1 Demonstrationsbereitschaft

Die Grafik zeigt den Anteil der Personen, die derzeit bereit sind, an einer Demonstration gegen die einschränkenden Maßnahmen teilzunehmen (rot). Diese Bereitschaft ist seit Jahresbeginn gleichbleibend niedrig bei ungefähr 12%. Zusammenhangsanalysen zeigen, dass diese Personen die ergriffenen Maßnahmen übertrieben finden und erhöhte Reaktanz berichten. Zudem fällt ihr Vertrauen in das RKI und die Bundesregierung geringer aus. Vergangene Erhebungen haben außerdem gezeigt, dass diese Befragten eher davon überzeugt sind, Corona sei eine Lüge oder menschengemacht.

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: Korrelationen erlauben keine Ursache-Wirkungs-Aussagen, nur Zusammenhänge können aufgezeigt werden. Werte können zwischen 0 (kein Zusammenhang) und 1 (eindeutiger Zusammenhang) liegen. Um 0.1 spricht man von kleinen Zusammenhängen. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. Fettdruck zeigt statistisch bedeutsame Zusammenhänge an.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen einer hohen Bereitschaft, an Demonstrationen gegen die Maßnahmen teilzunehmen und …

  • mehr Sorgen um finanzielle Einbußen: 0.14

  • mehr Sorgen um den Arbeitsplatz: 0.16

  • weniger selbst ergriffenen Schutzmaßnahmen (z.B. AHA-AL und Kontaktreduktion): -0.39

  • niedrigem Vertrauen in die Bundesregierung: -0.26

  • niedrigem Vertrauen in das RKI: -0.44

  • hoher Reaktanz (sich eingeschränkt und unfrei fühlen): 0.5

  • die ergriffenen Maßnahmen übertrieben zu finden: 0.52

Das selbst eingeschätzte Wissen über COVID-19 steht aktuell in keinem Zusammenhang zu hoher Demonstrationsbereitschaft: -0.01

1.1 Bereitschaft zur Teilnahme an Demonstrationen in Abhängigkeit von der Einstellung zu den Maßnahmen

Unter den Personen, die die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung ablehnen, ist der Anteil derer, die an einer Demonstration teilnehmen würden, deutlich höher. Die Gruppe derer, die die Maßnahmen ablehnen, macht ca. 30.3% der Befragten aus.

2 Reaktanz

Seit Welle 6 vom 07.04.20 wurden die Teilnehmenden befragt, inwiefern sie die verordneten Maßnahmen als ärgerlich, frustrierend und störend empfinden. Außerdem gaben die Befragten an, ob sie sich durch die ergriffenen Maßnahmen in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt sehen. Dies wird zusammengefasst und als Reaktanz bezeichnet.

2.1 Kurzzusammenfassung

Reaktanz ist insgesamt mittelmäßig ausgeprägt (aktuelle Woche: auf einer 7-Punkte Skala M = 3.75), im Vergleich zur Vorerhebung stabil.

Wer mehr Reaktanz empfindet, weiß weniger über Schutzmaßnahmen, schützt sich weniger, hat weniger Vertrauen in die Regierung und das RKI und lehnt die Maßnahmen eher ab.

Hinweis: Die gemittelte Reaktanz wurde in niedrig (1-3 auf einer 7-stufigen Skala), mittel (4), hoch (5-7) klassifiziert, um eine Interpretation zu erleichtern.

2.2 Entwicklung der Reaktanz über die Zeit

3 Wichtige Zusammenhänge

Im Folgenden wird der Zusammenhang zwischen der Reaktanz, Wissen, Maßnahmendurchführung und institutionellem Vertrauen in der aktuellen Erhebung exploriert.

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: Korrelationen erlauben keine Ursache-Wirkungs-Aussagen, nur Zusammenhänge können aufgezeigt werden. Werte können zwischen 0 (kein Zusammenhang) und 1 (eindeutiger Zusammenhang) liegen. Um 0.1 spricht man von kleinen Zusammenhängen. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. Fettdruck zeigt statistisch bedeutsame Zusammenhänge an.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen hoher Reaktanz und …

  • weniger selbst ergriffenen Schutzmaßnahmen (z.B. AHA-AL und Kontaktreduktion): -0.41

  • der Tendenz, Maßnahmen übertrieben zu finden: 0.69

  • niedrigem Vertrauen in die Bundesregierung: -0.43

  • niedrigem Vertrauen in das RKI: -0.54

  • Impfintention: -0.43

4 Ablehnung der Regelungen im Zeitverlauf

Die Reaktanz war im Mittel seit Januar 2021 auf erhöhtem Niveau stabil, ist im März 2021 noch einmal weiter angestiegen und nimmt seit Anfang Mai wieder stetig ab. Gleichzeitig steigt das Vertrauen in die Regierung seitdem wieder leicht. Die Demonstrationsbereitschaft ist weiterhin sehr niedrig. Die Zustimmung zur Frage, ob man die aktuellen Maßnahmen übertrieben findet, ist jedoch seit dem Jahreswechsel gestiegen.

Insgesamt verspüren 29.7 % Reaktanz (Ärger) wegen der Maßnahmen (Erhebungswelle vom 29.06.21: 27.5 %), 32.2 % vertrauen der Bundesregierung (Erhebungswelle vom 29.06.21: 32.6 %),

11.9 % sind bereit, gegen Maßnahmen demonstrieren zu gehen (Erhebungswelle vom 29.06.21: 13.4 %) und 30.3 % lehnen die Maßnahmen ab (Erhebungswelle vom 29.06.21: 30.8 %).

5 Ergebnisse vergangener Erhebungen

Achtung: Die nachfolgenden Analysen und Abbildungen beziehen sich auf vergangene Erhebungswellen.

5.1 Unterstützung der Proteste (Stand: 22.12.20)

Die Teilnehmer/innen wurden neben ihrer persönlichen Demonstrationsbreitschaft gefragt, inwiefern sie die Anti-Corona-Demonstrationen unterstützen und ob sie ihre Unterstützung in sozialen Medien bekundet haben.

Es zeigt sich, dass nur ein sehr geringer Teil der Befragten die Demonstrationen unterstützt. Personen, die die Maßnahmen ablehnen, unterstützen die Proteste eher und jeder dritte teilt dies dann auch in den sozialen Medien mit.

Neben der Bereitschaft, an den Demonstrationen teilzunehmen, können Menschen auch anderweitig ihre Unterstützung bekunden, wie beispielsweise durch das Teilen von Informationen über soziale Medien.

Hinweis: In den nachfolgenden Abbildungen werden nur Teilnehmer berücksichtigt, die angegeben haben, soziale Medien zu nutzen.

Zuletzt hatten 17% der Befragten ihre Unterstützung der Proteste über soziale Medien bekundet. Personen, die die Maßnahmen ablehnen, tun dies verstärkt. 33% dieser Befragten haben mindestens einmal ihre Unterstützung über soziale Medien bekundet.

Korrelationen zwischen Unterstützung und verschiedenen Variablen

Personen, die die Proteste im Allgemeinen mehr unterstützen:

  • empfinden die Maßnahmen eher als übertrieben, r = 0.59, p<.001

  • sind reaktanter, r = 0.54, p<.001

  • tragen seltener eine Maske, r = -0.42, p<.001

Personen, die die Proteste in sozialen Netzwerken mehr unterstützen:

  • empfinden die Maßnahmen eher als übertrieben, r = 0.34, p<.001

  • sind reaktanter, r = 0.29, p<.001

  • tragen seltener eine Maske, r = -0.32, p<.001