der als Präfekt des Ordens in Jena {Butus} tätig war.

Einprägsame Sentenzen konnten längere und komplexe Antworten ersparen. Die Rückmeldung in Form von Zitaten entspringt einer persönlichen Neigung Weishaupts. Bereits zur Zeit des Bestehens des Ordens, jedoch vermehrt in seinen späteren Schriften, neigte er dazu, seine Gedanken zur Illustrierung oder auch Bestätigung des Gesagten mit passend erscheinenden Zitaten aus von ihm präferierten Werken zu versehen. Der im Orden gepflegte Usus, pädagogische Intentionen im Gewande von Sentenzen und Denksprüchen zu äußern wird gerade in den Sammelreprochen bestätigt. Es fällt auf, daß die ausgewählten Passagen mit der Unterschrift des Basilius versehen, die eigentliche Quelle aber nicht genannt war. Die Reprochen bestätigten die Mitglieder in dem Gefühl, daß sie ernstgenommen wurden. Auch wenn Agethen den pädagogischen Wert der Sentenzen wie überhaupt die Einrichtung der Reprochen bezweifelt, so ist doch festzuhalten, daß die Rückäußerungen Denkanstöße gaben und in dem graduellen Bildungsgang in Verbindung mit den anderen Mitteln und Maßnahmen nachhaltig wirkten. Schon der Umstand, daß die Reprochen an die Idee der Vervollkommnung anknüpften, macht sie bedeutsam. In einer Reproche an Chrysostomos {Christian Georg v. Helmolt}, heißt es: "Ein guter Künstler giebt kein Werk aus der Hand, das nicht vollendet ist. So sollten wir hier keinen Zögling entlassen, solange wir noch etwas an ihm zu bessern wahrnehmen."[52] Helmolt selbst hatte den intendierten Vervollkommnungsprozeß durchlaufen. Er wurde Präfekt der Loge in Gotha {Syracus}, rückte bis zum Docetengrad auf und hatte die Aufsicht über die Entwicklung der gesamten Loge. Die Verpflichtung zur Rückmeldung in Form von quibus licet gab die Gewißheit, daß die Bemühungen der Adepten nicht verhallten, sondern wahrgenommen wurden. Angesichts eines solch effektiven Förderungssystems auf der Basis des Vertrauens mußten Verfolgung und Auflösung des Ordens bei vielen Mitgliedern Enttäuschung hervorrufen.

4. conduite-Tabellen zur Menschenführung

Ein weiteres pädagogisches Mittel, eine Art "Technik der Menschenführung", waren die in regelmäßigen Abständen wie die quibus licet zu verfassenden conduite-Tabellen. Sie erweisen sich als empirisches Verfahren, zu Informationen über eine Person zu gelangen. Natürlich liegt darin auch die Gefahr, die gesammelten Informationen zu mißbrauchen und dem Zögling damit oder durch manipulative Einflußnahme zu schaden. Diese Gefahrenquelle und die perfekte Organisationsstruktur des Illuminatenordens nahmen Verschwörungstheoretiker bis in 21. Jahrhundert zum Anlaß, eine Verbindungslinie zu der Personenführung in Geheimdiensten zu ziehen und das Anliegen des Ordens zu verdächtigen. Dieser Aspekt bedarf keiner Berücksichtigung, verkennt er doch die Intentionen der Illuminaten völlig.

Mittels der Tabellen erhielten die Oberen Informationen über die Fortschritte der ihnen Anbefohlenen und konnten sich darüber hinaus ein Bild von deren Lebensumständen und teilweise auch von ihren Befindlichkeiten machen. Nach dem enormen Wachstumsschub in den frühen 80er Jahren des 18. Jahrhunderts wurde es notwendig, Strategien zu entwickeln, die eine Übersicht über die Entwicklung in den einzelnen Logen auch an zentraler Stelle ermöglichte. Aus diesem Grunde wurden die von Weishaupt bereits in der Anfangszeit des Ordens eingeführten Tabellen später zunehmend bedeutsamer. Vor diesem Hintergrund ist Weishaupts Aufforderung an Zwackh aus dem Jahre 1781 zu verstehen, "daß die Tabellen eingeführt werden. Denn sie werden es selbst noch einsehen, sie sind das Fundament von allem. Was wollen sie, oder ein anderer Oberer vor gründliche Verfügungen treffen, wenn sie die Quantität und Qualität ihrer Leute nicht kennen."[53] Wenn Weishaupt es für nötig befindet, die empirischen Daten zu jedem Mitglied quantitativ und qualitativ zu erhöhen, so geschieht dies nicht primär zur Verbesserung der ordensinternen Statistik, sondern weit mehr in der Absicht, sich eine solide Basis für pädagogische Maßnahmen zu schaffen. Der Beitritt eines neuen Mitgliedes erforderte die Eruierung von Informationen über Lebensumstände, Charaktereigenschaften, Aussehen der betreffenden Person.

Die neuen Mitglieder wurden vorab zum Ausfüllen der sog. Initiationstabelle angehalten. Sie sollten eine detaillierte Lebensbeschreibung geben sowie ihre Verhältnisse darlegen. In dem von Zwackh {Cato} publizierten Anhang zu den Originalschriften wird diese Tabelle charakterisiert als ein Instrumentarium, welches "nur von einem Freund für Freunde geschrieben war, und welche meine äußerliche Leibsgestalt, meinen moralischen Charakter, meine Fähigkeiten und Leidenschaften und auch jene meiner Aeltern enthält".[54] Zwackh betont, daß diese Art der Befragung durch das freundschaftliche Verhältnis der Mitglieder untereinander ermöglicht werde. Anhand der aufgenommenen Fakten wurde ein erstes Profil des Adepten erstellt, das den Oberen ermöglichte, speziell auf ihn abgestimmte Maßnahmen einzuleiten.

Die zu erfassenden Daten, die Zwackh oben beschrieben hat, boten auch entfernteren Oberen Anhaltspunkte, sich von einer Person, die sie nicht kannten, eine Vorstellung zu machen und einzuschätzen, wie sie im Orden wirksam werden könnte. Im Hinblick auf den Aufbau des illuminatischen Netzwerkes waren Informationen zu unterhaltenen Freundschaften und zum Briefwechsel von besonderem Interesse. Eine weitere Tabelle war von den Adepten in regelmäßigen Abständen einzusenden[55]

Die Auswertung der Tabellen war für die einzelnen Grade unterschiedlich geregelt. In den unteren Klassen wurden sie auch zur Prüfung der Lernfortschritte herangezogen. Die Tabellen wurden zunächst den Illuminati minores zur Einsicht vorgelegt. Sie wurden dann vom Minervalmagistrat berichtigt und an die Illuminati dirigentis weitergegeben, die eine erste Sammeltabelle erstellten. Alle in einer Provinz entstandenen Tabellen wurden dann vom Präfekten in einem Bericht über die conduite der Mitglieder zusammengefaßt. Die Oberen hatten sich in ihrem Provinzialbericht um eine detaillierte Einschätzung der jeweiligen Person und ihrer Entwicklung zu bemühen. Die Einschätzung der Mitglieder wurde anhand folgender Bewertungskriterien vorgenommen:

