August von Sachsen-Gotha-Altenburg (Walther Fürst): Allgememeiner Begriff von dieser Gesellschafft

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Kommentar

Die Autorzuschreibung beruht bislang nur auf der Zuweisung innerhalb der Schwedenkiste. Der Aufsatz bietet eine kurze Herleitung der Geheimgesellschaften aus den Anfängen menschlicher Kultur. Früh mussten sich Spezialisten der Wahrheitssuche vom gemeinen Volk abkapseln und Geheimlehren aufbauen, um ihr Wissen über die Zusammenhänge sicher weitergeben zu können – während sich die gemeine Gesellschaft auf die alltägliche Produktivität ausrichtete. Die Freimaurerei entstand hier in der Vorzeit, entwickelte sich jedoch in eine prekäre Richtung in der die gegenwärtige Gesellschaft (deren Name nicht genannt wird) Auswege aus den Dilemmata suchte.

Acht Problemstellen der Freimaurerei werden genannt, denen die angesprochene Gesellschaft sich konstruktiv stellte. Das interessanteste Moment ist dabei ihr Verhältnis zur Freimaurerei: Sie gibt den eigenen Mitgliedern gar keine Aufstiegschancen, wenn sie nicht gleichzeitig auch Freimaurer mindestens dritten Grades sind. Man ermutigt Mitglieder, die vermuten, in anderen Gesellschaften weiterzukommen, in diesen zu sein, so überlegen steht man hier als Wissensanbieter im Raum.

Vor allem unterscheidet man sich in der auf das Individuum und sein Begriffsvermögen ausgerichteten Mitgliederführung von der Freimaurerei. Geheimnisse erhält im vorliegenden Orden niemand, es sei denn er ist für sie befähigt und nur o viele wie er fassen kann.

Die Abschrift mutet nach einer unter Schwierigkeiten des Textverständnisses geschehen Arbeit an. Worte scheinen verloren gegangen, die Grammatik ist nicht überall sicher.

Transkript

Es giebt Wahrheiten, heilige Wolthaten, die dem Menschen über seinen vergangenen, gegenwärtigen
und zukünftigen Zustand Aufklärung geben. – Es giebt deren gewiß. Man nenne sie Offen-
bahrungen, oder wie man will, genug, sie sind die Resultate tiefster Nachforschungen, oder oder Über-
lieferungen aus den Händen höherer Wesen. Und jeder kluge Mensch muß fühlen, daß Er
derer bedarf, weil ihm über unzählichen Dingen in der Natur Zweiffel übrig bleiben. Könnte
diese Zweiffel gehoben seyn? oder kann ers nicht? Sind diejenigen Erklährungen welche
der verschiedenen Völcker, der Priester, Philosophen und Forscher erhalten haben wahr? Oder nicht?

Um dies zu untersuchen gehört keine gemeine Anstrengung. Leidenschaften, körperliche
Verhältnisse, und manche Hindernisse, sezzen die mehresten Menschen ausser Stand, sich diesen
höheren Gegenständen, ganz zu widmen. Auch würde es bey jezziger Welt Einrichtung,
ein grosses Unglück für die Menschheit seyn, wenn sich alle Menschen sich Specudationischen
Wissenschaften widmen und ihrer Hände dem gemeinen Wesen entziehen wollten. Ehemals
wwar es wohl nicht also als unsere Bedürfnisse nicht so sehr vervielfältigt, unsere Verbindungen nicht
so verwebt, unsere Leidenschaften nicht so mannigfaltig getheilet und gewizt waren, da die
Menschen die brüderlichen Bande blos als Nebenfabrik, nicht aks Haupt-Augenmerk ihres Daseins
betrachteten, so war das erste Augenmerk des Menschen, die Erfüllung seiner Bestimmung.

Er sah sich zuerst als ein Glied in der Creaturen Kette, nebenher als einen Erdbürger an, aber
nach und nach, wurden auch wahre Weisheit, ächte Einsicht in das Ganze, immer seltener, immer mehr
mit Menschen Satzungen, nach der Richtung des Zeitalters durchlebt, verfälscht und zuletzt das
Monopolium einer kleinen Anzahl von Männern, die entfernt den allen stöhrenden Hindernissen
die reine Wahrheit fortpflanzten; und solche ihren Nachkommen überlieferten. Da diese Menschen
aber, nie vergaßen daß sie Zugleich auch Erdbürger wären, so blieb ihr Haupt-Augenmerk, immer|<1009>
unmerklich auf dem grossen Hauffen, den durch der Strohm der Cultur fortgerissenen würde, eine solche
Richtung zu geben, daß derselbe, so viele als die durch den weltbegebenheiten erzeugten Umstände litten
nicht gar zu weit in dies Laster[?] einrissen. Zu diesem Endzweck kleideten die, ihre Lehren, die
ächten Grund Säzze der Wahrheit, in jedem Jahrhundert in eine solche Hülle ein welche sich zu dem
Zeitalter paßte. Sie vergassen nie, daß man nicht bloß in der Welt zum Speculiren und um in
sich selbst glücklich und ruhig zu seyn lebt, sondern daß man auch seinen Mitgeschöpfen Hülffe
und Trost zu geben schuldig ist. Unter die verschiedenen Weißheits-Schulen, welche
Wahrheiten zu lehren haben, gehört ohne Zweiffel auch der Frey-Maurer Orden; allen wenn auch
sein inneres Heiligthum rein geblieben ist, so ist doch seine äussere Form, gänzlich verkehrt worden.
Und doch könnte derselbe so viel Gutes wirken! Jetzt ist gerade der Zeit-Punkt, da eine solche Schule
der Welt am wichtigsten ist. Denn die Welt hat eine solche Richtung bekommen, daß man für jetzt
von hinter her anfangen muß, um die Menschen, ehe man sie in höhere Weißheir einweisen kann
~~~ gantz anders zu stimmen, und sie für die Weißheit empfänglich zu machen.

Die Gesellschafft von der hier die Rede ist, sieht dies ein; und ist im Stande, das Entweyhte
wiederherzustellen. Sie hat Männer von grossen Kenntnissen in ihrem Schooße, Männer,
die in mehr als in einer Weißheits-Schule gebildet sind, Männer, die an den Spizzen aller geheimen
Gesellschaften, und aller Frey-Maurer Systeme, ~~~ ~~~ Kreyse haben, und mithin zuverläßig
wissen, was gut, was ächt und nüzzlich ist oder nicht. Allein sie verlangen nicht, daß man
ihnen dieß auf ihr Wort glaube, sondern nur, daß man sie nach ihrer äuseren Einrichtung
beurtheilen solle. Handeln, ist ihr erster Zweck. – Die Welt besser und klüger zu
machen. – Man solle ganz vergessen, daß sie Geheimnisse haben und nur darauf sehen,
was sie für das Wohl der Menschheit, im allgemeinen thun.

Alle Wissenschafften, alle nicht öffentliche Einrichtungen befürffen einer Reforme, aber eine solche
Hauptreforme darff nicht öffentlich, kann nicht schnell vorgenommen werden, und darf auch
keine Folge seyn, die da mehr einreißt als sie erbaut. Doch muß sie allgemein seyn – alles
umfassen; sich nicht bloß mit theoretischen Speculationen, sondern mit wohlthätigen Anstalten
beschäftigen, um die Menschen, zu ihrer ursprünglichen Würde, wiederum zu erheben.|<3>

Wenn sich die besseren Menschen verbinden der Corruption zu steuern und die Hindernisse hinweg zu
räumen welche der Weißheit und Tugend im Wege sind, so müssen diese Menschen nicht nur allein
diese Hindernisse kennen, sondern auch die kräftigsten Mittel haben, dieselben zu heben. Dies
findet man alle in solchen geheimen Verbindungen, und nahmentlich in der heutigen Frey-Maurerey
nicht, denn


    1. bestehen dieselben zum Theil aus Menschen die sich gar nicht überdiese Gemeinen erheben
    2. sind diese Menschen nicht vom einen Geiste belebt, denn da sie sind nicht von Jugend auf
        dazu gebildet sind, so hat ein jeder seine eigene Richtung und folgt seinem eigenen Kopfe,
        wie ihn die Leidenschaft dahin führt.
    3. kennt man die Mitglieder nicht genau genug, weiß nicht wozu eun jeder taugt,
    4. werden doch alle auf einerley Art geführt, und durch einerley, sehr unsichre, oft durch
        gar keine Proben geprüft,
    5. können auch am Ende dahin daß sie nichts erfahren. Denn es ist nicht nur kein
        festes System in der Maurerey über die gemeinsten Wahrheiten, sondern von höherem
        Kenntnissen, wird gar nichts gelehrt: und niemahl angeführten Leute, in dem Besizze der
        über-natürlichen Weißheit seyn können? Ja die Geschichte der Frey-Maurerey und
        ihr eigentlicher Endzweck, ist nicht einmahl unter ihnen bekannt,
    6. bekümmert sich die heutige Frey-Maurerey gar nicht um die Hindernisse, welche der Weiß-
        heit und Tugend entgegen stehen; also wird auf diese Weise, nie was für die Welt
        leidenen
    7. Wird dem Ansehen, der Macht und allen Leidenschafte, auf grobe oder feine Weise ge-
        schmeichelt; und Eigennuz, Ehrgeiz, Eitelkeit, Privatheil[?], Genuß, Schlämmerey, Betrug
        und Unwißenheit, haben alle Gelegenheit eine Rolle darin spielen zu können.
    8. Will jedermann um sein selbst willen lernen, nichts für das allgemeine Beste thun
        und will Früchte erndten, wo er nicht gesäet hat.

Bey unserer Gesellschaft hingegen, ist alles dies gehoben; 1. Werden nur äußerst geprüfte
Menschen darinnen aufgenommen und befördert. 2. Bildet man diese Menschen weise|<4>
mit unbeschreiblicher Kunst, damit sie nach und [nach] alle menschlichen Dinge mit einerley Augen ansehen, des-
wegen nimmt man am besten junge Leute, weil diese noch wenig von Vortheilen ange~~~ sind, und
weniger auf enmahl fordern. Die Erwachsenen aber, müssen alle diese Proben durchgehen.
Man bekümmert sich wenig um ihre Ungedult, und wenn sie zurücketretten, soläßt man sie lauffen.
Wer aber ausdauert – nichts für klein hält, was Beziehung auf die Veredlung des Menschen-Geschlechts
haben kann – seine Anhänglichkeit zeigt – dieser findet ins gewiß bey uns was er sucht. 3. Man
hat die sicheren Mittel seine Mitglieder aufs genauere kennen zu lernen. 4. Da immer kleine
Verschiedenheiten unter dieselben stattfinden, so wird keiner, auf eben die Art wie der andere behandelt,
sondern ein jeder, seiner Richtung und seinen Fähigkeiten gemäß, geführt und in Thätigkeit gesezt.
Daher ist es beynahe in eines jeden Hand, ob und w~~~ er in unserem Plane Theil nehmen will
5. Werden an niemand, Geheimniße versprochen, weil man nicht weiß, ob man daß Versprechen
einem jeden Würde halten können. Allein, Aufklährung erhalten jeder, über dasjenige; das
ihm in seiner Lage, in dieser Welt nüzlich seyn kann. Hat er Zweiffel? so werden ihm diese
aufgelöst. Glaubt er in anren Verbindungen mehr und bessere Dinge, geschwinder zu
finden? so ~~~ man ihm solche zu suchen. So kan sogar, nicht leicht jemand bey uns
weiter kommen, der nicht Frey-Maurer im dritten Grade ist. Unser System ist desto [besser] und
unerschüttert – das Resultat, sicherer Erfahrungen und Nachforschungen.

Anmerkungen