Hinweis: Vom 8. bis 10.12.2020 und vom 16. bis 19.02.2021 fanden Fokuserhebungen zum Impfen statt. Die Ergebnisse sind hier zusammengestellt.

Seit Anfang Mai wurden die Impfbereitschaft und Zustimmung zu einer Impfpflicht sowie die „5C“, ein validiertes Maß zur Erfassung der Impfmüdigkeit, bezogen auf eine hypothetische Impfung gegen COVID-19 erfasst. In der Auswertung werden seit 23.02.2021 bereits geimpfte Personen (in der aktuellen Welle N = 618 bzw. 60.1%) nicht mehr berücksichtigt.

1 Informationsverhalten Ungeimpfter

55% informieren sich (sehr) häufig über Corona.

2 Gründe des (Nicht-)Impfens bei Ungeimpften

Die Gründe sich (nicht) gegen das Coronavirus impfen zu lassen wurden mithilfe der 5C-Kurzskala (Betsch et al., 2019) erfasst. Die 5C umfassen folgende Aspekte:

  • Confidence (Vertrauen) beschreibt das Ausmaß an Vertrauen in die Effektivität und Sicherheit von Impfungen, das Gesundheitssystem und die Motive der Entscheidungsträger (Ich habe vollstes Vertrauen, dass die Impfungen gegen COVID-19 sicher sein werden.).

  • Complacency (Risikowahrnehmung) beschreibt die Wahrnehmung von Krankheitsrisiken und ob Impfungen als notwendig angesehen werden (Impfungen gegen COVID-19 werden überflüssig sein, da COVID-19 keine große Bedrohung darstellt.).

  • Constraints (Barrieren in der Ausführung, auch: Convenience) beschreibt das Ausmaß wahrgenommener struktureller Hürden wie Stress, Zeitnot oder Aufwand (Alltagsstress wird mich davon abhalten, mich gegen COVID-19 impfen zu lassen.).

  • Calculation (Berechnung) erfasst das Ausmaß aktiver Informationssuche und bewusster Evaluation von Nutzen und Risiken von Impfungen (Wenn ich darüber nachdenken werde, mich gegen COVID-19 impfen zu lassen, werde ich sorgfältig Nutzen und Risiken abwägen, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen.).

  • Collective Responsibility (Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft) beschreibt das Ausmaß prosozialer Motivation, durch die eigene Impfung zur Reduzierung der Krankheitsübertragung beizutragen und damit andere indirekt zu schützen, z. B. kleine Kinder oder Kranke (Wenn alle gegen COVID-19 geimpft sind, brauche ich mich nicht auch noch impfen lassen.; umgekehrt abgefragt).

Die 5 Gründe werden auf einer 7-stufigen Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 7 (stimme voll und ganz zu) erfasst.

Im untenstehenden Zeitverlauf zu den fünf Gründen des (Nicht-)Impfens ist zu beobachten, dass das Vertrauen in die Sicherheit eines neuen Corona-Impfstoffs im Sommer zunächst leicht gesunken ist, seit Anfang Dezember aber deutlich zugenommen hat. Das Bedürfnis, Nutzen und Risiken kritisch abzuwägen, zeigt über die letzten Wellen einen abnehmenden Trend.

Seit Anfang Mai sinkt das Vertrauen in Impfungen und das Risiko hinsichtlich der Krankheit. Gleichzeitig steigt das Informationsbedürfnis und auch die Überzeugung sich eher auf den Impfschutz der Anderen zu verlassen. Allerdings ist zu beachten, dass sich nicht zwangsläufig die 5C der gesamten Stichprobe verändert haben. Immer mehr Impfwillige erhalten nun ihre Erst- bzw. Zweitimpfung. In den Abbildungen und Analysen zu den Gründen des (Nicht-)Impfens werden nur ungeimpfte Teilnehmer berücksichtigt. Diese Teilnehmer stehen den Impfungen tendenziell eher unsicher oder ablehnend gegenüber.

Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften

Wer mindestens eine (vs. gar keine) Impfung hat, der

  • hat höheres Vertrauen in die Sicherheit der Impfung
  • sieht die Impfung eher als notwendig an
  • nimmt eher weniger praktische Hürden wahr
  • hat ein geringeres Informationsbedürfnis
  • verlässt sich weniger auf den Schutz durch andere

2.1 Grundimmunisierung durch Impfen

Teilnehmende sollten einschätzen, wie viel Prozent der Bevölkerung geimpft oder genesen sein muss, um Gemeinschaftsschutz zu erreichen. Mit einem offenen Antwortfeld sollten Teilnehmende die Prozentzahl angeben. Werte unter 1 und über 100 wurden ausgeschlossen (n=16). 47% der Befragten sind aktuell der Meinung, dass mehr als 80% Immunität erreicht sein muss, um Herdenimmunität zu erreichen. 30.9% schätzen, dass 76-80% geimpft oder genesen sein müssen.

3 Impfabsicht & Impfpflicht

Die Befragten sollten angeben, ob Sie sich gegen COVID-19 impfen lassen würden, wenn sie nächste Woche die Möglichkeit dazu hätten. Zudem sollten sie angeben, inwiefern sie einer Impfpflicht gegen das Coronavirus zustimmen würden.

Im Vergleich zur ersten Erhebung sind weniger Personen bereit, sich impfen zu lassen. Allerdings sind in dieser Betrachtung bereits geimpfte Personen nicht berücksichtigt. Die persönliche Impfabsicht hatte im Pandemieverlauf zunächst abgenommen, zeigte seit Dezember aber einen zunehmenden Trend. Die Zustimmung zu einer verpflichtenden Impfung ist auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung.

