1786-08-28 Demme (Anaximander): Über nüzlichen Zweck und die dazu anwendbaren Mittel einer geheimen Gesellschaft

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Kommentar

Transkript


Über nüzlichen Zweck und dazu
anwendbaren Mittel einer geheimen
Gesellschaft

Von H. G. Demme

Durch weise Güte macht oft ein Guter wieder gut, was
so Böse verdorben haben. Mehrere solche Gute zu einem
Zweck verbunden können Wunder thun! Hier ist, denke ich,
der Haupt Zweck geheimer O[rdens] Verbindung, den sie um so viel
sicherer erreichen wird, je weiser und beßer ihre Glieder
sind. Dennoch ist Selbstvervollkommnung mit ienem
ersten Zweck: Glück der Menschheit zu fördern, eng
verbunden.

Selbstvervollkommnung erreichen sie

a) Durch fremüthigste Untersuchung, und offenste
     Mittheilung der Wahrheit;
b) Freie Entdeckung bemerkter Fehler an ihren Mitgliedern;
c) Gegenseitige Ermunterung zur strengsten Beobachtung
     der Pflicht;
d) Dadurch endlich, daß sich ieder Brudergemäß verbindlich
     machte, auf iedesmaliges Verbergen der Gesellschaft die lau-
     terste Rechenschaft über seine Handlung und Betragen
     abzulegen.

           - das Beispiel seiner edlern Mitbrüdern, und schon
             die Vorstellung an sich: Mitglied einer Gesellschaft zu
             seyn, zu einem würdigen Zweck verbunden;
             wird ieden nicht ganz Geist- und Herzllosen (was sich
             bey einer Bundes G[eselschaft[?]] nicht denken [?] lässt) kräftigste Ermunterung|<2>
             zum Guten seyn. Handlungen die er, dem Plane der Gesellschaft
             gemäß, oft auf besonderen Auftrag vollbringt, getreu
             seiner Tugend Fertigkeit u[nd] Stätigkeit –

Menschenglück befördern sie

A. Wenn ihre Glieder sich durch Tugend, durch strengste
     Beobachtung aller Pflichten in ihrem Stande, auch
     Gesellschaftlichen Umgang auszeichnen; schon durch ihr
     Beispiel andre zur Tugend bekehren – so viel gutes
     thun als sie können;
B. Wenn sie Irrthümer, Vorurtheile, Aberglauben stürzen, an
     ihre Stele nüzliche Wahrheiten auf die beste Art verbreiten;
C. Bemerckte Mängel in der menschlichen und bürgerlichen
     Gesellschaft ausbeßern;
D. Den Armen, vorzüglich dem edlern Armen thätig helfen;
E. Sich des Unschuldigen, des Unterdrückten annehmen u[nd]
F. Jeder Ungerechtigkeit, Schikane, Boßheit entgegenarb-
     beiten;
G. Dem mächtigern Bösewicht sich vereinigt entgegenstellten, seine Macht
     zu schaden einschränkten – ihm entreißeten;
H. Dem Man von Verdienst durch Empfehlung, Unterstüzzung
     zur verdienten Belohnung, Amt, Ehrenstelle helfen; überhaupt
I. Wenn sie gemeinschaftlich die Menschheit zu veredlen
     iedes Leiden zu mildern; iedes Gute zu beförderm thätigst
     bemüht sind.|<3>

Dieß ist der wichtige Gegenstand ihre Nachdenkens, ihreh
Bemmerckungen, Grundstoff ihres Briefwechsels, Unterhaltung
in Logen.

Wo bey wichtigen Unternehmungen der Einzelnen Gefahr zu fehlen,
vielleicht bey reinster Absicht zu schaden, sich nur möglich denckt.
Z[um] B[eispiel A, B, C, G; wird er nicht allein handeln, sondern Rath
Beistand, Vorschrift von der Gesellschaft einholen.

Ist eine Unternehmung einmal als zweckmäßig gut anerkant,
Ausfürhung beschloßen, ihr Plan geordnet, so ist iedes Glied
verbunden die ihm hierzu aufgetragene Rolle zu übernehmen –
mit so viel Arbeit, Mühe, Gefahr sie auch verbunden seyn sollte.

