Alles auf einen Blick — Erhebung vom 11. bis 23.02.2022

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Befunde mit Abbildungen und Empfehlungen finden Sie im aktuellen Foliensatz.

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Aktuelle Daten der COSMO Befragung (Welle 61) zeigen, dass ca. 17% der Befragten ungeimpft waren. Vor allem psychologische Aspekte sind relevant um zu verstehen, welche Vorbehalte bestehen. Daher sollte das Erleben und Verhalten von geimpften und ungeimpften Personen v.a. hinsichtlich der Impfpflicht untersucht werden.

Mit der COSMO PANEL Studie wurde eine Langzeitstudie zum Erleben und Verhalten von Geimpften und Ungeimpften in Deutschland und Österreich aufgesetzt. Im Folgenden werden nur Daten aus Deutschland präsentiert. Die Teilnehmenden werden mehrfach befragt, hier werden die Ergebnisse der zweiten von vier Befragungen berichtet; die erste Befragung fand Ende Dezember 21 statt (N = 3.242 Personen), die zweite Mitte Februar 22 (N = 2.701). Die Mehrheit der anfangs geimpften Personen war mittlerweile geboostert; 6% der zuvor Ungeimpften haben sich für eine Impfung entschieden.

Interpretation der Ergebnisse

Insgesamt lässt sich interpretieren, dass die Ablehnung der Impfung v.a. aus Angst und fehlendem Vertrauen in die Sicherheit erfolgt. Die drohende Impfpflicht löst starke Gefühle von Ärger und einen großen Wunsch nach der Umgehung der Pflicht aus: Die Mehrheit der Ungeimpften will Wege suchen, die Impfpflicht zu umgehen. Besonderheiten der Ausgestaltung spielen hier weiter keine Rolle: wer ungeimpft ist, lehnt eine Impfpflicht ab, egal wie sie aussieht. Auch Anreize können hier nicht helfen, sondern wirken eher, wenn es um Booster-Impfungen für Geimpfte geht – allerdings nur, wenn nicht ohnehin eine Pflicht besteht.

Empfehlungen:

Ergebnisse im Einzelnen

Die Ergebnisse der ersten beiden Erhebungszeitpunkte lassen sich wie folgt zusammenfassen (eine Präsentation mit allen Ergebnissen findet sich hier).

Angst und Sorge vor Nebenwirkungen Hauptgrund gegen Impfung. Die große Mehrheit der ungeimpften Personen will sich wie im Dezember 21 auf gar keinen Fall gegen COVID-19 impfen lassen. Nur 6% der ursprünglich Ungeimpften, haben sich inzwischen impfen lassen. Deutlich mehr Ungeimpfte als Geimpfte geben an, Angst vor der Impfung zu haben.

Weniger Vertrauen (keine Veränderungen zu Dezember 2021). Ungeimpfte haben weniger Vertrauen in alle abgefragten Instanzen (Regierung, RKI, Wissenschaft, Hausärzte). Hausärzte haben noch das höchste Vertrauen, absolut gesehen ist aber auch das Vertrauen in Hausärzte niedrig bis mittelmäßig.

Blasenbildung (keine Veränderungen zu Dezember 2021). Es bilden sich „Blasen“ Geimpfter und Ungeimpfter Personen mit jeweils Gleichgesinnten. Sowohl der Impfstatus von Personen, die einem wichtig sind, als auch die angenommene Erwartungshaltung dieser Personen (erwarten die anderen, dass ich mich impfen lasse?) entspricht häufig dem eigenen Impfstatus. Wer unter den Ungeimpften denkt, dass es von ihnen erwartet wird, dass sie sich impfen lassen, hat eine etwas höhere Impfbereitschaft.

Schärfe der Debatte und Diskriminierungserleben. Ungeimpfte empfinden die öffentliche Debatte zum Thema Impfen weitgehend als eher unfair, überheblich und moralisierend. Ungeimpfte fühlen sich im Alltag häufiger diskriminiert, jedoch zeigt sich bei jüngst erlebter sozialer Ausgrenzung kein Unterschied.

Aktivismus gegen die Impfpflicht. Seit dem Jahreswechsel haben unter den Ungeimpften deutlich mehr Personen (21%) an einer Demonstration gegen eine mögliche Corona-Impfpflicht teilgenommen (unter den Geimpften waren es 3%); ebenso haben deutlich mehr Ungeimpfte eine Petition gegen eine mögliche Impfpflicht unterzeichnet als Geimpfte (36% vs. 5%). Wer sich im Dezember 21 eher über eine mögliche Impfplicht geärgert hatte, war eher bereit, gegen diese zu demonstrieren oder Petitionen zu unterzeichnen und hat diese Bereitschaft bis Februar 22 auch eher umgesetzt.

Impfpflicht und Anreize. Allen Teilnehmenden wurde jeweils ein Impfpflichtszenario präsentiert: (i) die allgemeine Impfpflicht für alle Personen ab 18 Jahren, (ii) Impfpflicht ab 50 Jahren, (iii) Impfpflicht ab 50 Jahren plus Beratungspflicht für Personen zwischen 18 und 50 Jahren. Zusätzlich wurde variiert, ob ein Anreiz angeboten wurde (wie z.B. einstmals in Österreich geplant: jede Impfung würde mit 100 oder 500 Euro honoriert; in der Kontrollbedingung gab es keinen finanziellen Anreiz). Die Impfbereitschaft hing allein vom Impfstatus ab und war bei bereits geboosterten Personen am höchsten; das jeweilige Pflichtszenario und finanzielle Anreize hatten keinen Einfluss auf die Ergebnisse. Es zeigte sich weiter, dass noch höhere Anreize die Impfbereitschaft vor allem bei bereits geimpften und geboosterten Personen steigern können; allerdings war die Wirkung von Anreizen geringer, wenn zusätzlich auch eine Impfpflicht galt.

Ausnahmeregeln bei Impfpflicht. 63% der Ungeimpften gaben an, sich um eine ärztliche Ausnahmegehmigung zu bemühen, die sie von einer möglichen Pflicht zur Impfung befreit; diese Intention hing wiederum nicht vom konkreten Pflichtszenario und Anreiz ab.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht. Insbesondere ungeimpfte Personen, die durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht zur Impfung verpflichtet wurden, zeigten sich verärgert, 73% (57 Personen) von ihnen gaben an, sich (eher) nach einer anderen Arbeit umsehen zu wollen. Geimpfte Personen hielten die einrichtungsbezogene Impfpflicht wesentlich häufiger für umsetzbar und effektiv als ungeimpfte Personen.