Die Impfbereitschaft unter den ungeimpften Befragten ist niedriger im Vergleich zur letzten Befragung und liegt bei 56%. Jedoch sind 45% als bereits geimpft aus dieser Berechnung ausgeschlossen. Sollten sich alle, die dazu bereit sind, auch tatsächlich impfen lassen, so ergäbe sich aus den Geimpften und den Impfbereiten eine Impfquote unter Erwachsenen zwischen 18 und 74 Jahren von 76%. Das bedeutet, dass nicht zwangsläufig die Impfintention der gesamten Stichprobe gesunken ist. Immer mehr Impfwillige erhalten nun ihre Erst- bzw. Zweitimpfung. In den Abbildungen und Analysen zur Impfintention und zu den Gründen des (Nicht-)Impfens bleiben ungeimpfte Teilnehmer übrig, die Impfungen tendenziell eher unsicher oder ablehnend gegenüberstehen.

Was die Impfabsicht beeinflusst

Interpretation: Dargestellt sind die Ergebnisse einer linearen schrittweisen Regressionsanalyse (bestes statistisches Modell). CI sind die 95% Konfidenzintervalle der Koeffizienten (betas). Wenn diese Null einschließen, hat die entsprechende Variable keinen statistisch bedeutsamen Einfluss. Fettgedruckte Einflussfaktoren sind signifikant und haben einen statistisch bedeutsamen Einfluss. Das heißt für Werte mit positivem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu mehr Impfbereitschaft. Das heißt für Werte mit negativem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu weniger Impfbereitschaft

Die Impfbereitschaft gegen COVID-19 ist aktuell (18.05.21) höher für Personen, die:

  • der Impfung mehr vertrauen,

  • das Risiko der Krankheit nicht unterschätzen, die Impfung nicht für überflüssig halten,

  • weniger Kosten und Nutzen einer Impfung abwägen,

  • nicht Trittbrettfahren wollen

  • Impfungen als persönlicher Beitrag zur Infektionskontrolle sehen,

  • Impfungen als Möglichkeit zum Zurückkehren in eine Normalität wahrnehmen

  • chronisch krank sind

Variablen im Modell: Alter, Geschlecht, Bildung, Arbeit im Gesundheitssektor, chronische Erkrankung, Gemeindegröße, die 5C der Impfakzeptanz, Durch Impfung mehr soziale Kontakte, Impfung ist persönlicher Beitrag zur Infektionskontrolle, Durch Impfung zurück zur Normalität.

Hinweis: Die Regressionen beziehen sich ausschließlich auf die aktuelle Welle.

Bereits geimpfte Personen wurden von der Analyse ausgeschlossen.

  Bereitschaft, sich impfen zu lassen
Variablen std. Beta standardized CI p
Confidence (Ich habe
vollstes Vertrauen, dass
die Impfungen gegen
COVID-19 sicher sein
werden)
0.28 0.21 – 0.36 <0.001
Calculation (Wenn ich
darüber nachdenken werde,
mich gegen COVID-19
impfen zu lassen, werde
ich sorgfältig Nutzen und
Risiken abwägen, um die
bestmögliche Entscheidung
zu treffen)
-0.11 -0.16 – -0.05 <0.001
Collective responsibility
(Wenn alle gegen COVID-19
geimpft sind, brauche ich
mich nicht auch noch
impfen lassen)
-0.20 -0.27 – -0.14 <0.001
Impfung ist persönlicher
Beitrag zur
Infektionskontrolle
0.10 0.01 – 0.18 0.028
Durch Impfung zurück zur
Normalität
0.38 0.28 – 0.48 <0.001
Observations 411
R2 / adjusted R2 0.691 / 0.687

Was die Impfabsicht beeinflusst - über die Zeit betrachtet

Die Impfintention wurde dafür dichotomisiert. Das heißt, wenn Personen eine höhere Intention als 5 (auf einer Skala zwischen 1 und 7) hat, wird sie als impfend gewertet. Werte bis einschließlich 5 gelten als nicht geimpft.

Interpretation: Dargestellt sind die Ergebnisse binär-logistischer Regressionsanalysen. Die Odds ratio trifft eine Aussage darüber, inwieweit das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein eines weiteren Merkmals B (z.B. Masken tragen) mit einem Merkmal A zusammenhängt. CI sind die 95% Konfidenzintervalle der Koeffizienten. Werte über 1: Höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu mehr Maske tragen. Werte unter 1: Kleinere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu weniger Maske tragen. Überschneiden die Fehlerbalken die horizontale Linie, so ist der Einflussfaktor nicht signifikant.

4 Impfbereitschaft und Akzeptanz von Impfungen im Kontext von Migration

Seit der Erhebung vom 24.03.2020 wird im COSMO der selbstberichtete Migrationshintergrund mit der Frage „Sind Sie oder eines Ihrer Elternteile im Ausland geboren?“ und den Antwortoptionen „Ja“, „Nein“, „Weiß nicht“ erfasst.

Im Folgenden werden die Impfansicht und die Gründe des (Nicht-)Impfens getrennt dargestellt. Personen, die „weiß nicht“ angegeben haben, wurden in den Analysen nicht berücksichtigt.

