1786-03-17 Rudorff (Ali): QL: Zu Leben nach dem Tode und Vervollkommnung (1)

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Inhalt

Dürfen wir nach mehr Erkenntnis streben, nachdem die unsereige offensichtlich beschränkt ist? Ja. Wir müssen die Leiter der Wesen studieren und uns dem Zielpunkt der Erkenntnis nähern. Dank an die Vorsehung, die ihn in den Orden führte, indem er mehr tun kann als bislang im Alltag: über die Grenze des eigenen Lebens hiausdenken und sich damit auf den Tod als die Schwelle auf die nächste Stufe vorbereiten.

Transkript

Picentia d. 17. Esphend. 1155.
Wie nahe bist du dem Gedanken eines künftigen
Lebens gekommen? Ist, dünckt mich, die Frage eines
ieden vernünftigen Mannes.

Guthmütig und fromm und zuversichtlich hoffend
ließ Sander[1] über die dunckle Zukunft Trähnen
auf die Bibel fallen, und auch ich halte mich sicher
an Gott, von dem ich bin, wie der Thon in der
Hand des Töpfers. Mein Durst der Seele nach
Vollkommenheit, sagt mir ja deutlich genug, daß
ich zu ihm geschaffen bin.

Darf ich aber deswegen mich nie von heiliger
Auctorität loßreißen, nie einen Blick in meine
Natur, und von da biß über die Grenze hinüber wagen? Soll ich das, zu einer so wichtigen
Erfahrung vorräthige Brauchbare nicht aufsuchen,
nicht erkennen, nicht lieben, nicht bearbeiten,
es nicht für die Beruhigung im Sterben, und
zur Berichtigung meiner Aussichten, anwenden?

Ja! Ich darf, ich soll mich mit meinem
Geiste, mit meiner Erde, aus der ich bestehe,|<1037>
mit meiner Naturgemäßen Verbindung
mit dem ganzen, und mit dem daher folgenden
künftigen Zustande, oft und ernstlich beschäftigen;
ich soll die Schöpfungs-Leiter studiren; mich
der Grenze zwischen Mensch und Engel, nähern;
mein denckendes Wesen nicht nur, sondern
auch daßelbe in Rücksicht meines irrdischen
Stofs, betrachten, und aus Analogien, welche
die Natur darbiethet, unlängliche Resultate
abziehen.

Ich weiß es, Verehrungswürdige O[rdens]-
Obere!
Wie Dero hohen Einsichten sich besonders
auch herunter auf den Zustand eines ehelichen
Mannes erstrecken, der durch eine zusammen-
hangende Reihe von Sorgen des Brods und
der erlaubten Ehre, sich biß daheran
arbeitete, aber eben dadurch auch abgehalten
wurde, über sein künftiges wenig mehr
dencken zu können, als was ihm etwa
aus dem ersten religiösen Schul-Unterricht|<1038>
annoch beywohnet. Erst seit der Zeit,
als Sie Verehrungswürdige mich
bey der Hand ergriffen, und an Ihren
geheimen, wohlthätigen Känntnißen
vor andern nahen Antheil nehmen ließen
wurde mein Herz für die Zukunft gestärckt
und mein Danck gegen die Vorsehung, die
mich zu Ihrer Verbindung leitete., ist
eben so lebhaft, als mir die Sachen zugleich
theuer und heilig seyn müßen.

Beydes wird mir erwünschte Gelegenheit
geben, geistige Vortheile für meinen erlangten
Jahren und für den näher kommenden Schritt
aus der Zeit in die Ewigkeit zu sammlen,
sie mit meinem Glauben und Hoffen in
Parallele zu stellen, und wo ich irre,
sodann die erl[auchten] Obern um Zurechtweißung
zu bitten.

Die Forsetzung folgt

Ali

Anmerkungen

  1. Möglicherweise nur ein zu Alexander antikisierender Platzhalter-Name.