Alles auf einen Blick — Erhebung vom 22.-29.04.2026

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Befunde mit Abbildungen und Empfehlungen finden Sie im aktuellen Foliensatz.

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Ausführlichere Analysen finden Sie auf der PACE Themenseite

Methodische Hinweise

Die April 2026 PACE-Befragung (22.-29.04.26; N = 1.095 Befragte) basiert auf einer deutschlandweiten, nicht-probabilistische Quotenstichprobe, die die erwachsene Allgemeinbevölkerung zwischen 18 und 74 Jahren für die Merkmale Alter x Geschlecht und Bundesland abbildet.

Fragebögen können hier eingesehen werden.

Die PACE-Befragung ist eine regelmäßige Datenerhebung, die mehrmals im Jahr durchgeführt und ausgewertet wird. Jedes Mal werden Personen befragt, die mindestens ein Jahr nicht an dieser Befragung teilgenommen haben.

Es wird vor allem die Bereitschaft zum Klimaschutz betrachtet sowie die Akzeptanz von politischen Maßnahmen und welche Faktoren dies beeinflussen.


Zusammenfassung ausgewählter Ergebnisse und Interpretation

Die psychologische Klimalage im April 2026 wirkt auf den ersten Blick bemerkenswert ruhig. Handlungsbereitschaft, Zustimmung zu konkreten Maßnahmen, auch in Bezug auf Maßnahmen, die in der akuten Öl- und Gaskrise besonders relevant oder diskutiert sind — fast alles bewegt sich seit 2022 in einem engen Korridor. Auch ein auf die Öl- und Gaskrise zeitlich befristetes Tempolimit erhält aktuell keine stärkere Zustimmung als ein generelles Tempolimit. Diese Stabilität scheint aber trügerisch: Die Bevölkerung will im Grundsatz mehr Klimaschutz, traut ihn dem politischen System aber immer weniger zu. Vertrauen in staatliches Klimahandeln liegt mit rund 16% auf dem niedrigsten Wert seit Beginn der Messung. Wenn staatliche Programme - wie das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung - als unzureichend wahrgenommen werden, verschiebt sich die wahrgenommene Verantwortung weiter ins Private: Ohnehin vorhandene Asymmetrien (“mein Handeln wirkt mehr als das der Regierung”) werden leicht verstärkt. Insgesamt beobachten wir, dass Verantwortung tendenziell individualisiert wird, z.B. auch indem Diskurse sich weg von Regulierung und hin zu individuellen Anreizen bewegen, und so in der breiteren Wahrnehmung Klimaschutz eher Privat- als Staatsaufgabe zu sein scheint.

Die Befunde im Einzelnen

Die Ergebnisse der aktuellen PACE-Erhebung vom April 2026 sind in vielen Bereichen weitgehend vergleichbar mit den vorherigen Erhebungen.

Handlungsbereitschaft bleibt nach leichtem Rückgang stabil

Bei der Erhebung im November 2025 zeigte sich ein leichter Rückgang der Handlungsbereitschaft im Bereich politischer Partizipation. Die Daten der aktuellen Erhebung sprechen nicht für ein weiteres Absinken der Handlungsbereitschaft. Vielmehr deutet sich an, dass die Werte nach dem Rückgang im November 2025 vorerst stabil bleiben. Ob es sich um eine längerfristige Stabilisierung handelt, wird weiter beobachtet.

Einige aktuelle Entwicklungen und Sonderthemen verdienen besondere Aufmerksamkeit:

Sonderthema Klimaschutzprogramm

Die Bundesregierung hat im März 2026 ein neues Klimaschutzprogramm vorgelegt. Das neue Klimaschutzprogramm musste sicherstellen, dass die deutschen Klimaziele erreicht und die Lücken, die es im alten Klimaschutzprogramm gab, geschlossen werden. Etwas über ein Viertel der Befragten hat die Berichterstattung zum Klimaschutzprogramm in den Medien verfolgt. In der aktuellen PACE-Erhebung wurde untersucht, wie Bürger*innen zentrale Aspekte im Kontext des Klimaschutzprogramms bewerten, besonders, da der Expertenrat für Klimafragen das Programm als unzureichend bewertet hat.

Wie reagieren Bürger:innen auf ein als unzureichend wahrgenommenes Klimaschutzprogramm?

Innerhalb dieser PACE Welle wurde untersucht, wie Bürger*innen auf unterschiedliche Informationen zum Klimaschutzprogramm reagieren: In der Öffentlichkeit war das Klimaschutzprogramm nach der Veröffentlichung im März 2026 durch den Expertenrat für Klimafragen als unzureichend kritisiert worden (Deutschlandfunk); auch die Bevölkerung wünscht sich laut früheren PACE Befragungen mehr Klimaschutz (PACE Studie).

Die Befragten wurden hierfür in vier Gruppen aufgeteilt und erhielten unterschiedliche Informationen: Einen Bericht mit der Kritik des Expertenrats, einen Bericht über die Erwartungen der Bevölkerung nach mehr staatlichen Klimaschutz, beides oder keine Information.

Dabei zeigte sich: Wenn der Expertenrat das Klimaschutzprogramm kritisiert, verschlechtert sich die mittlere Bewertung des Klimaschutzprogramms deutlich. Der Hinweis, dass die Bevölkerung bereits zuvor mehr Klimaschutz von der Bundesregierung erwartet hat, änderte nichts an der Wahrnehmung. Das unterstreicht die Bedeutung unabhängiger wissenschaftlicher Beratung und ihrer öffentlichen Sichtbarkeit.

