1 AHA-AL-Regel kennen und befolgen

Die AHA-AL-Regel steht für “Abstand”, “Hygiene”, “Alltagsmaske”, “App” und “Lüften”. Die Einhaltung dieser Regeln soll die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen.

Im folgenden Diagramm ist das Wissen und die Umsetzung zugehöriger Verhaltensweisen dargestellt. Während die meisten Befragungsteilnehmenden diese Verhaltensweisen kennen, setzen nicht alle sie auch “häufig” oder “immer” um. Besonders bei den nicht-verpflichteten Verhaltensweisen (1.50m Abstand halten, 20 Sekunden Händewaschen und Lüften) zeigt sich eine deutliche Differenz zwischen Wissen und Handeln. Dass die Corona-Warn-App eine wirksame Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus ist, denken lediglich etwa 53 % der Befragungsteilnehmenden.

Unterschiede im Befolgen der AHA-AL nach Übertragungswissen

Teilnehmer, die wissen, dass das Coronavirus auch über Aerosole übertragen werden kann, zeigen auf allen fünf Dimensionen mehr Schutzverhalten.

2 3G-Empfehlung kennen und befolgen

Die 3 Gs stehen für Vermeiden von

  • Geschlossene Räume mit schlechter Belüftung,

  • Gruppen und Gedränge mit vielen Menschen an einem Ort

  • Gespräche in lebhafter Atmosphäre und engem Kontakt mit anderen.

Die Einhaltung dieser Empfehlungen soll die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Im folgenden Diagramm ist das Wissen und die Umsetzung zugehöriger Verhaltensweisen dargestellt. Während die Befragungsteilnehmenden die Empfehlungen mehrheitlich kennen, werden Sie von deutlich weniger Personen auch tatsächlich umgesetzt.

3 Weitere Schutzmaßnahmen kennen und befolgen

Damit wirksames Schutzverhalten ergriffen werden kann, muss dieses bekannt sein. Die Daten zeigen, dass auch die weiteren Schutzmaßnahmen sehr gut bekannt sind, aber immer noch nicht durchgängig ergriffen werden.

Wissen wurde erfasst als ja vs. nein/weiß nicht.

Verhalten wurde auf einer 5-stufigen Skala erfasst (nie, selten, manchmal, häufig, immer). Als Personen, die das Verhalten ergriffen haben, zählen diejenigen, die mindestens häufig oder immer angegeben haben. Weiter unten ist das Verhalten in Häufigkeitskategorien aufgeteilt dargestellt.

4 Häufigkeit präventiver Verhaltensweisen

Im untenstehenden Diagramm ist die Häufigkeit einzelner Verhaltensweisen dargestellt.

Hinweis: Jeder Balken veranschaulicht die Häufigkeitsverteilung für jene Personen, auf die das Verhalten anwendbar ist und ergibt 100%. Je breiter ein Balkenabschnitt ist, desto mehr Personen gaben an, das Verhalten in der jeweiligen Häufigkeit ausgeführt zu haben. Die Prozentangabe auf der rechten Seite der grünen Balkenabschnitte gibt den Anteil der Personen an, die ein Verhalten „immer“ oder „häufig“ zeigen. Die negativen Prozente auf der X-Achse helfen, den Anteil der Personen abzulesen, die ein Verhalten „nie“ bis „manchmal“ (rote und gelbe Balkenabschnitte) gezeigt haben.

5 Einhaltung öffentlicher Verordnungen

Im untenstehenden Diagramm ist die Häufigkeit einzelner Verhaltensweisen dargestellt. Insgesamt geben 82 % an, aktuell genau zu wissen, welche Maßnahmen für sie gelten.

Hinweis: Die Stichprobe für die Selbstquarantäne ist starken Schwankungen unterlegen, da die Befragten die Möglichkeit haben, für das Verhalten „nicht zutreffend“ auszuwählen, falls sie keine Symptome haben.

Hinweis: Jeder Balken veranschaulicht die Häufigkeitsverteilung für jene Personen, auf die das Verhalten anwendbar ist und ergibt 100%. Je breiter ein Balkenabschnitt ist, desto mehr Personen gaben an, das Verhalten in der jeweiligen Häufigkeit ausgeführt zu haben. Die Prozentangabe auf der rechten Seite der grünen Balkenabschnitte gibt den Anteil der Personen an, die ein Verhalten „immer“ oder „häufig“ zeigen. Die negativen Prozente auf der X-Achse helfen, den Anteil der Personen abzulesen, die ein Verhalten „nie“ bis „manchmal“ (rote und gelbe Balkenabschnitte) gezeigt haben.

