SK12-a115

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Kommentar

Transkript

Mein lieber Bruder Henr. Steffanus.

Allerdings wäre es gut, daß wenigstens keine
jüngeren Bbr. in den M_Versammlungen, (von Aeltern
setzt man sicherere Kenntniß und richtigern Willen bil-
lig voraus) etwas vorlesen fürfe, daß er nicht vor-
her dem Superior schriftlich zu deßen Billigung ein-
gereicht habe. Aber, es ist ja auch allenthalben so!
Wenn der Superior mit Ihnen Ausnahmen macht:
so bitte ich, nicht daraus zu schließen, daß es Regel
sey. Fänden Sie es anders: so hätten Sie es im
Magistrat geziemend zu negiren.
 Ihnen, über Ihre Zeitung einen Censor von Os
wegen zu geben liebster Br. davon sehen Sie die
Schwierigkeiten ein. Der O räth nur in freyen
bürgerlichen Handlungen. Ihr eigener Gedanke,
sich vom Cassiodor diesen Liebesdienst auszubitten,
ist ein Beweiß Ihren edlen (ich will mit dem
Worte eben so freymüthig loben, als ich oft freymü-
thig sage, was ich anders zu seyn wünschen muß) Be-
scheidenheit. Aber, Sie müßen ihn dazu selbst |

bewegen. Denn so, wie der O. Ihnen keinen Censo zu
setzen, verneint: so kann er auch niemanden auf-
dringen, ein solches Amt zu übernehmen. Verlangen
Sie aber ausdrücklich, daß er auch von Os. wegen
darum ersucht werde: so zeigen Sie mirs nur an
und es soll geschehn!
Freylich theuerster Bruder; ist Annäherung
zur Vollkommenheit Unser gemeinschaftliches
Ziel! Und festes Zusammenhalten der Bbr. beson-
ders, eines Orts, verkürzt den Weg! Zu diesem festen
Zusammenhalten zu dem so wirksamen gegensei-
tigen Nehmen und Geben in Beystand und Noth,
ermahnt nicht nur so oft der O. sondern erzeugt
dazu so manchen Anlaß! Er befiehlt so ungerne;
wenn er auch durch Befehle mehr als durch brü-
derliche Aufmunterungen zu erhalten wüßte.
 Es wird nächstens ein Bruder Sie ersuchen, in
Ihrem Volksbuche auf ein, der Absicht Gottes, auf
Vermehrung des Menschengeschlechts, so schändlicher-
weise entgegen wirkendes Laster, ganz in der Stille
und ohne das LAster selbst weder directe noch indi-
recte zu nennen, bloß durch zwechmäßige Erzählun-
gen und lebendige Darstellung des Glücks kinderreicher |

Aeltern, u.s.w. wohlthätige Rücksicht zu nehmen.
Wenn ers thut (vielleicht ist es schon geschehen) so zwei-
feln die Obern nicht, Sie werden den wichtigen
Nutzen einsehen, den auch hier Ihr glückliches Talent
in populärer Darstellung stiften kann. Und, bey
Ihrer Ueberzeugung, an Ihrem guten Willen zu zwei-
feln, das fällt weder den Obern ein, noch Ihrem
Sie aufrichtig liebenden

                     Basilius

Anmerkungen