1 Risikodimensionen

Die folgenden Grafiken zeigen verschiedene Aspekte der Risikowahrnehmung im Verlauf der Erhebungen.

Anfälligkeit. Der Anteil derer, die sich für (überhaupt) nicht anfällig halten, geht seit Mai leicht zurück.

Infektionswahrscheinlichkeit. Gut zwei Fünftel der Befragten hält es für (eher) unwahrscheinlich, dass sie sich infizieren.

Schweregrad. Der wahrgenommene Schweregrad ist über die Erhebungen seit September stabil. Knapp ein Drittel der Teilnehmenden erwarten, dass eine eigene Erkrankung eher oder völlig harmlos wäre.

2 Gefühltes Risiko

Das gefühlte Risiko ist für Schutzverhalten und die Akzeptanz der Maßnahmen relevant. Die folgenden Grafiken zeigen deshalb verschiedene gefühlsbasierte Aspekte der Risikowahrnehmung und deren Entwicklung über den Verlauf der Erhebungen. Das gefühlte Risiko unterliegt größeren Schwankungen als die eher kognitiven Risikoaspekte, die oben berichtet wurden.

Insgesamt ist das affektive Risiko im Vergleich zum September stabil:

  • 36 % der Teilnehmenden denken dauernd oder eher häufig an die Pandemie - Tendenz steigend
  • 44.6 % haben (eher) Angst
  • 58.2 % halten das Coronavirus für (eher) besorgniserregend

Affektives Risiko im Mittel. Durch Mittelung von Angst, Besorgnis und der Dominanz des Themas wurde das mittlere affektive Risiko bestimmt.

3 Risikowahrnehmung im Altersvergleich

Seit Beginn der Pandemie schätzen jüngere Leute unter 30 ihr Risiko als niedriger ein als über 30-Jährige. Dies ist durchgängig so – die Linien verlaufen relativ parallel. Die affektive Risikobewertung hatte sich besonders im Juli bei den Jüngeren signifikant verringert. Sie ist aber bei steigenden Fallzahlen im August wieder angestiegen und gerade ähnlich hoch wie bei den über 30-Jährigen.

4 Risikowahrnehmung nach Aufenthalt in Risikogebieten

In der aktuellen Erhebung wurde auch danach gefragt, ob man sich zur Zeit in eine offiziell ausgewiesenen Corona-Risikogebiet befindet. Befragungsteilnehmende aus einem Riskogebiet schätzen ihre Anfälligkeit, Infektionswahrscheinlichkeit und ihr affektives Risiko in Bezug auf Corona signifikant höher ein als Befragungsteilnehmende aus einem Nicht-Riskogebiet.

5 Situationale Risikowahrnehmung, Expositionshäufigkeit und Schutzverhalten

Bei privaten Treffen wird im Vergleich zu beruflichen Treffen weniger Schutzverhalten gezeigt. Private und berufliche Treffen werden als ähnlich riskanter eingeschätzt. Fast 30% waren in den letzten 4 Wochen mindestens einmal bei beruflichen Treffen, 45% bei privaten Treffen mit mehr als 10 Personen.

Beim Besuch von Bars und Kneipen wird weniger Schutzverhalten gezeigt als beim Besuch von Restaurants und Cafés. Bars und Kneipen werden auch als riskanter eingeschätzt. Fast 30% waren in den letzten 4 Wochen mindestens einmal in Bars und Kneipen.

5.1 Situationale Risikowahrnehmung

Immer dann, wenn viele Menschen aufeinandertreffen und sich austauschen, ist das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus besonders groß. In dieser Welle 23 (13.10 - 14.10.2020) wurden die Befragungsteilnehmenden gebeten, die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus in unterschiedlichen Situationen einzuschätzen.

Nach Meinung der Befragten gehört der Besuch von Kneipen und Bars zu den risikoreicheren Situationen für eine Ansteckung mit Corona. Zu den risikoreicheren Situationen zählen sie außerdem Zusammenkünfte in Gotteshäusern, die Fahrt mit Bus oder Bahn sowie berufliche und private Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen mit mehr als zehn Personen.

Weniger Risiken für eine Ansteckung werden gesehen, wenn man ein Flugzeug nutzt, Fitness- und Sportstudios oder Hallenbäder besucht, ins Restaurant geht, die Zusammenkünfte mit mehr als zehn Personen im Freien stattfinden oder beim Einkaufen. Am geringsten wird das Ansteckungsrisiko im eigenen Haushalt eingeschätzt.

Interpretation: Tendenziell werden Situationen umso risikoreicher für eine Ansteckung mit dem Coronavirus gesehen, wenn Gespräche in lebhafter Atmosphäre oder engem Kontakt mit anderen stattfinden, durch viele Menschen an einem Ort Gedränge möglich ist und größere Gruppen in geschlossenen Räumen zusammentreffen.

Hinweis: Das Infektionsrisiko wurde auf einer 7-stufigen Skala von 1 (extrem unwahrscheinlich) bis 7 (extrem unwahrscheinlich) erfasst.

5.2 Aufsuchen von Risikosituationen

Die Befragungsteilnehmenden gaben außerdem an, wie häufig sie sich in den letzten vier Wochen tatsächlich in einer dieser Situationen befanden. Am häufigsten waren sie in den letzten vier Wochen in Lebensmittelgeschäften, Supermärkten oder Drogerien, in Restaurants oder Cafés, in Bus und Bahn oder haben an privaten Treffen in geschlossenen Räumen mit mehr als zehn Personen teilgenommen.

5.3 Schutzverhalten in Risikosituationen

Für einige Situationen, in denen mit einem erhöhten Infektionsrisiko zu rechnen ist, wurden Befragungsteilnehmende, die sich in den letzten vier Wochen in solch einer Situation befunden haben, gebeten, die Vorsichtsmaßnahmen anzugeben, welche sie angewandt haben, damit das Risiko einer Ansteckung in dieser Situation minimiert wird. Die Einhaltung der AHA-Regeln –Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen – ist in diesen Situationen besonders zu beachten.

Zwischen 50,5 % und 83,5 % geben in den betreffenden Situationen an, Abstand gehalten zu haben. Bei privaten Treffen in geschlossenen Räumen mit mehr als zehn Personen gelingt es den wenigsten Personen, in Restaurants oder Cafés den meisten Personen.

Auch Hygienemaßnahmen wie Händeschütteln vermeiden, Hände waschen und in die Armbeuge niesen werden häufig als Vorsichtsmaßnahme unternommen, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Verglichen dazu werden Desinfektionsmittel eher seltener verwendet.

Das Tragen einer Alltagsmaske wurde besonders bei Besuchen von Restaurants und Cafés sowie bei beruflichen Sitzungen in geschlossenen Räumen als Vorsichtsmaßnahme genannt. Bei Zusammenkünften im Freien und bei privaten Treffen wurde diese Vorsichtmaßnahme eher seltener ergriffen.

Interpretation: Viele Personen ergreifen in Risikosituationen Vorsichtsmaßnehmen und befolgen die AHA-Regel. Nur wenige Personen ergreifen gar keine Vorsichtsmaßnahmen.