6 Verhalten im Zeitverlauf

Die selbstberichtete Umsetzung einzelner Maßnahmen ist im Zeitverlauf dargestellt. Unterschiede zwischen unter und über 30-Jährigen werden in den unteren Diagrammen separat abgebildet.

Nach den Lockerungen am 06.05.20 kam es zu schnelleren und deutlicheren Verhaltensveränderungen als in der älteren Gruppe. Bei freiwilligen Einschränkungen (Feiern vermeiden, öffentliche Orte meiden) führte über den Sommer (vermutlich) die geringere Risikowahrnehmung der Jüngeren zu mehr Feiern und ähnlichem Verhalten.

Im Vergleich zu Ende September zeigen die Jüngeren nun häufiger die AHA-Verhaltensweisen und meiden öffentliche Orte sowie Feiern stärker.

Bis auf das Masketragen und die App-Nutzung zeigen jüngere unter 30 seltener die empfohlenen Schutzmaßnahmen.

7 Bewusster Verzicht auf soziale Kontakte

Die Teilnehmer wurden erstmalig in der Welle vom 27.10.20 befragt, inwiefern sie bewusst ihre sozialen Kontakte reduzieren.

Es zeigt sich: Insbesondere Personen unter 30 Jahre reduzieren ihre sozialen Kontakte weniger als Personen, die älter als 30 Jahre sind. Zudem reduzieren

7.1 Im Zeitverlauf

8 Ergebnisse aus vergangenen Wellen

8.1 Verzicht auf soziale Kontakte im Zusammenhang mit der Überzeugung, dass eine Kontaktreduktion effektiv ist

Der bewusste Verzicht auf soziale Kontakte sollte insbesondere dann erfolgen, wenn man auch der Überzeugung ist, dass eine Kontaktreduktion dazu beiträgt, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen.

Die Teilnehmer wurden in der Erhebung vom 29.12.20 gefragt, inwiefern sie eine Kontaktreduktion als Maßnahme wahrnehmen, die datzu beiträgt, die Pandemie zu kontrollieren (siehe untere Abbildung für Anteile der Zustimmung, Indifferenz und Ablehnung).

Keine Korrelation zeigt: Je stärker die Teilnehmer der Überzeugung sind, dass eine Kontaktreduktion effektiv ist, desto stärker reduzieren sie bewusst ihre sozialen Kontakte (r = 0.42, p <.001).

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: Höhere Werte einen stärkeren Zusammenhang an, Werte nahe Null zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt, um 0.1 einen kleinen Zusammenhang. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. P-Werte kleiner als 0.05 sind statistisch bedeutsam.

8.2 Subjektive Erwartung und Präventionsverhalten

Die Erwartung, wie sich die Infektionszahlen entwickeln, kann einen Einfluss darauf haben, ob eine Person Präventionsverhalten zeigt oder nicht.

In der Erhebung vom 29.12.20 wurden die Teilnehmer gefragt, welchen Trend sie hinsichtlich der Infektionszahlen erwarten.

Folgende Antwortmöglichkeiten wurden vorgegeben:

  • ca. gleich viele Fälle (plus/minus 200 Fälle)

  • mehr Fälle (mindestens 201 Fälle mehr als heute)

  • weniger Fälle (mindestens 201 Fälle weniger als heute)

23% der Befragten sind der Überzeugung, dass es weniger Infektionen in der nächsten Zeit gibt. 32 % der Teilnehmer glaubt, dass die Infektionszahlen konstant bleiben. 45 % der Befragten denken, dass sich die Infektionszahlen erhöhen werden.

8.2.1 Subjektive Erwartung und AHA-AL

8.2.2 Subjektive Erwartung und 3G

8.2.3 Subjektive Erwartung und soziale Kontakte vermeiden

8.3 Positiver/negativer Bias für eigene Infektionswahrscheinlichkeit

Die eigene Infektions- und Risikowahrnehmung kann Einfluss auf das eigene Schutzverhalten haben.

Die Teilnehmer wurden in der Erhebung vom 29.12.20 gefragt, inwiefern sie ihre eigene Infektionswahrscheinlichkeit als geringer, etwa gleich oder höher als die von anderen Personen in ihrer Altersgruppe wahrnehmen.

Es zeigt sich, dass Personen die ihr eigenes Risiko sich zu infizieren als vergleichsweise gering einschätzen (positiver persönlicher Bias), ebenfalls ein geringeres Schutzverhalten zeigen, als Personen mit realistischem oder negativen persönlichem Bias.

8.4 Rücksichtnehmen

In der Erhebung vom 13.10.20 wurden die Teilnehmer befragt, inwiefern sie Rücksicht auf vulnerable Gruppen und Gesundheitspersonal nehmen und ob sie dieses Verhalten als soziale Norm wahrnehmen.

Die Pandemie können wir nur überwinden, wenn wir gemeinsam handeln. Das bedeutet auch, dass wir Rücksicht auf andere nehmen sollten, zum Beispiel im Bezug auf Risikogruppen.

8.4.1 Korrelation des Verhaltens und der sozialen Norm

Rücksichtnahme korreliert mit den Verhaltensweisen der AHA-AL-Regel und den 3 G’s:

AHA-AL

  • 1,50 Meter Abstand halten: r = 0.52 , p <.001

  • 20 Sekunden Hände waschen: r = 0.45 , p <.001

  • Alltagsmaske tragen: r = 0.57 , p <.001

  • Corona-Warn-App verwenden: r = 0.23 , p <.001

  • Geschlossene Räume regelmäßig lüften: r = 0.49 , p <.001

3 G

  • Geschlossene Räume mit schlechter Belüftung: r = 0.47 , p <.001

  • Gruppen und Gedränge mit vielen Menschen an einem Ort: r = 0.5 , p <.001

  • Gespräche in lebhafter Atmosphäre und engem Kontakt mit anderen vermeiden:r = 0.48 , p <.001

Soziale Normen spielen eine wichtige Rolle im Entscheidungsprozess. Menschen tendieren dazu, den Verhaltenskodex ihrer Umgebung zu nutzen um sich zum einen zu orientieren, welches Verhaltzen gewünscht ist, und zum anderen zu vermeiden ausgegrenzt zu werden.

In der Befragung vom 13.10.20 wurde die soziale Norm des Rücksichtnehmens erhoben. Es zeigt sich, dass diese mit den Verhaltensweisen der 3 G’s korreliert:

  • Geschlossene Räume mit schlechter Belüftung: r = 0.33 , p <.001

  • Gruppen und Gedränge mit vielen Menschen an einem Ort: r = 0.42 , p <.001

  • Gespräche in lebhafter Atmosphäre und engem Kontakt mit anderen vermeiden:r = 0.35 , p <.001

Auch wenn hier keine Richtung des Zusammenhangs identifiziert werden kann, zeigen viele andere Arbeiten, dass ein Appell an Rücksicht und Empathie prosoziales Schutzverhalten fördern kann. Ein Appell an die Rücksicht könnte also auch in der COVID-19 Pandemie Schutzverhalten weiter befördern.

Interpretation der Korrelationskoeffizienten: In der folgenden Übersicht zeigen höhere Werte einen stärkeren Zusammenhang an, Werte nahe Null zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt, um 0.1 einen kleinen Zusammenhang. Werte um 0.3 zeigen einen mittleren Zusammenhang, ab 0.5 spricht man von einem starken Zusammenhang. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass hohe Werte der einen Variable mit niedrigen Werten der anderen Variable einhergehen. Fettdruck zeigt statistisch bedeutsame Zusammenhänge an.

Hinweis: Die Ergebnisse stammen aus der Befragung vom vom 13.10.2020

8.4.2 Aufsuchen von Risikosituationen

In Bars/Kneipen gehen und sich mit mehr als 10 Personen in geschlossenen Räumen zu treffen wird von den Befragten in der Erhebung vom 13.10.20 als risikoreich bewertet.

Wer dieses Verhalten in den letzten 4 Wochen nicht gezeigt hat gab an, häufiger durch Infektionsschutzmaßnahmen auf andere Rücksicht genommen zu haben.

Hinweis: Die Ergebnisse stammen aus der Befragung vom vom 13.10.2020

8.4.3 Wer zeigt Rücksichtnahme?

Es zeigt mehr Rücksichtnahme, wer:

  • weiblich ist,

  • einen Beruf im Gesundheitssektor ausübt,

  • Vertrauen in das Gesundheitssystem hat,

  • glaubt, dass sich die Krankheit schneller verbreitet,

  • mehr Wissen besitzt (effektive Maßnahmen und Regelungen),

  • die Maßnahmen nicht übertrieben findet,

  • nicht pandemiemüde ist.

Interpretation: Dargestellt sind die Ergebnisse einer linearen Regressionsanalyse. CI sind die 95% Konfidenzintervalle der Koeffizienten. Wenn diese Null einschließen, hat die entsprechende Variable keinen statistisch bedeutsamen Einfluss. Fettgedruckte Einflussfaktoren sind signifikant und haben einen statistisch bedeutsamen Einfluss. Das heißt für Werte mit positivem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu mehr Impfbereitschaft. Das heißt für Werte mit negativem Vorzeichen: höhere Werte auf diesem Einflussfaktor führen zu weniger Impfbereitschaft

Variablen im Modell: Alter, Geschlecht, Bildung, Arbeit im Gesundheitssektor, Infizierte im Umfeld, chronische Erkrankung, Kinder unter 18 Jahren, Gemeindegröße, Vertrauen (Institutionen und Gesundheitssektor), Affekt im Bezug auf die Krankheit (Nähe und Verbreitungsgeschwindigkeit), Selbstwirksamkeit, gefühltes Vorbereitetsein, Wahrnehmung des Themas als Medienhype, wahrgenommenes und tatsächliches Wissen (Kankheit, effektive Schutzmaßnahmen und Verordnungen), Überzeugung, dass die Maßnahmen übertrieben sind, Pandemiemüdigkeit (Ergebnis einer Clusteranalyse).

  Rücksicht nehmen
Variablen Estimates CI p
(Intercept) 2.81 2.21 – 3.42 <0.001
Alter 0.00 -0.00 – 0.01 0.288
Geschlecht: weiblich 0.22 0.13 – 0.32 <0.001
Schulbildung: 10+ Jahre
(ohne Abitur) vs. 9 Jahre
-0.08 -0.25 – 0.10 0.398
Schulbildung: Abitur vs.
9 Jahre
-0.09 -0.26 – 0.09 0.340
Beruf im
Gesundheitssektor
0.21 0.05 – 0.36 0.009
Chronisch krank (vs.
nicht chronisch krank)
0.10 -0.00 – 0.21 0.059
Keine Kinder unter 18
Jahren (vs. Kinder unter
18 Jahren)
0.05 -0.06 – 0.16 0.375
Mittelstadt vs.
Kleinstadt
-0.07 -0.19 – 0.06 0.290
Großstadt vs. Kleinstadt -0.02 -0.13 – 0.09 0.662
Vertrauen in
Institutionen
-0.01 -0.06 – 0.03 0.637
Vertrauen in den
medizinischen Sektor
0.08 0.03 – 0.14 0.002
Gefühlte Distanz der
Krankheit
-0.01 -0.05 – 0.02 0.513
Gefühlte Verbreitungs-
geschwindigkeit der
Krankheit
0.06 0.03 – 0.10 <0.001
Selbstwirksamkeit 0.02 -0.02 – 0.07 0.252
Gefühltes Vorbereitetsein -0.02 -0.06 – 0.02 0.291
Wahrgenommener Medienhype 0.01 -0.03 – 0.04 0.670
Wahrgenommenes Wissen -0.02 -0.07 – 0.02 0.321
Wissen über die Krankheit 0.04 -0.19 – 0.26 0.746
Wissen über
Schutzmaßnahmen
0.68 0.34 – 1.03 <0.001
Wissen über Regelungen 0.43 0.14 – 0.73 0.004
Maßnahmen übertrieben
finden
-0.03 -0.06 – -0.00 0.037
Infizierte im
persönlichen Umfeld
0.04 -0.09 – 0.17 0.554
Pandemiemüde (vs. nicht
Pandemiemüde)
-0.23 -0.35 – -0.11 <0.001
Observations 947
R2 / adjusted R2 0.224 / 0.204

Hinweis: Die Ergebnisse stammen aus der Befragung vom vom 13.10.2020