SK12-756

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Kommentar

Reichard über seine kurzen QL und wie er seine Zeit verbringt.


Transkript

Ich erkenne, mit dem gefühle inniger Dankbarkeit, die Güte
womit die Obern nicht allein meine Bitte wegen der Rüge
des After-Faustins gewillfahrt, sondern mich auch wegen
des Stillschweigens in unsern Q.L. zu befragen geruht haben.
Ein so nachsichtvolles und gütiges Verfahren, muß mich
nothwendig rühren, und mich noch mehr an ein Institut
feßeln, das in seinem innern Gehalt so vortreflich ist, und
solche Männer zu Vorstehern hat.
Wenn ich in meinen Q. L. bisher, und vielleicht auch noch
in Zukunft, bloß die Zeit und die vorgeschriebene Abgabe di-
ser Zettel bemerkt habe, so rührt die Ursache davon her,
daß mir nichts aufsties, was ich der Mühe werth hielt,
aufgeschrieben zu werden, oder von deßen Zuträglichkeit
sowohl als Möglichkeit ich überzeugt war. Mit Projekten
glaube ich ist keinem, am wenigsten unserm Institute,
gedient, mit leerem Geschwätze noch weniger. Es zer-
splittert nur den Männern, die diese Zettel lesen müs-
sen die Zeit, oder raubt sie einem andern, nöthigerm
Geschäfte. Personen die mich kennen, wißen daß es
mir nie an Thätigkeit noch Eyfer gefehlt hat, daß
Betriebsamkeit ein Lieblingshang meines Geistes ist, und
nach disem Zeugniße, daß ich mir zwar selbst, aber ge-
wiß der Wahrheit nach, gebe, habe ich die Ehre den erlauch-
ten Obern zu versichern, daß ich mich als solches gewiß
in den Angelegenheiten des Ordens zeigen werde, sobald |

mir eine Gelegenheit dazu auffällt, die ich wichtig ge-
nug finde, dem Orden vorgetragen zu werden.
Ein paar Stunden, aus der Menge der Stunden einer
Woche, sind wenig, aber viel für den, dem sie oft
die einzige Erholung sind, und noch oft durch Be-
suche, und durch Erfüllung von Pflichten der Freund-
schaft und der gesellschaftlichen Convention verdrängt
werden. Ich habe fünf periodische Schriften zu besorgen,
ich habe Amts-Geschäfte, und 5-600 Briefe jährlich
zu beantworten, und zu allem diesen keine Beyhülfe
selbst bey Kleinigkeiten wie die C#ung, als meine
beyden Hände. Meine Gesundheit hat durch Nacht-
wachen und überhäufte Arbeit gelitten, und ich bin
es mir selbst schuldig ihr nicht mehr so viel auf-
zubürden, als ich wohl vor 4, 5 Jahren thun konnte.
In solchem Mangel an Muße ergreift man ungern
die Feder, wenn es nicht innerer Drang und Noth-
wendigkeit heischt. Monat Dee. 1785.
                                      Wiclef

                                   Ott. Reichard.


Anmerkungen