  1. Anhänglichkeit
  2. Fleiß, Eifer, Tätigkeit
  3. Punctualität und Folgsamkeit
  4. Geschicklichkeit andere zu dirigiren
  5. Verschwiegenheit
  6. Klugheit, Behutsamkeit
  7. Gefühl und Reizbarkeit gegen große Entwürfe und Anstalten
  8. Treue und Heiligkeit im Worthalten
  9. Hauswirthschaft
  10. Uneigennützigkeit und Selbstverleugnung, Macht über Leidenschaften, Aufopfrung des eigenen Interesse
  11. Sitten, Moralität
  12. Aufklärung
  13. Bestreben, sich vollkommen zu machen
  14. Ruf[56]

Die Provinziale erhielten zu diesen Kriterien eine Bewertungsskala, nach der sie sowohl einzelne Mitglieder als auch sämtliche Illuminaten einer Präfektur evaluierten. Die Bewertung sollte mit Symbolen zum Ausdruck gebracht werden. Folgende Symbole wurden verwandt: 0 wenn "jemand in allen Stücken im höchsten Grad erfunden wird"[57] ≡ für den höchsten Grad an Übereinstimmung mit den Anforderungen; = für eine mittlere Leistung; – für "beynahe gar kein"[58] nachweisbares Fortkommen sowie v wenn der Obere zu einer Kategorie keine Aussagen machen konnte. Für die Auswertung waren Aussagen zu den Punkten 1, 2, 3, 5, 6, 8, 9, 11, 14 von besonderem Interesse. Diese Verfahrensweise wurde im Februar 1783 eingeführt, um von jedem Mitglied "genau unterrichtet"[59] zu sein. Provinzialberichte verfertigten z.B. Knigge {Philo}, Stolberg-Roßla {Campanella} oder von Rüling {Simonides}. Erstmals wurden solche Berichte neben Lebensläufen und ausgefüllten Tabellen als Teile des sog. Engbundarchivs im Staatsarchiv Hamburg aufgefunden. Laut Vorschrift hatte ein Präfekt Monat für Monat penibel auf die Erstellung der Tabellen zu achten. Sie sollten mit der nötigen Sorgfalt verfertigt werden: "Je detaillierter diese sind, desto besser, denn darauf beruht der ganze Operationsplan des O.s. Man sieht daraus die Anzahl der Glieder, ihre Bildung, die Fuge und den Zusammenhang der Maschine, die Stärke und Schwäche des Ganzen, und das Verhältniß der Theile gegeneinander, die Personen, welche eine Beförderung im O. verdienen, und den Werth der Versammlungen und Vorsteher."[60] bwohl die Oberen dazu angehalten waren, in bezug auf die Tabellen sorgfältig vorzugehen, wurde eine nicht korrekte Befolgung dieser Anweisungen selten wirklich geahndet.

Die Korrespondenz der Präfekten und Provinziale zeigt sogar, daß es häufig Verzögerungen gab, sowohl bei den quibus licet als auch bei den Tabellen. Einige der Präfekten erledigten ihre Arbeit nicht mit der notwendigen Gewissenhaftigkeit, wie z.B. Mieg {Epictet}, auf dessen Nachlässigkeit von Ditfurth {Minos} aufmerksam macht: "in keiner Tabelle die Epictet eingeschickt hat, stehet es ob die recepti eine religion und welche haben, Maurer oder nicht Maurer sind, und dennoch sind dies wichtige Verhältniße. Die recipienten müßen nochmahls ernsthaft aufgemuntert [werden,] kein Verhältniß des recepti auszulaßen, sondern die Tabelle zurückzugeben. Oft ist in den Tabellen der O. Nahme ausgelaßen pp. Sie nehmen es mir gewiß nicht übel, wann ich bitte einen praefect zu machen, der hierin Ordnung hält, dazu Fähigkeit und Fleiß hat."[61] Es ist anzunehmen, daß Ditfurths Anliegen über Knigge zu Weishaupt gelangte. Zu diesem Zeitpunkt war Mieg, der Weishaupt bei der Erstellung der Mysterientexte unterstützte, bereits so fest in die Leitung des Ordens integriert, daß die monierte Nachlässigkeit nicht zu Buche schlug. Anhand der Tabellen konnten nicht nur Kenntnisse über die einzelnen Mitglieder gewonnen werden, sondern auch ein Überblick über das Ordensgeschehen und ein Anhalt für optimale Organisation und Administration.

Das Ideal maschinenmäßigen Funktionierens wie es sich aus der Philosophie des französischen Materialisten Julien Offray de la Mettrie herleiten und für die Perfektionierung der Gesellschaft sowie gesellschaftlicher Systeme in Anspruch nehmen läßt, war für Weishaupt eine faszinierende Maßgabe. Auch im Orden gab es den Glauben, Abläufe und Maßnahmen gemäß einer perfekt arbeitenden Maschine könnten Vervollkommnung bewirken, deshalb sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Doch gab es auch den Zweifel an der Einlösung der Idee der Perfektion, daran, ob über die Erhebungsverfahren authentische Daten in jedem Falle zu gewinnen seien und ob jeder nach bestem Wissen Auskunft gibt. Skepsis bezüglich eines Mitgliedes äußerte beispielsweise Knigge: "Ich glaube noch immer, daß Epimenides {Ernst Friedrich Hektor Falcke} in seinem Herzen anders denkt, als er auf seiner Tabelle geschrieben hat."[62] Diese Äußerung zeigt, daß kritische Prüfung der Daten geboten und ein Urteil auf möglichst umfassende und aus unterschiedlichen Quellen kommende Informationen zu gründen ist.

Die conduite-Tabellen sind ein im Illuminatenorden angewandtes Mittel zu Erfassung personenspezifischer Daten. Sie ergänzen und komplettieren die in den quibus licet erfragten allgemeiner gehaltenen Informationen. Die Tabellen wurden zum Großteil unter Verwendung der Ordenspseudonyme ausgefüllt, damit war für Datenschutz im weitesten Sinne gesorgt. Die Erhebung und Aufzeichnung von persönlichen Informationen für pädgogische Zwecke findet sich auch außerhalb des Illuminatenordens. Ein instruktives Beispiel liefert Johann Christoph Friedrich GutsMuths, einer der ersten Lehrer der Erziehungsanstalt Schnepfenthal, die im Einflußbereich der Illuminaten lag. GuthsMuths selbst war erklärtermaßen kein Freund des Ordens. In einem Brief an die Mutter seiner Zöglinge Carl und Hans Ritter in Quedlinburg, in dem er über deren Erziehungs- und Bildungsfortschritte berichtet, ist zu erfahren, daß am Philanthropin in Schnepfenthal in ähnlicher Weise Tabellen angelegt und genutzt wurden. In diesen Tabellen wurde der Fortgang in der Erziehung und Bildung dokumentiert: "Um Ihnen künftig das Betragen Ihrer Lieben noch pünktlicher bekannt zu machen, hab ich jezt noch ein Mittel mehr. Die Sitten der Kinder werden jezt nach gewissen Rubriken des Abends geprüft, und es werden ordentl. Tabellen über dieselben gehalten. Diese Tabellen will ich Ihnen von Zeit zu Zeit mittheilen."[63] Auch der bereits erwähnte Schweizer Pädagoge Pestalozzi setzte auf diese Methode.[64]

Es zeigt sich, daß diese Art der pädagogischen Maßnahme nicht direkt in den Erziehungs- und Bildungsprozeß eingreifen kann, daß ihre Anwendung jedoch Einfluß auf die Qualität der Unterweisung hat, da sie dem Lehrenden Orientierung im Umgang mit dem Lernenden bietet, solange die eruierten Daten von ihm nicht als Direktiven mißverstanden werden.

