Sektionen

Im Mittelpunkt der Ausstellung sollen zwei gegensätzliche Ereignisse stehen, die die Bandbreite der Reformation im positiven wie im negativen Sinne verdeutlichen und eng mit den Namen Myconius und Melanchthon verknüpft sind: Myconius‘ Traum, in dem er bereits 1510 Luther und die Reformation voaraus sah, und die Hinrichtung von sechs Wiedertäufern im Kloster Reinhardsbrunn. Während die Ausstellung im Spiegelsaal der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt in 13 Vitrinen die Reformation in Thüringen thematisiert, geben die fünf Sektionen der Virtuellen Ausstellung einen kurzgefassten Einblick in das Thema.

 


Sektion 1: Friedrich Myconius – Vom Franziskanerbruder zum geachteten Reformator

Portraet_Myconius_ZuschnittFriedrich Myconius wurde am 26. Dezember 1490 in Lichtenfels am Main geboren. Nach dem Besuch der heimischen Stadtschule bezog er um 1503 die Lateinschule in Annaberg im sächsischen Erzgebirge. Seit 1508 konnte er dort wiederholt das Wirken des Ablasspredigers Johann Tetzel beobachten, das ihm schon damals wenig christlich vorkam. Am 14. Juli 1510 trat er in das Franziskanerkloster in Annaberg ein. Als Mönch, der niemals eine Universität besuchte, trieb er dort und in Leipzig sowie Weimar umfangreiche theologische Studien. 1516 folgte die Priesterweihe. In Gegenwart des Herzogs Johann der Beständige und seines Sohnes Johann Friedrich hielt er in Weimar zu Pfingsten seine erste Predigt. Dort hatte er heimlichen Zugriff auf die frühen Schriften Martin Luthers, insbesondere gegen den Ablass. Bald danach wurde er wegen Ketzerei verbannt und im Herbst 1522 in Klosterhaft genommen. Erst im Frühjahr 1524 gelang ihm die Flucht nach Zwickau… weiterlesen

 


Sektion 2: Myconius‘ Traum

Chart-B-00153_0047r_bearbeitetAls Myconius 1510 ins Franziskanerkloster eintrat, hatte er gleich in der ersten Nacht einen Traum, den er lange Zeit nicht deuten konnte. Er befand sich allein in einer Einöde und glaubte, vor Hunger und Durst sterben zu müssen. Plötzlich sah er einen alten Mann auf sich zukommen, den er als Apostel Paulus identifizierte. Dieser führte ihn in ein blühendes Land, wo er sich am Brunnen, der vom Leib Christi gespeist wurde, stärken konnte. Schließlich erreichten sie ein Feld, auf dem ein einsamer Schnitter mit seiner Sichel das Korn erntete. Myconius wurde von Paulus dazu angehalten, bei der Ernte zu helfen. Der Traum endete damit, dass Paulus zu ihm sagte: „Du musst Christum gleichfömig werden.“ Erst mit dem Beginn der Reformation durch Martin Luther erkannte Myconius die Weissagung des Traums: Es war der Reformator, der mit ihm zusammen auf dem Feld die Ernte einfuhr… weiterlesen

 


Sektion 3: Philipp Melanchthon – Der Lehrer Deutschlands

Cranach: MelanchthonPhilipp Melanchthon (1497–1560) war neben Martin Luther der zweite große Reformator Wittenbergs. Er wurde 1518 als junger Gelehrter auf den Lehrstuhl für die griechische Sprache berufen. Aufgrund seiner humanistischen Bildung wirkte er wesentlich an der Reform der Höheren Schulen und Universitäten im gesamten protestantischen Raum mit. Er unterrichtete selbst den gesamten philosophischen Kanon, trat gelegentlich aber auch als theologischer Schriftsteller in Aktion… weiterlesen

 


Sekion 4: Die Reformation auf Abwegen. Verfolgung der Wiedertäufer

Confessio AugustanaBald nach der Trennung von der altgläubigen Kirche entstanden innerhalb der reformatorischen Bewegung Konflikte, die eine Verhärtung der Fronten und eine zunehmende Intoleranz nach sich zogen. Bekannte Beispiele hierfür sind die Auseinandersetzungen der Wittenberger Reformatoren mit Andreas Bodenstein von Karlstadt (1486–1541) in Orlamünde und Thomas Müntzer (um 1489–1525) in Alstedt und Mühlhausen sowie den Wiedertäufern. Für die Wiedertäufer, die insbesondere in Münster, aber auch in Sachsen und Thüringen wirkten, geschah die Aufnahme in den Bund der (wenigen) Auserwählten durch die Erwachsenentaufe… weiterlesen


 

Sektion 5: Geschichten der Reformation

Von der Zwispaltung so sich des glaubens unnd Religion halb Jm 1517. Jar, Jn Teutscher Nacion hatt angefangennenDie Reformation gilt heute als ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung. Auch im 16. Jahrhundert war man sich auf beiden Seiten dieser Tatsache bereits bewusst. Aus Sicht der Altgläubigen handelte sich hierbei um einen ketzerischen Akt der Zerstörung der Einheit der katholischen Kirche. Aus Sicht der Reformatoren, zu denen nicht nur die Wittenberger Anhänger, sondern auch die Schweizer Vertreter Jean Calvin, Huldrych Zwingli und Théodore de Bèze zu zählen sind, war es ein Akt der Befreiung vom Papsttum mit seiner politisch-religiösen Macht…. weiterlesen

 


Die Sektionen im Überblick:

Sektion 1: Friedrich Myconius – Vom Franziskanerbruder zum geachteten Reformator

Sektion 2: Myconius‘ Traum

Sektion 3: Philipp Melanchthon – Der Lehrer Deutschlands

Sektion 4: Die Reformation auf Abwegen. Verfolgung der Wiedertäufer

Sektion 5: Geschichten der Reformation