1 Impfbereitschaft

Für Kinder zwischen 16 und 18 Jahren ist ein Impfstoff bereits seit längerem zugelassen; für Kinder zwischen 12 und 15 Jahren wurde die Impfung kürzlich ebenfalls freigegeben, aber bisher nicht durch die Ständige Impfkommission offiziell empfohlen.

Bei Eltern von Kindern zwischen 12 und 15 Jahren konnte zunächst ein deutlicher Rückgang der Impfbereitschaft beobachtet werden: Wollten Mitte Mai noch 66% der Befragten ihre Kinder impfen lassen, waren es einen Monat später nur noch 44%. Ende Juni sprang der Anteil aber wieder auf 65% und liegt aktuell bei 53%.

2 Informationsstand Kinderimpfung

Etwa zwei Drittel (61%) der Eltern fühlen sich noch nicht gut zur COVID-19 Impfung für Kinder informiert.

Der größte Informationsbedarf besteht über Langzeitfolgen, Nebenwirkungen, die Dauer des Schutzes und die Wirksamkeit.

Die Befragten wollen am liebsten von Fachpersonal oder staatlichen Websites aufgeklärt werden.

3 Gründe des (Nicht-)impfens

Die Gründe, eigene Kinder (nicht) gegen das Coronavirus impfen zu lassen, wurden mithilfe der 5C-Kurzskala (Betsch et al., 2019) erfasst. Die 5C umfassen folgende Aspekte:

  • Confidence (Vertrauen) beschreibt das Ausmaß an Vertrauen in die Effektivität und Sicherheit von Impfungen, das Gesundheitssystem und die Motive der Entscheidungsträger (Ich habe vollstes Vertrauen, dass die Impfung gegen COVID-19 für meine Kinder sicher ist).

  • Complacency (Risikowahrnehmung) beschreibt die Wahrnehmung von Krankheitsrisiken und ob Impfungen als notwendig angesehen werden (Die Impfung gegen COVID-19 ist überflüssig, da COVID-19 keine große Bedrohung für meine Kinder darstellt).

  • Constraints (Barrieren in der Ausführung, auch: Convenience) beschreibt das Ausmaß wahrgenommener struktureller Hürden wie Stress, Zeitnot oder Aufwand (Alltagsstress hält mich davon ab, meine Kinder gegen COVID-19 impfen zu lassen).

  • Calculation (Berechnung) erfasst das Ausmaß aktiver Informationssuche und bewusster Evaluation von Nutzen und Risiken von Impfungen (Wenn ich darüber nachdenke, meine Kinder gegen COVID-19 impfen zu lassen, wäge ich sorgfältig Nutzen und Risiken ab, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen).

  • Collective Responsibility (Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft) beschreibt das Ausmaß prosozialer Motivation, durch die eigene Impfung zur Reduzierung der Krankheitsübertragung beizutragen und damit andere indirekt zu schützen (Wenn alle gegen COVID-19 geimpft sind, brauche ich meine Kinder nicht auch noch impfen lassen.).

Die 5 Gründe werden auf einer 7-stufigen Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 7 (stimme voll und ganz zu) erfasst.

Je jünger die Kinder der befragten Eltern sind, desto geringer fällt das Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen aus, desto eher wird die Impfung als überflüssig wahrgenommen und desto geringer fällt das Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft aus.

Regressionsergebnisse für den aktuellsten Erhebungszeitpunkt (Welle 51, 07.09.21) zeigen, dass die Impfbereitschaft für alle drei Altersgruppen vor allem davon abhängt, ob die Impfung als sicher wahrgenommen wird.

  Impfbereitschaft unter 12 Impfbereitschaft 12-15 Impfbereitschaft 16-18
Predictors Estimates CI p Estimates CI p Estimates CI p
(Intercept) 0.56 -0.49 – 1.61 0.300 2.66 -0.20 – 5.53 0.072 2.39 0.30 – 4.48 0.031
Confidence 0.72 0.62 – 0.82 <0.001 0.46 0.23 – 0.69 <0.001 0.91 0.74 – 1.09 <0.001
Complacency -0.20 -0.30 – -0.10 <0.001 -0.19 -0.48 – 0.10 0.204 -0.18 -0.39 – 0.03 0.105
Calculation 0.04 -0.06 – 0.14 0.477 -0.29 -0.58 – -0.01 0.048 -0.07 -0.22 – 0.08 0.378
Constraints 0.20 0.08 – 0.32 0.001 0.18 -0.19 – 0.54 0.346 -0.10 -0.39 – 0.18 0.475
Collective responsibility 0.14 0.04 – 0.24 0.009 0.22 -0.07 – 0.52 0.141 -0.10 -0.36 – 0.16 0.439
Observations 215 83 46
R2 / adjusted R2 0.683 / 0.676 0.397 / 0.358 0.853 / 0.834

4 Ergebnisse vergangener Erhebungen

::: {.notification .is-warning .is-light} Achtung: Die nachfolgenden Analysen und Abbildungen beziehen sich auf vergangene Erhebungswellen. :::