5. Beförderung der Gelehrsamkeit durch pensa

Die ebenfalls im Rahmen der pädagogischen Praxis des Illuminatenordens zum Einsatz gekommenen sog. pensa, regelmäßig abzufassende Abhandlungen über einen konkreten Gegenstand, sollten den Oberen Aufschluß sowohl über den Kenntnisstand der Adepten als auch über ihre Denkungsart geben: "Möchte man z.B. gern wissen, wie jemand über einen Punkt denkt, so läßt man ihn darüber eine Ausarbeitung machen."[65] pensa forderten den Adepten heraus, "selbst reiflicher [...] nachzudenken" [66] und boten die Chance, seine geistigen Kräfte zu erproben und sie zu entwickeln. Der Obere erhielt Gelegenheit, Interessen und Arbeitsweise des Adepten kennenzulernen und seine Entwicklungsmöglichkeiten abzuschätzen. Letztere interessierten unter dem Aspekt eines möglichen Beitrags zur Ordensarbeit und der Übernahme entsprechender Funktionen. pensa sollten nicht bloß eine akademische Übung sein, vielmehr praktischen Nutzen bringen und den Adepten in seiner sozialen und sittlichen Reifung voranbringen. Es war daher darauf zu achten, daß "keine theoretische, speculativische, sondern nur solche, welche wahrhaftig Einfluß auf den Willen, auf die Besserung des Charakters, und auf das gesellschaftliche Band haben, damit die Leute beschäftigt seyen, ihre Fähigkeiten entwickeln, an Ordnung und Fleiß gewöhnt werden, und sich in verschiedene Lagen zu denken lernen."[67]

pensa gehörten zu den regelmäßig zu erfüllenden Pflichten eines Illuminaten, die monatlich auszuarbeiten waren. Es waren immer neue Themen und Aspekte zu durchdenken, zu strukturieren sowie in nachvollziehbarer Weise darzustellen. Die Qualität eines pensums konnte ausschlaggebend für die Beförderung im Orden werden. Die Zuweisung einer Thematik erfolgte durch den Oberen, der aufgrund seiner Kenntnis des jeweiligen Adepten ihm eine angemessene Aufgabe stellen konnte. Weishaupt ließ dem zuständigen Oberen freie Hand: "Für das Pensum und Anleiten sorgen Sie; denn sie kennen ihn näher."[68] In der Regel wurde das Thema vorgegeben, es kam jedoch auch vor, daß er sich für ein Thema aus mehreren möglichen entscheiden konnte: "Dem Pythagoras {Anton Drexl} lassen sie die Wahl unter folgenden drey Abhandlungen. 1. Ueber die Indolenz des Epicurus. 2. Ob es besser sey elend, oder gar nicht zu seyn? NB. alles aus philosophischen Gründen. 3. In wie fern der Anspruch des Sokrates wahr sey: die höchste menschliche Weisheit bestehe darinn, daß man wisse, daß man nichts weiß."[69] Neben den hier vorgeschlagenen Arbeitsthemen zu historischen Persönlichkeiten und mehr philosophischen Fragestellungen, umfaßte das thematische Spektrum zeitkritische Themen, pädagogische Fragestellungen, die Interpretation literarischer Werke oder Anleitungen für die Praxis. Zu den am häufigsten gewählten Themen gehörten ‚Über die Glückseligkeit`, ‚Klassen der Irrtümer' oder auch ‚Geselliger Zeitvertreib'. Fragestellungen mit pädagogischem Bezug waren beispielsweise ‚Zweck und Mittel bei Bildung eines jungen Weltbürgers', mit dem sich Rudolph Zacharias Becker auseinandergesetzt hat. Von Dorotheus Friedrich von Prittwitz {Conradin} stammen ‚Königsbriefe über die Erziehung der adligen Jugend'. Schack Hermann Ewald {Cassiodor} arbeitete an einem ‚Rezept zur Veredlung unserer Bildung'. In seiner Vollständigen Geschichte der Verfolgung der Illuminaten listet Weishaupt weitere 57 Themen auf. Unter ihnen dürften besonders interessant erscheinen ‚In welchem Verhältniß müssen Religion und Staatsverfassung stehen, daß keine der andern schade, und jede das allgemeine Beste hervorbringe?' oder auch ‚Welches unter den vielen Büchern, die über die Erziehung geschrieben wurden, ist sowohl in Ansehung der moralischen, als physischen Erziehung das beste, und brauchbarste, und warum?', ‚Was ist in Rouseaus Emile, und Feders Anti-Emile lobens- und tadelswürdig?'[70] Eine besondere Form der pensa waren die Preisfragen, die nach dem Vorbild akademischer Ausschreibungen den wissenschaftlichen Wettbewerb innerhalb des Illuminatenordens beleben sollten. Sie sind in den Statuten ausdrücklich hervorgehoben: "Um die Mitglieder mehr zum Arbeiten aufzumuntern, und ihre Mühe in etwas zu belohnen, wirft der O. jährlich eine oder mehr Preisfragen auf: Jedem stehet es frey, mitzuarbeiten; der Preis und die Einsendung aber wird nach der Schwere der Frage allemal bey der Aufgabe festgesetzt."[71] Preisfragen sollten zur Beförderung der angestrebten wissenschaftlichen Autarkie des Illuminatenordens beitragen. Ihre Bearbeitung durch Mitglieder sollte diese in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung schulen und darüber hinaus verwertbare Ergebnisse liefern.

Das Verfassen eines pensums war für die Ordensmitglieder, ungeachtet ob Preisfrage oder nicht, in jedem Falle nutzbringend. Qualitätvolle Texte wurden in den Ordensversammlungen vorgetragen und bildeten die Grundlage von Diskussionen. Sie verschafften den Mitgliedern Reputation. Rudolph Zacharias Becker {Henricus Stephanus} hat z.B., wie er in seinem quibus licet berichtet "in einer Minervalversammlung zu Epidamnus {Mainz} einen Aufsatz über die Menschenfurcht verlesen."[72] Viele solcher Abhandlungen wurden als Lehrmaterialien in der ordensinternen Bildung eingesetzt.

