1 Situative Belastung

46.1% empfanden ihre persönliche Situation in der letzten Erhebung vom 07.06.22 als belastend.

Nach bisherigem Höchststand im Frühjahr 2021 war das Belastungsempfinden zunächst zurückgegangen, ist seit Beginn der vierten Welle im Oktober 2021 aber wieder deutlich angestiegen.Über den Sommer 2022 trat bisher nicht das Ausmaß an Entlastung ein, dass aus den vorherigen Pandemiesommern bekannt ist.

48.7% der Familien mit Kindern empfinden ihre Situation aktuell als belastend.

Situative Belastung nach Altersgruppe

Das Belastungsempfinden lag in den letzten Wellen für die drei jüngeren Altersgruppen nah beieinander auf erhöhtem Niveau. Innerhalb der Gruppe der Ältesten (65.-74 Jahre) geben 27% an, sich belastet zu fühlen.

Situative Belastung von Familien mit und ohne Kindern unter 14 Jahren

Situative Belastung nach Akzeptanz der Maßnahmen

Wer die Maßnahmen ablehnt empfindet eine höhere Belastung.

2 Finanzielle Belastung durch die Pandemie

Menschen die angeben, seit Beginn der Pandemie Geld verloren zu haben (aktuell etwa 29%), sind besorgter über noch unentdeckte Langzeitfolgen von COVID-19, eher weniger impfbereit und daher auch eher gegen eine Impfpflicht. Das Vertrauen in Institutionen wie die Bundesregierung aber auch das Vertrauen in die Wissenschaft sind signifikant geringer als bei Menschen, die kein Geld verloren haben.

Wahrnehmungen zur Pandemie und finanzieller Verluste: Der Einfluss von Bildung

Insgesamt besteht im Finanziellen Verlust ein Unterschied zwischen Menschen mit unterschiedlicher Bildung. Bei Menschen mit niedriger Bildung (bis zu 9 Jahre) geben dies etwa 38% an, bei Menschen mit hoher Bildung (mit Abitur) geben dies 28% an.

Die Unterschiede in den Einstellungen und im Vertrauen sind bei Menschen mit niedrigerer Bildung etwas deutlicher ausgeprägt als bei Menschen mit hoher Bildung.

3 Selbstberichteter Stress: Corona und Ukrainekrieg

Die Befragten zeigen in der aktuellen Erhebung höheren selbst berichteten Stress im Bezug auf den Ukrainekrieg im Vergleich zu Corona. Personen, die mehr Corona-Stress wahrnehmen, tun dies auch im Bezug auf den Ukrainekrieg.

Wer mehr Stress wahrnimmt, zeigt auch ein höheres gefühltes Risiko, sowohl im Bezug auf Corona als auch im Bezug auf den Ukrainekrieg. Zur Zeit ist das gefühlte Risiko durch den Ukraine-Krieg höher als das gefühlte Corona-Risiko.

3.1 Wahrgenommener Stress

3.2 Gefühltes Risiko

Zusammenhänge zwischen Stress, Risiko und Schutzverhalten

Corona-Stress
Ukraine-Stress
r p r p
Affektives Risiko Corona 0.23 <.001 0.33 <.001
Affektives Risiko Ukrainekrieg 0.13 <.001 0.32 <.001
Maskentragen -0.06 0.078 0.06 0.063
Feiern vermeiden -0.01 0.83 0.08 0.008
Abstand halten -0.12 <.001 0 0.876
Informationshäufigkeit Corona 0.01 0.834 0.09 0.003
Informationshäufigkeit Ukrainekrieg -0.04 0.266 0.12 <.001

4 Ergebnisse vergangener Erhebungen

Achtung: Die nachfolgenden Analysen und Abbildungen beziehen sich auf vergangene Erhebungswellen.

4.1 Allgemeine Lebenszufriedenheit

Die allgemeine Lebenszufriedenheit hat sich etwas erholt und ist nun wieder auf dem Niveau der vorhergehenden Wellen bis Oktober 2021.