Expertenkritik verstärkte dabei außerdem die Privatisierung der Klimaverantwortung, statt politische Mobilisierung auszulösen: Die ohnehin bestehende Asymmetrie (“eigenes Handeln ist wirksamer als das der Regierung”) wurde durch die Expertenkritik leicht vergrößert.

Im Anschluss an das Experiment sagten die Befragten, sie wollen mehr staatlichen Klimaschutz, in tatsächliche Handlung setzte sich das allerdings nur bedingt um: Die meisten Befragten klickten nicht einmal auf einen Link, der ihnen konkrete Tipps für mehr Klimaschutz geliefert hätte. Dabei wurden Tipps für politische Beteiligung sogar systematisch weniger nachgefragt als Tipps für eigenes Verhalten.

Die Effekte finden vor einer Kulisse gesunkenen Vertrauens statt: Nur etwa 18% der Befragten vertrauen der Bundesregierung, dass sie in der Lage ist, Klimaschutz umzusetzen, dass sie dabei ehrlich ist und ehrlich kommuniziert sowie dass sie es gut mit den Bürger:innen meint. Seit 2022 (Start unserer Messung) befindet sich das Vertrauen in staatliches Klimahandeln auf dem Tiefpunkt.

Akzeptanz ausgewählter Maßnahmen des Klimaschutzprogramms

In einer Batterie neuer Maßnahmen mit hoher CO2-Einsparmöglichkeit wurden auch vier Maßnahmen des Klimaschutzprogramms bewertet.

Besonders hoch war die Zustimmung zu Agroforstsystemen und zur Wiedervernässung von Mooren: Hier sprachen sich 64–68% der Befragten stark oder sehr stark dafür aus. Ebenfalls deutlich mehr als die Hälfte befürwortet den Ausbau von Ladestationen für E-Autos sowie die verpflichtende Installation von Solaranlagen auf Neubauten (57–60%). Geringer fiel die Zustimmung bei der Reduktion des Einsatzes von Erdgas bzw. LNG (40%) und bei einem steigenden CO₂-Preis inklusive Klimaprämie (44%) aus.

Weitere effektive Maßnahmen zum Einsparen von CO₂, die nicht im Klimaschutzprogramm enthalten sind, sind auf der Webseite zu finden (z.B. Solarpflicht bei Neubauten, Verbot von Einwegkunststoffen; pace-studie.de).

Ausbau von Solar- und Windenergieflächen

Der Ausbau von Windenergie ist ein zentraler Bestandteil des Klimaschutzprogramms 2026. In den PACE-Daten zeigt sich dazu jedoch kein Anstieg der Zustimmung; im Gegenteil: Die Zustimmung ist im längeren Zeitverlauf seit 2022 leicht zurückgegangen.

Sonderthema Öl- und Gaskrise

Internationale Konflikte und Versorgungsengpässe haben Öl- und Gaspreise deutlich erhöht; politisch wurde u. a. mit einem Tankrabatt reagiert und ein Tempolimit erneut diskutiert.

Krise verändert Zustimmung zu Maßnahmen kaum, auch nicht zu einem zeitlich beschränkten Tempolimit

Vor diesem Hintergrund wurde die Zustimmung zu einzelnen Maßnahmen im Kontext von Öl, Gas und Mobilität gesondert betrachtet. Die Bewertungen bleiben im Zeitverlauf (seit 2022) weitgehend stabil. Am stärksten befürwortet werden Maßnahmen, die klimafreundliche Alternativen ausbauen, etwa der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, des Schienennetzes sowie von Solar- und Windenergie. Zurückhaltender bewertet werden Maßnahmen, die fossile Energien oder damit verbundene Aktivitäten einschränken, etwa Verbote neuer Öl- und Gasheizungen, höhere Flugticketpreise oder Fahrverbote für umweltschädliche Fahrzeuge. Auch die Einstellung zum Tempolimit bleibt im Zeitverlauf stabil (54% Befürwortung). Ein zeitlich beschränktes Tempolimit für die Dauer der Öl- und Gaskrise erhielt in der aktuellen Erhebung keine höhere Zustimmung als ein generelles Tempolimit.

Discourses of Climate Delay: Zustimmung vor allem zu Anreizen und Eigenverantwortung

Sogenannte Klimaverzögerungsdiskurse bezeichnen Argumente, die den menschengemachten Klimawandel nicht unbedingt bestreiten, aber wirksame Klimaschutzmaßnahmen verzögern oder abschwächen können (Metzen et al., 2026). Die höchste Zustimmung zeigt sich bei Aussagen, die Klimaschutz eher über Anreize statt Verbote denken (45%), Verantwortung vor allem beim Einzelnen verorten (39%) oder zunächst andere Länder in der Pflicht sehen (33%).

Fragen an Expert:innen zum Klimawandel: Fragen zu Lösungen und Ursachen

Wenn Befragte Expert*innen zum Klimawandel nur eine Frage stellen könnten, würden sie am häufigsten wissen wollen, was die Länder der Welt tun können, um den Klimawandel einzudämmen (17 %). Ebenfalls häufig genannt wurden die Fragen, ob noch Zeit bleibt, den Klimawandel einzudämmen, oder ob es dafür bereits zu spät ist (16 %), sowie woran man erkennt, dass der Klimawandel hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht wird und nicht durch natürliche Veränderungen in der Umwelt (15 %).



Das Team der Gesundheitskommunikation und das Institute for Planetary Health Behaviour an der Universität Erfurt setzen sich für ein #weltoffenesthüringen ein.