Nicht immer wurden die Abhandlungen im Sinne der Initiatoren des Ordens beachtet, vor allem, wenn sie Grundsätze des Bundes in Frage stellten. Aus dem Bericht des österreichischen Nationaloberen Leopold von Kolowrat-Krakowsky {Navius} an Weishaupt ist zu entnehmen: "erst kürzlich hat ein Minerval, so wie Mir Arian selbst erzelte eine Ausarbeitung vorgelesen, in welcher Er beweißen wollte, daß es für den O. weit fürträglicher wäre, wenn die hohen Oberen allgemein bekannt wären."[73] Diese These wurde, wie im weiteren zu erfahren ist, sofort bestritten: "Arian hat über dieses Pensum eine Gegenarbeit verfasset, die Er Samstag bey lafontaine {Franz Carl von Hompesch} durch einen dritten wird vorlesen lassen."[74] Versuche dieser Art, gegen die Verfahrensweisen des Ordens zu protestieren, waren wohl eher selten.

pensa sollten eigentlich dazu beitragen, verwirrende Dispute zu vermeiden, sie wurden zuweilen mit der Absicht vergeben, Mitglieder, die zu kritisch auftraten, von den Ordensgrundsätzen zu überzeugen. Knigge schlug deshalb vor: "Ich glaube es ist kein übler Kunstgriff einem Candidaten ein Pensum aufzugeben, darinn er gerade die Materie abhandeln muß, worüber er am wenigsten mit dem O. gleich denkt. Z. B. wenn ich merken werde, daß jemand nicht leicht Subordination verträgt; so lasse ich ihn die Frage ausarbeiten: Welche Regierungsform in einer geheimen Gesellschaft die beste ist? Dadurch gewinne ich nicht nur, daß er selbst die Sache reiflicher überdenkt, sondern auch daß ich die ganze Stärke seiner Einwürfe kennen lerne."[75] Im günstigsten Falle gelangte der Betreffende von selbst zu der Auffassung des Ordens. War dies nicht so, gab das pensum des Kritikers Aufschluß über seine Argumentationsstruktur, der man dann in geeigneter Weise begegnete konnte.

pensa sollten hauptsächlich der Förderung der Gelehrsamkeit dienen. Sie wurden auch dann vergeben, wenn bei Mitgliedern Defizite, beispielsweise im Hinblick auf seinen Wissensstand, diagnostiziert wurden. Das Thema für ein pensum wurde dann so gestellt, "daß der Recipiendus dadurch mit nöthigen Ideen bekannt werde, die ihm am meisten fehlen."[76] Dennoch beharrte man nicht auf der Abfassung von Aufsätzen, wenn ein Mitglied keinerlei Affinität oder Talent dafür zeigte, besonders dann nicht, wenn die Person anderweitige Aufgaben innerhalb des Ordens ohne Mühen übernehmen konnte. So wurde es beispielsweise im Falle des Mitgliedes Plinius minor {Sebastian Knorr} gehandhabt, der von Weishaupt für eine besonders schnelle Beförderung vorgesehen war. Er wies Zwackh an: "Mit Pensis müßen sie ihn nicht foltern, denn erstens ist er zu scheu dazu etwas zu schreiben, und weiters ist es auch nicht nöthig, weil ich ohnehin weiß, wie er denkt; er wird aber sicher um so mehr handeln, und sich bemühen, die Leute abzurichten. Zum Censor ist er gebohren."[77] Auch wenn Knorrs Illuminatenkarriere nicht in den Bahnen verlief, die Weishaupt ihm zugedacht hatte – er erreichte lediglich den Minervalgrad – verdeutlicht sein Beispiel, daß es dem Orden nicht daran gelegen war, Mitglieder, denen das Verfassen von Aufsätzen nicht gegeben war, zu verärgern. Sie erhielten anstelle dieser Aufgaben solche, für die sie sich besser eigneten.

Um sicherzustellen, daß der Vorrat an Problemstellungen nicht aufgebraucht wurde, zeichneten die Presbyter dafür verantwortlich, einen sog. catalogus desideratum anzulegen, auf den man im Bedarfsfalle zurückgreifen konnte: "Man soll sich sehr viele Fragen notiren, deren Erläuterung wichtig ist, und welche einst könnten aufgeworfen werden, z.E. in dem Fache der practischen Philosophie die Fragen: In wie fern ist der Satz wahr, das alles, was zu einem guten Zwecke führt, auch ein erlaubtes Mittel sey? [...] Solche und ähnliche Fragen schickt man an den Decan, der sie unter die verschiednen Minervalkirchen austheilt, wodurch die Zöglinge beschäftigt werden, und manche neue, kühne, brauchbare Idee in unser Magazin kommt."[78] Die Anlage dieses catalogus erfolgte nach Maßgabe des Nutzens, den der Orden aus der jeweiligen Thematik ziehen konnte. Die pensa waren demnach nicht ausschließlich zur Bildung der Mitglieder aufgegeben worden, sie sollten auch einen Beitrag zum Aufbau der illuminatischen Akademie leisten. Mit der Überprüfung der pensa waren ebenfalls hauptsächlich die Presbyter betraut. Sie hatten auch den größten Einfluß auf die Auswahl der zu bearbeitenden Themenstellungen. Hinsichtlich des Verbleibs der Abhandlungen war festgelegt, daß diese ungeachtet ihrer Qualität innerhalb des Ordens aufbewahrt werden sollten: "Abhandlungen und Aufsätze von geringem Werth bleiben bei der Magistratsversammlung liegen, die bessern werden an das geheime Kapitel eingeschickt, und dem Lokal-Obern ist alsdann angewiesen, was weiter damit vorgehen soll."[79] Man beabsichtigte sogar, die besten pensa zum Druck zu befördern. Es gab im Orden das Bestreben, eigene Publikationen zu ermöglichen und dazu den schriftstellerisch besonders ambitionierten Mitgliedern eine Plattform zu verschaffen. Damit wurden unterschiedliche Zwecke verfolgt, zum einen konnte illuminatisches Gedankengut multiplikativ innerhalb der lesenden Öffentlichkeit verbreitet werden, zum anderen sollten die geistigen Produkte der Mitglieder zur Finanzierung des Ordens beitragen: "Muntern sie auch ihre Leute auf, kleine periodische, satyrische und auf die Zeit sich schickende Aufsätze in Versen oder Prosa zu machen, besonders solche, die nicht im Stand sind, eine Geldeinlage zu thuen. Diese kann man nachmalen zum Druck befördern, wenn es der Mühe werth ist, und daß sie die Aufmerksamkeit des Publicums rege machen, um etwas Geld daraus zu lösen."[80] Es wurden zur Umsetzung dieses Vorhabens Kontakte zu Verlegern aufgenommen, wie z.B. zu Strobel in München, Göschen in Leipzig oder Grattenauer in Nürnberg. Hier zeigt sich, daß der Einfluß der Illuminaten im Verlagswesen des 18. Jahrhunderts ein bisher unberücksichtigt gebliebener Aspekt der Forschung ist. Die literarische Produktion von Ordensmitgliedern sollte daher auch unter diesem Aspekt untersucht werden und z.B. Reinholds {Decius} Die hebräischen Mysterien oder Schlossers {Dion} Wudbianer sollten auch vor diesem Hintergrund interpretiert werden.[81]