4.2 Gewalterlebnisse in der Pandemie (Stand: 22.02.22)

4.2.1 Sorge um Gewalterlebnisse

Zusammenhang zwischen Sorgen um Gewaltung und anderen Variablen

Sorge um (weitere) Gewalterfahrungen und …

  • Sorge vor Gewalt und bereits Bedrohung erlebt haben: 0.3

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: In der folgenden Übersicht zeigen höhere Werte einen stärkeren Zusammenhang an, Werte nahe Null zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt, um 0.1 einen kleinen Zusammenhang. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. Fettdruck zeigt statistisch bedeutsame Zusammenhänge an.

4.3 Mentale Gesundheit (Stand: 11.01.22)

  Suche nach Informationen Inanspruchname von Beratungen
Predictors Odds Ratios CI p Odds Ratios CI p
Alter 0.97 0.96 – 0.98 <0.001 0.97 0.96 – 0.98 <0.001
weiblich (vs. männlich) 1.66 1.25 – 2.19 <0.001 1.38 1.01 – 1.87 0.041
Bildung: mind. 10 Jahre
(vs. 9 Jahre)
1.11 0.66 – 1.87 0.690 0.80 0.46 – 1.38 0.423
Bildung: Abitur (vs. 9
Jahre)
1.28 0.78 – 2.11 0.335 0.94 0.56 – 1.58 0.813
Arbeit im
Gesundheitssektor: ja
(vs. nein)
1.04 0.67 – 1.61 0.848 0.60 0.35 – 1.02 0.061
Chronische Erkrankung: ja
(vs. nein)
1.86 1.36 – 2.54 <0.001 2.74 1.95 – 3.83 <0.001
Wohnort: Mittelstadt (vs.
Kleinstadt)
1.34 0.94 – 1.92 0.107 1.32 0.89 – 1.96 0.168
Wohnort: Großstadt (vs.
Kleinstadt)
1.45 1.05 – 2.00 0.023 1.59 1.12 – 2.27 0.009
Observations 984 984
Cox & Snell’s R2 / Nagelkerke’s R2 0.076 / 0.106 0.067 / 0.099

4.4 Verbitterung (Stand: 16.11.21)

Verbitterungsreaktionen treten nach Erlebnissen der Herabwürdigung, des Vertrauensbruchs oder der Ungerechtigkeit auf. Sie werden im Kontext beruflicher wie privater Konflikte beobachtet, aber auch als Reaktion auf andere schwerwiegende negative Lebensereignisse wie beispielsweise Krankheit. (Quelle: https://psychosomatik.charite.de/forschung/forschungsgruppe_psychosomatische_rehabilitation_fpr/verbitterung_und_posttraumatische_verbitterungsstoerung_pted/)

Hier wurde die Skala auf die Corona-Situation angepasst., z.B.:

“Die Corona-Pandemie ist für mich ein Lebensereignis, das mich äußerst gekränkt oder verbittert hat (0 = trifft nicht zu, 4 = trifft voll zu).” Ein Durchschnittswert von > = 2.5 deutet eine klinisch signifikante Intensität von reaktiver Verbitterung an. (Linden et al., 2013).

Linden, M., Baumann, K., Lieberei, B. & Rotter, M. (2009). The Post-Traumatic Embitterment Disorder Self-Rating Scale (PTED Scale). Clinical Psychology and Psychotherapy, 16 (2), 139-147.

Diese Skala wurde erstmals in der Erhebung vom 21.07.20 und dann in der Erhebung vom 22.12.20 und 19.10.21 erfasst. Damit werden Vergleiche zwischen Zeiten möglich, die sich in der pandemischen Situation unterscheiden.

Dargestellt werden Mittelwerte getrennt nach Alter und Geschlecht sowie der Anteil an Personen pro Gruppe über dem Grenzwert von 2.5. Außerdem wird der Zusammenhang mit der Ablehnung und Akzeptanz verschiedener Maßnahmen, Belastung, Hilflosigkeit und verschiedenen Sorgen untersucht.

Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt niedriges Niveau an Verbitterungsreaktionen. Jedoch sind die Verbitterungswerte seit Sommer 2020 bedeutsam gestiegen.

Während es keine Unterschiede nach Geschlecht gibt, liegen die Verbitterungswerte bei jüngeren Menschen etwas höher als bei Älteren.

Der Anteil an Verbitterungsreaktionen mit klinisch auffälliger Intensität über alle untenstehenden Gruppen hinweg Altersgruppen gering aus. Jedoch sind die Zuwächse der Anteile unter Frauen und jungen Erwachsenen im Winter (vs. Sommer) größer.

Befragungsteilnehmende mit höheren Werten auf der Verbitterungsskala verspüren auch mehr Sorgen, geben im Allgemeinen eine geringere Lebenszufriedenheit sowie Resilienz an und zeigen weniger Zustimmung zu den politischen Maßnahmen.

4.4.1 Verbitterung über die Zeit

4.4.2 Auffällige Ausprägung der Verbitterung im Zeitvergleich

4.4.3 Korrelation zwischen Verbitterung und anderen psychologischen Maßen

Im Folgenden wird der Zusammenhang zwischen Sorgen, Lebenszufriedenheit, Resilienz, Maßnahmenakzeptanz, Bereitschaft an Anti-Corona-Demonstrationen teilzunehmen und der selbst angegebenen Verbitterung in der aktuellen Erhebung exploriert (zum aktuellen Erhebungszeitpunkt).

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: In der folgenden Übersicht zeigen höhere Werte einen stärkeren Zusammenhang an, Werte nahe Null zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt, um 0.1 einen kleinen Zusammenhang. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. Fettdruck zeigt statistisch bedeutsame Zusammenhänge an.

Selbst angegebene Verbitterung über die Corona-Pandemie und …

  • Sorge, dass die Gesellschaft egoistischer wird: 0.17

  • Sorge, den Arbeitsplatz zu verlieren: 0.33

  • Sorge, aufgrund von Einkommenseinbußen in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten: 0.39

  • Sorge, dass die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer wird: 0.23

  • Sorge, dass das gesellschaftliches Leben langfristig eingeschränkt wird: 0.36

  • Sorge, jemanden verlieren, den man liebt: 0.25

  • Sorge, selbst zu erkranken: 0.26

  • Hilflosigkeit ggü. der Corona-Situation ( 1 = hilflos, 7 = aktiv werden): -0.31

  • Allgemeine Lebenszufriedenheit: -0.28

  • Maßnahmen übertrieben finden: 0.19

  • Reaktanz: 0.33

  • Teilnahmebereitschaft an Anti-Corona-Demonstrationen: 0.26

4.5 Psychische Lage (Stand: 21.09.21)

Vom 24.03.20 bis zum 21.09.21 wurde über mehrere Erhebungen die psychische Lage mit fünf Items erhoben erhoben. Dabei wurden die Teilnehmenden gefragt, wie häufig sie in der vergangenen Woche bestimmte Gefühle hatten (Skala 1 bis 4 mit Abstufungen “weniger als 1 Tag”, “1-2 Tage”, “3-5 Tage” und “6-7 Tage”).

Über den Zeitverlauf ergaben sich nur leichte Schwankungen. Allerdings konnten Altersunterschiede beobachtet werden:

  • Jüngere Befragte zeigen öfter Einsamkeitsgefühle, insgesamt ist Einsamkeit jedoch zuletzt zurückgegangen

  • Jüngere Befragte geben häufiger an als ältere Befragte, Gefühle der Nervosität, Ängstlichkeit und Angespanntheit zu haben

  • Gefühle der Niedergeschlagenheit sind über die Zeit hinweg angestiegen. Jüngere Befragte geben häufiger an als ältere Befragte, niedergeschlagen zu sein

  • Jüngere gaben zuletzt etwas häufiger als ältere Befragte an, an der Häufigkeit von körperlichen Reaktionen wie Schwitzen und Atemnot zu leiden

  • Ältere Befragte denken weniger häufig hoffnungsvoll an die Zukunft