4.1 Wahrgenommene Auswirkungen von Impfung und Nichtimpfung (Stand: 27.07.21)

Etwa die Hälfte der Eltern mit Kindern unter 12 Jahre denkt, dass ihre Kinder durch die Impfung zum Alltag zurückkehren und wieder mehr soziale Kontakte haben sowie zur Eindämmung der Pandemie beitragen können. Bei Eltern mit älteren Kindern fällt der Anteil etwas höher aus.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die eigenen Kinder bis Jahresende 2021 mit dem Coronavirus infizieren wenn sie nicht geimpft werden, wird von den Eltern unterschiedlich eingeschätzt. Jeweils ein Drittel schätzen die Wahrscheinlichkeit als hoch oder niedrig ein oder sind unentschlossen.

Im Vergleich zum Februar 2021 wird eine Coronainfektion für Kinder Ende Juni 2021 als gefährlicher eingeschätzt.

4.2 Impfintention und Grundimmunisierung (Stand: 27.07.21)

4.3 Bedeutung der STIKO-Empfehlung (Stand: 27.07.21)

4.4 Akzeptierte Impforte (Stand: 18.05.21)

Generell ist der Kinderarzt der beliebteste Impfort, vor allem für jüngere Kinder. Nur 22% der Eltern von Kindern ab 12 Jahre können sich ausschließlich den Kinderarzt und keinen anderen Impfort vorstellen. 53% würden ihre Kinder ab 12 Jahren auch in Impfzentren und 38% in der Schule impfen lassen. Nur eine Minderheit von 13-16% würde einer Schulimpfung nur zustimmen, wenn sie als Eltern auch dabei sein könnten.

4.5 Impfpräferenz von Kindern (Stand: 18.05.21)

75% der Eltern von Kindern ab 12 Jahren haben mit ihren Kindern bereits über eine Kinder-Impfung gegen COVID-19 gesprochen, 20% haben es vor.

7% der Eltern berichten, dass sie nicht wissen, ob sich ihr Kind impfen lassen will, 17% denken, ihr Kind möchte sich nicht impfen lassen, 76% gehen davon aus, dass sich ihr Kind impfen lassen möchte. Als wichtigste Gründe für eine Impfung nennen die Eltern, dass die Kinder selbst geschützt sein wollen und zurück in einen normalen Alltag möchten. Auch der Schutz anderer wir von 35% als Grund aufgeführt (Mehrfachnennung möglich).

4.6 Impfpflicht (Stand: 18.05.21)

4.6.1 Zustimmung zu verpflichtenden Regelungen

31% der Eltern befürworten eine verpflichtende Impfung von Kindern, 55% lehnen sie eher ab und 14% sind unentschieden.

4.6.2 Wirkung einer Geldstrafe im Falle einer Impfpflicht

In einem Experiment wurde untersucht, ob Geldstrafen bei Nichtimpfung zu einer Erhöhung der Impfbereitschaft führen. Dazu wurde Eltern mit Kindern unter 18 Jahren eine Liste mit 10 binären Entscheidungen vorgelegt. Sie mussten sich jeweils zwischen den Optionen Kind impfen und Kind nicht impfen und dafür Geldstrafe x zahlen entscheiden. Die Geldstrafe variierte über die 10 Entscheidungen von 1.000 Euro bis 10.000 Euro.

In der Auswertung zeigte sich, das selbst hohe Geldstrafen nicht zu einem signifikanten Anstieg der Impfbereitschaft führten, unabhängig davon ob die Teilnehmer vor dem Experiment eine hohe oder niedrige Impfbereitschaft angegeben hatten.

4.6.3 Reaktanz und Auswirkungen auf freiwillige Impfungen

In einem weiteren Experiment wurden die Auswirkung einer fiktiven Impfpflicht für COVID-19 untersucht. Dazu wurden Eltern mit Kindern unter 18 Jahren zufällig einer von zwei Gruppen zugeordnet:

  • Impfpflicht: Teilnehmern in dieser Gruppe sollten sich vorstellen, dass eine Impfpflicht für Kinder eingeführt wird

  • keine Impfpflicht: Teilnehmer in dieser Gruppe sollten sich vorstellen, dass die Impfung für Kinder freiwillig sein wird

Anschließend wurden Reaktanz (Verärgerung) und die Bereitschaft gemessen, eigene Kinder freiwillig gegen Meningikokken B impfen zu lassen. Eine Impfung gegen Meningokokken B ist aktuell nicht offiziell empfohlen, die Eltern sollten sich aber vorstellen, die Ständige Impfkommission rate zur Impfung.

Es zeigte sich, dass eine Impfpflicht vor allem dann zu Verärgerung führte, wenn die Eltern einer verpflichtenden Impfung ablehnend gegenüberstanden. In diesen Fällen sank auch die Bereitschaft zur Meningokokkenimpfung, verglichen mit Eltern, die von einer freiwilligen Impfung gegen COVID-19 ausgingen.

