Weltblick

Im Süden nichts Neues?: Perspektiven eines Alternativen Auslandsjournalismus

Ziel

Die Globalisierung verlief mit Blick auf die Kolonialzeit noch nie gleichmäßig, denn unsere Welt ist geprägt von unterschiedlichen Machtgefällen. Auslandsberichterstattung steht immer in der Kritik dieses Machtgefälle nachzuzeichnen und berichtete oft sehr negativ über den Globalen Süden. Doch es gibt verschiedene Konstrukte, die Lösungsvorschläge und mehr Konstruktivität vom Auslandsjournalismus fordern. Er soll kosmopolitisch sein, wodurch eine Transnationale Öffentlichkeit entstehen soll. Die aktuelle deutsche Auslandsberichterstattung wurde dahingehend untersucht, inwiefern sie den kosmopolitischen Ansprüchen eines Alternativen Auslandsjournalismus in einer postkolonialen Welt gerecht wird. Schwerpunkte hierbei lagen in strukturellen Ungleichheiten, der Darstellung des Globalen Südens und Blinden Flecken des Globalen Südens, also Länder, über die gar nicht berichtet wird.

Untersuchungsanlage

Ausgehend von den Überlegungen des Kosmopolitismus wurde aus Theorien des Positiven, Konstruktiven und Friedensjournalismus das Konstrukt des Alternativen Auslandsjournalismus begründet. Anschließend wurden drei Inhaltsanalysen der FAZ und SZ aus dem Jahr 2019 durchgeführt. Einerseits wurde eine Nord-Süd-Disparität im Jahr 2019 geprüft und andererseits die Darstellung und Kriterien des Alternativen Auslandsjournalismus bei Artikeln über den Globalen Süden. Anschließend wurden alle Ausgaben aus dem ersten Halbjahr analysiert und die Blinden Flecken identifiziert. Exemplarisch wurde hierbei für Madagaskar eine Extra-Media-Datenanalyse durchgeführt. Hierbei wurden Ländermerkmale systematisiert und Bedingungen für Journalist*innen geprüft. Über Expert*inneninterviews wurden mögliche berichtenswerte Ereignisse im Untersuchungszeitraum erfragt, welche dem Status als Blinden Fleck entgegenstehen würden.

Ergebnisse

Es wurde im Jahr 2019 deutlich mehr über den Globalen Norden als über den Globalen Süden berichtet. Dies wird durch eine Elitenzentrierung und Regionalismus begünstigt. Ansprüche des Alternativen Auslandsjournalismus wurden nicht erfüllt, da unter anderem kein Verständnis für die Lebenswelt der Handlungsträger*innen vermittelt wurde. 28 Blinde Flecken des Globalen Südens wurden identifiziert. In Madagaskar gab es allerdings einige wichtige Ereignisse, über die aus normativer Sicht hätte berichtet werden müssen. Dies bekräftigte auch ein Abgleich mit den Kontextmerkmalen anderer Länder und akzeptablen Bedingungen für Journalist*innen. Der Status Madagaskars als Blinder Fleck ist nicht gerechtfertigt und die kosmopolitischen Ansprüche des Alternativen Auslandsjournalismus wurden in einer postkolonial geprägten deutschen Auslandsberichterstattung nicht erfüllt.

Gruppenmitglieder (v.r.n.l.): Jakob Bork, Charlotte Becker, Jasmin Rhein, Emily Thümmler, Carina Mnich, Corinna Bail, Konrad Lessig, Thomas Haßler, Sabrina Osmann

Projektbetreuende

Erstbetreuerin: Dr. Anne Grüne

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Kai Hafez

„Eine engagierte empirische Arbeit über die massenmediale Fernwelt-Konstruktion, die die Notwendigkeit für eine alternative und zeitgemäße Ethik und Praxis für den deutschen Auslandsjournalismus aufzeigt – anschaulich diskutiert von neun Welt-sensiblen Weiterdenker*innen.“ – Dr. Anne Grüne über das Projekt.