Vorab: In langen Online-Umfragen wie COSMO ist es generell schwierig, den Effekt von Migration zu erfassen. In COSMO wird diesbezüglich nicht repräsentativ erhoben. Zudem ist es möglich, dass eine Selbstselektion stattfindet, da nur Personen an der Studie teilnehmen können, die den langen Fragebogen auf Deutsch gut verstehen.

Es zeigt sich, dass Personen mit Migrationshintergrund im Frühjahr eine geringere Impfintention aufwiesen als Personen ohne Migrationshintergrund. Der Abstand ist zuletzt aber verschwunden, da mit zunehmender Impfung vor allem bei den bisher ungeimpften Personen ohne Migrationshintergrund eine abnehmende Impfbereitschaft zu verzeichnen ist.

Auch in Bezug auf die 5C der Impfakzeptanz gibt es Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund.

Über den gesamten Zeitraum betrachtet ist zu beobachten, dass Personen, die einen Migrationshintergrund haben (im Vergleich zu Personen ohne Migrationshintergrund):

  • weniger Vertrauen in die Effektivität und Sicherheit der Impfstoffe haben,
  • die Impfung eher als überflüssig wahrnehmen, weil sie der Krankheit keine große Bedrohung zuschreiben,
  • eher strukturelle Hürden wie Stress, Zeitnot oder Aufwand (z.B. bürokratische Hürden) im Kontext der Impfung wahrnehmen,
  • eine geringere Motivation zeigen, andere durch ihre eigene Impfung zu schützen.

Die Gründe für die Unterschiede im Bezug auf die 5C können vielschichtig sein. So unterscheiden sich Personen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln hinsichtlich ihrer Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit, aber auch in ihrer Rollenerwartung in Bezug auf den Arzt-Patientenkontakt. Möglich ist jedoch auch, dass die Komplexität der Informationsumwelt dazu beiträgt, v.a. mit den wechselnden Empfehlungen und Diskussionen rund um Astra Zeneca. Auch das Terminbuchen auf Internetportalen ist mitunter eine Herausforderung, oft ist auch nur Deutsch verfügbar. Ob im eigenen Haushalt Deutsch gesprochen wird oder nicht zeigte sich zum Beispiel für die Abwägung von Nutzen und Risiken, die empfunden Notwendigkeit der Impfung oder auch den Schutz anderer als Einflussfaktor. Dies legt nahe, dass hier auch Sprachbarrieren bestehen. Um die Impfakzeptanz und die Impfbereitschaft zu stärken ist es deshalb ratsam, kultursensitive Gesundheitskommunikation zu betreiben (siehe Betsch et al. 2016).

5 Impfschutz und Schutzverhalten

6 Impftermin und Schutzverhalten

Personen, die bereits einen Impftermin haben, zeigen leicht höheres Schutzverhalten als Personen ohne Impftermin.

Die zeitliche Nähe des Impftermins spielt hierbei keine entscheidende Rolle.

Hierbei muss bedacht werden, dass Personen mit einer hohen Impfbereitschaft sich generell von Personen, die eine Impfung ablehnen, unterscheiden und als Gruppe ein höheres Schutzverhalten zeigen.

7 Spendenbereitschaft

In den Wellen 38 (09./10.03.2021) und 45 (15./16.06.2021) lasen die Teilnehmer einen kurzen Text über die COVAX-Initiative, die sich um die weltweite gerechte Verteilung von Impfstoffen kümmert und z.B. Impfstoffe an ärmere Länder liefert. Die Teilnehmer wurden darüber informiert, dass die Initiative unter anderem durch die Europäische Union gefördert wird, die Gelder aber nicht ausreichen, um jedem Menschen eine Impfung anbieten zu können. In Welle 45 erhielt die Hälfte der Teilnehmer zudem die Information, dass eine Impfung mit 5 Euro finanziert werden kann. Anschließend wurde gefragt wieviel Geld die Teilnehmer zur Unterstützung der Initiative spenden würden.

Während im Frühjahr 2021 rund ein Drittel zu einer Spende bereit waren, nahm die Spendenbereitschaft im Sommer weiter ab (unabhängig davon ob die Teilnehmer Informationen zu den Impfstoffkosten bekommen hatten). Die mittlere Spendenhöhe unter den spendenbereiten Teilnehmern (berücksichtigt wurden Beträge von 1 bis 10.000 Euro) unterschied sich nicht zwischen den Zeitpunkten und Bedingungen.

Im Rahmen der Erhebung in Welle 45 wurde erfasst, ob die spendenbereiten Teilnehmer auf einen Link klicken, über den direkt an die COVAX-Initiative gespendet werden kann. Nur einer kleiner Teil nutzte diese Möglichkeit.

Die Ergebnisse zeigen, dass zumindest ein Teil der Bevölkerung bei der Cofinanzierung der COVAX-Initiative eingebunden werden könnte. Hierfür ist jedoch die Einrichtung einer geeigneten Spendeninfrastruktur und die Bewerbung der Spendenmöglichkeit notwendig.

8 Information, Medien und Impfbereitschaft

Sowohl Ungeimpfte Personen, die Impfen eher ablehnen als auch Geimpfte nehmen wahr, dass es häufiger positive Informationen (z.B. in den Medien) zum Thema Impfen gibt. Ungeimpfte, ablehnende Personen finden die positiven Informationen jedoch nicht so überzeugend. Bei Geimpften ist es andersrum: Diese finden negative Informationen weniger überzeugend.

Dies kann als confirmation bias (Bevorzugung einstellungskonformer Informationen) interpretiert werden.

