Alles auf einen Blick — Fokuserhebung vom 16.-19.02.2021

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Befunde mit Abbildungen und Empfehlungen finden Sie im aktuellen Foliensatz.

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Ausführlichere Analysen zu bestimmten Fragestellungen finden Sie voraussichtlich ab 22.02.2021 auf der Themenseite zur Fokuserhebung

Kurzzusammenfassung

In dieser außerordentlichen Fokuserhebung ging es vor allem um das Thema Impfungen. Dieselben Teilnehmer/innen, die in Welle 29 (11.12.2020) bereits teilgenommen hatten, wurden in dieser Woche (19.02.2021) erneut zum Thema befragt. 819 Befragte haben an beiden Zeitpunkten teilgenommen; 32 Befragte wurden von den Analysen ausgeschlossen, da sie bereits geimpft waren. Es lassen sich also besonders Veränderungen über die Zeit in einem sehr interessanten Zeitraum betrachten: vor der Zulassung der ersten Impfung bis zum Ausrollen der Impfkampagne mit mittlerweile 3 Impfstoffen. Hier wird untersucht, wie sich die Impfbereitschaft und die Wahrnehmung des Themas sowie der Informationsbedarf verändert haben und welche Faktoren diese Veränderungen erklären könnten.

Auf der Basis der Ergebnisse leitet das COSMO-Konsortium folgende Empfehlungen zur weiteren Gestaltung der COVID-19 Impfkommunikation und der Impfkampagne in Deutschland ab:

Ausgangsbasis: psychologische Lage mit sinkender Risikowahrnehmung und Vertrauensverlust

Befunde: Im Vergleich zu Dezember sank die Risikowahrnehmung deutlich; die Angst verbunden mit dem Coronavirus blieb jedoch auf gleichem Niveau wie im Dezember stabil. Das Vertrauen in die Bundesregierung hat sich im Vergleich zum Dezember verringert. Aktuell vertrauen 36% der Befragten (eher) der Bundesregierung (im Dezember: 48%); 47% vertrauen (eher) nicht (im Dezember: 34%). Auch die geltenden Maßnahmen werden im Februar stärker abgelehnt als im Dezember (31% vs. 23%). Hierbei ist zu beachten, dass Befragte, die schon bei der ersten Befragung ein geringeres Vertrauen hatten, seltener an der zweiten Befragung teilgenommen haben. Der eigentliche Unterschied wird hier also tendenziell eher unterschätzt.

Wie hat sich die Impfbereitschaft seit Mitte Dezember verändert und womit hängt das zusammen?

Befunde: Während sich Mitte Dezember nur 48% (eher) gegen COVID-19 impfen lassen wollten, sind es Mitte Februar 65%. Besonders die, die vorher unentschlossen waren, sind mittlerweile eher impfbereit. Etwa die Hälfte der zuvor unentschlossenen und etwa ein Drittel der Befragten, die eine Impfung in der ersten Erhebung (eher) abgelehnt hatten, zeigen jetzt eine (eher) hohe Impfintention. Unter den Befragten führte vor allem ein gestiegenes Vertrauen in die Sicherheit der Impfungen zu einer insgesamt höheren Impfbereitschaft. Wer Risiken und Nutzen stärker abwägen will, zeigt eher eine geringere Impfbereitschaft als vorher.

Empfehlungen:

Bewertung von Impfstoffen, Wichtigkeit verschiedener Impfstoffeigenschaften für die Akzeptanz, insbesondere Effektivität und Sicherheit

Befunde: Mit verschiedenen Methoden wurden in dieser Welle die Einflussfaktoren auf die Impfbereitschaft untersucht. In einem Experiment (discrete choice experiment) zeigte sich neben der Effektivität auch der mit der Impfung erzielte Schutz für andere Personen als wichtiger Einflussfaktor. Die Effektivität spielt wiederholt eine große Rolle in der Impfentscheidung. Eine gering eingeschätzte Effektivität hängt mit einem generell negativen Gefühl gegenüber dem Impfstoff zusammen. Dies kann zu einem „Halo-Effekt“ führen, den wir auch beobachten: ein negatives Gefühl zu einem Impfstoff überschattet die Bewertung verschiedenster Eigenschaften eines Impfstoffs. Dies beobachten wir am Beispiel des AstraZenca Impfstoffs. Im Vergleich mit dem BioNTech-Impfstoff schneidet AstraZeneca auf allen Dimensionen (außer Knappheit) schlechter ab und wird als weniger sicher und weniger effektiv wahrgenommen. Die Impfbereitschaft für eine Impfung mit dem BioNTech-Impfstoff ist deutlich höher (64% vs. 39% für AstraZeneca). Wer überzeugt ist, dass ein Impfstoff sicher und ausreichend auf Sicherheit überprüft worden ist, ist eher impfbereit; dies gilt bei beiden Impfstoffen. Die Befragten unterscheiden beim AstraZeneca-Impfstoff nicht, ob die Krankheit oder schwere Verläufe verhindert werden, beides wird weniger angenommen als beim BioNTech-Impfstoff.

Empfehlungen:

Wahlfreiheit bei Impfstoffen

Befunde: 66% derjenigen, die sich prinzipiell impfen lassen würden, ist es (eher) wichtig, den Impfstoff auswählen zu können. Wahlfreiheit ist vor allem älteren Menschen wichtig. In einem Survey-Experiment wurde untersucht, wie sich eine eingeschränkte Wahlfreiheit auf die Impfbereitschaft auswirken könnte. Dabei wurde verglichen, ob die Einschränkung der Wahlfreiheit durch einen Lieferengpass bei eigentlich bestehender Wahlfreiheit zustande kam oder prinzipiell fehlender Wahlfreiheit und durch die Zuweisung durch Behörden. Auch wenn Personen sich ärgerten, wenn ihre Wahlfreiheit eingeschränkt wurde, blieb die Impfbereitschaft stabil. Aus welchem Grund die Wahlfreiheit eingeschränkt wurde wirkte sich nicht auf den Ärger oder die Impfbereitschaft aus. Wie wichtig es den Personen war, frei zu entscheiden, hatte ebenfalls keinen Einfluss.

Informationsbedarf und offene Fragen, Entscheidungshilfe

Befunde: 71% informieren sich (eher) sehr häufig über Corona. Auch wenn sich mehr Personen als noch im Dezember gut oder sehr gut über die Impfung informiert fühlen, fühlen sich aktuell nur knapp 60% gut informiert. Informationen über Nebenwirkungen werden noch immer am häufigsten gewünscht. Als zweitwichtigste Information wird nun angegeben, wann ein Impftermin vereinbart werden kann. Weiterhin herrschte viel Unsicherheit über Fragen zur Sicherheit der Impfstoffe, Todesfälle nach Impfungen und zur Effektivität der Impfstoffe. Wie können Informationen die Befragten erreichen? Eine interaktive online-Entscheidungshilfe würden 60% der Befragten nutzen; je höher die Impfbereitschaft war, desto eher würden die Befragten auch ein solches Angebot nutzen. Für unentschlossene Personen mit besonders hohem Informationsbedarf scheint eine solche Entscheidungshilfe nicht außerordentlich wichtig zu sein. Aus der Befragung im Dezember wissen wir, dass Fernsehen/Radio sowie Ärtz/innen die bevorzugten Quellen sind. Allerdings berichten erst 10% davon, schon mit ihren Ärzt/innen über das Impfen geredet zu haben; fast 70% dieser Personen berichten, dass ihnen dort die Impfung empfohlen wurde, 6% wurde abgeraten.

Empfehlungen: