SK12-a093

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Commentary

  • Ausführlich zu Aufbau des Ordens und der Funktion Basilius'

Transcript

Lieber Bruder Spanheim.

Ich muß mich abermals mit Ihnen, über Ihr Q.L.
vom Adar, ein wenig weitläufiger einlassen.
Ich könnte mich auf meinen vorigen Zeddel beziehen,
weil ich glauben darf, Sie vernichten dergleichen eben
nicht auf der Stelle, aber ich will eben, der Deutlich-
keit
wegen, die Sie bisher an mir vermissen, Ihr Q.L.
von Periode zu Periode durchgehen.

Sie freueten Sie [!] also jedesmal, wenn Sie einen
Zeddel von mir empfangen? Nun! reinere Freuden
sind nicht möglich, als die, welche ein strenger Freund
uns, mit Einverständnis unsers Gewissens, macht:
denn, wir können manche Handlung, manchen geäusser-
ten Gedanken vor Menschen rechtfertigen, uns über
die Rechtfertigung freuen, ohne, daß unser Gewissen
uns frölich mache. Verzeihen Sie, wenn Sie finden,
daß ich mit Ihnen auf Gemeinplätzen weide!

Eigentlich haben Sie nie daran gezweifelt, daß der
O[rden] vortrefliche Männer zu Mitgl[iedern] und jetzt edle Absichten
hat; sondern fürchten nur, als eine menschliche Anstalt,
möchte er in eine Tieraney, oder Sklavenfessel der
Menschheit ausarten? Lieber Br[uder]! Worauf gründen
Sie diese Besorgniß? Bloß darauf, daß es eine
menschliche Anstalt sey? Ihre Furcht hätte eher Grund,
wollten die Vorsteher des O[rden]s ihn für höhren Ursprungs
aus geben. Darauf, daß der Orden Gehorsam heischt?
Hat Ihnen schon ein Vorgesetzter Etwas zu gemuthet,
daraus Sie nur schließen könnten, er behandle Sie|<2>
nach Willkür und Gewalt? Wenn das? So wissen Sie,
daß die Q.L. Soli und Primo zum ausdrücklichen
Gegenmittel eingeführt sind! Da also kein
andrer Gehorsam, als nach den Gesetzen und Statuten des O[rden]s
so weit sie jeder Br[uder] nach seinem Grade kennt, oder
kennen kann, wenn er will gefordert wird, so ist doch wohl
mit Grunde keine O[rden]s Sklaverey zu besorgen!
Sie sagen: hätten Sie nicht eine so hohe Idee von der
Bestimmung des O[rden]s: so müßte Sie Ihre jezige
Lage von ihm träumen. Ich muß bekennen, daß
ich Sie hier auch nicht verstehe; und bitte Sie in
Ihrem nächsten Q.L. die Obern zu belehren:
"ob Sie hier Ihre jezige bürgerliche oder
"häusliche - oder Ihre jezige Lage im
"Bezug auf den O; gemeint haben?
Denn, rein muß das Verhältniß seyn, oder Wir
müssen es rein zu machen suchen!

Daß es Ihnen Ernst sey, durch den O[rden] auf der
moralischen Seite zu gewinnen, daran kann kein
Zweifel unter uns obwalten, weil ich sonst paßten
auf keine Art und Weise unter Uns sich paßten, weil
die Stifter des Os keinem Menschen den Zutritt
erlaubt haben, der sich aus Vollkommenheit,
oder Verderbtheit keiner Besserung für fähig
hielte; und Sie halten auch gewiß, mit Uns, den Satz für wahr:
je besser der Mensch ist, je mehr findet er
noch an sich zu bessern. In dieser Rücksicht also,
theurer Bruder, nehme ich es als eine Wahrheit an,
daß Ihnen mein Amt ehrwürdig sey.|<3>

doch gar keine andre Absicht haben kann, als Ihr Wohl:
so will ich auch mit meinen Zeddeln [ich denke nicht
an scharf oder gelinde, denn Liebe ist das O[rden]s Motiv] nichts
weiter, als das, was mir aufgetragen ist, oder was ich
selbst nach meiner Ueberzeugung, für eine Ihnen nützliche,
von Ihnen nur auf einige Zeit nicht gesehene Wahrheit halte und halte,
deutlich vor die Augen zu bringen. Wenn ich
daher hin und wieder nur einen Wink gegeben
habe, so war es nicht, Ihnen weh zu tun, sondern
weil ich glaubte, er sey hinlänglich; selbst nicht ein-
mal Ihrer Sagacität ein Compliment zu machen;
(Welches sonst auch wohl erlaubt wäre.) Wenn Sie
übrigens bedenken, daß ich monatlich vielen Brüdern
Etwas zu sagen habe: so werden Sie es natürlich finden,
daß ich lieber durch kurze Wink, als durch lange Zeddel,
die nöthigen Reservoiren zu erwecken suche. So ganz
und gar unbekannt bin ich dann auch nicht mit dem
menschlichen Herzen, nicht zu wissen, daß es seiner
Seiten Schritte lieber aus halben Worte
erräth, als mit ganzen Perioden sich erhalten läßt:
und l'art d'ennuyes est eelui de tout dire.
Da Sie mich aber ordentlich auffordern, den Schloß [!]
meines vorletzten Zeddels bestimmt zu erklären,
so thue ich es auch gerne.

"bis dahin (nicht, wie Sie sagen: zur weitern Beförderung,
sondern, daß Sie die Br[üder] des Ordens für Götter kennen
lernen, ist Prüfung Zeit im Eifer für das
"allgemeine Wohl der Menschheit unverbrüchliche
"Gewisheit des Herzens, und offenes
"Gegenvertrauen zu der Liebe Ihrer ältern O[rden]s B[rüder]
"und zu mir, dem Bruder Ihres Gewissens!|<4>

Deutlicher wüßte ich es freylich kaum, durch eine
längere Umschreibung zu geben, daß der Orden
nur solche Brüder in sein inneres Heiligthum
aufnehmen darf, die er aus Erfahrung als solche
kennt, die einen verständigen und uneigennützigen
Eifer für das Wohl der Menschheit, durch Handlungen,
die ihrer Lage und Umständen angemessen sind
zur Wirklichkeit bringen. Unter unverbrüchlicher
Gewisheit des Herzens verstehe ich überhaupt
die Abneigung von gewissen (von der Welt für Klugheit
gehaltenen) Wendungen, welche unter Brüdern
von unsrer Art, um das Geringste zu sagen, unnütz
sind, weil Eigennutz, Neugierde, Ruhmsucht und
Rechthabung zu Motiven würden, die unser
brüderliches Band zernagten; und damals
verstand ich, offenherzig sey es Ihnen gesagt lieber
Bruder Spanheim, darunter ein offenes Geständniß;
daß Sie Ihre Anfrage über die Erziehungs
Weise der Prinzen in einer gewissen andern, als
in Ihrem Q.L. vom Aban behaupteten Absicht
gethan hätten. Denn ein gerades Herz bekennt
gegen treue Freunde seine Irrthümer, und
darin bestehet eben das offene Gegenvertrauen
zu der Liebe älterer O[rden]s Brüder; und zu dem
Br[uder] Ihres Gewissens. Ich läugne Ihnen also nicht,
daß diese Worte nicht bloße Bedingung, sondern
auch brüderliche Reproche seyen sollten.
Nun mehr folgt eine Stelle, die durch unter lassen
(ich sage nicht, mit Fleiß unterlassen) Interpunktation [!]
einen gar verschiedenen Sinn erhält. Sie heißt:|<5>

"Sind sie (vorbewegte Worte) Reproche, so halten mich meine
"Obern noch für unwürdig" (unfähig und unwürdig ist nicht
"ganz einerley)" weiter zu suchen, u[nd] kann
das eine gleich gültig seyn; ## ## fehlt entweder
eine Fragezeichen oder ein Punkt. Sie sehen, daß Sie
sich auch eine grosse Unbestimmtheit unter# lassen
können. Ich aber will noch der Liebe ? denken.
Sie fahren fort "sind sie aber nur Bedzeugung (daß
sie das sind habe ich gesagt; wegen aber ## Reproche
wenn Ihr Bewußtseyn dazu machte.) so hätte ich wohl
Einiges darüber zu sagen haben können. Sagen
"Sie mir nur alles, was Sie zu sagen haben; auch wenn
es wirklich nur Äusserungen Ihrer Empfindlich-
keit wären. Mich, da Sie mich (ich wiederhohle
es mit ruhigen Busen [?], über Ihre Verurtheilung)
nicht eher kennen lernen werden, bis Sie
Ihren Schutzengel sehen; (das heißt doch wohl
nicht so undeutlich: In diesem Leben nicht;
und schon habe ich unterlinirt, um es vom
Hören zu unterscheiden. Wenn auch die
Metapher für Lesen ein wenig frei wäre, so
machte sie der Ausdruck, Ihr Gewissensbruder
schon leidlicher!) also mich, als einen den Sie
von Person nicht kennen, mich beleidigen Sie
gewiß nicht. Auch gestehe ich Ihnen gerne,
daß Sie sich wohl in manchen Stüken sich ver-
kennen mögen, als ich und alle Ihre Brüder.
Dabey könnte es dann aber noch wohl bestehen,
daß ich durch Ihre Handlungen und Aeusserungen
und durch Ihre Brüder, in manchen Stücken Sie
wieder besser kennte, als Sie sich selbst.|<6>

Kann Ihnen das Leid thun? Da ich Ihnen
eben durch meine geheimen Zeddel Beweise
von meiner Bruderlibe gebe? Also
noch zum Schluß dieses: die Person des Basilii,
als einen Schatten, behandeln Sie, wie Sie es eben
gut finden, als Organ der Obern aber, werden
Sie besser thun, eine gewisse Art von
Achtung, die sich mehr finden, als
schreiben läßt, gegen ihn
zu äussern, weil er der Repräsentant
der Obern ist, denen Sie, in jedem Verhältniß
Ihres Lebens, nicht gerne eine gewisse
Ehrerbietung versagt haben möchten!
Auch dises Werk ist ein Wink der Liebe
                             Ihres Basilii
         Künftig nach

Hiob 3tes Cap[itel] v. 3

Anmerkungen