6. Lektüre zur Entwicklung von Sittlichkeit und Gelehrsamkeit

Ein weiteres Bildungsmittel, das ebenso wie die pensa auf die Gelehrsamkeit des Adepten abzielte und eng mit diesen in Verbindung stand, waren die zentral durch den Orden vorgeschriebenen oder individuell abgestimmten Empfehlungen zur Lektüre geeigneter, das Wissen sowie die Sittlichkeit des Adepten befördernder Literatur. Wie die zeitgenössischen Lesegesellschaften, zuweilen auch als solche getarnt, war man bestrebt, das populärste Bildungsmedium der Zeit, das gedruckte Wort, in Form von Büchern oder Zeitschriften, für illuminatische Zwecke zu nutzen. Weishaupt setzte auf die multiplikative Wirkung des Lesens. Lektüre wurde deshalb in den Versammlungen als auch im Rahmen der Selbstbildung der Mitglieder kultiviert. Die Auswahl der Lektüre erfolgte nach keinem festen Plan, lediglich für die Novizen wurde ein Kanon an moralphilosophischen Werken aufgestellt. Darin waren folgende Autoren aufgenommen: "Seneca, Plato, Cicero, Isocrates, Antoninus, Epictet, Wieland sowie Bücher, die reich sind an Bildern und moralischen Maximen."[82] Als verpflichtende Lektüre galten Vom Verdienste von Thomas Abbt sowie Christoph Meiners' Vermischte philosophische Schriften. In ihnen war nach Weishaupts Auffassung die Tugend als liebenswürdig, das Laster im Gegensatz dazu als abschreckend und sich selbst zur Strafe beschrieben.

Die Oberen waren angehalten, durch regelmäßige und gezielte Hinweise auf geeignete Schriften, die sie z.T. selbst vorschlagen konnten, auf das Leseverhalten ihrer Zöglinge Einfluß zu nehmen und sie zu fleißigen und kritischen Lesern erziehen: "Oft daßelbe lesen, denken, hören, sehen, verbunden mit den Gegenständen, die uns am öftersten vorkommen, und darnach handeln, das giebt eine Fertigkeit, die zulezt zur Gewohnheit wird, so und nicht anders zu denken."[83] Wie die Ideenreihe und deren Modifizierung sollte auch die gelenkte Lektüre die richtige Denkungsart hervorbringen und befördern. Wesentlich war die Qualität des Gelesenen. "Das Lesen allein genommen versetzt die Seele in einen blos leidenden Zustand. Es unterhält daher unsern Hang zur Trägheit. Die meisten Leser gleichen Menschen, welche, um Vorstellungen zu erhalten, sich ganze Tage hindurch an das Fenster stellen."[84] Die Lektüre der empfohlenen Schriften sollte einhergehen mit intensiver Reflexion, wodurch am sichersten Erweiterung des Wissens und Festigung ethischer Grundsätze erzielt werden konnten.

Eine kritische Haltung gegenüber der damaligen Literaturproduktion veranlaßte Weishaupt dazu, weitestgehend auf Autoren der Vergangenheit, hauptsächlich aus der griechisch-römischen Antike, teilweise auch der Renaissance zurückzugreifen. Für einen der bedeutendsten Vertreter hielt er den römischen Gelehrten und Dichter Quintus Horatius Flaccus, den er als Welt- und Menschenkenner schätzte. Neben Horaz galten ihm der Moralist Lucius Annaeus Seneca d. J. und auch der spanische Philosoph Baltasar Gracian y Morales als "die Häupter der Weltweisheit."[85] Die Mitglieder des Illuminatenordens rezipierten jedoch nicht nur die im Kanon der Novizen vertretenen Autoren, sondern auch ausgewählte aktuelle Literatur. Zu weiteren von Weishaupt präferierten Autoren zählten Basedow, Bellegarde, La Chambre, Dante, Helvetius, d'Holbach, Machiavelli, Meiners, Montaigne, Petrarca, Pope, Robinet, Smith.[86] Die Ordensniederlassungen verfügten je nach Engagement ihrer Mitglieder über einen Bestand an grundlegenden Schriften. Bei der Beschaffung von Lektüre wurde oftmals auf private Ressourcen zurückgegriffen. Jedes Mitglied war verpflichtet, Angaben über Bücher, die sich in seinem Besitz befanden, zu machen. Die Oberen der höheren Grade waren darüber hinaus dazu angehalten, mit Bibliotheken in Verbindung zu kommen und Quellen aufzutun, um den Mitgliedern Bücher, Zeitschriften etc. zugänglich zu machen. Weishaupt war am Aufbau von Logenbibliotheken sehr gelegen, er stellte daher Überlegungen an, wie dies zu erreichen sei: "Eure Bibliothek werde ich selbsten auch mit vielen kostbaren und seltenen Duppleten ver­stärken. Ich erwarte nur gute Gelegenheit, solche überschicken zu können. Es werden auch alle Bücher in triplo, quadruplo und centuplo genommen. Man kann solche verkaufen, und damit die Cassa verstärken, oder an andern Orten Bibliotheken errichten. Nehmen sie also von guten Büchern, was und wieviel sie bekommen."[87] Es sollten vornehmlich moralphilosophische Abhandlungen, Briefliteratur, poetische Werke wie auch naturwissenschaftliche Schriften angeschafft werden. Eine gewisse Vorzugsstellung nahmen Bildungsromane wie beispielsweise Lawrence Sternes Tristram Shandy oder Romane mit anthropologischen Fragestellungen wie Christoph Martin Wielands Agathon ein.

Ausgedehnten Besprechungen von Schrifttum widmete man sich hauptsächlich in den Minervalversammlungen, aber auch in den Versammlungen höherer Grade wurde markante Lektüre behandelt. Für die Minervalen war der Gedanken- und Meinungsaustausch über Gelesenes verpflichtend, er erfolgte innerhalb der Versammlungen nach festem Ritus. Der Leiter der Versammlung verlas eine ihm lohnend erscheinende Stelle aus einem moralphilosophischen Werk. Meist wurde sie so ausgewählt, "daß sie auf eingerissene Fehler, die abgeändert werden müssen"[88] paßte. Sie sollte Impuls sein zu anhaltender moralischer Selbsterziehung und immer auch zur Gelehrsamkeit beitragen. Die Adepten sollten während der Zusammenkunft jedoch nicht nur rezipieren. Sie wurden animiert, eigenes Wissen und eigene Gedanken einzubringen. Der Obere fragte im Anschluß an seine Lesung: "ist nicht jemand unter euch, der uns mit seiner eigene Arbeit belehren möchte?" [89] Darauf sollten "die Br. nach der Ordnung entweder eigne, oder von andern eingesandte Arbeiten" [90] lesen. Den Abschluß der Sitzung bildete die Befragung jedes einzelnen: "Dann steht einer nach dem anderen, auf des Obern gegebenes Klopfzeichen auf und wird gefragt: 1. Welches Buch er lese? 2. Was er in der Zwischenzeit vorzüglich gelesen habe?"[91] Die Antworten der Adepten wurden protokolliert und in der Versammlung ausgewertet. Rechenschaft über ihre Lesetätigkeit legten sie auch in den quibus licet ab, in breitem Umfang z.B. Amphion {Ludwig Heinrich Reinhard von Röder} und Theobald Brusciato {Identität nicht bekannt} [92]

Dem späteren Kondirektor der Gothaer Hofbibliothek und Verfasser des Nekrologs der Deutschen Adolph Heinrich Friedrich von Schlichtegroll {Gronovius} war die Rechenschaft über sein Lesepensum eine angenehme Pflicht, der er in seinen quibus licet gern nachkam. In einem seiner Berichte beurteilt er Cicero enthusiastisch: "Selten habe ich eine so unterhaltende und lehrreiche Lectüre gehabt als [...] an Cicero von den Pflichten mit Garve's Erläuterungen. Bei seiner Uebersetzung vergißt man es, daß man einen alten ließet, und seine Erläuterungen zeigen, wie groß die Fortschritte sind, die neuere Denker in der Philosophie gemacht haben."[93] Ihm war Lesen willkommen und er empfand die Beschäftigung mit wertvoller Literatur als bereichernd.