           - Es versteht such daß besondere Einwedungen, Gegengründe
             gern gehört werden; und niemand seiner Überzeugung
             von der Güte einer Unternehmung entgegenzuhandeln
             gezwungen ist –

Nothwendig zu ihrem Zweck ist Harmonie und brüderlichee Freundschaft
unter ihren Gliedern. Daher notwendig, daß ieder Bundes-Ge-
noße, so bald er etwas gegen einen anderen haben sollte, nach
vorhergegangegen vergeblichen Versuch zu stiller Aussöhnung, solches so gleich der
Gesellschaft anzeige. Diese wenn sie vollkomene Aussöhnung nicht
zu Stande bringen könnte, wird nach Befinden, einen oder
beide, auf eine Zeitlang, oder auf immer von der Verbindung
ausschließen. Heilig sind ihnen Pflichten der Freundschaft
gegen den O[rdens]bruder: aber ihre Freundschaft ist dennoch ihrem
Hauptzweck untergeordnet. Z[um] B[eispiel] unter 2 Compatanten
zu einem Amte im Stande, welches die Gesellschaft geben könnte, wäre
der unstreitig würdigere ein Fremde: so wird der ansre, ohn-
geacht er ihr Bundesgenosse ist, zurückstehen müssen. Die Gesell-
schaft wird den unverschuldet verarmten Bundesg[genossen] unterstüzzen, Aber diese
besondere Unterstüzzung ncht leicht zum Gesez machen.|<4>

Es ist notwendig daß die Gesellschaft einige Vorsteher (doch wohl ein
Obercolegium) annehmen, welches über Befolgung der Gesetze wachen,
Zusammenkünfte oder schriftlichen Umlauf besorgen, Unterhaltungen
in Logen ordnen, wichtige Unternehmungen nebst den Mitteln
zur Ausführung noch eimal durchdencken, Stellen austheilen,
vorzüglich bey etwaigem Zwist entscheiden und Gesezmäßiges
Gericht über Handlungen der Brüder halten. Sie erkennt
der Bundes-Genosse um so viel lieber als Obere u[nd] Richter, da
er voraussetzen darf: daß nur die Weisesten und Besten hier[für]
ernannt werden, daß sie nur nach von ihm selbst angenomme-
nen Gesetzen richten, und ihm nie, seiner geprüften
Überzeugung entgegen willkührliche Befehle ertheilen.
Ihr Gericht fürchte der Unwürdige, ihre strengste Ahndung
der Verräther.

Um des nüzlich traurigen Falls willen daß ein Unwürd[diger]
sich einschleiche, mögen für den Anfänger, aber nicht
für die bewährten Brüder unbekannte Obere ste[hen].

Nur nach vorhergegangener nüzlicher Prüfung nimt die Gesellschaft den
ihr von einem bewährten Bruder empfohlnen Man auf. Vieleicht
daß es in dieser Rücksicht gut wäre, wenn sie unter ihrer allgem[einen]
und der besonderten Aufsicht von ihr gesezter Mitglieder Unterricht
als Pflanzschule für den O[rden] einrichte – moralische Verbeßerungs An[stalten]
vorzüglich für iüngere Männer. Schon deswegen gut, weil dadurch
der schon in ihren Bund aufgenommene um so viel thätiger für seinen n[ächsten]
Wirkungs-Kreis arbeiten könnte – ?

Der Man der in ihren Bund aufgenommen werden will muß der höher[en]
Freundschaft empfänglich seyn und sich nie durch Laster entwürdigt haben.
Er muß Sinn und Liebe für Wahrheit haben, und die Nothwendigkeit
des tugendhaften Lebens muß ihm die gewißeste und heiligste Wahr-
heit setzen und schon vor seier Aufnahme muß er nach dieser Wahrheit
gehandelt haben. Er muß endlich Muth und Kraft genug haben der #
~## das theuerste Opfer willig zu bringen, für Tugend keine
Gefahr zu scheuen, für Menschen-Glück zu sterben.


Anmerkungen