1 Risikodimensionen

Die folgenden Grafiken zeigen verschiedene Aspekte der Risikowahrnehmung im Verlauf der Erhebungen. Dazu gehören wahrgenommene Anfälligkeit, Schweregrad und Infektionswahrscheinlichkeit. Diese drei Aspekte beschreiben das kognitive Risiko, dass Teilnehmende für sich einschätzen sollen.

Anfälligkeit. Der Anteil derer, die sich für (überhaupt) nicht anfällig halten, ist seit dem Sommer relativ stabil und daher unabhängig von den Infektionszahlen. Mit Bekanntwerden der Mutationen im November schlug die Anfälligkeit leicht nach oben aus, hat sich jedoch seitdem wieder auf dem vorherigen Niveau eingependelt.

Infektionswahrscheinlichkeit. Die Infektionswahrscheinlichkeit schwankt stärker als die wahrgenommene Anfälligkeit. Knapp 43% der Befragten halten es für (eher) unwahrscheinlich, dass sie sich infizieren. Zuletzt hat die Infektionswahrscheinlichkeit leicht zugenommen.

Schweregrad. Der wahrgenommene Schweregrad ist über die Erhebungen seit September stabil. Etwa 29% der Teilnehmenden erwarten, dass eine eigene Erkrankung eher oder völlig harmlos wäre. Gut 42% schätzen, dass die Krankheit für sie gefährlich oder extrem gefährlich wäre.

2 Gefühltes Risiko

Das gefühlte Risiko, das bedeutet die emotionale Komponente von Risikowahrnehmung, ist für Schutzverhalten und die Akzeptanz der Maßnahmen relevant. Die folgenden Grafiken zeigen deshalb verschiedene Emotionen und deren Entwicklung über den Verlauf der Erhebungen. Das gefühlte Risiko unterliegt größeren Schwankungen als die kognitiven Risikoeinschätzungen.

Insgesamt ist das affektive Risiko momentan auf hohem Niveau stabil:

  • 48.5 % der Teilnehmenden denken dauernd oder eher häufig an die Pandemie
  • 48.2 % haben (eher) Angst
  • 63.9 % halten das Coronavirus für (eher) besorgniserregend

Affektives Risiko im Mittel. Durch Mittelung der Dominanz des Themas, Angst und Besorgnis wurde das mittlere affektive Risiko bestimmt.

3 Risikowahrnehmung im Altersvergleich

Seit Beginn der Pandemie schätzen jüngere Leute unter 30 ihr Risiko für eine Ansteckung als höher und die Schwere einer Erkrankung als niedriger ein als über 30-Jährige. Das affektive Risiko wird ebenfalls niedriger wahrgenommen. Die affektive Risikobewertung hatte sich besonders im Juli bei den Jüngeren signifikant verringert. In den Erhebungen von Januar und Februar unterscheiden sich die Altersgruppen noch deutlich im wahrgenommenen Schweregrad der Erkrankung und knapp in der wahrgenommenen Infektionswahrscheinlichkeit. In der aktuellen Erhebung unterscheiden sich die Altersgruppen auch wieder in der subjektiven Anfälligkeit. Das affektive Risiko unterscheidet sich aktuell nicht signifikant zwischen jüngeren und älteren Teilnehmenden.

4 Risikowahrnehmung nach Regionalen Fallzahlen

In der aktuellen Erhebung vom 23.03.21 haben wir die 7-Tages-Inzidenz auf Landkreisebene (RKI) verwendet um zu sehen, ob die Risikowahrnehmung und selbst eingeschätzte Infektionswahrscheinlichkeit von den jeweiligen Inzidenzwerten in der Region abhängen.

Das affektive Risiko ist für Schutzverhalten und die Akzeptanz der Maßnahmen relevant. Trotz sinkender Fallzahlen ist das gefühlte Risiko hoch. Die Einschätzung der Infektionswahrscheinlichkeit unterscheidet sich nicht signifikant nach regionalen Fallzahlen. Der Zusammenhang zwischen hohen Fallzahlen und dem Ärger über die geltenden Maßnahmen ist in der aktuellen Erhebung ebenfalls nicht mehr vorhanden.

5 Ergebnisse aus vergangenen Erhebungen

5.1 Erkrankungswahrscheinlichkeit des Kindes (Stand: 26.02.2021)

In einigen Bundesländern wurden diese Woche wieder Kindertagesstätten und Grundschulen geöffnet. Im Vergleich zur Erhebung vom 17.11.2020 ist die Einschätzung der Infektionswahrscheinlichkeit der eigenen Kinder unter den Eltern insgesamt gesunken. Ein Drittel der Befragten Eltern hat angegeben, die Infektionswahrscheinlichkeit ihres Kindes als niedrig zu betrachten. Unter den Befragten mit Kindern in Kintertagesstätten und Grundschulen hingegen wird das Infektionsrisiko in der aktuellen Befragung höher eingeschätzt.

5.2 Verhalten in Risikosituationen (Erhebungswelle 32: 29.12.2020)

Die Teilnehmer wurden gefragt, wie häufig sie sich in den letzten 14 Tagen in verschiedenen Risikosituationen befunden hatten und welche Schutzmaßnahmen sie in diesen anwendeten.

Hinweis: Wegen eines Fehlers in der Datenerhebungslogik wurden die Schutzmaßnahmen nur von der zweiten Hälfte der Befragungsteilnehmenden korrekt erfasst.