8.1 Gefühlte Informiertheit (Stand: 01.06.21)

8.2 Die Beurteilung von Informationen über die Coronavirus-Schutzimpfung (Stand: 01.06.21)

8.3 Informationsbedürfnis (Stand: 01.06.21)

8.4 Medien und Impfbereitschaft (Stand: 15.06.21)

8.5 Informationsflut (Stand: 15.06.21)

9 Informationsflut der Aussagen

10 Ergebnisse vergangener Erhebungen

Achtung: Die nachfolgenden Analysen und Abbildungen beziehen sich auf vergangene Erhebungswellen.

10.1 Der zweite Impftermin (Stand: 18.05.21)

10.2 Aufheben der Impfpriorisierung (Stand: 18.05.21)

10.2.1 Nach Impfstatus

10.2.2 Nach Alter

10.2.3 Nach effektiver Impfbereitschaft

Als effektiv geimpft gelten Personen, die: mindestens eine Impfung bekommen haben, oder eine Impfabsicht von größer 4 haben. Personen, die keine Impfung bekommen haben und eine Impfabsicht von 4 und weniger angegeben haben, gelten als ungeimpft.

10.2.4 Nach Elternschaft

10.2.5 Nach Maßnahmenbewertung

10.2.6 Nach Freiheiten für Geimpfte (Stand: 04.05.21)

10.3 Wahrgenommene Verantwortlichkeiten beim Impftermin organisieren (Stand: 04.05.21)

Die größte Verantwortung sehen die Befragten bei sich selbst, wenn es darum geht, einen Impftermin zu erhalten, gefolgt vom Hausarzt. Dies ist für Geimpfte noch stärker ausgeprägt.

Wer unter den Ungeimpften eine hohe Impfbereitschaft hat, fühlt auch eine größere Eigenverantwortung beim Organisieren eines Termins (und umgekehrt). Personen mit niedrigerer Impfbereitschaft sehen auch den Hausarzt und den Behörden in der Verantwortung. Dieses Muster zeigt, dass es für die Impfbereitschaft förderlich sein kann, die Impfung so einfach wie möglich zu machen und eine aktive Ansprache durch Hausarzt und Behörden zu starten.

Zusammenhang zwischen Verantwortungszuschreibung und Impfabsicht

10.4 Wahrnehmung von geimpften Personen (Stand: 04.05.21)

10.5 Lockerungen und mehr Freiheiten als Anreiz (Stand: 04.05.21)

## 
##  Welch Two Sample t-test
## 
## data:  RKI_FAST_VACC by CONDITION_PURPOSE_INFECT
## t = -1.6478, df = 708.32, p-value = 0.09984
## alternative hypothesis: true difference in means is not equal to 0
## 95 percent confidence interval:
##  -0.6115411  0.0534398
## sample estimates:
## mean in group 1 mean in group 2 
##        4.376022        4.655072
## 
##  Welch Two Sample t-test
## 
## data:  RKI_NO_PRIO by CONDITION_PURPOSE_INFECT
## t = 0.89582, df = 690.14, p-value = 0.3707
## alternative hypothesis: true difference in means is not equal to 0
## 95 percent confidence interval:
##  -0.1724908  0.4619667
## sample estimates:
## mean in group 1 mean in group 2 
##        4.730245        4.585507
## 
##  Welch Two Sample t-test
## 
## data:  RKI_PURPOSE_INFECT by CONDITION_PURPOSE_INFECT
## t = -0.67862, df = 701.81, p-value = 0.4976
## alternative hypothesis: true difference in means is not equal to 0
## 95 percent confidence interval:
##  -0.2666468  0.1296646
## sample estimates:
## mean in group 1 mean in group 2 
##        1.528610        1.597101

10.6 Endlich geimpft: Wahrnehmungen geimpfter Personen (Stand: 04.05.21)

In der Wellen vom 20.04.21 und 04.05.21 wurden Teilnehmer, die mindestens einmal geimpft wurden, zu Gefühlen hinsichtlich ihrer Impfung befragt. Außerdem wurde erfasst, inwiefern das Umfeld ihren Impfstatus negativ bewertet und ob der oder die Befragte Strategien anwendet, um diesen externen Belastungsfaktoren zu entgehen.

Da das Alter in der Impfpriorisierung eine entscheidende Rolle spielt, werden im Folgenden die Wahrnehmungen getrennt nach den Altersklassen 60 Jahre und älter und jünger als 60 Jahre dargestellt.

Es zeigt sich: Ende April verspüren Menschen über 60 Jahre durch ihre Impfung eine stärkere Befreiung, Glück und Sorglosigkeit als geimpfte Personen, die unter 60 Jahre alt sind. Diese Unterschiede sind Anfang Mai kleiner geworden.

Auch im Bezug auf Belastungen durch die Impfung unterscheiden sich die beiden Altersgruppen. Personen unter 60 Jahre geben häufiger an, sich rechtfertigen zu müssen. Auch teilen sie weniger häufig ihren Impfstatus mit und haben eher das Gefühl, dass sie sich beim Impfen vorgedrängelt haben. Allerdings muss man darauf hinweisen, dass diese Belastungswahrnehmungen auch bei den jüngeren absolut gesehen eher niedrig ausgeprägt sind.

10.7 Experiment zu Impfanreizen (Stand: 20.04.21)

In Welle 41 (20./21.04.2021) wurde in Kooperation mit Luca Henkel von der Universität Bonn in einem Experiment untersucht, ob finanzielle Anreize und die Einräumung zusätzlicher Rechte und Freiheiten für Geimpfte die Bereitschaft zur Impfung erhöhen.