Lesebereitschaft und Leseertrag der Zöglinge waren von den Oberen in den monatlichen Reporten gesondert zu vermerken: "Die fleißigen Berichte der Superioren müssen ausweisen, wie viel Nutzen die Leute aus dieser Lektüre gezogen."[94] Es mußte deutlich hervorgehen, inwiefern das Lesen der Bildung des einzelnen zugute kam. Weishaupt war sowohl das Verstehen des Gelesenen wie auch die Anteilnahme an dem Dargestellten wichtig. Hatte er den Eindruck, daß die Lektüre keine nachhaltige Resonanz hervorgerufen hatte, monierte er dies ohne Umschweife: "Ihre Lecture gefällt mir recht wohl; aber lesen sie doch so, daß es ihnen dabey ums Herz warm wird."[95]

Daß es zweckmäßig war, zu methodischem Leseverhalten anzuleiten, beweist eine Passage aus dem Lebenslauf des Präfekten von Neuwied Carl Christian Kröber {Agis}. Er beschreibt darin, wie wenig Nutzen er aus wahllos gelesenen Schriften gezogen hatte: "Einen warmen Trieb zum Studieren hatte ich, allein niemand hatte die Barmherzigkeit, mir zu sagen, wie ich mein Studium einrichten sollte. Ich schwärmte deßwegen von einem Buche zum anderen."[96] Die von den Illuminaten angebotene und von ihren Oberen gelenkte Lektüre kam offensichtlich einem Bedürfnis der Zeit entgegen. Die Lektüreliste spiegelt Denkweise und Erwartung der Menschen am ausgehenden 18. Jahrhundert. Im Hinblick auf einen zeitgemäßen Lektürekanon ist bemerkenswert, daß Lichtenberg auf einer seiner mit "zu Lesen"[97] überschriebenen Listen vom April 1775 u.a. Robinet, Hume, Pascale oder Sterne aufzählt, die z.T. auch in den Lektüreempfehlungen der Illuminaten zu finden sind. Auch Pestalozzis Bemerkungen zu gelesenen Büchern, die vor allem aus seiner Illuminatenzeit stammen, belegen die damalige rege Lesetätigkeit der Gesellschaft. Der Illuminatenorden ist wohl der Ort an dem die Leseaktivitäten am besten organisiert betrieben wurden.

Nach einem knappen Jahrzehnt war erreicht, was Weishaupt sich erhoffte, intern entstand Schrifttum, das dem Orden auf unterschiedliche Weise zugute kam. Die Publikationen konnten neben den pensa zur wissenschaftlichen Reputation und finanziellen Autonomie des Ordens beitragen. Es wurden Projekte begonnen und z.T. realisiert, um illuminatische Gedanken einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Man vermied es, die Schriften als illuminatische ausdrücklich kenntlich zu machen.

Zwei prominente Beispiele illuminatischer pädagogischer Literatur sind Rudolph Zacharias Beckers Noth- und Hülfsbüchlein und seine "Zeitschrift für die Jugend und ihre Freunde". Für diese Projekte suchte er Rückhalt, Rat und Unterstützung im Orden, wie ein quibus licet Beckers sowie die darauf bezugnehmende Reproche belegen. Becker schreibt in seinem Bericht: "Mein Advertisement von dem Volksbuch, das ich ausarbeiten will, wird nun nach und nach in aller Bbr. Hände kommen: und ich ersuche sie dafür zu thun, was jeder vermag – Rath oder Geld – und wer kann, beydes."[98] Er erhielt daraufhin die nachstehende Antwort des Basilius: "Wenn mir Anmerkungen über Ihr Volksbuch eingesandt werden, oder ich selbst Zeit und Ursach finden sollte, welche zu machen, so werde ich solche Ihnen brüderlichst mitzutheilen nicht unterlassen. Auch wird sonst geschehen, was zur Beförderung dieses Buches nach den jezigen Zeitläuften möglich ist."[99] Aus der in den GGZ erschienenen Rezension des Volksbuches ist die Intention der Illuminaten zu erkennen, ihren volkspädagogischen Bestrebungen über große Leserkreise zum Erfolg zu verhelfen. Es sollten "Bücher, von vielen tausenden von Menschen zugleich gelesen, [...] Würkung hervorbringen"[100] Beckers Vorhaben wurde durch den Orden große Unterstützung zuteil.

Dies gilt auch für sein anderes Projekt, obwohl die Zeitschrift für die Jugend anfänglich nicht die volle Zustimmung der Ordensbrüder hatte. Ihm wird mitgeteilt: "Die O.s vorsteher sagen nicht gerne, was sie zum Besten eines oder des andern B.s thun wollen noch gethan haben. Deswegen habe ich Ihnen in Ansehung Ihrer Zeitung, hier weiter nichts zu sagen, man siehet mit Vergnügen die Veränderung, die dieses Jahr in diesem Blatte, mit der Wahl der Materien, oder auch seines Haupttones im Ausdruck gemacht worden." [101] Beckers Zeitschrift erschien in den Jahren von 1784 bis 1787, also während der aktiven Zeit des Ordens.

Ein weiteres Beispiel illuminatischer Publikationstätigkeit datiert aus dem Jahre 1778. Weishaupt drückt in einem Brief an Hertel und Zwackh seine Zufriedenheit über eine von dem Areopagiten Ernst Leopold Troppanegro {Coriolanus} verfaßte Streitschrift aus: "Bravo! Coriolanus hat seine Sache vortreflich gemacht. Sein Gespräch geht hier reissend ab. Unsre Cassa wird doch auch einen Vortheil davon haben? – Bey einer zweyten Auflag behal­te ich mir vor, Zusätze dazu zu liefern, welches auch andere thun werden."[102] Publikationen des Ordens sollten also auch kommerziell genutzt werden. Bemerkenswert ist, daß Weishaupt in die schriftstellerischen Arbeiten der Mitglieder korrigierend eingreifen wollte. Dem Autor allen Fällen schriftstellerischer Projekte des Ordens lief es so. Christoph Meiners, der Reputation als angesehener Philosoph genoß, konnte selbstbewußt schreiben: "Es wird diese Ostern von mir ein Bändchen von Briefen über die Schweiz erscheinen, von welchen ich glaube, daß sie die Zwecke unsrer G[esellschaft] werden mitbefördern helfen."[103]

Es gab jedoch nicht nur publikatorische Erfolge zu vermelden. Andere Projekte, wie der Vorschlag zu einem Periodikum, das als "Historisches Museum für Bayern und angränzende Gegenden"[104] in Anlehnung an Schlözers "Staatsanzeiger", das "Deutsche Museum" oder Wekhrlins "Chronologen für Deutschland" konzipiert war, kamen nicht zustande. Ziel dieses Vorhabens sollte es sein, dem Leser eine angenehme historische Lektüre zu bieten. Diese Zeitschrift sollte zudem eine Materialsammlung für die Bildung künftiger Geschichtsschreiber Bayerns werden und auch Beiträge zur Erziehungs- und Schulgeschichte enthalten.