4.7 Impfung eigener Kinder (Stand: 04.05.21)

Was sagt die Impfbereitschaft vorher?

Interpretation: Dargestellt sind die Ergebnisse einer linearen schrittweisen Regressionsanalyse (bestes statistisches Modell). CI sind die 95% Konfidenzintervalle der Koeffizienten (betas). Wenn diese Null einschließen, hat die entsprechende Variable keinen statistisch bedeutsamen Einfluss. Fettgedruckte Einflussfaktoren sind signifikant und haben einen statistisch bedeutsamen Einfluss. Das heißt für Werte mit positivem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu mehr Impfbereitschaft. Das heißt für Werte mit negativem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu weniger Impfbereitschaft

Die Impfbereitschaft für Kinder gegen COVID-19 ist (Stand: 04.05.21) höher für Personen, die:

  • der Impfung mehr vertrauen,

  • das Risiko der Krankheit nicht unterschätzen, die Impfung nicht für überflüssig halten,

  • nicht Trittbrettfahren wollen

Variablen im Modell: die 5C der Impfakzeptanz und Impfstatus der Eltern.

Hinweis: Die Regressionen beziehen sich ausschließlich auf Personen, die Kinder unter 18 Jahren haben.

  Bereitschaft, das eigene Kind impfen zu lassen
Variablen std. Beta standardized CI p
Confidence (Ich habe
vollstes Vertrauen, dass
die Impfungen gegen
COVID-19 sicher sein
werden)
0.52 0.42 – 0.62 <0.001
Complacency (Impfungen
gegen COVID-19 werden
überflüssig sein, da
COVID-19 keine große
Bedrohung darstellt)
-0.13 -0.24 – -0.02 0.024
Constraints
(Alltagsstress wird mich
davon abhalten, mich
gegen COVID-19 impfen zu
lassen)
-0.02 -0.11 – 0.07 0.676
Calculation (Wenn ich
darüber nachdenken werde,
mich gegen COVID-19
impfen zu lassen, werde
ich sorgfältig Nutzen und
Risiken abwägen, um die
bestmögliche Entscheidung
zu treffen)
-0.05 -0.13 – 0.03 0.263
Collective responsibility
(Wenn alle gegen COVID-19
geimpft sind, brauche ich
mich nicht auch noch
impfen lassen)
-0.13 -0.25 – -0.01 0.035
Mindestens eine Impfung
erhalten (Referenz: keine
Impfung)
0.00 -0.08 – 0.09 0.955
Observations 317
R2 / adjusted R2 0.477 / 0.467

Was sagt Bereitschaft das Kinder in der Schule impfen lassen zu wollen?

Interpretation: Dargestellt sind die Ergebnisse einer linearen schrittweisen Regressionsanalyse (bestes statistisches Modell). CI sind die 95% Konfidenzintervalle der Koeffizienten (betas). Wenn diese Null einschließen, hat die entsprechende Variable keinen statistisch bedeutsamen Einfluss. Fettgedruckte Einflussfaktoren sind signifikant und haben einen statistisch bedeutsamen Einfluss. Das heißt für Werte mit positivem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu mehr Impfbereitschaft. Das heißt für Werte mit negativem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu weniger Impfbereitschaft

Die Impfbereitschaft für Kinder gegen COVID-19 ist (Stand: 04.05.21) höher für Personen, die:

  • der Impfung mehr vertrauen,

  • weniger Kosten und Nutzen einer Impfung abwägen,

  • sich mehr auf den kollektiven Schutz von Impfungen verlassen

Variablen im Modell: die 5C der Impfakzeptanz und Impfstatus der Eltern.

Hinweis: Die Regressionen beziehen sich ausschließlich auf Personen, die Kinder unter 18 Jahren haben.

  Bereitschaft, das eigene Kind in der Schule impfen zu lassen
Variablen std. Beta standardized CI p
Confidence (Ich habe
vollstes Vertrauen, dass
die Impfungen gegen
COVID-19 sicher sein
werden)
-0.37 -0.49 – -0.25 <0.001
Complacency (Impfungen
gegen COVID-19 werden
überflüssig sein, da
COVID-19 keine große
Bedrohung darstellt)
0.03 -0.10 – 0.16 0.674
Constraints
(Alltagsstress wird mich
davon abhalten, mich
gegen COVID-19 impfen zu
lassen)
-0.03 -0.14 – 0.07 0.524
Calculation (Wenn ich
darüber nachdenken werde,
mich gegen COVID-19
impfen zu lassen, werde
ich sorgfältig Nutzen und
Risiken abwägen, um die
bestmögliche Entscheidung
zu treffen)
0.10 0.01 – 0.20 0.037
Collective responsibility
(Wenn alle gegen COVID-19
geimpft sind, brauche ich
mich nicht auch noch
impfen lassen)
0.16 0.02 – 0.31 0.025
Mindestens eine Impfung
erhalten (Referenz: keine
Impfung)
-0.04 -0.14 – 0.06 0.424
Observations 317
Cox & Snell’s R2 / Nagelkerke’s R2 0.067 / 0.304