1 Demonstrationsbereitschaft

Die Grafik zeigt den Anteil der Personen, die derzeit bereit sind, an einer Demonstration gegen die einschränkenden Maßnahmen teilzunehmen (rot). Diese Bereitschaft bleibt konstant niedrig. Zusammenhangsanalysen zeigen, dass diese Personen die ergriffenen Maßnahmen übertrieben finden und erhöhte Reaktanz berichten. Zudem fällt ihr Vertrauen in das RKI und die Bundesregierung geringer aus. Außerdem sind sie eher davon überzeugt, Corona sei eine Lüge oder menschengemacht (Resultat aus vergangenen Erhebungen).

Im Folgenden wird der Zusammenhang zwischen der Bereitschaft, an Anti-Corona-Demonstrationen teilzunehmen und Wissen, Maßnahmen durchführen, institutionelles Vertrauen, Reaktanz sowie Risikowahrnehmung in der aktuellen Erhebung exploriert (zum aktuellen Erhebungszeitpunkt).

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: In der folgenden Übersicht zeigen höhere Werte einen stärkeren Zusammenhang an, Werte nahe Null zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt, um 0.1 einen kleinen Zusammenhang. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. Fettdruck zeigt statistisch bedeutsame Zusammenhänge an.

Bereitschaft, an Demonstrationen gegen die Maßnahmen teilzunehmen und …

  • Erkrankungswahrscheinlichkeit: -0.07

  • Sorgen um finanzielle Einbußen: 0.24

  • Sorge um den Arbeitsplatz: 0.26

  • das selbst eingeschätzte Wissen über COVID-19: 0.03

  • das Wissen über wirksame Schutzmaßnahmen: -0.4

  • selbst ergriffene Maßnahmen: -0.36

  • Vertrauen in die Bundesregierung: -0.31

  • Vertrauen in das RKI: -0.41

  • Reaktanz: 0.49

  • die ergriffenen Maßnahmen übertrieben finden: 0.56

1.1 Bereitschaft zur Teilnahme an Demonstrationen in Abhängigkeit von der Einstellung zu den Maßnahmen

Unter den Personen, die die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung ablehnen, liegt der Anteil derer, die an einer Demonstration teilnehmen würden, deutlich höher. Die Gruppe derer, die die Maßnahmen ablehnen, macht ca. ein Viertel der Befragten aus.

2 Reaktanz

Seit Welle 6 vom 07.04.20 wurden die Teilnehmenden befragt, inwiefern sie die verordneten Maßnahmen als ärgerlich, frustrierend und störend empfinden. Außerdem gaben die Befragten an, ob sie sich durch die ergriffenen Maßnahmen in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt sehen. Dies wird zusammengefasst und als Reaktanz bezeichnet.

2.1 Kurzzusammenfassung

Reaktanz ist insgesamt mittelmäßig ausgeprägt (aktuelle Woche: auf einer 7-Punkte Skala M = 3.8), Tendenz leicht zunehmend.

Wer mehr Reaktanz empfindet, weiß weniger über Schutzmaßnahmen, schützt sich weniger, hat weniger Vertrauen in die Regierung und das RKI und lehnt die Maßnehmen eher ab.

Hinweis: Die gemittelte Reaktanz wurde in niedrig (1-3 auf einer 7-stufigen Skala), mittel (4), hoch (5-7) klassifiziert, um eine Interpretation zu erleichtern.

2.2 Entwicklung der Reaktanz über die Zeit

3 Wichtige Zusammenhänge

Im Folgenden wird der Zusammenhang zwischen der Reaktanz, Wissen, Maßnahmen durchführen und institutionelles Vertrauen in der aktuellen Erhebung exploriert.

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: In der folgenden Übersicht zeigen höhere Werte einen stärkeren Zusammenhang an, Werte nahe Null zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt, um 0.1 einen kleinen Zusammenhang. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. Fettdruck zeigt statistisch bedeutsame Zusammenhänge an.

Korrelation zwischen Reaktanz und …

  • Wissen über wirksame Schutzmaßnahmen: -0.32

  • Schutzverhalten: -0.31

  • Maßnahmen übertrieben finden: 0.62

  • Vertrauen in die Bundesregierung: -0.44

  • Vertrauen in das RKI: -0.49

4 Ablehnung der Regelungen im Zeitverlauf

Insgesamt verspüren 31.7 % Reaktanz (Ärger) wegen der Maßnahmen (Erhebungswelle vom 29.12.: 23.9 %), 39.6 % vertrauen der Bundesregierung (Erhebungswelle vom 29.12.: 48.5 %),

11.5 % sind bereit, gegen Maßnahmen demonstrieren zu gehen (Erhebungswelle vom 29.12.: 11 %) und 25.6 % lehnen die Maßnahmen ab (Erhebungswelle vom 29.12.: 22 %). Die Reaktanz ist im Mittel seit November stabil, gleichzeitig hat das Vertrauen in die Regierung abgenommen.

5 Ergebnisse aus vergangenen Wellen

5.1 Unterstützung der Proteste (Erhebungswelle 31: 22.12.2020)

Die Teilnehmer/innen wurden neben ihrer persönlichen Demonstrationsbreitschaft zudem gefragt, inwiefern sie die Anti-Corona-Demonstrationen unterstützen und ob sie ihre Unterstützung in sozialen Medien bekundet haben.

Es zeigt sich, dass nur ein sehr geringer Teil der Befragten die Demonstrationen unterstützen. Personen, die die Maßnahmen ablehnen, unterstützen die Proteste eher und jeder dritte teilt dies dann auch in den sozialen Medien mit.

Neben der Bereitschaft an den Demontrationen teilzunehmen, können Menschen auch anderweitig ihre Unterstützung bekunden, wie beispielsweise durch das Teilen von Informationen über soziale Medien.

Hinweis: In den nachfolgenden Abbildungen werden nur Teilnehmer berücksichtigt, die angegeben haben, soziale Medien zu nutzen.

Zuletzt hatten 17% der Befragten ihre Unterstützung der Proteste über soziale Medien bekundet. Personen, die die Maßnahmen ablehnen, tun dies verstärkt. 33% dieser Befragten haben mindestens einmal ihre Unterstützung über soziale Medien bekundet.

Korrelationen zwischen Unterstützung und verschiedenen Variablen

Personen, die die Proteste im allgemeinen mehr unterstützen:

  • empfinden die Maßnahmen eher als übertrieben, r = 0.59, p<.001

  • sind reaktanter, r = 0.54, p<.001

  • tragen seltener eine Maske, r = -0.42, p<.001

Personen, die die Proteste in sozialen Netzwerken mehr unterstützen:

  • empfinden die Maßnahmen eher als übertrieben, r = 0.34, p<.001

  • sind reaktanter, r = 0.29, p<.001

  • tragen seltener eine Maske, r = -0.32, p<.001