Difference between revisions of "1786-08 Bode (Basilius): Reproche an Schenk (Robertus Stephanus)"

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* '''Aktenbestand:''' [[Schwedenkiste Band 12]], Dokument [[SK12-a261]]
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* '''Aktenbestand:''' [[Schwedenkiste Band 12]], Dokument [[SK12-261.12]]
 
* '''Standort:''' [[GStA PK]], Freimaurer, 5.2. G 39 JL. Ernst zum Kompaß, Gotha, Nr. 110. Schwedenkiste. Quibus Licet T-Z und Reprochen  
 
* '''Standort:''' [[GStA PK]], Freimaurer, 5.2. G 39 JL. Ernst zum Kompaß, Gotha, Nr. 110. Schwedenkiste. Quibus Licet T-Z und Reprochen  
 
* '''Autor:''' [[Basilius]] ([[Bode]])
 
* '''Autor:''' [[Basilius]] ([[Bode]])

Revision as of 09:39, 20 July 2016

Zusammenfassung

  • Es ist ein wirklicher Fehler der Policey einer Stadt, wenn ein solcher Unfug, worüber Sie in Ihrem Q.L. klagen, stattfinden kann. Die geschädigten Nachbarn müssten bei der polizei vorstellig werden und sich persönlich über die Ruhestörung und Schlafmangel beklagen. Allerdings, insofern die Lärmbelästigung selten vorkomme, täte die Polizei Recht daran, ein Auge zuzudrücken. Wenn Sie also tobendes Nachtschwärmen oft bemerken sollten, so zeigen Sie es ungescheut an bey der Policey, und reden es mit andern wackren vernünftigen Menschen ab, darüber mit Ernst und Spott in Gesellschaften zu reden. Der gemeine Mann würde ebenfalls so denken. Doch Sie möchten glauben ich wollte einen satirschen Zug gegen Sie anbringen; welhes aber wahrhaftig meine Meynung nicht ist. _ Ich wünsche vielmehr eine gewisse Strenge im Beurtheilen der Menschen und Sachen, die selbst in der ##, aus Ihrer Seele zu bringen; und zwar bloß deswegen, weil es Sie nicht so glücklich seyn läßt, als Sie es ohnedem seyn könnten. Die Strenge, die er schon so oft an Schenk wahrgenommen habe, störe dessen eigene Ruhe. Der Mensch solle aber nach gleichgültiger Verachtung für die Übel um ihn herum streben; dies sei der Weg zur Glückseligkeit. Und weiter: Bin ich Ihnen nicht schon verständlich wenn ich hier Ihren Aufsatz, über die Beerdigung der Selbstmörder nenne? schenk schade nur seiner eigenen Glückseligkeit, wenn er so streng - auch über sich selbst - richte. erstlich, warum flieht man gewöhnlich denUmgang alter Menschen? Ist es auch deswegen, weil sie so gerne Klagen? So gern alles um sich her tadeln? Als junger Mann müsse Schenk anpacken und verbessern, nicht lamentieren. Schenk solle daher seinen Aufsatz nicht vorlesen, auch nicht in den Ordensversammlungen. Die M. Versammlung ist ja nicht Richter über die Richter. Weiter: Ich kann mich wegen Mangel an Zeit, nicht darauf ein lassen, Ihnen durchgängig zu zeigen, wie Sie sich von Ihrer Leidenschaft haben hinreissen lassen, ganz wahre Sätze, falsch anzuwenden; wie Sie mit einer fast unbegreiflichen Zuversicht auf Ihre eigen eigenschaften die Resultate des Nachdenkens anderer Männer nicht nur als verwerflich darstellen, sondern so gar mit einer Art von Ironie behandeln, wie etwa ein Mann thun könnte, der mit und von kindern spräche, dabey überhaupt in einem so fast schneidenden, entscheidenden Ton reden, als ob die Kürze der Zeit ihnen nicht zugelassen hätte gemäsigtere Ausdrücke zu suchen, oder Ihren styl nach Ihrem Verhaltniß zu bilden! Wollen Sie Beweise? Der erste Satz gleich, scheint wenigstens zu sagen: als ob allein Sie im besitz des moralischen Microscop wären!!! Falsch ist es, daß zur wahren Tapferkeit ein Theil Grausamkeit gehöre. Falsch, daß ein Stich von Geitz durch den Charakter eines guten Haushalters gehe. Falsch ist es, das Falschheit zum Mißtrauen, und Mißtrauen zur Vorsicht nöthig sey. Schenks Behauptung, dass es in alten Zeiten weniger Selbstmörder und Huren (bzw. uneheliche Kinder) gegeben habe, sei unbewiesen. Heute könne man auf Journale zurückgreifen, doch aus früheren Zeiten lägen solche Berichte nicht vor. Und alte Kirchenbücher würden zur Thematik auch keine Auskunft geben. Ich verabscheue, als Christ, als Ordens Bruder und als Menschen den Selbstmord, von ganzer Seele. Ich sehe es mit innigem Bedauern, das es auch unter aufgeklärten Nationen Selbstmörder giebt. Aber so fest möchte ich mich an der Aufklärung nicht versündigen, nur den geringsten Zweifel zu äussern, wie Sie, ob das nicht vielleicht an der Aufklärung selbst liegen kann? Selbst in der aufgeklärtesten Nation gebe es schließlich noch unaufgeklärte Menschen. Wer aufgeklärt sei, würde sich nicht selbst töten. Ergo seien Selbstmörder verrückt.

Transkript

Anmerkungen