SK11-319

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Inhalt

Einschätzung der vom Orden beobachteten pot. Anwärter Weidner, Mereau und Wachler.


Transcription

Mit einiger Schaamröthe geh' ich daran, Urtheile über diejenigen meiner Be-
kanten niederzuschreiben, die zu beobachten mir der erlauchte Orden aufge-
tragen hat. Ich, selbst mit wankendem Schritt auf einer glatten Bahn ge-
hend soll den Hang anderer beurtheilen? Doch bis jezt ist mein Geständ-
nis leicht; denn es findet immer nur Stoff, Gutes zu berichten, nach dem Maas-
stab, den ich mir hiervon machte, und den Regeln, die die Grundgeseze jener
edlen Gesellschaft sind. Weidner bleibt seinem Fleis u. seiner stillen
Lebensart getreu; sein ehemaliger Fehler, sein Jähzorn, hat durch sei-
ne Bemühung gedämpft, kaum noch Spuren zurükgelassen. Die unge-
heuchelste Wahrheitsliebe z. genaue Pünktlichkeit in allen Verichtungen
kan man an ihm nicht verkennen. Bei einer bedenklichen Krankheit, die
eben jezt seinem Stubenfreund Kirsten zusties, zeigte er den besorgten u.
behülflichen Freund. Mereau, mein Stubenfreund, macht mir mein
Bekäntnis eben so leicht. Der kränkliche Zustand seiner Mutter, von dem er
oft Nachricht bekömt, giebt mir oft Gelegenheit, den zaertlick u. dank-
baren Sohn in ihm zu erkennen u. zu lieben. Sein Fleis ist ununterbrochen,
oft schlägt ihn die Langsamkeit u. Schwierigkeit nieder, die ihm das
Fassen einer Sache macht; es ist wahr, er muss Mühe anwenden; aber
selbst durch den glücklichen Erfolg seines Fleisses belehrt, giebt er meinen
Ermunterungen Gehör. Auffahren gegen Niedere, u. Anwandlungen ei-
ner unüberlegten Hitze sind die Gegenstände seiner Bemühungen, sich zu
bessern. Heinrich Wachler, den mir mein erlauchter Oberer ## einst |

zur Beobachtung nennte; ist zu schwach, um sich gleich zu bleiben; unter
den Guten ist er gut; unter den andern, anders. #, Stolz
gegen niedere, vorzugl. Dienstboten, u. zu wenig Beherrschung man-
cher Leidenschaft, scheint bei ihm mehr zu wachsen als sich zu #
dern.
  Ausser meinen ordentlichen Arbeiten, die mich jezt mit Vergnü-
gen beschäftigen, habe ich zeither gelesen: Mertens ##
Entwurf. Irwing Betrachtung über den Menschen; Canzlers
Meisners Monatsschrift, die lezten Stüke von den Ephemerid#
-##: eine Abhandlung über Verhütung des Kindermords, u. a.
ge andre Journale.
  Da ich vor dem Schlus dieses Jahres kein QL. wieder einreichen
kan, so lege ich, obwol etwas früh, die Frucht einer gestrigen S#
bei, die meine Empfindungen beim Schlus eines Jahres meine#
Lebens sagt, u. die beim Ende des bürgerlichen Jahres, das wir
bald feyern, die nemlichen seyn werden. Seegen im neuen Jahr
über jede edle Stiftung; Seegen über die unsrige.
  Butus, am 7ten Ader, J. 1154.
             Gronov.