5.3 Risikowahrnehmung nach Aufenthalt in Risikogebieten (Erhebungswelle 27: 17.11.2020)

Hinweis: Aufgrund der geringen Anzahl von Landkreisen, die nicht als Risikogebiet ausgewiesen sind (siehe hier), wird die Analyse für den Vergleich von Risikogebieten und Nicht-Risikogebieten nicht mehr durchgeführt.

In der Erhebung wurde auch danach gefragt, ob man sich zur Zeit in einem offiziell ausgewiesenen Corona-Risikogebiet befindet. Befragungsteilnehmende aus einem Riskogebiet unterscheiden sich in ihrer eingeschätzten Anfälligkeit, Infektionswahrscheinlichkeit und dem affektiven Risiko in Bezug auf Corona kaum von Befragungsteilnehmenden aus einem Nicht-Riskogebiet.

5.4 Situative Risikowahrnehmung, Expositionshäufigkeit und Schutzverhalten (Erhebungswelle 23: 13.10.2020)

Achtung: Die situative Risikowahrnehmung wurde nur am 13.10.2020 erhoben.

Bei privaten Treffen wird im Vergleich zu beruflichen Treffen weniger Schutzverhalten gezeigt. Private und berufliche Treffen werden als ähnlich riskanter eingeschätzt. Fast 30% waren in den letzten 4 Wochen mindestens einmal bei beruflichen Treffen, 45% bei privaten Treffen mit mehr als zehn Personen.

Beim Besuch von Bars und Kneipen wird weniger Schutzverhalten gezeigt als beim Besuch von Restaurants und Cafés. Bars und Kneipen werden auch als riskanter eingeschätzt. Fast 30% waren in den letzten 4 Wochen mindestens einmal in Bars und Kneipen.

5.4.1 Situative Risikowahrnehmung

Immer dann, wenn viele Menschen aufeinandertreffen und sich austauschen, ist das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus besonders groß. In dieser Welle 23 (13.10 - 14.10.2020) wurden die Befragungsteilnehmenden gebeten, die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus in unterschiedlichen Situationen einzuschätzen.

Nach Meinung der Befragten gehört der Besuch von Kneipen und Bars zu den risikoreicheren Situationen für eine Ansteckung mit Corona. Zu den risikoreicheren Situationen zählen sie außerdem Zusammenkünfte in Gotteshäusern, die Fahrt mit Bus oder Bahn sowie berufliche und private Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen mit mehr als zehn Personen.

Weniger Risiken für eine Ansteckung werden gesehen, wenn man ein Flugzeug nutzt, in Fitness- und Sportstudios oder Hallenbäder geht, Aufführungen oder Restaurants besucht, die Zusammenkünfte mit mehr als zehn Personen im Freien stattfinden oder beim Einkaufen. Am geringsten wird das Ansteckungsrisiko im eigenen Haushalt eingeschätzt.

Interpretation: Tendenziell werden Situationen umso risikoreicher für eine Ansteckung mit dem Coronavirus gesehen, wenn Gespräche in lebhafter Atmosphäre oder engem Kontakt mit anderen stattfinden, durch viele Menschen an einem Ort Gedränge möglich ist und größere Gruppen in geschlossenen Räumen zusammentreffen.

Hinweis: Das Infektionsrisiko wurde auf einer 7-stufigen Skala von 1 (extrem unwahrscheinlich) bis 7 (extrem unwahrscheinlich) erfasst.

5.4.2 Aufsuchen von Risikosituationen

Die Befragungsteilnehmenden gaben außerdem an, wie häufig sie sich in den letzten vier Wochen tatsächlich in einer dieser Situationen befanden. Am häufigsten waren sie in den letzten vier Wochen in Lebensmittelgeschäften, Supermärkten oder Drogerien, in Restaurants oder Cafés, in Bus und Bahn oder haben an privaten Treffen in geschlossenen Räumen mit mehr als zehn Personen teilgenommen.

5.4.3 Schutzverhalten in Risikosituationen

Für einige Situationen, in denen mit einem erhöhten Infektionsrisiko zu rechnen ist, wurden Befragungsteilnehmende, die sich in den letzten vier Wochen in solch einer Situation befunden haben, gebeten, die Vorsichtsmaßnahmen anzugeben, welche sie angewandt haben, damit das Risiko einer Ansteckung in dieser Situation minimiert wird. Die Einhaltung der AHA-Regeln –Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen – ist in diesen Situationen besonders zu beachten.

Zwischen 50,5 % und 83,5 % geben in den betreffenden Situationen an, Abstand gehalten zu haben. Bei privaten Treffen in geschlossenen Räumen mit mehr als zehn Personen gelingt es den wenigsten Personen, in Restaurants oder Cafés den meisten Personen.

Auch Hygienemaßnahmen wie Händeschütteln vermeiden, Hände waschen und in die Armbeuge niesen werden häufig als Vorsichtsmaßnahme unternommen, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Verglichen dazu werden Desinfektionsmittel eher seltener verwendet.

Das Tragen einer Alltagsmaske wurde besonders bei Besuchen von Restaurants und Cafés sowie bei beruflichen Sitzungen in geschlossenen Räumen als Vorsichtsmaßnahme genannt. Bei Zusammenkünften im Freien und bei privaten Treffen wurde diese Vorsichtmaßnahme eher seltener ergriffen.

Interpretation: Viele Personen ergreifen in Risikosituationen Vorsichtsmaßnehmen und befolgen die AHA-Regel. Nur wenige Personen ergreifen gar keine Vorsichtsmaßnahmen.