Thüringen – mehr als nur lutherisch

Mit der Reformation entstand im 16. und 17. Jahrhundert eine von zunehmender Vielfalt geprägte religiöse Gesellschaft in Deutschland. Auch auf dem Gebiet des heutigen Thüringen lebten Anhänger verschiedener Konfessionen, Religionen und Glaubensrichtungen – mitunter in enger Nachbarschaft. Neben dem vorherrschenden Luthertum war der Katholizismus mit seinen Enklaven im Eichsfeld, im westlichen Thüringen rund um Geisa sowie in der bikonfessionellen Stadt Erfurt sehr präsent. In Schmalkalden wurde unter Landgraf Moritz der Calvinismus eingeführt. An verschiedenen Orten konnten sich kleine jüdische Gemeinden ansiedeln, so besonders in Schmalkalden und Nordhausen. Auch innerhalb des Luthertums begann ein Prozess der Ausdifferenzierung. Bewegungen wie der Pietismus oder die ihnen nahestehenden Herrnhuter Brüdergemeine pflegten besondere Formen der Frömmigkeit. Ferner gab es kleinere Dissidentenbewegungen, die eigene Glaubensvorstellungen entwickelten – bis hin zur Abwendung von der Religion. Thüringen war also schon in der Frühen Neuzeit mehr als nur lutherisch.

Bildlegende: „Friede Ernehret, Unfriede verzehret“. Gotha, Schloss Friedenstein, Reliefkartusche vom Hauptportal, Friedenskuss.
© Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.


Hendrik Hondius: Thuringia Lantgraviatus. [s.l.] [ca. 1638]. Kolorierter Kupferstich auf Seide. 52 x 42 cm. FB Gotha, Geogr. gr2° 987 (30).Die kolorierte Karte zeigt die Topographie Thüringens unter Einzeichnung der verschiedenen Herrschaftsgebiete der Ernestiner, der Schwarzburger sowie der Reußen. Sie wird auf 1638 datiert und erschien erstmals im Atlas Novus, des gemeinsam von Johannes Janssonius (1588–1664) und Hendrik Hondius im Amsterdam herausgegebenen karthographischen Großwerks. Als ihr Hersteller benannte sich der niederländische Kupferstecher, Kartograph und Verleger Hendrik Hondius d.J. (1597–1651) unten rechts in der prächtigen ovalen Dedikationskartusche.

Hendrik Hondius: Thuringia Lantgraviatus. [s.l.] [ca. 1638]. Kolorierter Kupferstich auf Seide. 52 x 42 cm. FB Gotha, Geogr. gr2° 987 (30).
© Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, CC BY-SA 4.0.


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