Anmerkungen

  1. Vgl. hierzu die entsprechenden Ausführungen im Abschnitt zum Forschungsstand, Kapitel I, 2.
  2. Carl Gotthold Lenz (1763 – 1809); war von Schlichtegroll {Gronovius} vorgeschlagen und von Hufeland {Oldendorp} noch 1786 in den Orden aufgenommen worden. Während seiner Jenaer Studienzeit zeigte er sich als gewissenhafter Minerval, wirkte später an Wichmanns Erziehungsanstalt in Celle, war als Gymnasiallehrer in Gotha tätig und wurde Schlichtegrolls Mitarbeiter am "Nekrolog der Deutschen". Vgl. hierzu: Schüttler, MitgliederNEU.
  3. Vgl. hierzu: Schüttler, MitgliederNEU; Carl Christian Erhard Schmid (1761-1812); seine Mitgliedschaft im Orden ist nicht gesichert.
  4. Weishaupt, Verbessertes System, S. 57
  5. SK XI Dok. 372 quibus licet Justus Lipsius {Carl Gotthold Lenz}
  6. SK XI Dok. 77 quibus licet Cassiodorus {Schack Hermann Ewald}
  7. ebd.
  8. Danzer, Kaspar: "Einzige Beylage." in: Weishaupt, Nachtrag zur Rechtfertigung, S. 123 – 128, hier S. 127
  9. Maurice, Florian: "Die Mysterien der Aufklärung. Esoterische Traditionen in der Freimaurerei?" in: Neugebauer-Wölk/ Zaunstöck, Aufklärung und Esoterik, S. 274-287, hier S. 274
  10. ebd.
  11. Göchhausen, Ernst August Anton von]: Freimaurerische Wanderungen des weisen Junkers Don Quixote von Mancha und des großen Schildknappen Herrn Sancho Pansa. Eine Jahrmarktsposse. s.l., 1787, S. 158
  12. lat.: welchen es gestattet ist
  13. Vgl. hierzu den entsprechenden Abschnitt in Agethen.
  14. Weishaupt, Pythagoras, S. 351
  15. Bassus, S. 14
  16. Eine vollständige Übersicht bietet der Appendix S. 201ff, in dem das Verzeichnis der quibus licet Dokumente der Schwedenkiste in Abschrift vorliegt.
  17. "Statuten für die Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 49
  18. ebd.
  19. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, [Frankfurt] 29.5. – 2.6. 1781 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  20. Eine Übersicht von Fragekatalogen findet sich im Appendix, S. 237.
  21. ebd.
  22. SK XI Dok. 531 quibus licet Henricus Stephanus {Rudolph Zacharias Becker}
  23. Adolph v. Knigge an Adam Weishaupt (Bericht), Frankfurt, 13.7.1781 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  24. Es könnte sich um Johann Christoph Friedrich Gerlach handeln, der sich u.U. kurzzeitig bei Schlichtegroll {Gronovius} und Lenz {Justus Lipsius} in Göttingen {Andrus} hätte aufhalten können.
  25. SK XI Dok. 343 quibus licet Gronovius {Adolph Heinrich Friedrich von Schlichtegroll}
  26. Costanzo di Costanzo an Franz Xaver von Zwackh, München, Jan. 1783 OS, S. 391f
  27. ebd.
  28. SK XI Dok. 532 quibus licet Henricus Stephanus {Rudolph Zacharias Becker}
  29. Johann Christoph Bode an Johann Martin zu Stolberg-Roßla, Heropolis {Weimar}, 20.12.1783 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  30. ebd.
  31. SK XI Dok. 108 quibus licet Castellio {Diakon Johann Georg Anton Wahl} aus Picentia {Buttstädt}
  32. "Instruction für die Provincialen" in: Grolman: Spartacus und Philo, S. 169
  33. Zu denen, die zusätzlich zu ihrem Ordensnamen den des oströmischen Kirchenlehrers Basilius führen durften, gehörten u.a. Johann Friedrich Mieg {Epictet}, Johann Georg Schlosser {Dion/Euclides]]}, Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth {Minos}, Costanzo Marchese di Costanzo {Diomedes}, Johann Joachim Christoph Bode {Aemilius} und Karl Leonhard Reinhold {Decius}.
  34. Vgl. LeForestier, Les Illuminés, S. 546.
  35. Vgl. Fuchs, Reinhold, S. 48.
  36. Weishaupt an Zwackh, Ingolstadt, 16. Februar 1782 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  37. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, [Frankfurt] 24.-27. [6.1781] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  38. anon.: "Nachruf auf J. J.C. Bode." in: GGZ, 43. Stück, 28. Mai 1794, S. 396
  39. SK XII Dok. 2 Reproche des Basilius
  40. SK XII Dok. 3 allgemeine Reproche des Basilius
  41. Johann Christoph Bode an Adam Weishaupt, Gotha, 27. 8. 1783 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  42. Diese beiden Bezeichnungen gehören zur ordensinternen Zeitrechnung, die sich an der persischen orientierte. Mordad ist die verkürzte Form für das persische Merdedmeh, dem August unserer Zeitrechnung, Schariver leitet sich ab vom Persischen Schaharimeh, dem September. Eine Übersicht zur illuminatischen Zeitrechnung findet sich im Appendix, S. 213, Anm. 806
  43. SK. III Dok. 148 Bode an Helmolt vom 20. Schariver 1154 {20. 9. 1785}
  44. Unterricht, welchen die Illuminati minoris abschriftlich in die Hände bekommen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 132
  45. Statuten und Ceremonien für die Versammlung der Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 71
  46. SK XII Dok. o. N. Reproche des Basilius an Henricus Stephanus {Rudolph Zacharias Becker}
  47. Diese Passage suggeriert darüber hinaus, daß Becker die Stellung Weishaupts als General des Ordens zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war.
  48. SK XII Dok. o. Nr. Reproche des Basilius an Henricus Stephanus {Rudolph Zacharias Becker}
  49. Leider wird diese Stelle häufig in dieser verkürzten Form angebracht, bei Pope findet man das gesamte heroic couplet in dieser Form: "Know then thyself, presume not God to scan; the proper study of Mankind is Man." in: Pope, Alexander: An Essay on Man. The Twickenham Edition of the Poems of Alexander Pope. ed. by John Butt. London 1993 Bd. 3, S. 53.
  50. SK XII Dok. 52 Reproche des Basilius {Johann Christoph Bode}
  51. SK XI Dok. 182 quibus licet des Decius {Karl Leonhard Reinhold}
  52. SK XII Dok. 55 Reproche des Basilius an Chrysostomos {Christian Georg von Helmolt}
  53. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, Ingolstadt, 2. 4. 1781, OS, 371
  54. [Zwackh, Franz Xaver von (Hg.)]: Anhang zu den Originalschriften des Illuminatenordens welche auf höchsten Churfürstlichen Befehl zum Druck befördert worden sind. Frankfurt u. Leipzig 1787, S. 30
  55. Zum besseren Verständnis des Gesagten wurden die Prototypen der Tabellen in den Appendix, S. 205f aufgenommen.
