SK04-222

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Inhalt

Transkript

Syrakuß am 14. Esphendarmad 1153 Jezdergerd.

Hochwürdiger Herr Provinzial,
Hertzlich geliebter Freund u[nd] O[rdens] Br[uder],

Ich wünschen von gantzem Herzen, daß Sie, mein theu-
rester Bruder ihren Catharr wieder los seyn mögen.
Unser damaliger lang anhaltender Winter ist
aber leider von der Art, daß Schnupfen und Ca-
tharr die traurigen Folgen, seines schnellen Wetter-
wechsels, seyn müßen. Gedult! Noch etliche stür-
mische Wochen, als denn wird uns doch der
Frühling entgegen lächeln, und wir werden
anfangen in unseren Gärten, wärmere und wohlthä-
tigere Luft einzuathmen.
Saltzmann ist mit seiner gantzen Familie vor 10.
Tagen hier angelanget, und seit heute vor 8.
Tagen bereits in Schnepfenthal wohnhaft. Ein
paar Monate möchten wohl mit den ersten nöthigen
Einrichtungen hingehen, eher er Zöglinge kommen
laßen kann. Es hat mir unerhörte Freude gemacht
seine 7. Kinder, worunter ein adoptiertes der Sohn des
seel[igen] Prof[essors] Ausfelds[1] von Jena ist, zu sehen. |<2>
Gesunde, frische, fröhliche kleine Wesen, welche
gewiß hoffen laßen, daß Saltzmann bey seinem
ErziehungsInstitute das leisten wird, wozu er
sich anheischig gemacht hat.
Von der Hand werde wohl noch nicht auf lange
Zeit nach Cannawurf gehen können. Jetzt hält
mich meine Aufwartung als Cammerherr ab,
diese kleine Reise eher als mit Anfang Aprils
auf 14. Tage zu thun. Der May ist unser Exer-
ciermonat. Und die Johannis-Loge muß her-
nach auch selbst halten, daß ich also wohl
auch den Monat Junius wahrscheinlicher
Weise in Gotha zubringen werde. Sollte
es alsdenn mein Dienst erlauben so würde
mir die Monate Julius und Augustus in Canna-
wurf, der Aerndte wegen, zu bringen zu dürfen,
von unserm guten Herzoge erbitten. Am aller-
liebsten möchte ich da, meine Vices im Orden zu
vertreten, der Br[uder] Cato v[on] Utica ~~ ersuchen;
wenn er es annehmen könnte und wollte.
Sollte dieser gute Bruder meinen Auftrag auf eine
oder die ander Art von sich ablehnen; so erwarte |<3>
ich von Ihnen, geliebtester Bruder, Rath und
Anweisung, wem ich in diesem Falle mein Amt
während meiner Abwesenheit, übertragen soll.
Sie kennen alle unser Brüder so gut, wie ich
selbst; und würden in dieser Zwischenzeit auch
von dem durch[lauchtigsten] Br[uder] Timoleon erfahren können,
welcher ihm zu dieser Vicariatsstelle am liebsten
wäre.
Der arme Cleobul hat noch immer Sorgen und
Kummer. Seine Gattin und Sohn sind noch
nicht wieder hergestellet.
In Cannawurf bin ich doch nicht allzu empfindlich
mit Waßerschäden heimgesucht worden. Aber
in der dasigen Nachbarschaft hat die Unstrut
die Brükke zu Sachsenburg ein nebst einigen
Scheunen daselbst eingerißen, und in Oldis-
leben einige dreyßig Häuser und Scheunen
gantz und gar ruiniret.

Ich ihr ewig treuer und sie von gantz[em]
Herzen liebender Br[uder] Chrysostmous.

Anmerkungen

  1. Georg Gottlieb Ausfeld (1740-1782)