1788-01-22 Nicolai (Lucianus): Brief an Bode (Aemilius)

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Kommentar

Transcript

Berl[in] den 22. Jan[uar] 1788

Ich habe mein bester Freund, Ihr Schreiben vom 2.ten Dec[em]br[is]
immer noch unbeantwortet vor mir liegen. Krankheit, und
sehr viele Geschäfte sind schuld daran. Ich habe seit dem
auch von Herrn Heß Ihr Tagebuch über den Magnetis-
mus erhalten. Mündlich wollen wir vieleicht einmahl mehr
davon sprechen. So viel scheint mir doch in allen sehr ausgemacht
das wenn in der Sache ein Zehntheil Wahrheit ist, so sind gewiß
zwey Zehnteil Betrug, und Sieben Zehntheil falscher Ein-
bildung. Da es nun ausgemacht ist, daß, wie Sie auch selb-
sten sehr richtig bemerken, die ganze Sache von Lyon
aus in die Welt gesprengt worden, so siehet man auch genugsam
daß sie auch von da aus nach immer dirigirt wird
damit durch sie die Absichten der unbekannten Obern aus-
geführt werden. Dis allein ist schon genung das vernünfthi-
ge Leute auf diese Sache mistrauisch werden müßten, und
nichts zur Beförderung desselben beyzutragen suchen
werden.

Ich glaube Sie berutheilen W[eishaupt] sehr richtig, ich glaube auch, daß
Ehrgeiz die erste Triefeder seiner ersten Unternehmung
gewesen sey. Daher war er auch so wenig delikat in den
mitteln seinen Zweck zu erhalten. Dazu komt noch das er
sich selbst sehr viel Weltkentniße zutraute, aber sie gar
nicht hatte, und nicht einmahl einen recht deutlichen und rich-
tigen Begriff von den Gebäude hatte, das er auführen
wollte, und von den[1] der Beschaffenheit der Materialien|<2>
welche dazu gebraucht werden solten. (Hierin gleicht er
ganz unsrem lieben Bruder Dicearch). Er arbei-
tete nur also ins getag [?] hinein und glaubte wenn
die Sache sich nun erst ausbreitete, und viele Menschen
dazu vereinigt würden, so würde schon etwas gros-
ses heraus kommen. Hätte er einige Welt und Menschen-
kentiß gehabt, und Selbst Kentniß genug, um sich die
Schwäche und Consequenz seines eignen Systems, die er
doch irgend mehr als jemand einsehen muste, nicht zu
verhelen, so hätte er selbst bald einsehen müssen,
daß es unmöglich sein werde, das System der Jesuiten
damit zu stürzen, welches so consequent, und in der
ganzen Welt so mächtig ist. Dadurch gab er den Jesui-
ten selbst die Mittel in die Hand, ihm und sein System
zu stürzen, und was noch schlimmer ist es zu ihren
Absichten zu gebrauchen. Ich bin daher sehr froh
das es gefallen ist, denn das Ubel wär viel größer
gewesen, wenn es wäre stehen blieben, und ohne daß
es die besten Mitglieder gemerckt hätten, zu den
Absichten der Neun und Neunzig hätte dienen müssen.
Im Eichstätt war doch schon so etwas, und es fehlt
den guten Vätern gewiß nicht an guten Willen, noch
die überbleibsel des Systems, nach ihren Absichten und
nach ihrer Convenienz umzuformen. Mir ist die
ganze Sache doppelt Lehrreich. Denn ich sehe nun aber-|</3>
mahl, was ich schon lange wuste, das man mit Geheimen
Gesellschaften sehr behutsam umgehen muß, weil dadurch
die besten Menschen so sehr leicht ein Spiel schlauer
unbekannter Obern werden können, selbst da wo sie es
am wenigsten vermuthen.

St.[2] ist ein sehr verächtlicher Mensch. Sein 2ter Theil
Vermehrt würcklich bey jeden die etwas von der Sache
wißen offenbar ohne den Verdacht, als das es ihn ver-
mindern sollte, ich werde über diesen 2ten Theil in Ansehung
meiner höchstens ein paar Worte als eine Anmerckung zu
einer Recension in der deutschen Bibl[iothek][3] sagen, welche
ich bald zu erhalten hoffe. Der elende Mensch verdient
nicht mehr, ob er gleich bey vielen Leuten weit mehr
Eindruck macht als seine Schreiberey verdient.

Ich bekam kürzlich eine Nachricht, welche mir ungemein
aufiel, da sie von guter Hand komt, und durch die
Umstände mehr glaubwürdig wird. Die neu errichtete
Leihbank zu Wien, von welcher man lange nicht begreiffen
konnte, woher der starcke Hand herkäme, ist das Werck
unsserer guten Freunde. Die Sache ist durch den a Ceraso [?]
gegangen. Es endeckt sich hier abermahl eine star-
cke Spur der Verbindungen in Dänemarck, wovon
ich bey Gelegenheit der dortigen Handlungs-Compag-
nien während den lezten See Kriege schon ziemlich
deutlich etwas gemerckt hatte.

Ich muß gestehen, ich glaube, es würde jetzt aus vielerley
Ursachen die rechte Zeit sein, mit den geheimen Acten heraus
zu rücken. Ich wünschte, das Sie auch dieser Meynung wären.
Gerade jetzt würden sie zu rechten Zeit kommen, um die
begriffe welche geflissentlich verwirret worden sind
in etwas aufzukklären-

Vergessen Sie doch nicht, das Sie mir ein wohlgetenstenes [?]
Bildniß von Ihnen versprochen haben, um es für
die Deutsche Bibl[iothek] stechen zu lassen.

Leben sie recht wohl, ich bin von ganzem Herzen

Ihr

Ergebenstere Diener
Nicolai


    [in der Handschrift Bodes] Ists denn wahr daß Sie ~~~ ~~~
    an ihren sel[igen] Bruder ~~~ amm ~~~
    ~~~~ laßen? Ma~~~ ~~~
    soll. Dieß jemand gesagt haen. ~~
    diese Brife, so treflich sie auch
    einen kleinen Zirkel sind. Doch
    auch das Licht des großen Publikums
    ertragen können. Doch dies werden
    Sie am besten wissen, da Sie sie
    gelesen haben.

    ~lö~~ ist in Todesgefahr gewesen
    Sie ist etwas besser, aber auch
    ~~~ etwas. Sie wird, um ~~~
    zu verhüten im F~~~~ung ~~~
    ~~~~band oder ein aus
    ~~~ wissen

Anmerkungen

  1. den offenbar vergessen durchzustreichen
  2. ???
  3. Nicolais Zeitschrift Allgemeine deutsche Bibliothek