Dazu wurden bisher nicht geimpfte Teilnehmer zunächst in 2 Gruppen eingeteilt:

  • in einer Gruppe sollten sich die Teilnehmenden vorstellen, dass Sie durch die Impfung auf das Tragen von Masken verzichten können, von der Test- und Quarantänepflicht befreit sind und beispielsweise Friseure ohne negatives Testergebnis besuchen können.
  • in der anderen Gruppe sollten sich die Teilnehmer vorstellen, dass Sie durch die Impfung nicht auf das Tragen von Masken verzichten dürfen, nicht von der Test- und Quarantänepflicht befreit sind und auch beispielsweise Friseure nur mit negativem Testergebnis besuchen können.

Anschließend wurde den Teilnehmern eine Liste mit 22 binären Entscheidungen vorgelegt. Sie mussten sich dabei jeweils zwischen den Optionen nicht impfen und impfen und dafür Betrag x erhalten entscheiden. Der Betrag variierte über die 22 Entscheidungen von 0 Euro bis 10.000 Euro.

In der Auswertung zeigten sich folgende Ergebnisse:

  • Die Einräumung zusätzlicher Rechte und Freiheiten hat keinen signifikanten Einfluss auf die Impfbereitschaft.
  • Finanzielle Anreize führen dazu, dass die Impfbereitschaft steigt, für einen signifikanten Einfluss auf die Impfbereitschaft müssen die Beträge allerdings hoch sein.

10.8 Rechte für geimpfte Personen (Stand: 06.04.21)

Es gibt keine signifikanten Unterschiede in der Einstellung zu Regelungen für Geimpfte Ende März und Anfang April.

Personen, die bereits geimpft wurden, stehen Regelungen für Geimpfte signifikant positiver gegenüber als Personen, die noch nicht geimpft wurden. Beide Gruppen wünschen sich (eher) einheitliche Regelungen in Deutschland und Europa.

Personen, die in der letzten Befragung über die aktuellen Pläne des Gesundheitsministers, geimpften Personen mehr Freiheiten zu geben, Bescheid wussten, wünschen sich signifikant eher einheitliche Regelungen innerhalb Deutschlands und Europas.

Ältere Personen (50-74 Jahre) wünschen sich eher einheitliche Regelungen als jüngere Befragte. Ältere Personen stimmen jedoch stärkeren Lockerungen für Geimpfte (weniger verpflichtende Schutzmaßnahmen) weniger stark zu als jüngere Befragte. Ältere Personen zeigten jedoch im Schnitt bereits ein höheres Schutzverhalten.

10.9 Spendenbereitschaft (Stand: 09.03.21)

In Welle 38 (9./10.3.2021) lasen die Teilnehmer einen kurzen Text über die COVAX-Initiative, die sich um die weltweite gerechte Verteilung von Impfstoffen kümmert und z.B. Impfstoffe an ärmere Länder liefert. Die Teilnehmer wurden darüber informiert, dass die Initiative unter anderem durch die Europäische Union gefördert wird, die Gelder aber nicht ausreichen, um jedem Menschen eine Impfung anbieten zu können. Anschließend wurden sie gefragt wieviel Geld sie zur Unterstützung der Initiative spenden würden.

Rund ein Drittel der Befragten war zu einer Spende bereit. Zwei Teilnehmer, die über 10.000 Euro spenden wollten, wurden von der Analyse ausgeschlossen. Der Spendenbetrag variierte von 1 bis 10.000 Euro (Median = 20 Euro). Die Summe aller Spenden belief sich auf 38.536 Euro.

Das Ergebnis zeigt, dass die COVAX-Initiative privat co-finanziert werden kann. Hierfür ist jedoch die Einrichtung einer geeigneten Spendeninfrastruktur notwendig.

10.10 Impfstoffpräferenzen (Stand: 23.02.21)

Auf die Frage, mit welchem Impfstoff sich die Teilnehmer impfen lassen würden, wenn sie nächste Woche die Möglichkeit dazu hätten, entschied sich knapp die Hälfte für den Impfstoff von BioNTech. Nur wenige präferierten den Impfstoff von AstraZenea oder einen anderen Impfstoff, fast einem Drittel der Teilnehmer war der Impfstoff egal.

10.11 Experiment zur Einschränkung der Impfstoffwahl (Stand: 23.02.21)

Diejenigen Teilnehmer, die den Impfstoff von BioNTech oder AstraZeneca präferierten, wurden in einem Experiment berücksichtigt. Sie sollten sich vorstellen, dass der Impfstoff nicht frei gewählt sondern zugewiesen würde. Einer Hälfte der Teilnehmer wurde dabei der Impfstoff von BioNTech, der anderen Hälfte der Impfstoff von AstraZeneca zugewiesen. Anschließend wurden die Teilnehmer gefragt, wie sehr sie sich über die Einschränkung der Wahlfreiheit ärgerten (gemessen über die 4 Item der Experience of Reactance Subskala der Salzburg State Reactance Scale, Sittenthaler et al., 2015). Die Teilnehmer, bei denen der zugewiesene Impfstoff nicht der Präferenz entsprach, waren signifikant mehr verärgert.

Abschließend wurden die Teilnehmer gefragt, wie wahrscheinlich sie sich in der kommende Woche mit dem zugewiesenen Impfstoff impfen lassen würden.

