Alles auf einen Blick — COSMO Thüringen

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Befunde mit Abbildungen und Empfehlungen finden Sie im aktuellen Foliensatz.

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Kurzzusammenfassung

Auf der Basis der bisherigen und aktuellen Ergebnisse der COSMO Thüringen Befragung (Wellen 1 und 2, 15.10. bis 27.10.2020 und 04.01. bis 12.01.2021, N = 800 Befragte, die an beiden Wellen teilgenommen haben, thüringenweite nicht-probabilistische Quotenstichprobe, die die erwachsene Bevölkerung in Thüringen für die Merkmale Geschlecht und Alter abbildet) leitet das COSMO-Konsortium folgende Empfehlungen zur weiteren Gestaltung der COVID-19-Lage in Thüringen ab.

Risikowahrnehmung und Schutzverhalten

Die Risikowahrnehmung verändert sich nicht zwischen Oktober und Januar und unterscheidet sich auch nicht in Landkreisen, in denen es während der zweiten Erhebung im Januar einen starken Anstiegt der Fallzahlen gab. Personen, die die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eher übertrieben finden, schätzen auch ihr Risiko an COVID-19 zu erkranken als niedriger ein. Sie emp-finden ebenfalls die Krankheit als harmloser und sich selbst als weniger anfällig (niedrig bis mode-rate Zusammenhänge für alle drei Aspekte).

Im Januar wird häufiger als im Oktober Abstand gehalten, häufiger die sozialen Kontakte reduziert und geschlossene Räumen mit schlechter Belüftung, Gruppen und Gedränge mit vielen Men-schen eher gemieden. Während die meisten Schutzmaßnahmen von über 70 bis 80% häufig oder immer gezeigt werden, nutzen nur 26% die Corona-Warn-App häufig oder immer. Im Vergleich dazu nutzt laut der deutschlandweiten COSMO Befragung jede/r Zweite die Corona-Warn-App. Alle anderen Werte sind mit der deutschlandweiten Befragung etwa vergleichbar.

Empfehlungen:

Vertrauen in die Landesregierung und Ärzt/innen

Das Vertrauen in die Thüringer Landesregierung sowie in die lokalen Gesundheitsämter ist von Oktober 2020 zu Januar 2021 gesunken und befindet sich auf mittlerem Niveau: 41% haben im Januar (eher) hohes Vertrauen in die Thüringer Landesregierung, im Oktober waren es noch 48%; bei den Gesundheitsämtern sind es 39% (Oktober: 47%). Das Vertrauen der Bevölkerung in Insti-tutionen kann dazu motivieren, Empfehlungen und gesetzlich erlassenen Maßnahmen nachzuge-hen und ist somit ein relevanter Einflussfaktor für die Entwicklung der Pandemie (Eitze et al., 2021). Vertrauen in Institutionen kann außerdem einen Einfluss auf die Risikowahrnehmung ha-ben und ist daher ausschlaggebend für die Akzeptanz von Behördenentscheidungen. Das Vertrauen der Thüringer Bevölkerung in Ärzt/innen ist hoch und stabil. Thüringer/innen sind weitgehend stabil davon überzeugt, dass Ärzt/innen medizinische Entscheidungen im besten Inte-resse der Patient/innen treffen.

Empfehlungen:

Impfung gegen COVID-19

Hätten die Thüringer Bürger/innen nächste Woche die Wahl, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, würden dies 53% (eher) tun (Stand Januar; Vergleichswert COMOS DE zu jenem Zeit-punkt: 56%). Die Impfbereitschaft war im Oktober ähnlich hoch. Dieser Anteil wäre für Her-denimmunität durch Impfung nicht ausreichend. 23% der Befragten geben im Januar an, sich auf keinen Fall impfen lassen zu wollen. Thüringer/innen haben im Vergleich zu Impfen allgemein bei COVID-19 ein höheres Bedürfnis, Nutzen und Risiken der Impfung abzuwägen. Auch das Vertrauen in die Sicherheit der COVID-19 Impfung fällt geringer aus als in die Sicherheit von Impfungen allgemein. Im Zeitraum von Oktober bis Januar ist das Vertrauen in die Sicherheit der COVID-19 Impfung konstant geblieben. Das Informationsbedürfnis war im Oktober bereits hoch und ist im Januar noch gestiegen. Im Verlauf der Zeit hat sich das Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft etwas abgeschwächt.

Die Impfbereitschaft gegen COVID-19 ist im Januar höher für Personen, die

Die Impfbereitschaft gegen COVID-19 ist im Januar niedriger für Personen, die

Das größte Informationsbedürfnis gibt es bei Fragen rund um die Organisation und Priorisierung. Viele der noch offenen Fragen stellen sich auch als bisher unüberwindbare Hindernisse dar. Ne-ben organisatorischen Hindernissen rund um das Impfen (Ort, Zeitpunkt, Reihenfolge, Ansprech-partner) und Bedenken bezüglich des Impfstoffes (Neben- und Langzeitwirkungen, Testverfahren, Wirksamkeit, Verträglichkeit bei Vorerkrankungen) zeigen sich auch emotionale Hindernisse. Diese sind Misstrauen und Ärger gegenüber Institutionen und der Impfung sowie Unsicherheit und Angst gegenüber dem Impfstoff.

Empfehlungen:

Informationsbedürfnis

Neben dem Wunsch nach Informationen zur CORONA-Impfung haben die Bürger/innen im Januar das größte Informationsbedürfnis in Bezug auf die geltenden Shutdown-Beschränkungen (31%). Am zweithäufigsten besteht der Bedarf, sich darüber zu informieren, welcher persönliche Beitrag geleistet werden kann, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern (13%). Im Zusammenhang damit zeigt sich, dass 49% der Befragten denken, sie können (eher) nichts tun, um die derzeitige Situation positiv zu beeinflussen.

**Empfehlungen: **

Klinisch relevante psychische Belastung

Während in COSMO DE die momentane Belastung abgefragt wird, fragt COSMO THÜ differenzier-ter nach klinisch relevanten Belastungsparametern. Zu beiden Zeitpunkten fallen etwa 11% der Befragten in den Bereich, in dem von einer klinisch relevanten Depression ausgegangen werden kann. Erhöhter Stress liegt bei 12% der Personen vor. 16% der Befragten fallen in den Bereich, in der eine Angststörung wahrscheinlich ist. Etwa 31% der Gesamtstichprobe geben an, dass sie die Symptome der Belastung im Zeitraum der letzten 9 Monate (April 2020) erstmals verspürt haben. 12% dieser Personen vermuten, dass die Pandemie der Auslöser der Symptome ist. Weitere 27% gehen davon aus, dass die Coronakrise zumindest zu Teilen zu den Symptomen beigetragen hat. Die genannten Belastungsindikatoren sind zwischen Oktober und Januar stabil geblieben.

Das Ausmaß an psychischer Belastung steht im Zusammenhang mit Sorgen rund um die Coronakrise: Wer sich mehr Sorgen über die eigene finanzielle Lage macht, zeigt auch mehr Symptome einer Depression (schwacher Zusammenhang). Wer sich um die Gesundheit oder die eigene finanzielle Lage sorgt, zeigt mehr Anzeichen einer Angststörung (schwache Zusammen-hänge). Wer sich stärker Sorgen um die Wirtschaft oder den Zusammenhalt in einer sozialen Ge-sellschaft macht, zeigt mehr Anzeichen von Stress.

Empfehlungen: