1 Bewertung der Lockerungsmaßnahmen

30.3 % finden die Lockerungsmaßnahmen (eher) übertrieben. Dieser Anteil ist seit Anfang September relativ konstant.

2 Maßnahmen vs. Lockerungen übertrieben finden

Vergleich von drei Gruppen hinsichtlich der Krisenwahrnehmung, des Wissens, Vertrauens, der Verschwörungstheorien, und des Verhaltens:

  • Lockerungen übertrieben finden (blau),
  • Maßnahmen übertrieben finden (rot)
  • indifferent (grau)

Hier wurden sogenannte “Extremgruppen” aus zwei Fragen gebildet (Ich finde die Lockerungsmaßnahmen, die derzeit ergriffen werden, stark übertrieben. und Ich finde die Maßnahmen, die derzeit ergriffen werden, stark übertrieben.), so dass diese Gruppengrößen etwas abweichen können von den Extremgruppen, die aus den Einzelvariablen gebildet werden. Personen, die hohe Werte auf der einen und niedrige auf der anderen Variable angeben, machen die blaue und die rote Gruppe aus; Personen, die auf beiden niedrige oder mittlere Werte angeben, sind die graue Gruppe; und Personen, die auf beiden Variablen hohe Werte angeben, fallen hier raus.

Anteile der Befragungsteilnehmenden, die die Maßnahmen/Lockerungen übertrieben finden im Zeitverlauf

Seit Mai hat der Anteil derer, die zufrieden sind (indifferent) zugenommen, der Anteil der Personen, die die Maßnahmen ablehnen, hatte bis August abgenommen. Seit September steigt dieser Anteil wieder leicht an.

Demografische Unterschiede

Wer Maßnahmen ablehnt ist eher weiblich und höher gebildet.

Table 2.1:
Lockerungen übertr. Maßnahmen übertr. Indifferent
N=236 N=196 N=521
AGE 47.3 (16.1) 44.4 (15.1) 46.3 (16.0)
GENDER:
männlich 119 (50.4%) 81 (41.3%) 257 (49.3%)
weiblich 117 (49.6%) 115 (58.7%) 264 (50.7%)
EDUCATION:
Bis zu 9 Jahre 28 (11.9%) 17 (8.67%) 48 (9.21%)
Mind. 10 Jahre (ohne Abitur) 73 (30.9%) 73 (37.2%) 182 (34.9%)
Mind. 10 Jahre (mit Abitur) 135 (57.2%) 106 (54.1%) 291 (55.9%)

2.1 Gruppenunterschiede

Bei einem Vergelich der drei Gruppen fällt auf, dass die große Gruppe derer, die indifferent sind und die, denen die Lockerungen zu schnell gehen, ähnlich auf einer Vielzahl von psychologischen Variablen (z.B. höhere Risikowahrnehmung) abschneiden und auch ähnlich viel Schutzverhalten zeigen.

Wer jedoch denkt, die Maßnahmen sind übertrieben, unterscheidet sich auf fast allen Variablen von den anderen Personen: dieses knappe Fünftel der Befragten ist schlechter informiert, vertraut den Behörden weniger, fühlt ein geringeres Risiko und nimmt den Ausbruch als einen Medien-Hype wahr.

Außerdem empfindet diese Gruppe Verhaltensempfehlungen als ausreichend und geht auch davon aus, dass die Mehrheit der Personen diese befolgen würden. Zugleich haben diese Menschen jedoch in den letzten Wochen ein geringeres Schutzverhalten gezeigt als die anderen Befragten, also beispielsweise weniger auf private Feiern verzichtet, seltener den Mindestabstand eingehalten und weniger häufig eine Schutzmaske getragen. Über die letzten Befragungen hinweg blieben diese Ergebnismuster relativ konstant.

Alternative Darstellung der Profilunterschiede

100% steht für die maximale Ausprägung/Zustimmung, 0% für die minimale Ausprägung/Zustimmung der/zur jeweiligen Variable.

2.2 Altersunterschiede

Jüngere unter 30, im Vergleich zu über 30-Jährigen verhalten sich eher riskant (3G-Empfehlungen), sorgen sich eher um die eigene wirtschaftliche Situation, schätzen die Krankheit für sich als weniger schwerwiegend ein. Sie suchen weniger häufig nach Informationen über Corona als über 30-Jährige.

Grafische Darstellung der Altersunterschiede

3 Eigenverantwortung

Immer wieder findet eine Debatte über Gebote vs. Verbote statt und dass der Bürger mehr Eigenverantwortung im Infektionsschutz übernehmen soll.

Insgesamt denken 40.1 % (eher), dass eigenverantwortliches Handeln auf der Basis von Geboten ausreichend effektiv ist, um der Verbreitung des Virus entgegenzuwirken.

31.5 % denken (eher), dass sich die meisten Menschen an die Empfehlungen halten, auch wenn die allgemeinen Beschränkungen nicht mehr verpflichtend wären.

Vor allem diejenigen halten Gebote anstelle von Verboten für ausreichend, die die Maßnahmen ablehnen.

Sie denken tendenziell auch eher, dass sich die Mehrheit an die Empfehlungen halten würde, wobei sich die Diskrepanz zwischen den Gruppen in den zum aktuellen Erhebungszeitpunkt erhöht hat.

Jedoch halten sich Menschen, die die Maßnahmen ablehnen, selbst zugleich weniger an die Regeln als alle anderen (die die Lockerungen übertrieben finden oder die indifferent sind, was Maßnahmen und Lockerungen angeht).

4 Bereitschaft zu erneuten Einschränkungen

Städte oder Landkreise, in denen mehr als 30 bis 50 Neuinfektionen (je nach Bundesland) auf 100.000 Einwohner vorliegen, sollten das öffentliche Leben in der Region erheblich einschränken.

61.2 % sind in dieser Situation (eher) bereit, sich wieder einzuschränken (Maßnahmen vor dem 6.5.20; vorherige Befragung: 63.7 %)

Wer die Maßnahmen generell für übertrieben hält, lehnt auch die lokale Regelung eher ab (Korrelation r = -0.53).