Entsprach der zugewiesene Impfstoff der Präferenz, fiel die Impfbereitschaft sehr hoch aus. In diesem Fall wollten sich nur 6% (eher) nicht impfen lassen. Wich der zugewiesene Impfstoff dagegen von der Präferenz ab, lag die Impfbereitschaft nur noch auf mittlerem Niveau. Dann wollten sich 42% (eher) nicht impfen lassen.

10.12 Impfung eigener Kinder (Stand: 23.02.21)

Teilnehmer mit Kindern unter 18 Jahren wurden in Welle 37 (23.02.21) gefragt, ob sie ihre Kinder impfen lassen würden, wenn dies empfohlen wäre. Knapp die Hälfte der Befragten wäre (eher) bereit, die eigenen Kinder unter diesen Umständen gegen COVID-19 impfen zu lassen.

10.13 Experiment zu möglichen Impfanreizen (Stand: 09.02.21)

In Welle 35 (09./10.02.2021) wurde nach Erhebung der Impfbereitschaft ein kurzes Experiment durchgeführt. Dabei sollten sich die Teilnehmer eines von drei Szenarien vorstellen:

  • Immunitätspass (gain framing): Den Teilnehmern wurde in diesem Szenario gesagt, dass sie bei Impfung einen Immunitätspass erhalten, mit dem Sie zusätzliche Freiheiten (z.B. Restaurant- und Kulturbesuche) erlangen

  • Immunitätspass (loss framing): Den Teilnehmern wurde in diesem Szenario gesagt, dass sie bei Impfung einen Immunitätspass erhalten, mit dem Grundrechte weniger eingeschränkt werden und z.B. Restaurant- und Kulturbesuche wieder möglich sind.

  • Vergütung: Den Teilnehmern wurde in diesem Szenario gesagt, dass sie bei Impfung 1000 Euro aus Bundesmitteln zur Pandemiebekämpfung erhalten.

Im Anschluss an das Szenario wurde die Impfbereitschaft erneut erfasst. Es zeigte sich, dass nur bei Vergütung die mittlere Impfbereitschaft leicht anstieg (+6%). Die folgende Abbildung zeigt die mittleren absoluten Veränderungen der Impfbereitschaft (gemessen auf einer Skala vin 1 bis 7).

Die Zunahme der Impfbereitschaft durch Vergütung war vor allem bei Personen zu beobachten, die in der ersten Messung keine extrem niedriger oder extrem hohe Bereitschaft angaben.

Es wurde untersucht, ob die Veränderung der Impfbereitschaft davon abhängt, ob die Teilnehmer denken, dass eine Impfung vor der Übertragung des Virus schützt, also Herdenimmunität ermöglicht.

In zwei Gruppen kam es zu Abweichungen von den zuvor berichteten Ergebnissen:

  • Die Ankündigung eines Immunitätspasses führt bei gain framing zu einer Verringerung der Impfbereitschaft, wenn die Teilnehmer davon ausgingen, dass die Impfung nicht vor Übertragung schützt.

  • Der positive Effekt von Vergütung verschwand, wenn die Teilnehmer davon ausgingen, dass die Impfung nicht vor Übertragung schützt.

10.14 Experiment zu Impfdosen (Stand: 26.01.21)

In Welle 34 (26.01.2021) wurden die Teilnehmer zufällig einer von drei Gruppen zugeordnet. Jeder Gruppe wurde ein bestimmtes Szenario über den Zeitpunkt der zweiten COVID-19-Impfung präsentiert:

  • Kontrollgruppe: Die Teilnehmer wurden darüber informiert, dass die zweite Dosis, wie vom Hersteller vorgesehen, nach 3 Wochen verabreicht wird.

  • In Label Gruppe: Die Teilnehmer sollten sich vorstellen, dass die zweite Dosis erst nach 6 Wochen verabreicht wird. Dadurch könnten schneller mehr Menschen wenigstens einmal geimpft werden und zwischen 1.000 und 8.000 Todesfälle ließen sich im nächsten halben Jahr verhindern.

  • Off Label Gruppe: Die Teilnehmer sollten sich vorstellen, dass die zweite Dosis erst nach 3 Monaten verabreicht wird. Dadurch könnten schneller mehr Menschen wenigstens einmal geimpft werden und zwischen 2.000 und 13.000 Todesfälle ließen sich im nächsten halben Jahr verhindern.

Vor und nach Präsentation des Szenarios wurde das Vertrauen in die Sicherheit der Impfung (Confidence), die Tendenz zur Abwägung von Nutzen und Risiken (Calculation) sowie die Impfbereitschaft erfasst. In keinem Bereich kam es zu einer signifikanten Änderung. Bedeutsame negative Effekte von In Label und Off Label Verabreichung der zweiten Impfdosis auf die Impfbereitschaft konnten demnach nicht gefunden werden.

Die Teilnehmer wurden zudem gefragt, welche Strategie sie bevorzugen würden. Der Großteil entschied sich für die zweite Impfung nach drei Wochen.

10.15 Die Ärmelhoch Kampagne (Stand: 12.01.21)

In der Welle vom 12.01.21 wurden die Teilnehmer zur #Ärmelhoch-Kampagne befragt. 45% der Befragten hatten in den letzten zwei Wochen Kontakt mit der Kampagne.

10.15.1 Kenntnis über die Kampagne

10.15.2 Die Beziehung zwischen Kampagnen-Wissen, Impfbereitschaft, Confidence und Calculation

Korrelation zwischen Kampagnen-Wissen, Impfbereitschaft, Confidence und Calculation

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: In der folgenden Übersicht zeigen höhere Werte einen stärkeren Zusammenhang an, Werte nahe Null zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt, um 0.1 einen kleinen Zusammenhang. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. P-Werte kleiner als 0.05 zeigen statstisch bedeutsame Zusammenhänge an.