  56. SK XIX Dok. 120 "Befehl der E Oberen vom Monat Benmeh 1152 J, die conduiten-Listen betreffend"
  57. ebd.
  58. ebd.
  59. ebd.
  60. Grolman, Spartacus und Philo, S. 163
  61. Franz Dietrich v. Ditfurth an Adolph v. Knigge, Wetzlar, 24.12.1782 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  62. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, o. O. u. D. [Dez. 1780] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  63. Johann Christoph Friedrich GutsMuths an Elisabeth Dorothea Zerenner, Schnepfenthal 29. 01.1788. in: Salzmannarchiv
  64. Die empirische Erfassung von relevanten Daten wurde auch in neuerer Zeit als bedeutsam für die pädagogische Praxis angesehen. Der Reformpädagoge Peter Petersen, der die sog. pädagogische Tatsachenforschung in den Mittelpunkt seiner späteren erziehungswissenschaftlichen Bemühungen rückte, erkannte zwar an, daß derartige Aufzeichnungen im Hinblick auf die Pädagogik kaum ausschlaggebend seien, daß dennoch Pädagogen, die ihrer Aufgabe gewissenhaft nachkommen wollten, ohne Übersichten, in denen Informationen zu den einzelnen Schülern verzeichnet sind, nicht auskommen: "Was durch die Fähigkeit, Tests, Profil, Beobachtungsbögen usw. anzulegen und auszuwerten, höchstens, und dann immer nur von einem voll eingearbeiteten, psychologisch durchgebildeten Pädagogen, gewonnen werden kann, das ist zu vergleichen mit dem matteren oder deutlicheren Liniennetz, über dem von dem Kundigen die plastische Zeichnung entworfen werden kann. Das bedeutet keineswegs nichts, allein für die Mehrheit viel zu wenig." In: Petersen, Pädagogische Tatsachenforschung, S. 71
  65. Unterricht, welchen die Illuminati minoris abschriftlich in die Hände bekommen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 133
  66. ebd.
  67. Grolman, Spartacus und Philo, S. 157
  68. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, [Ingolstadt] 21. 3. 1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  69. Adam Weishaupt an Hertel und Zwackh, [Ingolstadt] 6. 4. 1779 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  70. Vgl. hierzu die Transkription der Übersicht von in der Schwedenkiste aufbewahrten pensa sowie die Auflistung Weishaupts aus der Schrift Vollständige Geschichte der Verfolgung der Illuminaten in Bayern, die in den Anhang, S. 207 ff aufgenommen wurden.
  71. "Statuten für die Minervalen" in: Faber, Ächter Illuminat, S. 47
  72. SK XI Dok. 532 quibus licet Henricus Stephanus {Rudolph Zacharias Becker} Leider ist der hier angesprochene Aufsatz nicht in der Schwedenkiste aufbewahrt, doch auch die anderen von Becker eingereichten und erhaltenen Aufsätze geben beredtes Zeugnis von seinem Engagement hinsichtlich der Verwendung seiner pensa. Vgl. hierzu die diesfälligen Beiträge im Anhang.
  73. Franz Joseph von Kolowrat an Adam Weishaupt, Wien, 11. 9. 1783 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  74. ebd.
  75. Adolph von Knigge an Adam Weishaupt, (Frankfurt a. M.) 5. 11. 1780, in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  76. Adam Weishaupt an Franz Anton von Massenhausen, 31. 10. 1777 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  77. Adam Weishaupt an Franz Xaver von Zwackh, Ingolstadt, 2. 4. 1781 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  78. Grolman, Spartacus und Philo, S. 80f
  79. Grolman, Illuminatus dirigens, S. 24
  80. Adam Weishaupt an Zwackh und Hertel, 27. 3. 1779 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  81. Reinhold, Karl Leonhard: Die hebräischen Mysterien oder die älteste religiöse Freymaurerey. Leipzig 1788 Vgl. ergänzend hierzu: Meumann, Markus: "Zur Rezeption antiker Mysterien im Geheimbund der Illuminaten: Ignaz von Born, Karl Leonhard Reinhold und die Wiener Freimaurerloge Zur wahren Eintracht." in: Neugebauer-Wölk/ Zaunstöck (Hgg.), Aufklärung und Esoterik, S. 288-304.
  82. "Instructio pro Insinuantibus s. Recipientibus." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 22
  83. "Unterricht zur Bildung brauchbarer Mitarbeiter." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 120f
  84. Weishaupt, "Materialien" I. 3, S. 385
  85. Weishaupt, "Materialien" I. 2, S. 314
  86. Im Appendix, S. 217ff findet sich eine Auswahl von Literaturempfehlungen, die aus der Korrespondenz der Illuminaten zusammengestellt wurde.
  87. Adam Weishaupt an Hertel und Zwackh, [Ingolstadt,] 6. 4. 1779 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  88. "Statuten und Ceremonien für die Versammlung der Minervalen." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 76
  89. ebd.
  90. ebd.
  91. ebd.
  92. Vgl. hierzu die quibus licet von den genannten Mitgliedern in SK XI Dok. 55 -59 bzw. 64 – 69.
  93. SK XI Dok. 313 quibus licet Gronovius {Adolph Heinrich Friedrich von Schlichtegroll}
  94. "Beylage B – Fragepunkte, nach welchen der Charakter eines in diesen Grad Aufzunehmenden." in: Faber, Ächter Illuminat, S. 156
  95. Adam Weishaupt an Franz Xaver v. Zwackh, [Ingolstadt vor dem 22.12.1777] in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  96. Carl Christian Kröber "Lebenslauf" in: Fenner/ Schüttler, "Illuminatische Lebensläufe"
  97. Vgl. hierzu die Angaben in: Gumbert, Hans Ulrich (Hg.): Lichtenberg in England: Dokumente einer Begegnung. 2 Bde., Wiesbaden 1977, Bd. 1, S. 129.
  98. SK XI Dok. 531 quibus licet des Henricus Stephanus {Rudolph Zacharias Becker}
  99. SK XII Dok. o.N. Reproche des Basilius an Henricus Stephanus {Rudolph Zachrias Becker}
  100. Rez. zu R. Z. Becker: Noth- und Hülfsbüchlein. in: GGZ 42. Stück Mai 1788, S. 377- 379, hier S. 378
  101. ebd.
  102. Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Schrift um: [anon]: Gespräch der Madame Politik und eines Philosophen über die Kriegs, und Successions-Adspeckten von Baiern, gehalten Morgens in ihrem Kabinete d. 1. April, o. O. 1778. Adam Weishaupt an Zwackh und Hertel, Ingolstadt, 13. 6. 1778 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  103. Christoph Meiners an Adam Weishaupt, Göttingen, 5. 8. 1784 in: Markner/ Schüttler, Korrespondenz
  104. "Beylage B. Vorschlag und Plan eines historischen Museums." in: Weishaupt, Apologie der Illuminaten, S. 212 – 226