SK12-a103

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Kommentar

  • Zu Beckers Gedanken über die Umwandlung des Judentums in eine Vernunft-Religion mit Hilfe eines Geheimbunds
  • Ablehnung: Die Aufnahme von Juden würde die Arbeit des Ordens gefährden

Transkript

An Heinricus Stephanus zu Syracus
auf deßen Primo von 29ten Chordat 1155.

Ihren innren Eyfer gutes zu wirken, von dem Sie, lieber Bruder, dem
Orden schon öftere sehr erfreuliche Beweise gaben, verkennen wir auch in
diesen Ihren Primo nicht. Der Wunsch, eine ganze Nation von Joch einer
.#sischen Gesezgebung befreyen, und sie dadurch Moralisch beser und glücklicher
machen zu können, ist dieses Eyfers vorzüglich werth. Aber der Grund
auf den Ihre Hofnung beruht, ist nicht sicher genug: und der Erfüllung derselben
stehen Schwierigkeiten entgegen, die von Ihnen in dem Augenblik, da Sie die
Idee faßten und den Gedanken an dem Glücklichen Erfolg derselben Sie begeistert
hatte, wie es scheint ganz übersehen wurden. Wir geben Ihnen über beydes
nur einen Wink und erwarten dann wenn Sie den Vorschlag für aus-
führbar halten, die umständlichere entwiklung desselben nächstens.

 1. Der Grundsaz des seeligen Mendelsohns, den Sie anführen
    ,,daß die jüdische Nation keine Göttlich geofenbahrte politische
    ,,Religion, sondern bloß geofenbahrte politische und civil
    ,,Geseze habe, welche auf die Erhaltung der einen natürlichen
    ,,Religion abzielten.
 ist eine künstlich aufgestellte aber wenig haltbare Idee, der er bedurfte,
 um nicht bey seinen Äußerungen über Christenthum und besonders
 über Christliche Symbole und deren unzuläßigkeit, aus seiner eigenen
 Religion wiederlegungen befürchten zu dürfen. Religion und
 bürgerliche Gesezgebung sind in Mosis System so unzertrenlich mit
 einander verbunden, daß entweder beyde oder keiner von beyden
 als Gottliche ofenbahrung anerkannt werden müße. Aus einer
 Quelle floßen sie beyde; sey jene Quelle geweßen welche da wolle.
 Und eine natürliche Religion heißt diese Mosis-Religion, doch wohl nur sehr
 uneigentlich und nur mir einschränkung auf ein Pars dem ## und
 Bilderdienst der damahlichen Zeit entgegen gestellten einzelnen Grundsäzen, Einen
 Gott bethe an und von diesen Einen Gotte mache dir kein Bild
II. Die jüdische Nation durch eine geheime Gesellschaft dahin vorzubereiten, daß sie
 sich von jenen politischen Gesezen dispensiren und si einen Cult einer Ver-
 nunft-Religion unter sich einführen, dürfte sehr schwer fallen.
     1) Jene Politischen-Geseze sind gerade bey dieser Nation mehr als bey
        irgend einer andern, so inigst mit Religion verwebt, so tief auf
        Religion gegründet, daß unmöglich eine Absagung von ihnen bewirkt
        werden könnte, ohne zugleich die Autorität des ganzen Gesezbuchs
        zu schwächen, und so auf die in ihm aufgestellten Wahrheiten der reinen
        Vernunft Religion für den grosen Haufen sehr ## zu machen.|

 
     2) Reine vernunft Religion kann ihrer Natur nach, zu allen Zeiten
        nur das Loos einzelner vorzüglich organisierter und gebildeter
        Menschen seyn; schwerlich aber jemahls der Glaube eines ganzen
        Volkes werden. So sehr es also würdiger Zweck einer geheimen
        Gesellschaft ist, die beßere Bearbeitung der Vernunftreligion
        auf alle Art zu befördern, und guten Köpfen den Übergang zu
        derselben, auf ein für ihre Moralität nicht nachtheilige Art, zu er-
        leichtern, so wenig überlegt würde sie handeln, wenn sie sichs je inne-
        halten laßen könnte, eine Vernunftreligion zur Religion des
        grosen Haufens zu machen, da dieser zum #thigen Ausdauern
        im Guten und zum gedultigen Ertragen der Lasten des Lebens,
        des Glaubens an Ofenbahrung unausbleiblich bedarf.
     3) Und wie dächten Sie daß wir als geheime Gesellschaft
        diese Wirkung auf die Jüdische-Nation hervorbringen solten.
        Die beßern und aufgeklärtern Juden in unserm geheimen
        Bund selbst aufzunehmen, wäre hierzu freylich das wirksamste
        Mittel, aber ein Mittel das von hundert andern Seiten den
        glücklichen Fortgang unsrer ganzen Arbeit durchaus nachtheilig
        werden würde.

                       In der Versammlung der Obern.

Anmerkungen