Kampagnen-Wissen und …

  • Confidence (Vertrauen in Impfungen): r= 0.1, p = 0.001

  • Calculation (Informationsbedürfnis): r= 0.021, p = 0.514

  • Impfbereitschaft: r= 0.091, p = 0.004

Es zeigt sich, dass Kampagnen-Wissen nur in einem kleinen positiven Zusammenhang mit Vertrauen in die Impfung und Impfbereitschaft steht. Ist die Kampagne bekannt, sind sowohl das Vertrauen in die Impfung als auch die Impfbereitschaft etwas höher.

Regression

Interpretation: Dargestellt sind die Ergebnisse einer linearen schrittweisen Regressionsanalyse (bestes statistisches Modell). CI sind die 95% Konfidenzintervalle der Koeffizienten (betas). Wenn diese Null einschließen, hat die entsprechende Variable keinen statistisch bedeutsamen Einfluss. Fettgedruckte Einflussfaktoren sind signifikant und haben einen statistisch bedeutsamen Einfluss. Das heißt für Werte mit positivem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu mehr Impfbereitschaft. Das heißt für Werte mit negativem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu weniger Impfbereitschaft

In einer Regression, die für die 5C und demographische Variablen kontrolliert, zeigt sich, dass Kampagnen-Wissen keinen Einfluss auf die Impfbereitschaft besitzt.

Variablen im Modell: Alter, Geschlecht, Bildung, Arbeit im Gesundheitssektor, chronische Erkrankung, Gemeindegröße, die 5C der Impfakzeptanz, Kampagnen-Wissen.

Hinweis: Die Regression bezieht sich ausschließlich auf die Welle vom 12.01.2021.

  Bereitschaft, sich impfen zu lassen
Variablen std. Beta standardized CI p
Confidence (Ich habe
vollstes Vertrauen, dass
die Impfungen gegen
COVID-19 sicher sein
werden)
0.58 0.54 – 0.63 <0.001
Complacency (Impfungen
gegen COVID-19 werden
überflüssig sein, da
COVID-19 keine große
Bedrohung darstellt)
-0.08 -0.13 – -0.03 0.003
Constraints
(Alltagsstress wird mich
davon abhalten, mich
gegen COVID-19 impfen zu
lassen)
0.04 0.00 – 0.09 0.049
Calculation (Wenn ich
darüber nachdenken werde,
mich gegen COVID-19
impfen zu lassen, werde
ich sorgfältig Nutzen und
Risiken abwägen, um die
bestmögliche Entscheidung
zu treffen)
-0.07 -0.11 – -0.03 0.001
Collective responsibility
(Wenn alle gegen COVID-19
geimpft sind, brauche ich
mich nicht auch noch
impfen lassen)
-0.26 -0.31 – -0.21 <0.001
Alter 0.07 0.03 – 0.11 <0.001
Geschlecht: weiblich -0.04 -0.08 – -0.01 0.021
Mittelstadt vs.
Kleinstadt
0.04 0.00 – 0.09 0.030
Großstadt vs. Kleinstadt 0.03 -0.01 – 0.07 0.135
Observations 1014
R2 / adjusted R2 0.654 / 0.651

10.16 Wissen über den Typ von in der Zulassungsphase befindlichen Impfstoffen (Stand: 29.12.20)

Wissen um die Impfstoffe wurde in der Erhebung vom 29.12.20 erfasst.

In den vergangenen Tagen wurde darüber berichtet, dass sich die von Moderna und BioNTech/Pfizer entwickelten Impfstoffe in der Zulassungsphase befinden. Die Teilnehmenden wurden gefragt, ob sie wissen, um welche Art Impfstoff es sich jeweils handelt. Die meisten Teilnehmenden wissen dies nicht, gefolgt von denjenigen, die die korrekte Antwort (genbasierter Impfstoff) kennen. Nur wenige geben eine falsche Antwort. Insgesamt hat das Wissen im Vergleich zur Vorerhebung erneut zugenommen.

Diejenigen Teilnehmenden, die wissen, dass es sich um genbasierte Impfstoffe handelt, unterscheiden sich in ihrer Impfabsicht nicht von denjenigen, die den Impfstofftyp nicht kennen.

Das richtige, falsche (oder das Un-) Wissen über den Impfstofftyp beeinflusst die Impfbereitschaft nicht:

10.17 Motiv des Impfens (Stand: 29.12.20)

Vom 01.12.20 bis 29.12.20 wurden im COSMO Motive des Impfens erhoben.

Die Teilnehmer wurden gefragt, welches Argument für sie am stärksten für eine Impfung gegen COVID-19 spricht. Mehr als die Hälfte gaben den Schutz der Gesundheit als Hauptargument an. Diese Personen zeigten auch die stärkste Impfbereitschaft.

10.18 Influenza-Impfung (Stand: 17.11.20)

Achtung: Die Absicht, sich gegen Grippe impfen zu lassen, wurde vom 07.07.20 bis 17.11.20 im COSMO erhoben. Fragen zur Impfstoffpriorisierung wurden in der Welle vom 10.11.20 erhoben. Wahrnehmung hinsichtlich verschiedener Impfstofftypen wurde in der Welle vom 27.10.20.

Bereitschaft, sich gegen Influenza impfen zu lassen

45.2% der Befragungsteilnehmenden geben an, sich (eher) gegen Influenza impfen lassen zu wollen (Erhebung vom 27.10.20)

Impfbereitschaft Influenza und COVID-19 im Vergleich

Die Impfbereitschaft gegenüber COVID-19 (53.5%) ist der Impfbereitschaft gegenüber Influenza sehr ähnlich (45.2 %, Erhebung vom 17.11.20).

Die Teilnehmer/innen wurden gefragt, welche Infektionskrankheit ihrer Meinung nach für sie gesundheitlich schwerwiegender ist. Etwa die Hälfte hält COVID-19 für schwerwiegender als die Grippe, unter den über 65-Jährigen sind es sogar 64%. Zwischen 33% und 39% (je nach Altersgruppe) halten beide Krankheiten für gleich schwerwiegend. Nur eine kleine Minderheit hält die Grippe für schwerwiegender als COVID-19 (Daten vom 17.11.2020).

10.19 Priorisierung bei der Impfstoffverteilung (Stand: 10.11.20)

Sobald ein Impfstoff zugelassen worden ist, wird zunächst nur ein Teil der Bevölkerung geimpft werden können. Im Positionspapier Wie soll der Zugang zu einem COVID-19-Impfstoff geregelt werden? plädieren Mitglieder der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrats und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina dafür, anfangs bestimmte Personengruppen bei der Impfung zu bevorzugen.

19.5% der am 10./11.11.2020 befragten Teilnehmer sprechen sich eher gegen die Bevorzugung bestimmter Personengruppen aus und denken, alle Menschen sollten dieselbe Chance haben, sich so früh wie möglich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Die Teilnehmer gaben zudem an, wie stark bestimmte Personengruppen bei der Impfung priorisiert werden sollten. Die Personengruppen wurden aus den 3 im Positionspapier genannten Gruppen abgeleitet:

  • Gruppe 1: Personen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustandes ein signifikant erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben, insbesondere bei erhöhter Kontaktdichte (etwa in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen der Langzeitpflege)

  • Gruppe 2: Mitarbeiter:innen von stationären oder ambulanten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und der Altenpflege, die aufgrund berufsspezifischer Kontakte ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Infektion und gegebenenfalls zusätzlich für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben oder die als Multiplikatoren das Virus in die Einrichtungen hinein und in andere Bereiche der Gesellschaft hinaus tragen können.

  • Gruppe 3: Personen, die in basalen Bereichen der Daseinsvorsorge und für die Aufrechterhaltung zentraler staatlicher Funktionen eine Schlüsselstellung besitzen (z. B. Mitarbeiter:innen der Gesundheitsämter, der Polizei- und Sicherheitsbehörden, der Feuerwehr, Lehrer:innen und Erzieher:innen), insbesondere, wenn sie direkten, risikoerhöhenden Kontakt mit Patient:innen, Angehörigen von Risikogruppen oder potenziell Infizierten haben.

In der Priorisierungsreihenfolge zeigen sich kaum Unterschiede zwischen den Altersgruppen, jünger Menschen differenzieren aber stärker. Menschen aus dem Gesundheitssektor oder anderen systemrelevanten Berufen weichen in ihrer Priorisierung nicht vom Rest der Bevölkerung ab.

10.20 Was denken Personen über verschiedene Impfstofftypen? (Stand: 27.10.20)

Mit Stand vom 19. Oktober befinden sich, laut der Weltgesundheitsorganisation, derzeit 44 Impfstoffkandidaten in klinischer Evaluation. Hinzukommen noch 154 Impfstoffkandidaten in prä-klinischer Evaluation.

Diese Impfstoffkandidaten unterscheiden sich dabei im Hinblick auf ihre verwendete Technologie. So basieren einige auf Vektorentechnologie, andere sind wiederum inaktivierte Impfstoffe oder nutzen RNA-Bestandteile.

In der Erhebungswelle vom 27.10.20 wurden die Teilnehmer gebeten, sich in eine von vier hypotetischen Impfszenarien zu versetzen. Die Szenarien unterschieden sich dabei im Hinlick auf den Impfstofftypus:

  1. Totimpfstoff

  2. Lebendimpfstoff

  3. Vektorimpfstoff

  4. Genimpfstoff

Danach wurden die Teilnehmer im Bezug auf ihr Informationsbedürfnis, das Vertrauen in den Impfstoff und ihre Absicht sich impfen zu lassen befragt.

Vertrauen, Informationsbedürfnis und Impfbereitschaft

Vertrauen in den Impfstoff, das Informationsbedürfnis und die Impfbereitschaft unterscheiden sich nicht signifikant voneinander in Abhängigkeit vom Impfstofftyp.

Das Vertrauen in die Impfstoffe ist moderat ausgeprägt und liegt zirka am Skalenmittelpunkt. Die Befragten zeigen tendenziell hohes Informationebdürfnis. Das bedeutet, dass mehr Informationen über die Impfstoffe (unabhängig vom Impfstofftypus) der Impfentscheidung zuträglich wären.

Die Intention sich impfen zu lassen ist ebenfalls, wie Vertrauen, moderat ausgeprägt.

Bereitschaft an Studie zur Erprobung von Impfstoffen teilzunehmen

Schließlich wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie bereit wären, an einer Studie zur Erprobung eines Imfpstoff teilzunehmen.

Insgesamt ist die Bereitschaft über die Imfpstofftypen hinweg ziemlich niedrig. Zirka 20% der Teilnehmer würde an einer Studie teilnehmen. Ungefähr die Hälfte lehnt dies ab.